Was glaubten "die Germanen"? Wie sind die Aussagen historisch belegt?

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    • Was glaubten "die Germanen"? Wie sind die Aussagen historisch belegt?

      @Albbaer hat ein spannendes Thema (Feste der Kelten) ins Forum gestellt. Total interessant, wie ich finde. Jedoch scheinen meine Fragen dort fehlplatziert zu sein, dafür bitte ich um Verzeihung.
      Um nicht weiter zu stören und dennoch die Neugier zu stillen, hätte ich folgende Fragen:
      Welche Götter-/Göttinnennamen sind historisch belegt und für welche Regionen?
      Welche Rolle spielte überhaupt die Religion für die Germanen? Spielte sie überhaupt eine wirkliche Rolle im Alltagsleben?
      Welche "Wahrheiten" über den Glauben der Germanen ist historisch belegbar, welche sind Erfindungen der Neuzeit?
      Persönlich: Gibt es für euch eine Verbindung zwischen dem Götterglauben der Germanen und eurem Alltag?
      Glück ist Bedürfnislosigkeit.
      Auch in einer schlechten Welt lässt's sich gut leben.
    • Es ist nicht mein Spezialgebiet aber für das Urgermanentum sind meines Wissens eigentlich nur die drei Hauptgottheiten Odin, Thor und Tyr (mit ihren lokalen Namensversionen)verbürgt und auch das nicht immer und überall.
      Das vielfältige Pantheon entstand erst über die Zeit und vor allem durch Kontakt mit dem römischen Reich, wie etwa die Runenschrift auch.
      Allgemein fand ich nach dem was ich weiss dass bei den Germanen, wie bei vielen polytheistischen Völkern der Kult wichtiger war als, an was man glaubt.

      Also in anderen Worten. Es ist nicht wichtig wessen Party es ist aber Hauptsache es steppt der Bär.
      So erklären sich auch die Aufnahme römisher Gottheiten oder der Matronenkult und natürlich auch die mehr oder weniger rasche Christianisierung aber auch die Umwandlung und Übernahme heidnischer Kulte und Riten in das Nordeuropäische Heidenchristentum.

      Freilich ist das eine grobe Einschätzung. Für genaue Informationen hilft nur Fachliteratur lesen.
      Niemand
    • Historisch belegt ist sehr wenig soweit ich weiß, weil nicht viel aus Vorchristlicher Zeit überdauert hat.
      Ich wäre auch vorsichtig damit, wie @Desertstorm zu sagen es wäre unwichtig gewesen wer angebetet wurde. Das ist nicht bekannt soweit ich weiß.
      Ich habe keine Belege parat, mich aber vor einigen Jahren intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Was bekannt ist, ist dass in Rom(!) die Teilnahme am Kult Gesetz und Teil des Staatsdienstes war, der persönliche Glauben aber - persönlich. Ich wüsste nicht, was das für Rückschlüsse auf alte Nordeurpäische Kulte ermöglichen sollte.
      Auch die Runen hatten soweit ich gelesen habe nicht mit den Römern zu tun, sondern waren bereits vorher in Gebrauch, aber vermutlich nicht als Schrift. Die Runensteine mit Inschriften stammen AFAIK meist aus der Zeit der Christianisierung oder von kurz danach.

      Falls @Friese nach 'Neuheiden' sucht:
      Ich habe nach ausgiebiger Recherche wieder davon Abstand genommen, an etwas altes, vergessenes anknüpfen zu wollen und spüre einfach meinem ganz persönlichen Naturkult nach. Wenn mir dabei alte Götter begegnen, dann ist das eben so.
    • Das hauptsächlich schwierige daran ist, dass es DIE "Germanen" an sich (also als homogene Kultur/Volk) nicht gab.
      Es waren ja zig verschiedene und auch teils verfeindete Stämme.
      Und von deren Gottglauben ist nicht viel mehr bekannt.
      Heute wird sich bei dem Wort "Germanen" fast ausschliesslich auf Nordeuropa & Skandinavien bezogen (aka Waräger/Wikinger).
      Diese repräsentieren aber eher eine relativ späte Periode von germanischem Völkern, und derer Götterwelt & Kosmiologie wird dann ALLEN übergestülpt.

      Eher belegbar ist, dass bei den Stämmen wenige (je nach Gegend) "Hauptgottjeiten" bekannt waren und diese sich innerhalb der Geschichte, die jahr mehrere Jahrhunderte lief, auch mal abwechselten (siehe Odin und Tyr-Ziu).
      Ansonsten eher Lokalgottheiten verehrt wurden, welche dann später einfach als Gott X oder Göttin Y zusammengefasst wurden, aber nicht zwangsweise etwas miteinander zu tun haben mussten.

      Historisch "wirklich" belegt ist relativ wenig bis fast garnix.
      Einige Sachen stehen bei Tacitus, oder Nero drin.... anderes ist in Märchen versteckt (Percht/Holle.... oder Nikolaus aka Wodan als Wanderer) usw usf.

      Einen grossen BOOM fand die Widerbelebung (oder auch Neukreation) zuerst in Anfang der 40er jahre durch Nazudeutschland, und später dann, ab etwa Ende der 60er/Anfang 70er, als sich Neoheidnische Gruppierungen (ausgehend in GB) bildeten.
      Viele HEUTE bekannte Stories und auch Mystizismus stammt eher aus diesen Bereichen, aber nicht aus Historie.
    • Die haben halt nichts aufgeschrieben, das ist das größte Problem.
      Einiges kommt aus dem Neopaganismus, einiges kommt aus Cesars "de bello gallico" und halt die Snorri Edda, viel mehr ist da nicht.
      Es gibt eine Menge Bücher, die behaupten, das Wissen von Merlin und Co. gefunden zu haben.
      Wirklich aufschlussreiches gibt es da selten.
      Eine schwierige Frage also. Und dann: Wer sind die "Germanen"?
      @Friese du hast es ja in Anführungszeichen gesetzt. Aber da müsste man wohl tatsächlich mal drüber nachdenken.
      "He´s one of them rangers, dangerous folks they are, wandering the wild"
      "Not all who wander, are lost"
      Plan your dive, dive your plan
      Was ihr den Geist der Zeiten nennt, das ist im Grunde nur der Herren eigner Geist
      Ranger => Betrachtet Dinge aus dem Outdoorblickwinkel "Waldläufer" (5-35km/d)
    • Ranger in the woods schrieb:

      Es gibt eine Menge Bücher, die behaupten, das Wissen von Merlin und Co. gefunden zu haben.
      Wirklich aufschlussreiches gibt es da selten.
      Eine schwierige Frage also. Und dann: Wer sind die "Germanen"?
      Was hat das mit "Merlin" zu tun? Das ist Inselkeltische Mythologie.

      Und zur Frage wer die "Germanen" sind:
      Nicht nur im commentari bello gallico sind Aufzählungen enthalten....
      Weiterführend kann man auch zB die "Tacitus-Germania" zu Rate ziehen, oder Ptolomäus; Jordanes -Getica, das Ars Germana.... usw usf. Ebenfalls sehr nützlich:
      "Reallexikon der germanischen Altertumskunde".

      Einige der Bekanntesten "Germanenstämme"
      -Sachsenverbände
      -Alemannen
      -Markomannen
      -Kimbern / und Teutonen
      -Sueben
      -Cherusker
      -Langobarden

      uvm...

      Grundsätzlich könnte man (historisch) schon von DEN Germanen sprechen, nur eben nicht als einheitliche Kultur, und, halt auch unter Berücksichtigung regionaler Situationen der damaligen Zeit.
    • @Venator was Du machst, ist Eulen nach Athen tragen.

      1. Ich weiß, dass es viele Stämme waren. Chatten, Hermunduren,... Aber die "Germanen" gab es halt nicht. Die Rituale unterschieden sich teilweise sehr stark voneinander zwischen den einzelnen Stämmen. Auf die Nicht einheitliche Kultur wollte ich ja auch hinaus.
      2.Sieh Merlin einfach als Platzhalter für einen X-belibiegen "Religionsführer". Er war halt der "Djesus Christ Superstar" unter den Kelten :) (The D is silent)

      Die Bücher sind mir auch bekannt.
      Caesars bello gallico war ja nur der erste große "skandal" weil der Julius zum ersten Mal von römischer Seite überhaupt ein wenig Unterscheidet. Allein der Eingangssatz "Gallia omnes ....in partes tres" war ja eine differenziertere Zuschreibung als es seine Vorgänger taten.

      Weitermachen!
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    • Ranger in the woods schrieb:

      Aber die "Germanen" gab es halt nicht. Die Rituale unterschieden sich teilweise sehr stark voneinander zwischen den einzelnen Stämmen.


      Etymologisch betrachtet:
      Das Wort "Germane" leitet sich ja ab von AMD "GER" (Speer/Spiess) und "MANNEN [Mannaz in Runenlaut]"; und war prinzipiell "nur" eine Art Kunstwort, für all jene Stämme, welche Herausstachen, aufgrund der vordergründig getragenen Bewaffnung (siehe hierzu eben Saxen).
      Und in dem Kontext ist durchaus von DEN...... zu sprechen möglich. Das beinhaltet jetzt keine Kulturgeschichte oder direkte Völkerkunde, auch nicht das Religionswirken innerhalb.
      Wenn man es GANZ konkret betrachtet, würden u.a. auch Slawen dazu zählen.
      Tacitus machte damals eine simple Teilung von kelt. und germ. Stämmen, und betrachtete die Unterschiede dabei garnicht, bzw wollte es nicht (anscheinend).
      Da war dann schlicht: Seite A neben Donau "Kelte", Seite B "Germanen".
      Das macht ja die ganze Schwierigkeit aus, WARUM wir heute eig. sogut wie nix wissen, ausser eben bissel was vom "Alltag" dareinst.


      Ranger in the woods schrieb:

      Sieh Merlin einfach als Platzhalter für einen X-belibiegen "Religionsführer".
      Nein, kann ich nicht so sehen.
      Merlin (Myrdin) war (sofern man überhaupt von nur EINEM reden kann, meines Wissens nach war es eine Art "Titel") kein Religionsführer.
      Das wird deutlich, wenn jene Personen gesehen werden, zB unter den "Kesselritualen" (bekannterweise als "Im Kessel des Myrd(hinn) kochen"); und beschreibt eher Zeremonielle Charakteristika, aber gibt keinen Aufschluss über "Führerschaften" oder Ähnliches.
      Aber das würde A) den Rahmen jetzt sprengen, und hat B) mit dem Threadthema hier nix zu tun.

      Ergänzen, bitte :saint:
    • @Kalteicher
      Ist mir bekannt dass es verschiedenste Spekulationen gibt, woher sich das Wort ableitet, da eine "wirkliche" Ursprungsquelle nirgends auffindbar ist.
      Aus römischen Schriften wird häufig die "Ger-Mannen" geschrieben (nicht direkt zuordenbar, WER im EInzelnen gemein ist).

      Etymologisch (Sprachforschung) basiert es zumindest auf diesem Wortstamm ...
      Hab vor dem tippen des Textes vor paar Tagen auch extra noch "schlaue Bücher" nachgeschaut :dolldrueck: