Spiritus als Desinfektionsmittel?

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    • Alles Wesentliche zum Thema "Spiritus zur Wundversorgung" wurde ja schon gesagt. Deshalb darf man die folgenden Zeilen als heftiges offtopic bezeichnen.

      Als ehemaliger Sani beim Bund habe ich natürlich eine Meinung zu dem Thema, die in erster Linie von meiner damaligen Ausbildung und von meinen Erfahrungen geprägt ist.

      Klar geht das. Ist aber aus den schon genannten Gründen nicht optimal.

      Nun eine Methode, die auch alles andere als optimal ist, an der aber auch relativ wenig Menschen verstorben sind oder septische Folgen davon getragen haben:

      In einer lustigen Erinnerung an herrliche Schürfwunden auf Schotterfußballplätzen war damals eine sehr rustikale Methode sehr angesagt: Ausspülen mit Wasser aus der Trinkflasche, ab in die Kabine, unter dem Wasserhahn den Schottermist mit Wurzelbürste rausbürsten. Ich möchte nicht wissen, wieviele Keime sich auf dem Platz, in der Kabine oder in den Bürsten befunden haben! Gestorben ist jedenfalls keiner.

      Auf der ganzen Welt werden "kleine Schrammen" eher nach Methoden behandelt, die manchem Hygieniker die Haare zu Berges stehen lassen.

      "Auf dem Bau" (habe ich etwa 10 Jahre als Nebenerwerb oder vollberuflich gemacht) sieht man das auch eher entspannt. Ausbluten lassen, Tape drüber, fertig, manchmal noch mit Papiertaschtuch unter dem Tape. Die Mortalitätsrate dürfte auch eher überschaubar sein.

      Von Stürzen auf dem Bike möchte ich gar nicht erst berichten. Es gab mal eine Zeit, da bin ich fast immer mit irgendwelchen unbehandelten Wunden irgendwie nach Hause gekommen.

      Obwohl ich nicht immer Spiritus dabei habe, habe ich schonmal Spiritus auf ne Wunde gekippt und habe es überlebt!

      Im Laufe der Zeit wurde ich aber etwas mehr "prepared". Ein kleines Miniverbandpäckchen ist IMMER im Mann. Ob im Rucksack oder in der Jackentasche ist egal. Selbst im urbanen Alltag im Sommer findet es Platz in einer Hosentasche.

      Bilder von meinem Mini-Behältnis gibt es nicht. Es handelt sich nämlich um eine kleine Geldbörse im Marienkäferstil, welche ich schon als Kind besessen habe. Platz für ein Verbandpäckchen, Pflaster, Desinktionsmittel und eine Pinzette. Die Darstellung des "Marienkäferdingens" erscheint mir in einem Forum der harten Bushcrafter nicht angebracht.

      Deshalb jetzt die minimal größere Version in einer kleinen Blechbox:







      In dem kleinen Fläschchen ist octenisept. Ein sehr ordentliches Wunddesinfektionmittel. Für die kleinen Verletzungen im Alltag, Beruf und in der Freizeit ausreichend.

      Schmunzelnde Grüße
      Guido
      "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit." Wilhelm Humboldt, 1767-1835
    • Auch ein kleiner Schwank aus der Jugend - Wenn ich mal am Wochenende bei Oma und Opa geschlafen habe und durch Baumkletteraktionen,Fahrradstürzen mit blutenden Schürfwunden ankam dann ging es mit Opa in die Laube.
      Da wurde dann der Doornkaat ausgepackt und er flüsterte mir zu " Pssscht, einen für Opa und einen für dich" :) . Also für mich nicht zu trinken,sondern die Wunde wurde vorsichtig mit einem Stofftaschentuch und Doornkaat abgetupft!
      Hat auch gut gebrannt aber ich habe es überlebt.
      Heute gehe ich nicht mehr so rabiat an Wunden dran, für Kinder und Hund gibt es ein, zwei Sprühstösse Octenisept und auf abheilende Wunden evtl.noch Bepanthensalbe.
    • Die Alk-Pads sind zum desinfizieren der Werkzeuge....also Pinzette...Schere... und vielleicht noch der Wundränder. Ansonsten Octenisept oder eben sauberes Wasser zum Ausspülen. Und ausbluten lassen. So ist mein jetziger Kenntnisstand.
      Früher wurde Schnaps drüber geleert oder drüber gepisst. Oder gar nix.

      Bei richtigen Wunden empfielt sich eh der Gang zum Arzt, der macht das dann schon richtig. Naja hoffentlich.

      Wichtiger als das Desinfizieren sind wohl so Sachen wie ne Tetanusimpfung.
      No ned hudla.....
    • So weit ich das verstanden habe, wird Ethanol seit Juli 2013 EU-Weit einheitlich vergällt:
      Auf 100 l Ethanol werden:
      3 Liter Methylethylketon (Butan-2-on) (MEK)
      3 Liter Isopropylalkohol (Propan-2-ol) (IPA)
      1 Gramm Denatoniumbenzoat (Bitrex)
      beigemischt.

      jetzt erst seit dem 1. August 2017 werden je 100 Liter Ethanol:
      1,0 Liter Methylethylketon
      1,0 Liter Isopropylalkohol
      1,0 Gramm Denatoniumbenzoat
      beigemischt.

      Bitrex ist der bitterste Bitterstoff überhaupt . Eine Lösung mit 0,001 Promille oder 1 ppm reicht aus um eine Lösung einen unerträglich bitteren Geschmack zu verleihen.

      Die Vergällungsmittel sind zwar ungenießbar, aber in den kleinen Mengen bei einer lokalen topischen Desinfizierungen nicht giftig.

      Jeder, der einmal Brennspiritus auf die Finger bekommt hat, weiß wie schwierig es ist diesen Bitterstoffen wieder von der Haut weg zu kriegen. Trotz Händewaschen mit Wasser und Seife schmecken die Finger lange danach bitter und alles was man anfasst schmeckt ebenfalls bitter.

      Da ist es egal, ob man Biospiritus oder normaler Brennspiritus hat, dies hat kein Einfluss auf die Bitterkeit.


      Also @schwyzi auf deine Frage zurück zu kommen:

      schwyzi schrieb:

      ...Kann ich damit auch eine Wunde reinigen/ desinfizieren?
      Falls ja, wäre das ja genial, multi-use!!
      Oder schadet das Vergällungsmittel dem Körper? ?(
      ....
      würde ich sagen, dass Brennspiritus nicht mehr, oder nur geringfügig mehr schadet als reines Ethanol.

      Bevor ich persönlich eine Schurfwunde bei mir mit Brennspiritus säubern würde, würde ich eher Trinkwasser oder gar frisches [Eigen]Urin verwenden.
      If you can't dazzle them with brilliance, baffle them with bullshit. 8o
    • Ein Flachmann mit (gutem) Obstler ist immer Multiuse.
      Wenns wirklich notwendig ist (meist ist es das nicht) erst was auf die Wunde zur Desinfektion und dann was in den Rachen für die Nerven.
      Zur absolut äußerten Not (seltenst der Fall) kann man es auch als Reinigungmittel verwenden. Oder als Deo. 8)
      Oder zur Desinfektion einer Klinge wenn man sich einen Splitter / abgebrochenen Spreissel etc. rausschneiden will.
      Manch einer könnte sich auf einer Tour abends auch die Füsse damit einreiben.
      Wäre eine Wohltat für die anderen Teilnehmer. Und der Schlafsack würde weniger kontaminiert werden...
      Oder....Oder....Oder....

      Alkohol hat schon seine Berechtigung. Funktioniert seit x hundert Jahren. :D
      =** Molon Labe **=