in2 Flüssiggaseinspeisung: Trangia Sturmkocher mit Gasadapter

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • in2 Flüssiggaseinspeisung: Trangia Sturmkocher mit Gasadapter

      Gaskocher gehören bei Backpackern und Bushcraftern zur Standardausrüstung und erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Wenn man bei einem Gasbrenner das Ventil öffnet strömt brennbares Gas raus obwohl sich dieses in verflüssigter Form, also als unter Druck stehendes Flüssiggas in der Kartusche befindet. Normale Brenngase wie z.B. Butan, Propan od. Isobutan lassen sich bei verhältnismäßig geringem Druck verflüssigen und haben als Flüssiggas eine sehr hohe Energiedichte, was kleine Transportbehälter (in unserm Fall Kartuschen) ermöglicht. Dreht man das Regelventil am Kocher auf verringert sich der Druck im Inneren der Kartusche und das Gas beginnt zu sieden/kochen, es wechselt wiederum leicht in den gasförmigen Zustand und strömt so raus zum eigentlichen Brenner - entsprechende Temperatur vorausgesetzt. Die Siedepunkte, das sind die Temperaturen wo ein Stoff vom flüssigen in den gasförmigen Zustand übergeht, sind bei Brenngasen wie folgt: Butan: -1°C, Isobutan: -11,7°C, Propan: -42,1°C. Unterhalb dieser Temperaturen ist das jeweilige Gas flüssig. Butan ist einer der Hauptbestandteile von üblichem Campinggas und hier sticht der Siedepunkt mit lediglich -1°C deutlich ins Auge. Die logische Folgerung: Butan ist bei tieferen Temperaturen ungeeignet, da es nicht verdampft und so zur Verbrennung in normalen Gasbrennern unbrauchbar ist. Darüber hinaus kühlt eine Kartusche im Betrieb ab, weshalb kochen selbst bei niedrigen Plusgraden bereits problematisch werden kann denn hier entweicht vor allem Propan und das schwerer verdampfbare Butan verbleibt in der Kartusche.

      Abhilfe für den Gasbetrieb bei negativen Temperaturen schaffen neben Gasmischungen mit hohen Anteilen von Propan und Isobutan oder modifizierte Kartuschen z.B. auch technische Maßnahmen an den Gaskochern selbst. Einige Gasbrenner sind mit sogenannten Generatorrohren bzw. Vorheizschleifen ausgestattet, welche an Mehrstoffkochern selbstverständlich sind. Dies ist meist ein Metallrohr, welches direkt über od. neben dem Brenner geführt wird so dass die Hitze der Flamme den noch flüssigen Brennstoff in der Leitung restlos verdampft damit er im gasförmigen Zustand dem Brenner zugeführt werden kann und so eine saubere Verbrennung gewährleistet.



      Am Markt gibt es nur wenige Kocher die lt. Hersteller für den Betrieb mit Flüssiggaseinspeisung zugelassen sind. Dies sind Multifuels welche mit austauschbarer Düse und Kartuschenadapter auf Gasbetrieb umgebaut werden können. Meist geben die Hersteller von Gasbrennern mit Vorheizschleife kaum Infos zur Eignung ihrer Produkte für den Gas-Flüssigbetrieb heraus. Ich hab mir deshalb die Frage gestellt ob sich Kocher mit Generatorrohr (welches gasförmigen Brennstoff 'generiert') uneingeschränkt für Flüssiggaseinspeisung und damit für tiefere Temperaturen eignen oder ob sich hier Probleme ergeben und falls ja, welche? Das wollte ich kurzerhand mal praktisch mit einem auf Gasbetrieb umgerüsteten Trangia Sturmkocher ausprobieren. Der hierfür benutzte Schraubkartuschen-Gasbrenner ist ein orig. Zubehörteil des Herstellers und meiner ist schon ca. 10-12 Jahre alt. Dieser Gasadapter wird anstelle des üblichen Spiritusbrenners in den Unterteil des Windschutzes eingesetzt und eine Durchführung für die Gaszuleitung ist ebenfalls vorhanden weshalb der Umbau kinderleicht und schnell erledigt ist. Somit wird aus dem kleinen Sturmkocher aus anodisiertem Alu mit der Modellbezeichnung 27-1 HA schon beinahe ein Systemkocher. Ich habe ein weiteres Zubehörteil, nämlich die sog. Multi-Disc Platte einfach unter dem Windschutz platziert und so kann die ganze Kochereinheit nicht im Schnee versinken. Obwohl ich einen Ausflug im Spätwinter bei moderater Schneelage unternahm waren die Umgebungstemperaturen mit ca. +12°C nicht winterlich tief. Gleich mal vorneweg: Die Tauglichkeit für den Einsatz bei extremer Kälte ist leider keinesfalls bewiesen obwohl die Kartuschen über Nacht bei Minusgraden im Kofferraum lagen. Auf die exakte Bestimmung z.B. der Temperaturen von Kartuschen, Boden oder Luft, der Brenndauer und dem Brennstoffverbrauch habe ich bewußt verzichtet. Es sollte ein simpler Probelauf auf über 1000m Seehöhe ohne wissenschaflichen Anspruch werden.



      Mit dabei hatte ich einen Windschutz von Optimus, Modell Clip-On Windshield, wie er von zahlreichen UL-Trekker gerne verwendet wird. Das ist das graue Blechteil im Vordergrund des unteren Bildes und ich habe es an den Bördelrand der Kartusche angeklemmt. Es musste als Stand für die Gaskartusche herhalten, was gleich 2 Gründe hat:
      1/ Verbesserte Zugänglichkeit des Regelventils - das steht im angeschraubten Zustand gerade von der Gaskartusche ab und dreht man die Kartusche kopfüber so ist es denkbar schlecht zu bedienen.
      2/ Erhöhter Stand für die Kartusche gegenüber dem Brenner - damit soll sichergestellt sein dass tatsächlich nur Flüssiggas zum Brenner gelangt um das Ergebnis nicht durch Gase zu verfälschen welche sich bei tieferen Temperaturen sowieso verflüchtigen würden wie z.B. Propan, denn damit würden Gasbrenner an und für sich bei moderaten Minustemperatuen auch noch funktionieren.





      Das heißt dass das komplette Set-Up auf direkte Flüssiggaseinspeisung zum Gasbrenner adaptiert wurde - findet sich so selbstverständlich nirgends in Herstellerquelllen. Der 1te Testrun hat mit einer 220g IsoPro Kartusche von MSR gestartet welche vielleicht noch zu einem Drittel mit einer Gasmischung aus Butan, Propan u. Isobutan befüllt war, welche lt. Hersteller bis -10°C geeignet ist, was nach meinem Dafürhalten eine sehr optimistische Einschätzung ist. Zunächst wurde die Kartusche normal aufrecht aufgestellt und der Brenner entzündet, was problemlos möglich war denn es strömte ausreichend Gas aus. Ein kurzer Betrieb von ca. 10-30sec genügen um das Generatorrohr vorzuheizen bevor die Kartusche umgedreht und in upside-down Position aufgestellt wird. Das Regelventil zeigt nun in Richtung Boden und Flüssiggas wird direkt zum Kocher gedrückt. Es fällt auf das der Brenner einen kleinen Boost bekommt und tatsächlich mit höherer Leistung weiterbrennt. Das noch flüssige Gas aus der Kartusche wird erst in der heißen Vorheizschlaufe am Brenner vergast, bevor es dann verbrennt. Die Flamme heizt bei direkter Flüssiggaseinspeisung nicht mehr gleichmäßig, sondern pulsiert hörbar unruhig. Es gab immer mal ein paar gelb gefärbte Ministichflammen welche auf eine unsaubere Verbrennung hindeuten. Trotzdem ging das Schneeschmelzen im aufgestellten 1L Topf schnell vonstatten und ich hatte bald eine gute Menge Wasser zur Verfügung.



      Neben der pulsierenden Flamme viel auf dass sich die Leistung gegenüber dem Normalbetrieb bei weitem nicht mehr so gut regulieren ließ. Ein drehen am Ventil wirkte sich nicht sofort auf die Flammengröße aus. Nachdem das Ventil geschlossen wurde ging der Gasbrenner erstmal gar nicht aus, sondern köchelte auf kleiner Flamme munter weiter. Ich hatte mehrmals versucht das Ventil zu öffnen und komplett bis an den Anschlag zu schließen, was keinerlei Änderung brachte. Nach mehr als 20 Minuten habe ich dann schlicht die Kartusche abgeschraubt und der Brenner ging augenblicklich aus. Ich bin mir nicht sicher ob im Ventil etwas vereist war und so blockiert hatte oder ob sich event. ein Fremdkörper darin verklemmte. Dass sich ein Gaskocher nicht mehr abstellen läßt ist mir zuvor nur 1 einziges Mal mit einem anderen Brenner passiert und der hatte offensichtlich eine Macke.



      Mein 2ter Testrun erfolgte mit einer vollen Kartusche - ebenfalls eine 227g IsoPro von MSR, Gasfüllung allerdings Propan und Isobutan - ein richtiges All-Season Gemisch also. Entzündet wurde der Gasbrenner wieder bei aufrecht stehender Kartusche. Erst nach einer kurzen Aufheizzeit drehte ich die Kartusche um, so dass Flüssgigas direkt an den Brenner gelangte. Die Flamme bekam augenblicklich einen richtigen Schub und brannte wesentlich stärker und mit deutlich gesteigertem Geräuschpegel weiter. Das Pulsieren des Brenners war nicht zu überhören, was ich vom Normalbetrieb mit aufrecht stehender Kartusche so nicht kannte. Der Schnee im Topf schmolz in einem Höllentempo - meine Multifuels benötigen dafür allesammt länger! Bei voll aufgedrehtem Ventil waren die hohen gelben Stichflammen deutlich zu sehen und das kräftige Fauchen des Brenners zugegeben etwas besorgniserregend. Ein Zurückregeln drosselte die Flamme zwar, sie pulsierte dennoch und dieses pumpen des Flammenbildes war im Vergleich zur teilentleerten Kartusche stärker. Wurde am Ventil gedreht erfolgte die Anpassung der Flamme immer mit einer gewisssen Verzögerung, was dementsprechend Geduld bzw. Feinfühligkeit mit der Einstellung erforderte. Das Zurückschrauben fürs köcheln auf kleiner Flamme dem sogen. Simmerbetrieb funktionierte prinzipiell, ist aber zugegeben Spielerei und kein Vergleich zur ausgezeichneten und akkuraten Regelbarkeit bei aufrecht positionierter Kartusche. Die powervolle Flamme läßt natürlich auf hohen Gasverbrauch schließen den die hohe Brennleistung kommt sicherlich nicht von ungefähr. Nachdem das Ventil ganz zugedreht wurde verlosch die Flamme augenblicklich, hier gabs keine Probleme mehr.



      Mein Fazit zu diesem kurzen Test: Obwohl vom Hersteller nirgends erwähnt ist eine Flüssiggaseinspeisung für den Trangia Gasadapter möglich, man muss aber mit ein paar Abstrichen rechnen wie z.B. die gegenüber dem Betrieb mit normal aufgestellter Kartusche schlechtere Regulierbarkeit, das unregelmäßige Flammenbild, die höhere Geräuschentwicklung und die gesteigerte Brennerleistung u. Mehrverbrauch (bei gleicher Ventileinstellung). Ich habe zwar erwartet dass es event. Einbußen geben wird, bin aber trotzdem überrascht dass der Test im Großen und Ganzen positiv war. Vorgeheizt wird mit Gas aus der Kartusche was recht rasch geht. Bevor man die Kartusche umdreht sollte das Ventil jedoch etwas gedrosselt werden, man hat bei Flüssiggaszuführung sowieso höhere Brennleistung. Für sicheren (Dauer-)Betrieb sind Maßnahmen zu ergreifen wie sie bei Mehrstoffbrennern üblich sind. Ein Testlauf bei knackig tiefen Temperaturen steht zwar noch aus, ich erwarte hier allerdings keine weiteren Überraschungen, eventl. muss ich zum Vorheizen etwas Brennpaste verwenden. Wie bei den Trangia Sturmkocher-Sets üblich ist das Packmaß kompakt gehalten und die Kartusche läßt sich zudem platzsparend im Kartuschenstand/Windschutz unterbringen.

      --------------------------------------------
      Wer stahd kraid khimd ah waid!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von bugikraxn ()

    • Konradsky schrieb:

      wir dachten alle, dass die Vorheizschleife das Gas schon vergasen
      sollte. Dem war nicht so. Die Flamme wurde immer kleiner, so dass
      nachher ein kochen nicht mehr möglich war.
      Keine Ahnung woran es lag.
      Sehr interessant, hätte ich so glatt nicht erwartet. Schade dass es bei meinem Testlauf mit +12°C frühlingshaft warm war, ich hätte mir tiefere Temperaturen gewünscht und da wäre das Ergebnis sicherlich aussagekräftiger gewesen was die Wintertauglichkeit anbelangt ... Ich werde da sicherlich nochmal was ausprobieren ;)

      Hatte selbst ein Problem mit der beinahe leeren Kartusche, da ließ sich mein Kocher z.B. erst gar nicht abstellen. Ich nehme an dass sich im Ventil was vereist hat und dieses daher blockiert wurde. Kann gut sein dass dies event. beim Vorheizen passiert ist. Solche Eisbildung lässt sich z.B. auch beobachten wenn man Schraubkartuschen nicht schnell genug an den Kocher schraubt - dann strömt Gas aus, was selbst bei sommerlich hohen Temperaturen sofort vereist und sich als weiße Schicht an der Metallkartusche aufbaut.
      --------------------------------------------
      Wer stahd kraid khimd ah waid!