Verletzte Taube - Wie weit würdet ihr gehen?

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    • Verletzte Taube - Wie weit würdet ihr gehen?

      Moin zusammen!

      Ich habe am frühen Abend ein sehr intensives Erlebnis gehabt und würde sehr gerne von euch wissen, welchen Aufwand ihr betrieben hättet.
      Alsooo:
      Ich hatte aus mir unerklärlichen Gründen kurz das Bedürfnis gehabt, nochmal einen Blick in den Garten zu werfen. Das mache ich so in dieser Art normalerweise nie. Dann bemerkte ich eine Art rascheln und sah, wie sich einige Blumen raschelnderweise wild bei der Terasse bewegten. Das zog sofort meine Neugierde an! Dann sah ich eine schwer verletzte Taube um ihr Leben kämpfen. Das erschien mir so surreal, dass ich erstmal tatenlos stehenblieb und nicht wusste, was ich machen sollte. Vor mir lag eine ausgewachsene, sehr schöne Taube, die keinen Ring am Fuss trug. Sie windete sich und versuchte "aufzustehen" und wieder loszufliegen. Ihr Atem raste und ihre Augen waren hell wach. Dann sah ich, warum sie nicht einfach wegfliegen konnte. Sie hatte ein rundes Loch in der Brust, woraus keinerlei Blut floss oder zu sehen war. In diesem Loch befanden sich Körner, die quasi herausquollen und rauskullerten. Das sah für mich wie eine echt super schwere Verletzung aus, dennoch erschien sie mir total wach und kampfesmutig. Da ich selber kein Auto besitze, rief ich sofort ein paar Leute an und bat um Hilfe. Niemand wollte "nur" für eine Taube zur Hilfe eilen. Nachbarn waren noch auf Arbeit. Ich wollte sie nicht aus den Augen lassen und entschied einfach, dass ich mit der Polizeivermittlung telefoniere und hatte die Fantasie, dass sie mir irgendwelche Telefonnummern geben können, die ich anrufen kann. Desweiteren spann ich für mich weiter, dass ich am anderen Ende ein Notdienst des örtlichen Tierheimes hören würde, die vorbei kommen, dem Tier helfen, oder es erlösen können.

      Ich bekam zwei Nummer, mit dem Hinweis, dass ich nochmals anrufen soll, wenn ich nichts erreiche und dass die Polizei dann übernimmt. Bei der Handynummer, die für Notfälle in Bezug auf verletzt aufgefundene Tiere sein sollte, erreichte ich niemanden. Bei der zweiten Nummer erreichte ich eine Tierklinik, die unerreichbar weit weg war vom Ort des Geschehens und man sagte mir, ich müsste das Tier selber vorbeibringen und das bis 20:00 Uhr. Mit dem Bus wäre dies eine halbe Weltreise gewesen und ich wäre wahrscheinlich jetzt noch immer nicht da mit der Taube.

      Ich rief wieder bei der Polizei an und schilderte die neue Sachlage. Der Beamte rief nebenbei auch noch bei ein paar Nummern an und immer hieß es, ich müsse das Tier selber vorbeibringen. Geht einfach nicht, sagte ich. Dann fing die Grundsatzdiskussion an: Das ist nur eine Taube und wir müssen unsere wertvollen Ressourcen dafür opfern? Was ist, wenn wir einen verletzten Menschen in der Zeit hätten und blah und blub...Ich wusste echt nicht, wie mir geschah. Ich sagte, dass ich dafür grundsätzlich Verständnis habe, dass der Aufwand in vielerlei Hinsicht nicht wirklich in Relation mit den Tatsachen steht, aber ich kann das ja nicht ungeschehen machen, was ich nun "angeleiert" habe und irgendwer muss dem Tier doch helfen. Ich sagte auch noch, dass es für das Tier wohl am besten wäre, wenn ich ihm sofort den Hals umgedreht hätte und es damit erlöst hätte. Aber ich kann das einfach nicht.....Nach mehreren Minuten hin und her wurde mir dann versichert, dass eine Streife vorbeikommen würde. Dies würde aber dauern...

      Über eine Stunde hat es gedauert und in dieser Stunde habe ich mit mir selber eine Grundsatzdiskussion in meinem Kopf geführt. Wärenddessen habe ich das arme Tier nicht aus den Augen gelassen. Hätte ich Gott spielen sollen und das Tier erlösen? Tauben scheissen uns die Häuser voll, vermehren sich manchmal wie die Ratten, übertragen Krankeiten etc. Aber es sind doch auch Lebewesen, die sich mit uns Flora und Fauna teilen? Bei Hochzeiten, ganz in edlem weiss, bezahlen wir viel Geld dafür, dass sie aus einer Kiste herausfliegen und ein Staunen bei uns hervorrufen. Als Brieftauben waren sie sehr hilfreich. So manch einem läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn er sie über dem Grill brutzeln sieht. Taubeneier sollen auch mancerh Orts eine Delikatesse sein. Aber diese arme, wirklich sehr schwer verletzte Taube, in meinem Garten, hat es nicht verdient, dass man ihr hilft? Weil sie nicht schmecken würde, weil sie keine Briefe von A nach B gebracht hat, weil ihre Eier nur Ekel hervorgerufen hätte, weil sie dem Nachbarn das wertvolle Auto vollgeschissen hat, weil ihr Federkleid nicht in einem reinen Weiss erstrahlte? Für ein kleines Kätzchen im Baum, wäre sofort die Feuerwehr ausgerückt....Und ein kleines Kätzchen wäre vielleicht sogar kleiner geaesen, als diese ausgewachsene Taube, die echt sehr groß war.

      Ich habe soeben unsere wertvollen Steuergelder für eine Taube verschwendet. Tut es mir Leid? Auf alle Fälle hat der Polizist am anderen Ende der Leitung genau das mir weiss machen wollen.
      Als die beiden Beamten ankamen, rechtfertige ich mich sofort und entschuldigte mich unzählige Male, Ich sagte dann aber auch, dass dem armen Tier aus dem Loch in der Brust die Körner herauskullerten. Der eine Polizist fragte dann, ob diese herauskommen, wenn man sie oben reinstecken würde? Ich schwieg dann und sagte nichts mehr. Als sie das Tier dann erblickten und den erbittlichen Kampf sahen, wurden sie plötzlich doch sehr Ernst. Mir wurde dann doch mehrfach versichert, dass ich mir keinen Kopf machen soll und alles in Ordnung war, was ich getan habe.
      Sie haben das arme Tier dann in einen blauen Müllsack getan und sind dann losgefahren. Die Taube flatterte heftig und wehrte sich natürlich. Ich weiss nicht, was sie jetzt mit der Taube machen. Ich glaube, ich will das auch nicht wirklich wissen....

      Ich habe mich dann noch auf Spurensuche im Garten begeben und überall kleine Federn gesehen. Ich kann echt nicht beurteilen, ob ein anderes Tier das versursacht hat. Es war keinerlei Blut zu sehen und irgendwie habe ich die Vermutung, dass das ein Mensch verursacht haben könnte. Das Loch erschien mir einfach zu komisch, als dass ggf eine Katze zugelangt haben könnte. Diese hätte das sicherlich auch beendet?

      Hier noch ein Foto von der armen Taube

      Dieses Foto habe ich gemacht, damit man mich nicht für gänzlich bekloppt verurteilt, weil ich wegen einer Taube so einen Aufriss gemacht habe :/
      Ich konnte ihr Leiden nicht beenden und sie tat mir unheimlich Leid. Niemand wollte mir bzw der Taube helfen. Ihre Augen waren hellwach, ihr Atmen ging schnell und sie kämpfte um ihr Leben.



      Ich entschuldige mich hiermit für diesen sehr emotionalen Text, aber ich bin noch immer sehr aufgebracht wegen dieser aussergewöhnlichen Situation.



      Ich bin auf euer Feedback gespannt!



      Lieben Gruss

      Eichenblatt :Squirrel:
      Not all those who wander are lost. - J.R.R.T
    • Ich fand mal eine Amsel mit der Kinder gespielt haben, ihr Flügel war verletzt. Ich brachte sie zum Tierarzt und der meinte lohnt nicht, ich wollte das nicht Wahr haben und nahm sie mit nach Hause, fütterte sie mit Insekten/Schnecken, lief alles gut. Dennoch starb sie kurz darauf am Stress. Meine ratte, die ich immer überall mit hinnahm wurde Blind und auf der Hhinteren Körperhälfte Lahm, auch da meinte der Tierarzt, lohnt nicht mehr, ich wollte es wieder nicht Wahr haben und fütterte sie mit Katzenfutter und tränkte sie mit einer Pipette, eines nachts starb sie dann. Dem Zustand des Käfigs nach zu Urteilen, qualvoll. Als mein Schwiegervater an Krebs erkrankte, besuchte ich ihn ein einziges mal noch im Krankenhaus weil ich es nicht ertragen konnte mich mit dem Tod zu befassen und jemanden den ich respektierte dahin schwinden zu sehen, ich redete mir das es aus Respekt war, war es aber nicht. Zuletzt, fand ich eine Streunerkatze vor meiner neuen Wohnung direkt nach der Trennung von meiner Partnerin, er wollte nicht mit hoch aber kam immer wenn ich draußen war. Dann kam der Winter, ein paar Nächte verbrachte ich mit dem Kater vor meinem Hauseingang damit er nicht friert oder verscheucht wurde, irgendwann wurde ich in meiner Wohnung wach weil er vor meiner Haustür im ersten Stock miaute. Seid dem kam er immer Nachts mit hoch schlief, fraß, spielte und machte Katzen dinge, morgens lies ich ihn raus. Das ging bis vor ein paar Wochen so, er wurde sowas wie ein Freund da ich meine probleme mit Menschen habe :D. Vor ein paar Wochen, wollte er nicht mehr raus, fraß sein Einstreu und lag mit hitze nur im Badezimmer und fraß nur Majonaise und Ei, am letzten Tag sprang er mir auf die Sessellehne wie sonst immer und ließ sich streicheln heiß, feucht, abgemagert...Tierarzt sagte lohnt nicht, Leukose. Dieses mal habe ich das richtige gemacht und war nicht egoistisch,(Wurde eingeschläfert) ich habe seine Überreste am selben Abend noch 20 oder 30km entfernt in den Wald geschleppt und vergraben.

      Die Moral von der Geschichte, manchmal Tarnt sich Angst, Ekel und Egoismus als Mitleid und Feingefühl....

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kraai ()

    • Emil_Strauss schrieb:

      Auch in der Gefahr mich unbeliebt zu machen, hätte ich in so einem Fall nicht gezögert und den Spaten geholt.
      Sicher macht man einen Unterschied zwischen Haustier, Nutztier und Wildtier. Und da dann auch innerhalb der Gruppen. Ist auch eine "Sympathiefrage".
      Und bei so einer Verletzung?
      Wenn sie schon weggetreten wäre, nicht mehr sehr lebendig gewirkt hätte, dann hätte ich vielleicht auch an den Spaten gedacht. Die Taube war aber trotz dieser schweren Verletzung voll da und genau das hat mir so eine Angst gemacht, ihr Leiden zu beenden. Ich bin in der Stadt grossgeworden, habe noch nie live gesehen, wie ein Tier geschlachtet wird. Ich kaufe mir mein Fleisch beim Schlachter und/oder aus der Theke beim Supermarkt. Ich schlafe als Frau alleine am Strand und habe da vor so gut wie nix Angst, aber diesem Tier das Leid beenden, konnte ich nicht.

      @Kraai: Mir war bei dieser Verletzung schon klar, dass das nichts mehr wird. Ich konnte das aus Angst einfach nur nicht beenden.
      Not all those who wander are lost. - J.R.R.T
    • Hallo @Eichenblatt,
      Dein Verhalten und deine Gefühle sind mMn vollkommen in Ordnung. Der Kropf der Taube war anscheinend gerissen. Ob eine Operation sinnvoll wäre, vermag ich nicht zu entscheiden. Das ist Veterinärsarbeit. Die Kosten hierfür sind ja eigentlich unwichtig, wenn es darum ginge ein Leben zu retten.
      Den Vorwurf der Wilderei (wird immer gerne angebracht, wenn jemand Wild zum Tierarzt fährt) lassen wir einfach mal weg, trifft ja auch nicht zu.
      Ob die Taube vielleicht sogar beschossen wurde, ist nicht auszuschließen. Kann aber auch durch einen Aufprall gegen eine Scheibe passiert sein.

      Ich hätte die Taube von ihrem Leid erlöst.
      Hier gilt das Tierwohl vor dem Jagdrecht
      Wie Irrlicht im Moor, flackert's empor, lösch aus, trink aus, genieße leise auf echte Friesenweise, den Friesen zur Ehr vom Friesengeist mehr.
    • bei diesem Thema darf ich nicht viel schreibennnn.... hab schon wieder die Tränen in den Augen ;( ;( ;(

      Bei jeglichem Jagt- Nutzvieh ... bin ich recht entspannt... aber Hund, Katze , Maus.... ;(

      Bin ja Katzen-Personal.... und kann mir kein Leben ohne Katzen vorstellen!
      Alles Liebe aus Aachen, Walter ;)
      Meine Fotoalben

      Wer radelt da draußen, bei Regen und Wind? Es ist der Walter, er radelt geschwind :D
    • "First Blood" - würde ich sagen, ich habe mit 10 oder 11 Jahren eine verletzte/kranke/evtl. vergiftete Ratte oder Maus erschlagen (müssen).
      - verhaltensauffällig, also tagsüber herum torkelnd
      Ich habe nur einen winzigen Augenblick gezögert, da ich die Situation nicht kannte.
      Seit frühester Kindheit befasse ich mit Biologie - die Ethik nicht ausgeklammert.

      Menschen sind unterschiedlich, der Tod von Mensch und Tier (besonders Wirbeltieren) ist etwas Spezielles und wie ich finde, führt es einem jedes Mal auch die eigene Sterblichkeit vor Augen.

      Beim nächsten Mal würdest Du vermutlich anders handeln.

      Nimm' dem Polizisten das nicht krumm, dass er das gesagt hat - die kriegen genug Fett weg.
      Vermutlich müssen die nun checken, ob das in der Gegend schon häufiger vorgekommen ist. Es kann ein Unfall mit einem Auto gewesen sein oder eben auch ein Tierquäler mit einem Luftgewehr.

      Ich würde das an Deiner Stelle erst mal ruhen lassen, es bei Dir sacken lassen. Vorwürfe musst Du Dir nicht machen, ok?

      Gruss,
      Silas
      Semper fidelis

      dgmea.de

      mueckenatlas.de
    • Wurzelgnom schrieb:

      Hallo @Eichenblatt,
      Dein Verhalten und deine Gefühle sind mMn vollkommen in Ordnung. Der Kropf der Taube war anscheinend gerissen. Ob eine Operation sinnvoll wäre, vermag ich nicht zu entscheiden. Das ist Veterinärsarbeit. Die Kosten hierfür sind ja eigentlich unwichtig, wenn es darum ginge ein Leben zu retten.
      Den Vorwurf der Wilderei (wird immer gerne angebracht, wenn jemand Wild zum Tierarzt fährt) lassen wir einfach mal weg, trifft ja auch nicht zu.
      Ob die Taube vielleicht sogar beschossen wurde, ist nicht auszuschließen. Kann aber auch durch einen Aufprall gegen eine Scheibe passiert sein.

      Ich hätte die Taube von ihrem Leid erlöst.
      Hier gilt das Tierwohl vor dem Jagdrecht
      Da war so viel Futtergedöhns zu sehen in diesem Loch...Kann es auch einfach sein, dass die Taube sich überfressen hat und quasi eine Bewegung zu viel das Aufreissen verursacht hat?
      Ach Murks....das hat mich emotional total überfordert. Mein Tag war sehr lang, um 4:15 klingelte der Wecker, was er auch nacher wieder macht, wenn wieder die Arbeit ruft.
      Das klingt sehr nach Ausreden bzw Erklrärungsversuchen, aber ich habe nunmal so gehandelt, wie ich gehandelt habe und kann nichts davon ungeschehen machen. Ich muss da jetzt mal ein paar Stunden drüber schlafen und werde meinen Garten erstmal ein paar Tage meiden....

      @Kraai Hab ich auch nicht als Vorwurf aufgefasst :)
      Not all those who wander are lost. - J.R.R.T
    • Eichenblatt schrieb:

      Ich entschuldige mich hiermit für diesen sehr emotionalen Text, aber ich bin noch immer sehr aufgebracht wegen dieser aussergewöhnlichen Situation.
      Du musst Dich nicht für Deinen emotionalen Text entschuldigen. Und ich kann das gut nachvollziehen, dass Dich das sehr berührt und aufgewühlt hat.

      Auch wenn smeagolvomloh Recht hat, wenn er schreibt,

      smeagolvomloh schrieb:

      Das Tier hätte sofort erlöst werden müssen!
      danke ich Dir trotzdem dafür @Eichenblatt , dass Du versucht hast, der Taube das Leben zu retten. :danke:
    • Alles absolut in Ordnung @Eichenblatt.
      Kein Grund sich zu rechtfertigen oder gar entschuldigen. Das eigenständige Töten eines Tieres ist für viele Menschen unvorstellbar. Rationales denken ist in der Situation auch nicht unbedingt jedermanns Sache. Du hast gehandelt und -wenn auch auf Umwegen- dem Lebewesen geholfen.

      Ich bin kein Veterinär, aber vom Kropfplatzen durch überfressen habe ich noch nie gehört. Der Kropf ist Teil des Verdauungstrakts und sehr flexibel. Ich hab da schon mehrere Eicheln aus dem Taubenkropf geholt... das "warum" ist eigentlich auch nicht so wichtig. Vielmehr deine Einstellung zu helfen und nicht weg zu schauen.
      Wie Irrlicht im Moor, flackert's empor, lösch aus, trink aus, genieße leise auf echte Friesenweise, den Friesen zur Ehr vom Friesengeist mehr.
    • erinnert mich an eine Geschichte aus frueher Jugend, Singvogel wurde Opfer einer Fensterscheibe und lag im Sterben, Freunde und ich diskutierten, OB man ihn erloest und als das entschieden war, wer das tut. Als das entschieden war, hatte sich das schon erledigt. Patient tot^^ Heutzutage wuerde ich da nicht lang fackeln, unoetiges Leiden auf seiner Seite, first world problem auf meiner. Rechtliche Lage? lol
    • Deine Reaktion finde ich völlig verständlich und zeigt im gleichen Moment, wie widersprüchlich unser Verhältnis zur Natur ist. Ein zerstörter Kropf ist im Konkurrenzkampf unbedingt ein Todesurteil. Tierärzte sind in der Natur nicht vorgesehen. Als Menschen denken wir an Hilfe, Pflege oder an das "Erlösen" aus Leidsituationen (was meine Option gewesen wäre). Die Natur kennt kein Mitleid. Sind wir Teil der Natur? Und wollen wir es z.B. in solchen Situationen überhaupt sein? Und wie sieht es mit der "Wertigkeit" von Tieren aus: Beim verunfallten Reh ruft man den Jagdpächter, bei der Taube nicht. Beides offiziell jagdbares Wild. Und keiner kann wirklich erklären, warum wir so handeln.
      Solch eine Situation erfordert eine in jedem Fall unangenehme Entscheidung. Durch den Anruf der Polizei hast du, durchaus verständlich, die Entscheidungsfrage weitergegeben. Ich kann dir ziemlich sicher sagen, was die Polizisten gemacht haben.
      Danke für das wertvolle Thema!
      Glück ist Bedürfnislosigkeit.
    • @Eichenblatt Ich kann Deine Gefühle gut nachvollziehen. Von Kindheit an beschäftige ich mich mit dem Tod und dem Töten. Einer der Gründe, weshalb ich kein Fleisch esse, ist, dass ich es nicht hinkriege, Tiere zu schlachten.

      Ich habe einen kleinen Teich mit Goldfischen, und ab und an kriegt halt einer mal eine Schwimmblasenentzündung. Der legt sich noch drei Tage ins Flachwasserr, um dann auf dem Grund zu ertrinken. Am nächsten Tag schwimmt der Kadaver oben...

      Ich bringe es nicht übers Herz, den noch lebenden Fisch herauszufischen und mit einem kräftigen Schlag zu töten. Das ist ein bißchen wie Gott spielen und über Leben und Tod eines anderen Wesens zu entscheiden. Aber ein krankes Tier, dem nicht mehr geholfen werden kann, zu töten hat auch damit zu tun, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Ich muß leider gestehen, dass ich da jedes Mal mit mir kämpfe - nur um es am Ende der Natur zu überlassen...

      Glücklicherweise hatte ich das Problem schon länger nicht - aber es ändert nichts daran, dass früher oder später wieder eine solche Entscheidung ansteht...

      Das Baumkind
      Das nächste Mal wird's noch besser.
      Nicht lamentieren, sondern fakturieren.
    • Hatte ich schon so eine Situation. Spaten und gut.
      Hat auch nichts mit "Gott spielen" zu tun.
      Jemandem (auch einem Tier) helfen ist genauso wenig "Gott spielen" (Nach dem Motto: "Derjenige ist ja auch ohne Hilfe in die Situation gekommen, es doch doch nicht die Aufgabe des Menschen, zu verändern was GOTT so gemacht hat!") wie jemanden (ein Tier) von Qualen zu erlösen, die sowieso mit dem Tod enden. Daneben stehen und das Tier noch verängstigen ist sicher in keiner Form besser. Im Übrigen hat die Fensterscheibe ja auch nicht GOTT da in den Weg geworfen, die hat ein Mensch da hingebaut.

      Ich kann es menschlich verstehen dass jemand das nicht kann. Aber es ist die moralisch korrekte Lösung so ein Tier direkt zu erlösen wenn klar ist dass es nicht wieder wird. Ehrlich gesagt meiner Meinung nach auch bei Menschen aber den Luxus haben wir nicht.