Section Hike - Kamptal-Stauseen & Stauseefjorde

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    • Section Hike - Kamptal-Stauseen & Stauseefjorde

      Die Idee zu dieser 3-Tagestour hat eine längere Geschichte und als vor Monaten eine Freundin in die Runde fragte ob wir uns mal wieder für eine Outdooraktion treffen könnten machte ein anderer Freund den Vorschlag mit dem aktuellen Zielpunkt dieser Tour. Kurzum, das zuvor angedachte Freundestreffen kam bis dato leider nicht zustande und stattdessen war ich mit meiner Tourpartnerin unterwegs welche kürzlich eben dort eine kleine Tageswanderung vorgeschlagen hatte. Wir nutzten das verlängerte Wochenende, hatten allerdings Bedenken den die Wettervorhersage ließ zu wünschen übrig so dass die entgültige Entscheidung eher kurzfristig getroffen wurde.

      Die Tourenplanung für diesen Section Hike sah den Kamptal-Seenweg Nr. 620 als Route vor und wir hatten von Anfang an ein paar Varianten zu diesem Langstreckentrail vor, der offiziell markierte Weg sollte lediglich die grobe Richtung vorgeben. Gestartet wurde in der Nähe von Zwettl in NÖ, das Auto parkte an einer Bootsanlegestelle am Stausee Ottenstein, dies ist die 1te von insgesamt 3 Staustufen im Kamptal. Die Etappe zum Auftakt folgte dem Wanderweg Kampfjorde. Die Streckenbeschreibung fand ich im Internet und es handelt sich dabei um einen unmarkierten Weg, welcher mit 'schwer' kategorisiert ist. Das rang mir ein müdes Lächeln ab, da das Gelände eigentlich unschwierig schien. Schon nach wenigen hundert Metern bog der Trail vom Uferweg ab führte auf engen Wildschweinpfaden einen steilen Hang hinauf, was mit unseren wuchtigen Rucksäcken unlustig und schweißtreibend war. Uns kamen dann erste Zweifel ob hier nicht doch der Spaßfaktor zu kurz komme wenn es geländetechnisch in dieser Fasson weiterging.



      Wir folgten im Anschluss Waldwegen mit teils üppigem Pflanzenbewuchs und da es deren viele gab war somit die Wegfindung erschwert. Wir orientierten uns mittels Smartphone-GPS u. Offlinekarte. Weiß nicht woran's lag, am Gelände/Abschirmung des GPS-Satellitensignales durch Felsen od. Bäume, Ungenaugkeiten des OSM-Kartenmaterials, etc. - wir landeten mehrmals inmitten dichter Vegetation ohne erkennbare Wegspuren und mussten uns dann regelrecht durch die Brennesseln wühlen. Sorgte bei meiner Begleitung nicht gerade für Begeisterung, hatte sie doch nur eine knielange Wanderhose dabei. Trotzdem schlug sie sich wacker und der Anblick lieblicher Lichtungen täuscht leicht drüber hinweg dass solche Passagen eher mühsam zu bewältigen sind. Sollte event. noch erwähnen dass ich nach einem dieser Dickichtschleicher eine dicke Zecke am Hosenbein fand ...





      Weiter gings dann auf hoch mit Gras bewachsenen Waldwegen entlang des Seeufers und wir hatten teils schöne Blicke auf das gegenüberliegende Ufer welches sich dank sehr niedrigem Wasserstand im Staubecken felsig präsentierte und einen schönen Kontraststreifen zwischen Wald und Wasser abgab.





      Je weiter wir entlang des Ufers dahinwanderten desto mehr erinnerte mich das Landschaftsbild an die norwegische Fjordlandschaft mit zahlreichen Einbuchtungen, Fichtenwäldern und felsigen Küsten. Wir fanden beide dass der Wanderweg die Bezeichnung 'Kampfjorde' zurecht trug denn der Vergleich mit Skandinavien drängte sich förmlich auf. An einer dieser schmalen Einbuchtungen konnten wir zwischen den Bäumen ein Kajak erkennen und daneben stand ein kleines Zelt - der Bewohner hatte wohl Glück, dort ein ebenes Plätzchen vorzufinden, es hatte hier überwiegend steile Ufer.









      An einer Stelle war der verwachsene Waldweg abrupt zu Ende und ein Felsgebilde stand im Weg. Wie zu Beginn unserer Wanderung gings abermals steil bergan, lediglich ein paar Steigspuren folgend und wir waren froh hier nicht klettern zu müssen. Der Felsen bot eine super Aussicht auf die Wasserfläche, die Boote und die Aktivitäten am anderen Ufer - dort suchte eine kleine Gruppe wohl eine Lagerstelle und wuselte herum. Wir legten hier eine ausgiebige Rast ein und genossen die Szenerie.



      Der Weg führte uns nach diesem Felsen etwas vom Ufer weg um dann wieder direkt zum Stausee zurückzukehren wo erneut Felsblöcke herrliche Aussicht boten.





      Weiter gings über Forstrassen Richtung Teerstrasse wo meine Begleiterin ein Verkehrsopfer fand dass sich offensichtlich nicht schnell genug aus dem Gefahrenbereich begeben konnte. Nun gings bei brütender Hitze nicht ganz 1km eintlang einer viel befahrenen Strasse und dies war mein Highlight des Tages im negativem Sinne ;-(. Zum Glück bogen wir bald wieder ab und wanderten rein in den Wald wo ein 2tes Kleintier ausgedörrt auf der Schotterpiste lag.





      Wir sind dann am Campingplatz Lichtenfels eingetroffen und haben mit unserem norwegischen Tunnelzelt eine skandinavische Ecke eröffnet, es stand nämlich direkt neben einem großen schwedischen Lavvo. Beim kochen passierte mir wieder eins meiner berühmten Missgeschicke und ich hab die Hälfte unseres leckeren Currygerichts direkt in die Wiese serviert, arghhh! Wir holten uns dann noch ein Bier am Kiosk, tapsten rüber auf einem Felsen neben der Burgruine und genossen die Abendstimmung. Die untergehende Sonne tauchte die Seeufer in ein angenehmes Licht. Wir resümierten den Tag und ich hatte so meine Zweifel üb die weiteren Etappen mit dieser 1ten mithalten könnten ... Im Zelt wars dank lauen Temperaturen ungewöhnlich warm und hier wirkte sich das Design mit dem ganz auf den Boden runter gezogener Außenhaut negativ aus, es fehlte schlicht am Durchzug. Was sich bei Shitwetter bestens bewärt ist lange nicht so gut bei heißen/trockenen Verhältnissen und mir genügte daher ein dünnes Seideninlet vollkommen, der Schlafsack blieb verknautscht am Fußende liegen ;)







      Der 2te Tag startete mit bewölkten Himmel, Wind und es war nicht mehr annähernd so heiß und schül wie tags davor. Wir wanderten über die hohe Strassenbrücke und dann gings nochmal entlang eines Fjordes zu einem Resti bzw. Bootsverleih wo wir Pause machten. Da meine Tourenpartnerin unbedingt über die Staumauer wollte legten wir erneut eine Variante zum 620er Fernweg ein.





      Nach dieser Staustufe hatte das kleine Flüsschen allerdings nicht wirklich eine freie Fließstrecke, denn hier begann bereits der Rückstaubereich der Mittelstufe Dobra und die Breite nahm rasch zu. Der Himmel verdunkelte sich zusehends und wir mussten unsere Regensachen hervorkramen. Es folgte ein Streckenabschnitt den wir bei teils strömenden Regen abwanderten, vorbei am renovierten Schloß Waldreichs. Es ging weiter auf Forstwegen teils hoch über dem Seeufer und die Tiefblicke erinnerten abermals an skandinavische Landschaft. Wir erreichten den Campingplatz Dobra und ich gönnte mir gleich 2 Eis nebst einem Radler. Auf der Teerstraße passierten wir die Burgruine Dobra, die durchaus sehenswert und für div. Events gut gebucht ist. Ich kannte sie allerdings von früher und wir verzichteten deshalb auf eine Besichtigung.





      Es hatte in der Zwischenzeit wieder zu regnen aufgehört und wir folgten nun direkt der 620er Markierung, großteils auf Teerstraßen. Eigentlich wanderten wir diesen Langstreckentrail in Gegenrichtung ab, denn er startet in Rosenburg am Kamp, führt stromaufwärts und endet beim Nebelstein in Grenznähe zu Tschechien. Wir machten einen Abstecher auf die Ruine Schwarzenöd, von der allerdings nicht viel übrig ist. Im Mittelalter waren hier zahlreiche wehrhafte Burgen da dies das Grenzgebiet zu den Böhmen/Slaven war und dementsprechend gesichert wurde.







      Der Wettergott war uns wieder gewogen, die Regenfront abgezogen. Nun ging es runter vom Burgfelsen auf einem verwachsenen Singletrail zum Kamp der hier eine idyllische Auenlandschaft hatte. Ich wollte grade über ein Steinwehr stapfen als mich meine Begleitung drauf aufmerksam machte, dass der Trail hinter meinem Rücken über eine Leiter weiterging - Weitwanderweg mit Klettersteigeinlage, super ;)







      Wir erreichten Krumau am Kamp etwas später am Tag und haben uns erneut ein Eis und einen Radler am Campingplatz gegönnt. Es zogen zwar Wolken drüber aber das Wetter war mehr als fair, so richtig chillige Stimmung direkt neben dem 3ten Stausee. Wir haben unser Zelt in einer Ecke aufgebaut und bis in die hereinbrechende Dunkelheit noch gekocht und erneut einen klasse Tag mit beinahe schon kitschig wirkendem Abendrot ausklingen lassen.







      Diese Nacht war zum Glück etwas kühler, was wohl der direkten Nähe zum Wasser geschuldet war. Ich musste sogar meinen Daunenschlafsack benutzen denn das dünne Inlet war nun doch zu dürftig. Es reichte allerings meine Füße bis über die Knie mit dem SchlaSa zuzudecken ;) Die Stimmung am morgen war wie die am Abend zuvor, beinahe schon kitschig und es war trotz guter Belegung am Campingplatz angenehm ruhig. Der Platz liegt direkt neben einem kleinen Badeteich m. Spielplatz und ich kann ihn bedenkenlos weiter empfehlen.







      Wir sind eher spät losgezogen, vorerst über Teerstraßen und dann gings weiter auf schmalem Wege direkt neben dem Ufer des Stausees Thurnberg entlang. Dieser 3te und letzte der Stauseen liegt etwas ab vom Schuß in ruhiger Lage und die Imobilien entlang des Sees verrieten dass hier betuchtes Publikum residiert. Wir legten in Wegscheid eine Mittagsrast ein und dort hat der Kamp wieder freie Fließstrecke denn die letzte Staumauer hatten wir bereits hinter uns gelassen. Der markierte Wanderweg führt auf einer Forststraße ins sogen. Bienental, eine wirklich sehenswerter Abschnitt an Flußlandschaft. Ich lasse mal ein paar Bilder sprechen ...









      Trotz mehrer Stops zwecks filmen, staunen und fotografieren kamen wir nur allzu rasch an eine Art Streuobstwiese od. Lichtung eines aufgelassenen Bauernhofes und hier verließen wir die Wegmarkierung 620 endgültig, der aber als Singletrail weiter entlang des Flußufers verläuft. Wir stiegen den Hang hinan ca. 200HM zur Ruine Schauenstein, was wegen der hochsommerlichen Temperaturen erneut eine schweißtreibende Aktion war. Wir hatten jede Menge alter Gemäuer entlang des Trails und hier auch noch Glück. Es kamen 2 deutsche Besucher welche den Schlüssel zum Bergfried im Gepäck mit dabei hatten und wir stiegen selbstverständlich gleich mit hoch. Oben auf dem Turm wurde uns dann bewußt dass wir einen vielversprechenden Abschnitt verpasst hatten den der Fluß schlängelte sich durch eine impossante Waldlandschaft. Die Ruine selbst war gut in Schuß und der Ausblick tatsächlich überwältigend, der Name Schauenstein also keine Übertreibung. Die Burg war gleichzeitig auch der Endpunkt unseres 3-tägigen Sections Hikes und der Abholdienst bereits für den späten Nachmittag organisiert.











      Meine Tourenpartnerin und ich haben eine wunderschöne Etappenwanderung hinter uns gebracht. Die Strecken- bzw. Tagesleistungen waren moderat, so dass dies auch für so Unsportliche wie uns zu bewältigen war. Mit dem Besuch von Gaststätten oder der Nutzung von Campingplätzen ist so eine Wanderung sicherlich auch für Ladies zumutbar. Ich würde die Tour jederzeit wieder machen ;)
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      Wer stahd kraid khimd ah waid!

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