Schnitzbänke und Nähkloben

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    • Schnitzbänke und Nähkloben

      Moin allerseits,

      wie versprochen hier die Vorstellung meiner kombinierten Schnitz- und Ledernähbank:

      Haggis Schnitz- und Nähpferdchen

      Da ich demnächst für ein Geländer reichlich Wildholz entrinden muss, musste ein adäquates Hilfsmittel her, um die Arbeit effizient zu gestalten. Also hab ich mir angeschaut, welche Möglichkeiten es gibt - Fixierung per Schraubzwinge war mir nämlich zu unflexibel und v.a. zeitaufwendig. Die sinnvollste Variante ist eine klassische Schnitzbank, Anleitungen dazu finden sich zu Hauf im Netz, etwa hier: bogenschiessen.de/bogenschiess…nitzbank.pdf?m=1464442837
      Gut ist auch die Anleitung von Dietrich Sonnenberger für eine traditionelle Schnitzbank (ebenfalls bspw. für die Bogenbauszene interessant). Der englische Begriff ist shaving horse, da findet man auch haufenweise Anregungen.



      Wenn ich mir schon die Zeit nehme und so etwas baue muss ein Mehrfachnutzen eingebaut sein. Also habe ich mir überlegt, wie man eine Schnitzbank aufrüsten kann. Naheliegend sind entspr. Vorbereitungen für Klötze und Anschläge, so dass die Bank zur regelrechten Werkbank wird - und nicht zuletzt natürlich auch schlicht als Sitzgelegenheit beim Schnitzen dienen kann, mit Ablageflächen etc. Aber noch etwas fand ich naheliegend: Die Installation eines Nähklobens zum Leder nähen (engl.: stitching pony), denn entweder ich schnitze an der Bank oder ich nähe... 8o

      Also habe ich verschiedene Bauweisen durchgespielt und ausprobiert, auch einiges an Lehrgeld bezahlt. Wobei ich fast ausschließlich Restmaterial verwendet habe, wir reden hier also v.a. von der vergeblich investierten Zeit. So habe ich bspw. einen Nähkloben aus Leisten eines kaputten Lattenrostes gebaut - er funktioniert zwar, aber die Spannung muss überproportional hoch sein, da das Material natürlich federt... Ist nicht so richtig das, was ich wollte, zudem möchte ich auch nicht ständig ein Bein anspannen um die Spannung in der Zange zu gewährleisten.



      Also weiter gegrübelt, dabei kamen mir die Klemmsias in den Sinn - diese haben ja schlicht einen exzentrisch gelagerten Holzknebel zum Spannen. Denn eines wollte ich gar nicht: Diese Standard-Billigvariante mit Gewindestange und Flügelmutter... Das hätte mir jedes Mal zu lange gedauert. Also Klemmsia. Nur wie realisiert man so etwas bei einem Nähkloben? Ganz simpel, man nimmt ein zugeschnittenes Rundholz (in diesem Falle hab ich einen Kantholzrest erstmal wieder rund gesägt und geschliffen...), platziert dort recht weit außen eine axiale Bohrung und im 90°-Winkel dazu eine Außenbohrung auf dem Korpus für den Handgriff. Mit zwei Leisten kann man dann sehr definiert Spannung aufbauen, der Abstand zw. den beiden Spannstücken darf natürlich nur knapp den Abstand vom Bohrloch zur gegenüberliegenden (also entfernten) Seite betragen.




      Dann noch Leder aufgelebt bei den Spitzen und batz ist der Kloben fertig. Das hier ist der Prototyp aus Buche - bin sehr zufrieden und werde wohl nur noch die Kanten anfasen. Auf der Bank wird der Kloben mit zwei selbstgemachten Holzdübeln befestigt - diese hab ich simpel per Zapfenschneider aus abgelagerten Buchenästen hergestellt. Ähnlich hab ich auch den Griff für die Spannvorrichtung eingefasst.

      Die Löcher in der Bank für den Nähkloben kann man auch noch auf andere Art verwenden: Wenn man hierin einen Holzdübel setzt, verhindert man Verrutschen des Klotzes zur Verstellung des Arbeitsbrettes beim Schnitzen. Auch kann man so verschiedene Aufsätze auf der Bank installieren, die beim Schnitzen helfen, also bspw. Widerlager geben oder auch eine grobe Nut zur leichten Fixierung des Werkstückes enthalten.



      Insgesamt bin ich mit dem Gerät sehr zufrieden - es sind noch einige Verbesserungen geplant, da halte ich Euch hier natürlich auf dem Laufenden. Zudem werde ich gelegentlich noch bessere Fotos machen und, wenn gewünscht, Zeichnungen ergänzen. Übrigens, das Flexcut-Zugmesser auf den Abbildungen nehme ich v.a. für feinere Arbeiten, zum Entrinden ist ein schönes großes klassisches Zugmesser, auch gerne etwas breiter, deutlich besser geeignet (v.a. bei trockenem Holz).

      Wer ebenfalls einen Nähkloben oder eine Schnitzbank hat, sei hiermit zugleich aufgefordert, sie hier ebenfalls vorzustellen.