Wie realistisch ist das, was man auf den Youtube-Kanälen als Bushcraft zu sehen bekommt (vor allem Feuer)?

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    • Wenn sich jemand 6 Jahre mehr oder weniger intenisiv mit einem Thema oder Hobby auseinandersetzt dann kann man durchaus annehmen dass sich da Wissen aufbauen lässt welches über den Durchschnitt hinaus geht und entsprechend fundiert sein kann mein lieber @Dachs. Ein Unistudium ist oft kürzer und hat auch das Ziel dass man in einem Bereich spezielles Wissen ansammelt. Ich würde einigen prominenten Youtubern durchaus Know-How in ihrem Bereich attestieren und ob sie nun durch Foren, Fachliteratur, YT oder schlicht durch beständige Praxis zu ihrem Wissen und ihren Fertigkeiten gelangt sind spielt da nicht die große Rolle. Wie @Stefan oberhalb schon schrieb ist in vielen Clips nicht erkennbar ob der Akteur 'was drauf' hat oder sich bloß gut präsentiert und diverse Mankos geschickt überspielt. Ich kann mich noch lebhaft an meine ersten Versuche mit dem Feuerstahl oder Bowdrill erinnern und das hat auch nicht gleich nach 2-3 Mal perfekt funktioniert und was den Bowdrill angeht tut es das leider immer noch nicht ;)

      Auch ich bin etwas ungehalten über die zunehmende Kommerzialisierung auf Youtube und da gibt es durchaus andere Bereiche des Outdoorlebens wo das bei weitem nicht so weit fortgeschritten ist wie speziell bei Bushcraft, Survival, Prepping, etc. Prinzipiell kann jeder einen Youtube Kanal eröffnen und zu einem Produktreview brauchts eigentlich nur ein Smartphone mit dem man das Video aufnimmt und hochläd. Es ist trauig dass offensichtlich viele Kanäle genau so starten und dank dem aktuellen Geschäftsgebahren des Plattformbetreiber Google wird sowas nicht nur gefördert sondern regelrecht gepusht. Kanäle die auf diesen Zug aufspringen haben manchmal Zuwachsraten die mir unerklärlich sind ... Für mich ersetzt YT das Fernsehen und das ist Unterhaltung, überhaupt kein Zweifel. Trotzdem ist mir die Zeit viel zu schade als dass ich sie mit irgendwelchen Produktvorstellungen verschwenden will selbst wenn sie gut gemacht sind, denn auf Dauerwerbesendungen im TV hab ich nun auch keinen Bock!

      Zum Glück gibt es noch Individualisten die auf ihren Kanälen ausgezeichneten und herrlich frischen sowie mehr oder weniger werbefreien Content abliefern und das sind durchaus nicht alles nur Underdogs mit nur ein paar wenigen Subscribern. Ich erlaube mir mal einige anzuführen auch wenn sie sich zum Teil mit anderen Facetten des Outdoorlebens beschäftigen, da wäre unter anderem:
      - 'Alpine Momente', betrieben von Franz Althuber, hier im Forum gibts schon einen Faden und der Kanal beschäftigt sich mit sportlichem Bergsteigen mit jeder Menge grandioser Gipfelbesteigungen
      - 'Jochen -Bergfexl- Kramer', auf diesem Kanal sieht man viele Bergwanderungen in teils eher unbekannten (Ost-)Alpenregionen mit impossanten Dronenflügen und beeindruckendem Bildmaterial
      - 'Heini Hefti', ein Schweizer der viele Touren in Norwegen bringt und die Videos sind allesamt echt gut gemacht
      - 'DRAUSSEN sein', zeigt Touren aus ganz Europa und dabei auch Gebiete welche nicht unbedingt Mainstream sind
      - 'Erik Nordmark', ein Schwede der einen englischsprachigen Kanal betreibt und Touren zu jeder Jahreszeit macht - still und interessant
      - 'Backpacking Wilderness', ein Holzkünstler vor dem Herrn mit aufwendig produzierten bushcraftigen Videos vor allem aus Ostbayern
      - 'Der Waldgeist', auf dem Kanal gibts Querfeldeintouren u. Overnighter überwiegend aus deutschen Mittelgebirgen
      - 'ways to outdoors', zeigt Kajaktouren u. Overnigther aus dem Grenzgebiet A-D
      Die Kanäle sind es wert sie zu schauen, auch wenn sie oftmals einen eher stillen, bescheidenen und unaufdringlichen Stil an den Tag legen! Ich bin mir sicher dass ich den ein oder anderen in der Liste vergessen habe zu erwähnen, sorry.
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      Wer stahd kraid khimd ah waid!
    • bugikraxn schrieb:

      Wenn sich jemand 6 Jahre mehr oder weniger intenisiv mit einem Thema oder Hobby auseinandersetzt dann kann man durchaus annehmen dass sich da Wissen aufbauen lässt welches über den Durchschnitt hinaus geht und entsprechend fundiert sein kann mein lieber @Dachs.
      Das ,,Intensiv auseinandersetzten,, ist leider genau das was man teilweise sehr schnell anzweifelt auch ohne selbst Experte sein zu müssen. Leider ist es nun einmal Recht einfach sich ein Thema für ein Video anzulesen, ne geeignete möglichst Naturartige Location zu finden, und sich vor der Kamera glaubhaft als über Outdoorer zu Präsentieren, das geht, hab ich selbst mal getestet mit einem Video und einen Bericht vor Jahren ;) Persönlich finde ich aber den Trend bedenklicher das man seid neuesten den Wald umgräbt für Clicks.
    • Ist ja schon eine Menge geschrieben worden und deshalb will ich gar nicht über Für und Wider reden, sondern nur meine persönliche Meinung hier wiedergeben:

      Ich meine, das viele YT-Videos das Thema verharmlosen, so einfach darstellen, man schnappt sich mal schnell den Rucksack, wirft da ein paar Sachen rein, allem voran und pflichtbewusst das obligatorische Erste-Hilfe-Set, gleich gefolgt von Messer (oder 2 oder 3), Axt, Säge, ... und kaum ist der Platz der Plätze gefunden, wird auch schon gleich ein Feuerchen gemacht. Interessant dabei ist es zu verfolgen, dass in mancher Leute ersten oder früheren Videos da so extremst drauf hingewiesen wird, wie gefährlich das doch ist, verboten zumeist sowieso, eine Menge an Sicherungsmaßnahmen zu treffen sind, ... um dann einige Wochen später zu sehen, dass das alles Schnee von gestern war und das Feuerchen dieses und auch die folgenden Male einfach so direkt (und das in diesem Sommer!) neben ein paar Baumwurzeln lodert, die in unmittelbarer Nähe gerade noch eben im Erdreich verschwinden können, ...).

      Anfangs fand ich das alles spannend, so richtige „Appetizer“, Animierfilmchen - und das ist alles, was sie heute für mich darstellen, weil die Realität doch etwas anders aussieht.
      Sicher ist so etwas auch abhängig von der Umgebung und den Möglichkeiten, die man so in der Nähe hat. Ich wohne im bevölkerungsreichsten Bundesland, und da ist das schon so eine Sache, überhaupt unentdeckt zu bleiben, nicht nur vom Menschen, sondern vielen derer besten Freunde, die so unangeleint ebenfalls die Weite der kleinen Wälder erleben wollen, um anschließend gerufen, gesucht und gefunden zu werden, ...

      Wie gesagt, um da Bock drauf zu kriegen, okay, aber dann nimmt man sich besser nicht allzuviel davon zum Vorbild, sondern sieht selbst verantwortungsbewusst zu, sich eine schöne Zeit zu machen. Und das funktioniert anfangs erstmal besonders gut, wenn man jemanden dazu kriegt, der schon mal etwas oder eben richtig Ahnung davon hat und einen mitnimmt.

      Falls hier YTr sind, ich möchte hier niemanden zu Nahe treten - Peace!

      PS:
      Die YT-Kanäle, die ich anfangs eher „verpönt“ hatte, weil da nix erklärt wurde, oder so, die schaue ich mir wenn, dann heutzutage am liebsten an, unspektakulär und eher was zum genießen!

      PPS:
      Wenn ich das heute mal so recht bedenke, war das/die erste/n Video im Internet, was oder die ich mir überhaupt dazu mal angesehen hatte, für mich mit am lehrreichstem! Jawohl! Da ging es darum, wie eine Schulklasse sich darauf vorbereitet hat, eine Alpenüberquerung zu machen. Und da erkennt man schnell, das eine längere Tour viel mehr braucht, als nur mal eben ein paar Sachen in den Rucksack zu werfen, Schühchen anzuziehen und in der nächsten Szene schon neben dem Feuerchen zu sitzen!
      Wenn du vor etwas Angst hast, tue es nicht.
      Wenn du etwas tust, hab’ keine Angst davor.
      ~ Mongolei ~