Der Wald - kein Ort für Menschen?

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    • Der Wald - kein Ort für Menschen?

      Ganz schön provokativ so einen Thread in einem Forum der Waldläufer zu erstellen. Aber ein bischen Spaß muss sein. :D

      Heute bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem postuliert wird, dass die Ausbreitung nach Norden an der Levanteküste ins Stocken kam, da sie von dichten Urwäldern blockiert wurden.
      Offenbar waren die Menschen an ein Leben und Großwildjagd in der Steppe angepasst und mieden dichte Waldflächen.

      archaeologie-online.de/magazin…vr.it&utm_medium=facebook

      Hier meine ich ein Muster zu erkennen, welches immer wieder auftritt. Menschen meiden die Wälder wenn sie können und bevorzugen offenes Land, oder machen sich ihre Savanne einfach selber (Kultursteppe)
      Der Mensch trägt seine genetische Prädisposition als Primat der ostafrikanischen Grasländer offenbar immer noch in sich.

      Weitere Beispiele wären, die sehr späte und lückenhafte Besiedlung des zentralafrikanischen Regenwaldes, von Randzonen abgesehen. Obwohl Hominiden bereits seit über 2,5 millionen Jahren auf dem afrikanischen Kontinent vorkommen haben sie sich erst vor etwa 4000 Jahren ins innere der Regenwälder vorgewagt. Zugegeben, ist der Forschungsstand bis jetzt extrem dünn. Aber es deutet vieles daraufhin dass speziell in der holozänen Wiederbewaldung, die Menschen aus dme Kongobecken wichen.
      ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2311427/

      ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3720025/


      Ähnliches für das Zentraleuropäische Mesolithikum.
      Die Eiszeitlichen Menschen waren Jäger der offenen Mammutsteppen, mit großen Aktivitätsradien und einer vergleichweise hohen Bevölkerungsdichte.
      Durch die holozäne Wiederbewaldung wanderten die Großherden ab und die Menschen mussten auf Waldstandwild ausweichen. Allgemein etablierte sich eine größere Ortsgebundenheit und die Lebensräume wurden an Flüsse, Seen und Meeresküsten verlegt.

      Auch die fast schon rasend schnelle Ausbreitung der "neolithischen Revolution", diesem Paket aus Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Ziehzucht, welches von frühen Ackerbauern aus Vorderasien nach Zentraleuropa gebracht wurde ist zumindest ein Indiz dafür, dass die lokale mesoltihische Bevölkerung die Landwirtschaft dankend annahm, und ihre bisherige Lebensweise von großem Mangen gekennzeichnet war.

      de.wikipedia.org/wiki/Neolithische_Revolution

      Kommen wir zum eigentlich Wald. Natürlich ist Wald nicht gleich Wald und verschiedene Waldökosysteme bieten verschiedene Möglichkeiten zum Überleben für Menschen. Während die Regenwälder Zentralafrikas und Papuas sehr arm zu sein scheinen, konnten sich Waldvölker in Südamerika und Südostasien etablieren.
      Hier weiß ich aber nicht genau inwiefern diese Völker nicht auch zum großteil vom Gartenbau abhängig sind und die Waldjagd und Sammelei nur ein Zubrot sind.

      Für Mitteleuropa sieht die Lage jedenfalls nicht so rosig aus. hypothetisch hier vorherrschende Waldart wären Bodensaue Buchenwälder, allen voran der Hainsimsen- Buchenwald im Norden abgelöst durch den Drahtschmielen- Buchenwald. Diese Wälder so die Klimax einmal eingesetzt ist sind ausgesprochene Schattwälder mit sehr kleiner oder keiner Strauchschicht und nur sehr marginaler Krautschicht deren Artenspektrum nur sehr klein ist. (Weniger als 20 Arten)
      Allzu tief kann man sich gar nicht in die Uwälder hereinwagen, da es dort kaum etwas zu holen gibt.
      Die meisten unserer essbaren Wildpflanzen kommen doch eher nur auf Lichtungen, Waldrändern und günstigeren Lebensräumen wie Auen oder Brüchen vor.
      Auch die großen Pflanzenfresser werden sich eher in Gebieten aufgehalten haben wo sie überhaupt ein Auskommen fanden.

      Wobei die Megaherbivorenhypothese da überhaupt erst noch zu erörten wäre .

      Im tiefen Wald war wohl nur, wenn überhaupt saisonal etwas zu holen. (Eichel und Bucheckermast)
      Sind die Wälder also eigentlich eher ungünstige Plätze in die sich nur die zurückziehen, die in anderen Lebensräumen versagt haben? :D

      Freilich ist dies alles nur sehr spekulativ und rein theoretisch aber solche Gedankenspiele sind auch wichtig zur Selbsterkentniss als auch über mehr über den Wald der uns ja allen am Herzen liegt und die enge Beziehung mit dem Menschen.

      Was meint ihr?
      Vielleicht wird das ja auch eine schöne Diskussion.
      Niemand
    • Desertstorm, wie soll sich denn hier ein Gespräch entwickeln, wenn Du gleich im Eingangspost dermaßen die Infokeule schwingst? ;)
      Ich kann das gut nachvollziehen. Im Wald, da sind die Räuber. Die Köhler, die Hexen, die Ausgestoßenen. Wenn sich die Menschen im Wald wirklich breit gemacht haben, dann war der Wald auch bald weg.
      Robin Hood und andere, die sich in den Wald zurückziehen mussten haben nicht autark aus dem Wald leben können, sondern mussten sich durch Wegelagerei etwas dazuverdienen.
      Jeder hat das Recht zu schweigen! Auch, wenn er nichts gefragt wurde!
      Schwede: "Wie man in ein Forum hinein ruft, so schallt es hinaus!"
    • Ist heute genau so
      Die meisten haben noch Respekt und teilweise Angst im und vor dem Wald.
      Tagsüber spazieren sie im Wald auf Wanderwege herum und sobald es dunkel wird verlassen Sie Fluchtartig den Wald.
      Das sind halt noch die alten Geschichten.
      Spessart, die Harzsagen, Waldgeistergeschichten, Rübezahl usw.
      Das sitzt noch bei vielen drin.

      Ich möchte nicht wissen wieviel hier den großen Waldschläfer mimen und in Wirklichkeit noch nie Alleine im Wald geschlafen haben. ;)

      Aber wieder ein schönes Winterthema. ;)
      Gruß
      Andy
      :hut:
      Alles was Du über mich hörst, kann genau so falsch sein, wie die Person,
      die es Dir erzählt hat. ;)
      Und Jage nicht was du nicht töten kannst! :hut:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von trapperandy ()

    • Na , wenn die Archaeologie mal 3 Millionen alte Siegerländer Funde ausgräbt , wird sich das Historische Bild entsprechend ändern.
      Wir haben hier nur Wald und keine Steppen , wie im Rest der Welt. :D
      Also mussten die ersten Siegerländer , so kurz nach Adam und Eva , so vor 4 Millionen Jahren schon an Wald gewöhnt sein.
      Dafür spricht auch unser Haubergs-Wesen , eine Waldnutzungs-Gesetzgebung der ersten Siegerländer Fürsten , so etwa kurz nach Ötzi. 8o
    • Cooler Faden,

      es ist ein stets Spiel von Licht und Schatten, besonders bei Vollmond. Je finsterer die Nacht (Neumond), desto schärfer unseren anderen Sinne. Und die Fantasie erst 8o
      Besonders die Nase - jedenfalls bei mir ist das so. Kehre ich zurück und bin unter ...Menschen, fühle ich mich z.B. von Parfumwolken erdrückt. Kurz danach gibt sich das. :P

      Was ich uncool finde, an eher unbekannten Orten im Wald zu pennen. Dann wird man von 'nem Pilzsammler geweckt, einer KiTa-Rasselbande oder man stellt fest, dass man einen Hochsitz übersehen hat. :S :shock:

      Aus diesem Grund spreche ich gelegentlich Foristen an, eventuell verrät mir einer eine gute Stelle.

      Naja, bestimmte Urinstinkte des Menschen sind sinnvoll - dazu gehören definitiv Urängste, Aggressivität oder Flucht bei Gefahr, usw. Der 6. oder 7. Sinn, hmm?

      Vielleicht Subroutinen unseres Hauptprozessors in denen vielerlei Kram verborgen und kodiert/programmiert vorliegt?

      Gruss,
      Silas
      Semper fidelis

      dgmea.de

      mueckenatlas.de
    • Wir sollten auch nicht vergessen, daß das, was wir hier in Deutschland als Wald bezeichnen, mit einem echten Naturwald sehr wenig zu tun hat. Da ist nix mit preußisch exaktem in-Reih-und-Glied-Stehen der Bäume und dem nächsten Dorf in Rufweite. Da liegen abgestorbene Bäume kreuz und quer. Keine Wanderwege, keine Rückegassen, sondern undurchdringliches Gestrüpp. Wandern macht in so einem Gelände wirklich keine Freude.
    • @Mittagsfrost
      Auch in Deutschland gibt es solche Wälder, aber die stehen unter Schutz.
      Da ist nichts mit Betreten.

      In Polen hab ich so ein Wäldchen gefunden nicht all zu groß aber es wird durch eine Geschichte gemieden.
      So zu Sagen geschützt.
      Da stehen Eichel und Buchen die schon etliche Jahre auf den Puckel haben.
      Der Wald ist UNHEIMLICH SCHÖN UNHEIMLICH da ist es auch teilweise Tagsüber dunkel durch das Blätterdach. Einer meiner Lieblingsorte.
      Und dort finde ich auch teilweise meine Geweihe.
      Gruß
      Andy
      :hut:
      Alles was Du über mich hörst, kann genau so falsch sein, wie die Person,
      die es Dir erzählt hat. ;)
      Und Jage nicht was du nicht töten kannst! :hut:
    • Ich bin doch im Laufe meiner Evolution nicht als Äffchen vom Baum gestiegen, um auf solche jetzt zurückzukehren!
      Würden wir noch auf Bäumen leben, hätten wir nicht die Fähigkeit des aufrechten Ganges und der Daumengegenüberstellung erlangt...
      Als theoretisches Beutetier und Augentierchen, fühle ich mich auch im offenen Land wohler. Das seh ich meinen Feind. Am besten in den Bergen, Rücken gedeckt und Fluchtmöglichkeit nach oben.
    • Bushdoctor schrieb:

      Die Wissenschaft scheint es zu belegen, ich meine allerdings, das einige der ehemals bewohnten Höhlen auf der Alb in Waldgebieten glegen habe. Muss das mal kurz prüfen.

      MfG Bushdoc

      Wenn du die berühmten Höhlen wie die Vogelherdhöhle oder Hohlenstein-Stadel meinst, mit den bekannten Figurinen, wie dem Löwenmann.
      Die Fundhorizonte stammen fast auschließlich aus dem Aurignacien bis zum Magdalénien. Dies waren ausgesprochene Eiszeitklimata mit einer offenen Mammutsteppe, was auch die Faunenreste zeigen.
      Interessanterweise gibt es keinen mesolithischen Funhorizont.
      Bei der mesolithischen Wiederbewaldung spielte die Höhle zumindest als Wohnstatt keine Rolle mehr, was nicht heißen muss dass die Menschen abgewandert sind, aber zumindest ein Indiz für einen Bevölkerungsrückgang während des Mesolithikums zumindest in der Region der Alb.

      Albbaer schrieb:

      Wenn ich das richtig weiss.....lebten spätestens die germanischen Stämme recht gern im Wald. Aber das kann natürlich wieder ein Vorurteil sein :D

      Die Germanen waren wie alle anderen Volksstämme der Eisenzeit Europas, Ackerbauern und Viehzüchter. Sie lebten nicht im Wald sondern auf gerodeten Freiflächen, sogenannten Siedlungsinseln umgeben von großen Waldflächen.
      Freilich wurde der Wald vielfältig genutzt, letzlich auch für kultische Zwecke, doch der Lebensmittelpunkt, war das Dorf und die Hauptkalorienmenge wurde durhc Getreide geliefert.

      Mittagsfrost schrieb:

      Wir sollten auch nicht vergessen, daß das, was wir hier in Deutschland als Wald bezeichnen, mit einem echten Naturwald sehr wenig zu tun hat. Da ist nix mit preußisch exaktem in-Reih-und-Glied-Stehen der Bäume und dem nächsten Dorf in Rufweite. Da liegen abgestorbene Bäume kreuz und quer. Keine Wanderwege, keine Rückegassen, sondern undurchdringliches Gestrüpp. Wandern macht in so einem Gelände wirklich keine Freude.

      Das ist auch nicht ganz richtig. Urwald ist nicht gleich Urwald.
      Unter den entsprechenden Bedingungen bildet sich auch ein sehr Dickichtreicher Wald, doch es gibt auch sehr leicht zu durchquerende Waldformen.
      Bodensauerer Buchenwald hat sehr wenig bis keine Krautschicht und lässt sich recht einfach durchwandern.

      Ich hab das Glück gehabt in den Karpaten einige Urwälder, ganz unterschiedlicher Typen kennenzulernen.

      Hier ein bodensaurer Buchenurwald auf Nordhanglage auf ca. 1200 m:







      Wie man sieht. Sehr wenig Unterwuchs.


      Wo es wirklich haarig wird, ist wo der Wald durchbrochen wird, wie etwa an Bachläufen oder Steilhängen:



      Niemand
    • Ich bin da ja kein Experte , denke aber das die Wälder gerade in Wildreichen Gegenden nicht undurchdringlich waren.
      Die Jäger werden wohl den Wildwechseln gefolgt sein. Die Frage ist doch auch , warum die Menschen ( Homo Sapiens Sapiens und Homo Sapiens Neanderthalensis ) eher in Steppen und Savannen gelebt haben. Ich denke das liegt zum grossen Teil an dem Wild , welches diese Gebiete bewohnt hat und gut zu jagen war.
      Gruß ,Christian
    • Oh, Mann!

      Karpaten - bin ein wenig durch Ungarn getrabt und durch Tschechien. Richtig weit ab vom Schuss...Karpaten, nicht geschafft.
      Studium, Beruf, Familie...

      Desertstorm schrieb:

      Bushdoctor schrieb:

      Die Wissenschaft scheint es zu belegen, ich meine allerdings, das einige der ehemals bewohnten Höhlen auf der Alb in Waldgebieten glegen habe. Muss das mal kurz prüfen.

      MfG Bushdoc
      Wenn du die berühmten Höhlen wie die Vogelherdhöhle oder Hohlenstein-Stadel meinst, mit den bekannten Figurinen, wie dem Löwenmann.
      Die Fundhorizonte stammen fast auschließlich aus dem Aurignacien bis zum Magdalénien. Dies waren ausgesprochene Eiszeitklimata mit einer offenen Mammutsteppe, was auch die Faunenreste zeigen.
      Interessanterweise gibt es keinen mesolithischen Funhorizont.
      Bei der mesolithischen Wiederbewaldung spielte die Höhle zumindest als Wohnstatt keine Rolle mehr, was nicht heißen muss dass die Menschen abgewandert sind, aber zumindest ein Indiz für einen Bevölkerungsrückgang während des Mesolithikums zumindest in der Region der Alb.

      Albbaer schrieb:

      Wenn ich das richtig weiss.....lebten spätestens die germanischen Stämme recht gern im Wald. Aber das kann natürlich wieder ein Vorurteil sein :D
      Die Germanen waren wie alle anderen Volksstämme der Eisenzeit Europas, Ackerbauern und Viehzüchter. Sie lebten nicht im Wald sondern auf gerodeten Freiflächen, sogenannten Siedlungsinseln umgeben von großen Waldflächen.
      Freilich wurde der Wald vielfältig genutzt, letzlich auch für kultische Zwecke, doch der Lebensmittelpunkt, war das Dorf und die Hauptkalorienmenge wurde durhc Getreide geliefert.

      Mittagsfrost schrieb:

      Wir sollten auch nicht vergessen, daß das, was wir hier in Deutschland als Wald bezeichnen, mit einem echten Naturwald sehr wenig zu tun hat. Da ist nix mit preußisch exaktem in-Reih-und-Glied-Stehen der Bäume und dem nächsten Dorf in Rufweite. Da liegen abgestorbene Bäume kreuz und quer. Keine Wanderwege, keine Rückegassen, sondern undurchdringliches Gestrüpp. Wandern macht in so einem Gelände wirklich keine Freude.
      Das ist auch nicht ganz richtig. Urwald ist nicht gleich Urwald.
      Unter den entsprechenden Bedingungen bildet sich auch ein sehr Dickichtreicher Wald, doch es gibt auch sehr leicht zu durchquerende Waldformen.
      Bodensauerer Buchenwald hat sehr wenig bis keine Krautschicht und lässt sich recht einfach durchwandern.

      Ich hab das Glück gehabt in den Karpaten einige Urwälder, ganz unterschiedlicher Typen kennenzulernen.

      Hier ein bodensaurer Buchenurwald auf Nordhanglage auf ca. 1200 m:







      Wie man sieht. Sehr wenig Unterwuchs.


      Wo es wirklich haarig wird, ist wo der Wald durchbrochen wird, wie etwa an Bachläufen oder Steilhängen:




      Bin nicht oft neidisch, aber liest man manche Berichte bleiben mir im Vergleich derzeit eher kleine Abenteuer.

      Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, ist eine Reise in die Wüste Gobi angedacht. Mit einheimischen Freunden. Ich hoffe, ich bleibe lange genug fit dafür :/

      Gruss,
      Silas
      Semper fidelis

      dgmea.de

      mueckenatlas.de
    • Desertstorm schrieb:

      Die Germanen waren wie alle anderen Volksstämme der Eisenzeit Europas, Ackerbauern und Viehzüchter. Sie lebten nicht im Wald sondern auf gerodeten Freiflächen, sogenannten Siedlungsinseln umgeben von großen Waldflächen.
      Freilich wurde der Wald vielfältig genutzt, letzlich auch für kultische Zwecke, doch der Lebensmittelpunkt, war das Dorf und die Hauptkalorienmenge wurde durhc Getreide geliefert.
      Dass die ned in Laubhütten wohnten ist scho klar. Ist halt Ausloegungssache ab wanns im Wald ist. So ne (grössere) Lichtung mitten im Wald, ist ja auch wie im Wald :/
      No ned hudla.....
    • Bushdoctor schrieb:

      Die Wissenschaft scheint es zu belegen, ich meine allerdings, das einige der ehemals bewohnten Höhlen auf der Alb in Waldgebieten glegen habe. Muss das mal kurz prüfen.

      MfG Bushdoc
      Während der Eiszeit, als die Höhlen auf der Alb bewohnt waren, gabs an Wald allerhöchstens ein paar Birken und Krüppelkiefern... Die Alb erfuhr während dieser Zeit allerdings aus logischen Gründen einen Bevölkerungsboom. Die Alb war praktisch eisfrei. Kunstobjekte wie die Schnitzereien aus dem Vogelherd und dergeleichen entstanden, weil praktisch keine Zeit zur Beschaffung von Nahrung aufgewandt werden musste. Wer schonmal am Vogelherd war - kann den Archäopark da nur empfehlen - wird feststellen, dass durch die frei zugängliche Wasserversorgung Lohne die Jagdgründe praktisch in Steinwurfweite von der Haustür entfernt waren.

      Nach der Eiszeit ging dann die Bevölkerung logischerweise zurück, da die Tierherden nicht mehr auf die eisfreie Albhochfläche angewiesen waren. Als diese verzogen, gingen die Mensche hinterher. Zusätzlich hat mit dem post-eiszeitlichen Klimawandel auch die Phase begonnen, in der die Alb vergleichsweise rauhes Klima aufweist. Sieht man ja heute noch. Wenn ich die 60 km nach Tübingen fahre, isses da meistens um die 4° C wärmer. Das hat natürlich dramatischere Auswirkungen in einer Zeit, in der die Bekleidungfertigung deutlich begrenzter in der Leistung des Endproduktes ist.
      Nemm dai Schaufl ed z'voll, sooschd kriagsch se ed hoch... :kuh:
    • Interessantes Thema, besonders das mit der Prädisposition. Sicherlich ist das auch nachvollziehbar und auf das jeweilige Beispiel auch anwendbar.
      Dass man noch heute eine tiefliegende Angst und Abscheu vor Insekten hat ist ja auch eine Prädisposition, Insekten waren ein Anzeichen von lebensgefährlicher Unhygiene und deswegen Pfui! Aber dennoch gibt es heute Menschen die anstatt einer Schmusekatze eine Vogelspinne haben. Die Scheu vor Schimmelgeruch die uns davor schützt verdorbenes zu essen und an einer Lebensmittelvergiftung zu erkranken spielt ja auch keine Rolle, wenn man genüsslich in den Harzer Roller beißt. So finde ich es doch recht monokausal, anhand solcher Thesen zu sagen, das wir generell "gegen Insekten" oder "gegen Schimmel" sind, oder aber "nichts im Wald zu suchen haben".


      Ich denke dass es richtig ist, dass Wälder möglicherweise auch Hindernisse in der Ausbreitung des Menschen dargestellt haben, wie Berge oder Ozeane. Aber die Dinge für die der Wald heute steht, der ökologische Nutzen, der wirtschaftliche, vor allem der soziale Nutzen sind mMn Gründe dafür, dass der Wald zum Menschen und der Mensch zum und auch in den Wald gehört.
      'Sorry Dave, i'm afraid i can't do this.'
    • Interessantes Thema
      Gar nicht so abwegig wenn man es sich mal so recht überlegt...

      Es kommt ja auch nicht von ungefähr dass die hiesigen Wälder beim römischen Heer seinerzeit gar nicht gern genommen worden sind
      Zum einen war es für sie sehr mühsam und arbeitsaufwendig Wege anzulegen, damit so ne ganze Legion mit allem drum und dran da einigermaßen gut vorangekommen ist und zum anderen war ihnen eine solche Landschaft nicht nur völlig unvertraut und zu kalt vom Klima her sondern auch regelrecht unheimlich
      Zudem war es ihnen in einem derart dicht bewachsenen Gebiet nicht möglich, ihre strategisch überlegenen Kampfformationen einzunehmen was ihnen beim Angriff von Arminius dann auch zum Verhängnis geworden ist.

      Wie Vorredner schon sinngemäß gemeint haben, mag ein Wald (auch wenn es sich dabei nur um die hierzulande mehrheitlich vorzufindende Kulturlandschaft handelt) tagsüber mal so für einen Ausflug ganz lauschig, erholsam oder gar romantisch sein (was auch alles völlig in Ordnung ist) aber das kann auch alles recht schnell ungemütlich werden, z.B. bei durchwachsenem Wetter, längerem Aufenthalt, Dunkelheit, Durst oder knurrendem Magen.

      Und wenn man es sich so recht überlegt, sooo arg üppig ist das Nahrungsangebot im Wald selbst ja nun auch nicht, abgesehen vom Wild, wozu man aber auch entsprechend jagdtechnisch aufgestellt sein muss, und selbst bei entsprechendem Jagderfolg auf Dauer auch noch lange nicht ausreichend ist um sich ausgewogen ernähren zu können.

      Ich habe mal eine Doku über Christopher McCandless gesehen, der Typ der in Alaska aussteigen wollte und wegen unzureichender Ernährung, Erschöpfung und Vergiftung durch den Verzehr einer Pflanze die er verwechselt hatte, gestorben ist.

      Ein Survival-Experte, der diesbezüglich zu Wort kam meinte, dass er sich zum Aussteigen ausgerechnet eine Landschaft ausgesucht hätte, die trotz Wald und so weiter dennoch ernährungstechnisch gesehen recht karg wäre und er selbst bei Jagderfolg von Kleintieren eine schlechte Energiebilanz gehabt hätte, weil er bei der Jagd mehr Energie verbraucht hätte als er dadurch hätte gewinnen können.
      Er hätte seiner Aussage nach am Tag 30 Eichhörnchen erlegen müssen um überhaupt irgendwie über die Runden zu kommen aber selbst dann hätten ihm auf Dauer genügend Fett und Vitamine gefehlt.

      Und meines Wissens fressen Rehe auch nur aus der Not heraus die Rinde von Bäumen wenn sie keine Gelegenheit haben auf freien Flächen zu äsen.

      Im Mittelalter diente der Wald wohl auch nur zur Holzgewinnung.
      Die Jagd war eh nur dem Adel vorbehalten.

      Also, zumindest aus der Sichtweise der Ernährung ist der Wald wohl nicht gerade die beste Wahl.
      Andererseits hat der Wald der Bevölkerung nach dem Krieg aber auch durchaus geholfen über die Runden zu kommen mit Bucheckern zur Ölgewinnung, Sammeln von Beeren, Brombeerlätter für Tee, Eicheln zum Rösten von Kaffeersatz und Eicheln als Futter für das Vieh.
      Wenn sich im Paradies eine Menschenseele und eine Hundeseele begegnen, muß sich die Menschenseele vor der Hundeseele verneigen.
      - aus Sibirien -

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