Weidenschnur

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    • Weidenschnur


      Die Weide hat nebst einigen anderen nutzen, die schöne und hilfreiche Eigenschaft zur Herstellung von Schnur geeigneten Bast zu bilden. Und genau das ist wie der Titel sagt hier Thema ;) Vom finden und bestimmen geeigneter Bäume, der Ernte selbst über die Weiterverarbeitung der Rohmasse bis zur fertigen Schnurr sozusagen. Glücklicherweise ist die Schnurherstellung nicht nur ein Basisskill sondern auch ebenso einfach wie das Erkennen der Weide selbst weshalb dies für jeder Mann/Frau leicht zugänglich sein sollte.

      Da ich kein Botaniker oder so bin und mir das selbst nur angelesen habe, hier mal ein Wiki Link zu Weiden zum Zwecke der Bestimmung und Auffindung für alle die evtl. nicht genau Wissen wie eine Weide aussehen mag. WEIDEN


      Geeignetes Material:
      Es sollten grüne Äste sein die mindestens gute Unterarm dicke haben (6-8cm), geschnitten werden wenn die Weide gut im Saft steht, also Frühjahr in etwa. Weiterhin bietet es sich an einen am besten Zweig armen Ast zu entnehmen weil man dadurch längere durchgehende Bastfasern am Ende erhält was die Weiterverarbeitung ein klein wenig erleichtert.

      Benötigtes Werkzeug/Material:
      • Messer
      • Säge
      • Kochtopf
      • Kohle/Asche
      • Wasser
      Ernte und Verarbeitung:

      Nachdem man einen geeigneten Ast gefunden und abgelängt hat schneidet man diesen der Länge nach durchgehend ein und löst die Rinde vom Holz. Wahlweise mit einem geschnitzten Spatel oder den Fingern. Sollte da etwas einreißen ist das nicht tragisch.



      Die Rinde der Weide lösst sich zum genannten Zeitpunk recht leicht und ist in einem Stück vom zu Ast lösen sodass man eine Rindenrolle bekommt. In meinem Falle riss das ganze aufgrund eines Astknotens ein was aber wie erwähnt weniger tragisch für den weiteren verlauf ist da mann das ganze im Anschluss in Streifen schneiden muss.


      Nun geht es daran die äußere Schutzrinde von dem zu lösen was wir haben wollen, den Bast. Einige machen das vorher in dem sie mit dem Messerrücken das Zeug runter schaben ich als Freund ausgiebigen Messergebrauchs fand es besser dies nach dem auftrennen zu lösen. Am besten hat sich variante 2. gemacht, wenn man den richtigen Winkel hat muss man die Rinde nur nach hinten ziehen und das Messer dabei in Position halten. Kann allerdings sein das man Rückstände noch einmal lösen muss.

      Variante 1. (Scrapping) Variante 2. (Cutting)



      Wenn das dann ebenfalls getan ist erhält man ein paar am besten zu Pastanestern zusammengelegten Rohbast Riemen. Die man nur noch in einem Wasser/Kohle/Asche Gemisch aufkochen muss. Man laugt das ganze quasi für ein paar Stunden (Hab da noch nichts gefunden warum und weshalb also wird zugefügt wenn es einer weiß)



      Ist das dann ebenfalls geschafft, wäscht man die Asche und Kohlereste unter Wasser ab und trocknet das ganze in der Sonne oder an der Luft etc pp.
      Dann nähern wir uns auch schon den entspannenden Teil der Veranstaltung. Die nun rötlichenund trockenen Streifen werden nochmals kleiner gemacht, hierzu kann man einfach seine Finger verwenden oder wer es akkurat haben möchte auch sein Messer nehmen. Im Anschluß daran werden die dünnen Faserstreifen nun noch einmal gewässert und verdrillt.


      Das drillen per Foto darzustellen ist etwas schwierig weshalb ich mal ein kleines Bild gemacht habe was mit der Erklärung dazu hoffentlich Einleuchtend ist :D



      Zuerst nimmt man sich einen gewässerten Streifen und verdreht den solange zwischen beiden Händen bis sich eine Schlaufe am Ende gebildet hat, der sogenannte Spleiß. Das ist unser Anfang! Es macht sich besser für das weiter einbringe neuer Stränge wenn ein Ende kürzer als das andere ist um die Schwachstellen der Schnur verteilt zu haben und nich dicht beieinander.
      Dann nimmt man das von einem abgewandte Ende und dreht 2x in eine Richtung (Uhrzeigersinn macht da Sinn) und legt es danach unter das andere Ende. Da man nun das andere Ende an der abgewandten Position hat wiederholt man das ganze solange bis das kürzere Ende ca 5-6 cm noch hat. Die Enden verkeilen sich Quasi da sie in entgegengesetzte Richtungen aufwickeln wollen, das sorgt dafür das alles so bleibt wie es ist.
      Um weiteres Material anzubringen nimmt man den neuen Strang und leg ihn mit etwas Überstand auf das gewünschte Ende und verdreht nun beide enden und macht weiter wie gehabt. Die heraus stehenden Fasern kann man falls gewünscht abschneiden oder abflämmen. Letzteres erfordert mut :D
      Wenn man die gewünschte Länge, Ende des Materials oder die Grenze der Motivation erreicht hat einen einfachen Knoten anbringen. Belässt man die Enden hinterm Knoten etwas länger ist es möglich dort anzuknüpfen (Pun intendet :D)
      Die Schnur kann man ebenfalls so verarbeiten als wäre es ein unbearbeiter Streifen und kann die Haltekraft/Stärke damit noch erhöhen, je nach Länge und Laune so dick man es wünscht. Allerdings würde ich trotz hoher Belastbarkeit mein Leben nicht an ein selbsgeknüftes Seil hängen und Rate dazu auch niemanden !!!!




      Die Technik ist Grundsätzlich immer die selbe weshalb man sie auf so gut wie alles an Naturmaterial anwenden kann wo man einen Knoten rein hauen kann. ich habe das schon mit Linden-bast, Brenneseln und sogar Gras gemacht.

      Das Endergebnis sollte dann in etwa so aussehen....

      Viel Spaß beim probieren und Zwirbeln.
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      Mein Blog nech Waldkrähe.blog

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Dachs ()

    • Hallo @Kraai
      Du hast den kompletten Ablauf sehr gut nachvollziehbar beschrieben und mit den Bildern verdeutlicht

      Dafür von mir ein: :danke:

      Schönes Wochenende und Gut Pfad, Micha
      Für mich ein echter Held:
      Lord Robert Stephenson Smyth Baden-Powell of Gilwell
      Kurz Bi-Pi genannt.
      Der Gründer der Weltpfadfinder Bewegung
      scout-o-wiki.de/index.php?title=Datei:Baden-powell1.jpg
    • Die Anleitung an sich ist ja hervorragend, allerdings fehlt mir da etwas Zorn und Aufsässigkeit ;) :D

      Nee, im Ernst - richtig klasse gemacht :thumbsup:
      Und vielen Dank für 's Zeigen :thumbup:
    • Und hier mal Weidenbast als Bindmaterial im "Survivalfall"

      Es sind aus irgendeinem Grund die Kabelbinder, die den Kabelzug für mein Schaltwerk am Rahmen festmachen gerissen und der Kabelzug flatterte jetzt durch die Gegend und ich kam immer mit dem Fuß dran. Nicht optimal wenn man noch knapp 60 km rumfahren will. Ich hatte auch dumemrweise nix zum Binden dabei.
      Was aber in der Nähe rumstand waren Weiden. Mit schönen Kerzengeraden Schößlingen. Also wurdne schnell ein paar Baststreifen zurechtgemacht und der Kabelzug verbunden.
      Schön festgezogen und es hielt für die ganze Fahrt und hat auch ohne Probleme noch zwei recht verrückte Downhillabfahren überstanden. Durch das trocknen zog sich der Bast sogar noch etwas fester zu.

      Das ist eine Story wie sie nur das Leben schreiben kann :love:



      Ich bin jetzt fast versucht, die Improvisation da dran zu lassen um zu sehen wie lange sie hält :D
      Niemand