4 Tage Hardangervidda: Haugastøl - Finse - Rallarvegen

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    • 4 Tage Hardangervidda: Haugastøl - Finse - Rallarvegen

      Nach einem beinahe 2-wöchigem Urlaub in Norwegen bin ich nun wieder zurück in Österreich und möchte Euch von meiner 4-tägigen Tour am Nordostrand der Hardangervidda berichten. Die Vidda ist ein ausgedehntes Hochplateau und liegt grob zwischen Geilo, Odda, Røland u. Rjukan und ist das am südlichsten gelegene subpolare Gebiet Europas. Sie beherbergt die größte wildlebende Rentierpopulation Skandinaviens und zahlreiche weitere teils seltene Pflanzen u. Tiere. Da die Nordatlantikküste nicht weit weg ist sind Wetterkapriolen vorprogrammiert und es ist insgesamt ein sehr niederschlagsreiches Gebiet, im Winter liegt z.B. regelmäßig über 2m Schnee.

      Am 1ten Tag bin ich vormittages mit einem von einer guten Freundin ausgeliehnem Auto aufgebrochen. Der Rucki war großteils schon tags zuvor gepackt worden, nur noch schnell zum Supermarkt um ein paar Kleinigkeiten zu ergänzen und los gings für beinahe ca. 3 Stunden westwärts. Mein Ziel war Haugastøl an der R7 das ich am frühen Nachmittag erreichte. Das Wetter war zwar nicht perfekt, aber offensichtlich war viel Volk auf den Beinen was angesichts eines normalen Wochen(arbeits)tages doch etwas verwunderte. Daher waren die wenigen verfügbaren Parkplätze vergeben und freie Stellplätze rar. Ich musste suchen, hab mich dann etwas abseits gebührenfrei hinter einer kleinen Maschinenhalle eingeparkt, zumindest sah es hier nicht nach Privatparkplatz aus und es war auch kein Halteverbot angebracht.

      Mit vollem Rucksack gings dann los, über die Brücke der R7 und anschließend gleich abgebogen auf einen unscheinbaren Pfad, welcher inzwischen einer Hüttensiedlung verlief. Nach den Wochenendhäusern gings den Hügel hinan und es bot sich rasch eine gute Aussicht.





      Nach dem Aufstieg erreichte ich eine breite Senke auf ca. 1200m Seehöhe die typischerweise einige Seen aufnahm. Der Trail war gut markiert und auch ausgetreten, die Wegfindung also unschwierig, was nicht überall in Norwegen so ist.









      Auf der Hochfläche gabs bereits die für die Vidda typische Landschaftsform: Abgerundete Erhebungen, relativ flaches Terrain, karg, steinig u. felsig und ohne Baumbestand, lediglich ein paar niedrige Bodensträucher sind zu finden. Der Pfad führte am nördlichen Ufer der Seen Øvre Trestiklan und Nedre Trestiklan vorbei. Ob die Namensgleichheit mit einem bekannten schwedischen Nationalpark nur zufällig ist oder obs hier event. Zusammenhänge gibt? Eigentlich wollte ich die 1te Tagesetappe kürzer halten und nach dem Trestiklan campieren, ich bin aber dann doch noch ein kurzes Stück weiter gewandert und hab hinter dem Sattel mein Zelt an einem kleinen See aufgestellt. Abends gabs das obligatorische Süppchen. Die Nacht verlief großteils niederschlagsfrei und ich konnte eine gute Mütze voll Schlaf nehmen.

      Wie man auf den Bildern unterhalb unschwer erkennen kann war ich nicht alleine unterwegs auf dieser Tour. Mich hat eine Huskydame begleitet auf die ich aufpassen durfte und da die Wandertour anstand mußte sie kurzerhand mit.





      Am Morgen des 2ten Tages wollte ich rasch aufbrechen, denn es war schlechtes Wetter angekündigt. Noch bevor ich das Zelt abbaute hat es ein paar Mal kurz geregnet, das Zelt bekam ich aber dank mitgeführtem Wischtuch beinahe trocken in den Packsack. Der Pfad ging Richtung Kraækkja Turisthytta. Mein Plan war möglichst im größeren Abstand zu campen, da es hie und da Berichte gab dass von Zelten welche in der unmittelbaren Umgebung dieser Hütte abkassiert wurde mit der Begründung dass man ja die Infrastruktur der Hütte mitnutze wie z.B. das WC, etc. Ich begengete mehreren Wanderern, teils mit Nachwuchs im Kindergartenalter und noch bevor ich die Hütte erreichte fing es an zu regnen. Ich hab mir spontan ein Bier und einen Schokoriegel gegönnt um die Stimmung anzuheben, der Hund mußte jedoch vor der Türe warten und hatte keinen Zutritt.





      Bei meinem Abmarsch von Kraækkja hat es dann so richtig geregnet und ich mußte mich endgültig entscheiden welche Route zu wählen sei. Den direkten Weg Ri Norden auf Finse zu oder doch die längere Variante Ri Westen über Kjeldebu Hytta/ Leirbotn, welche erst später nach Norden Ri Finse abzweigt. Für diese Option hätte ich um ca. 1-1,5 Tage länger gebraucht und da ich etwas unsicher war ob der Hund das auch so durchs schlechte Wetter packt hab ich mich für die verkürzte Tour entschieden.



      Es hatte mal mehr mal weniger geregnet und in den wenigen Regenpausen wurde Rast gemacht. Haska, die Hundedame hatte dabei rasch ihren Rythmus gefunden. Es wurde sofort nach Futter gebettelt und dann gabs einen Powernap, dass nasse Wetter machte ihr offensichtlich nicht viel aus. Die Feuchtigkeit tat der Natur gut und es gab ein teils intensives Farbenspiel was etwas von den Unanehmlichkeiten ablenkte welche die Nässe so mit sich brachte. Ich hatte da schon mehr Schwierigkeiten, mein Zeug war nass, feucht und klamm und mir fröstelte dank kalten Windböhen ab und an. Dies zehrte natürlich an meinen körperlichen Reserven.





      Nachdem wir entlang der Ufer von einigen Seen in eher unschwierigem Gelände entlang wanderten kam die erste richtige Herausforderung: Die kleine Hängebrücke bei Larsbu! Dass Hunde Mühe mit der Höhe haben wusste ich von meinem eigenen, dass Haska mit sowas echte Probleme hat wurde mir erst an der Brücke richtig bewußt. Sie war nicht rüber zu bringen und sträubte sich nach Leibeskräften. Es war eine kurze Hängebrücke und die schwankte bedrohlich. Ich wollte sie auch nicht rüber tragen denn wenn sie sich ruckartig bewegte bestand die Gefahr dass ich mitsamt Hund über das niedrige Geländer viel und im kalten Bach mit starker Strömung landete. So wurde sie eher unsanft mehr rüber geschleift als geführt was der Hündin sicherlich nicht geviel, kein Zweifel.



      Kurz nach der Brücke kam mir ein deutscher Trekker mit seinem Sohn entgegen. Der Junge war vielleicht 10 Jahre alt und die beiden hatten schon gezeltet. Sein Vater gestand mir dass er das Terrain unterschätzt habe und der Knirps in deutschen Mittelgebirgen super klar kam aber in der Vidda mit den Blockhalden und felsigen, teils morastigen Trails seine Mühe hatte. Tja, der Nachteil von kurzen Beinen halt. Ich hab ihm dann versichert dass die Hütte vielleicht noch 3-4km weg war und es dort jede Menge Kekse gab für ihn ;) Ich hoffe die 2 wackeren Wanderer haben dass auch gepackt ohne nochmal campen zu müssen!

      Nach und nach lockerte es dann auf und die Niederschläge wurden weniger. Im Gegenzug wurde das Gelände etwas anspruchsvoller, die Anstiege länger und steiler. Es waren mehr und mehr Blockhalden zu überqueren, und hier hatte meine vierbeinigen Begleiterin deutlich mehr Mühe als ich. Sie tapte oft ins leere und sackte ab oder blieb mit der Leine irgendwo hängen. Tja, mit längeren Beinen ist man in solchen Steinhaufen eindeutig im Vorteil. Trotzdem kam ich nur quälend langsam voran und ich muß gestehen dass ich von der Form früherer Jahre nunmal sehr weit weg bin. Ich hab dan auch viel früher als geplant nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau gehalten. Ich hab am 2ten Tag das gesteckte Tagesziel zwar klar nicht erreicht, war aber trotzdem nicht verärgert darüber - ist ja Urlaub und kein sportlicher Wettkampf bei dems gleich ums Verlieren geht ...







      Wir fanden dann auch ein geeignetes Plätzchen, wie üblich an einem niedlichen See in einer Senke. Die Stelle war zwar nicht besonders windgeschützt, die teils kräftigen Böen halfen aber beim Trocknen der nassen Sachen, die ich auf den herumliegenden größeren Steinblöcken auslegte. Im Zelt selbst ist man ja windgeschützt. Es regnete zwischendurch immer wieder mal kurz und eine Packung Trekkingnahrung hob die Stimmung eindeutig bis sich die normale Campzufriedenheit einstellte und ich in den warmen Daunenschlafsack kroch ;)



      Nächtens wurde ich wach weil mich irgendwas von der Seite stupste. Die Stirnlampe war noch irgendwo im Rucki und im halbdunkeln konnte ich erkennen dass da was gegen die Zeltwand drückte, da sich diese stark einbeulte. Ich wollte mal nachsehen was der Hund so machte und musste feststellen dass das Vorzelt leer war, sie war also ausgebüxt! Ich hab dann den Eingangszipper geöffnet und herein kam Haska die sich offensichtlich freute was ihr Schwanzwedeln verriet. Wie sie unter dem Außenzelt durchschlüpfen konnte ist mir bis heute ein Rätsel. Es waren keine Heringe rausgerissen und es war auch nix beschädigt worden. Die Außenhaut von meinem Tunnelzelt geht wie üblich bei skandinavischen Teilen ganz bis zum Boden runter, da war max. ein Spalt von ein paar wenigen Zentimetern und wegen dem Wind wars noch dazu straff abgespannt weshalb da nicht so schnell was nachgab!

      Am Morgen des 3ten Tourentages begrüßte uns die wärmende Sonne, was eine Wohltat war. Zwischendurch regnete es zwar immer wieder mal leicht und die raschen Wetterwechsel waren wir ja in der Zwischenzeit bereits gewöhnt, also nix Aufregendes mehr. Ich habs dann auch geschafft dass ich mein Zelt 2x trocken wischen musste denn nachdem es perfekt trocken war kam ein Regenguß und ich mußte das Prozedere nochmals machen, was zugegeben ärgerte. Der Aufwand zahlt sich allerdings aus denn am nächsten Abend hat man ein halbwegs trockenes Zelt zur Verfügung, was ich eindeutig gegenüber einer Hütte mit nassen Wänden bevorzuge.





      Nachdem alles im Rucki war gings beständig bergan, das Gelände wurde zunehmend schwieriger, sowohl was die Steilheit der Hänge betraf als auch die Zunahme der Steinhalden und Ansammlungen großer Blöcke. Ich kam trotz kalter Winde gehörig ins schwitzen und mußte oft mal stehen bleiben um durch zu schnaufen. Wetter war wiederum sehr wechselhaft. Es regnete zwar nicht dauerhaft aber der beständige kalte Brise machte die Wanderung nicht angenehmer. Wir erreichten bald eine Höhe von 1400m und hier hat es durchaus schon hochalpinen Charakter. Vergleichbares findet man in den Alpen meist erst oberhalb von ca. 2200m Seehöhe mit spärlicher Vegetation und felsigem Terrain. Betrachtet man das Gelände auf der Landkarte drängt sich allerdings der Vergleich mit den Mittelgebirgen hierzulande auf - sanftere Geländekonturen mit leichten Kuppen überwiegen und schroffe Abhänge fehlen großteils. Dass die Wege aber nicht wie in unseren Wäldern beschaffen sind täuscht beim reinen Kartenstudium schon mal ...





      Der Trail ist zwar nicht so gut markiert bzw. erkennbar wie am 1ten Tag und über die Geröllfelder und Blockhalden muß man sich seine Linie sowieso selbst suchen, hier sind oftmals keinerlei Steigspuren vorhanden. Die Steinmänner mit dem roten T sind zum Glück weithin sichtbar, was eigentlich keiner weiteren Signalwirkung bedarf.





      Langsam aber beständig kam der Hardangerjøkulen in Sicht. Zunächst deuteten nur ausgedehnte Schneefelder auf den Gletscher hin, dann sah ich aber einzelne Gletscherzungen mit blau schimmerndem Eis, welche aber durchaus beeindruckende Ausmaße hatten. Der Nordosten der Vidda ist zugleich eine Wetterscheide und hier trifft das niederschlagsreiche und windige Klima der Westküste auf das eher trockene Inlandsklima und der massive Gletscher fügt sein eigenes Mikroklima hinzu - eine sehr wechselhafte Wetterküche also und kalte Abwinde vom Eis gibts beständig weshalb sich dichte Bewölkung mit Regen rasch abwechseln mit teils wolkenlosem Sonnenschein. Die Gletscherzungen auf dem Bild unterhalb gehören übrigens zur Eisformation welche den Namen Torsteinsfonna trägt.





      Der Trail bewegt sich auf ca. 1400 Höhenmetern dahin und die karge Steinlandschaft weis hier oben zu beeindrucken. Wer findet auf dem 2ten Bild unterhalb übrigens das was dort eigentlich nicht hingehört?





      Ich hatte mal wieder Rast eingelegt an einer sehr zugigen Stelle als die Gletscherzunge Blåisen (=blaues Eis) näher kam. Schnurstracks hats auch zu regnen begonnen deshalb eine nur kurzzeitige Verweilzeit. Dies war auch sozusagen der Scheitelpunkt der Tour denn ab diesem Rastplatz gings dann wieder langsam und beständig sanft bergab Richtung Finse. Zuvor kam ich an der Weggabelung Finse-Kjeldebu-Kraækkja vorbei welche an einer lieblichen Wiese mit mäandrierenden Wasserläufen lag.





      Kurz nach der Kreuzung kam eine Brücke welche über den Gletscherbach führte, was für meine Begleiterin abermals ein Problem war. Da es diesmal keine Hängebrücke war hab ich sie einfach geschnappt und rüber getragen, sie hat dabei zum Glück keinen Mux gemacht. Weiter gings über liebliche Grasflächen und da es ab und an mal nieselte gabs einen Regenbogen obendrauf.





      Das Gelände wurde zusehends einfacher, die Blockhalden verschwanden. Ich hatte nur noch 2 ernstzunehmende Hindernisse vor mir, nämlich die Brücken von Hansbu. Eine davon war eine Hängebrücke welche noch mehr schwankte als jene bei Larsbu, die 2te war zum Glück wieder eine fix installierte wo ich den Hund bedenkenlos rüber tragen konnte ohne dabei den Rucki absetzten zu müssen. Das Wasser war hier eine graue Sulze was typisch ist bei von Gletschermilch gespeisten Gebirgsbächen.







      Mein Tagesziel Finse rückte mit träger Geschwindigkeit näher und ich machte nur mehr leidlich Strecke, war wohl schon etwas müde von dem anspruchsvollen Gelände oberhalb. Eigentlich wollte ich noch am selben Tag den Damm überqueren und ein Stück weit Ri Haugastøl abspulen damit die letzte Tagesetappe nicht allzu lang werden würden. Ich suchte das Gelände auf der anderen Flußseite ab und soweit die Sicht dies zulies konnte ich keinen geeigneten Spot ausmachen und das Studium der Karte brachte den Entschluß dass ich doch noch vor Finse die letzte Nacht verbringen solle. Die Suche nach einem Zeltplatz war acuh hier schwieriger als gedacht, den an allen geeigneten Stellen schien schon jemand sein Zelt aufgeschlagen zu haben. Mir blieb nur ein Platz 2ter Wahl hinter einer Geländekante die zumindest etwas Schutz vor dem eiskalten Wind zu bieten schien. Das Zelt war dann auch rasch aufgebaut und es gab eine Portion Trekkingnahrung aus dem Beutel. Der Hund kam selbstverständlich auch nicht zu kurz und sie hatte ihr Häufchen Trockennahrung rasch vertilgt und legte sich dann wie üblich hin um zu dösen.



      Das Camp vor Finse war mit Abstand das ungemütlichste der gesamten Tour. Der Platz war nicht eben und ich rutschte ständig ab, zudem erwies sich der Moosbewuchs als Wassersammler bei den Regengüssen. Der böige Wind nahm in den Nachtstunden zu und rappelte am Zelt, ich bin durch das Getöse oftmals aufgewacht und zwischendurch hat es immer wieder Mal geregnet was an der Außenhaut ebenfalls lautes Geräusch verursachte. Da mir am letzten Tag eine lange Etappe bevorstand wollte ich morgens rasch raus und zur Abwechslung brach sogar manchmal die Sonne für kurze Momente durch. Der Abbau gestaltete sich schwieriger als üblich und ich bin nicht nur einmal irgendwelchen Teilen nachgelaufen weil sie vom Winde weggeweht worden sind. Am 3ten Bild unterhalb stand auf einem perfekt zu scheinenden Spot ebenfalls ein Zelt und die Leute hatten so ihre liebe Mühe mit der ausgesetzten Lage am Kamm - zum Glück war dieser Platz schon belegt, sonst hätte ich womöglich eine noch unruhigere Nacht verbracht.







      Zurück am Trail kam schon nach ca. 1km das größte Hindernis der gesamten Tour, nämlich der Damm am Finsevatnet. Ich hab da eigentlich einen karrenbreiten Weg erwartet, stattdessen war es ein schmaler Durchschlupf der von hohem Geländer begrenzt war. Mir blieb nix anderes übrig als den Husky hier ebenfalls rüber zu zerren und er hat sich wiederum sehr widerwillig angestellt und wollte einfach nicht mit. Wir habens trotzdem irgendwie rüber geschafft. Hier pfiff ein eiskalter Wind über den See und dank nieseln gabs wiederum ein paar Regenbogen zum Ausgleich. Überhaupt hab ich noch nie so viele Regenbogen an nur 2 Tagen gesehen wie dort oben.

      Nach der Dammüberquerung gings direkt auf den sogenannten Rallarvegen. Rallar bedeutet so viel wie Schiene und diese Schotterpiste wurde bereits 1894 zur Errichtung der Bergenbahn angelegt. Ursprünglich diente sie für den Transport von Bauarbeitern, Werkzeug und Materialien. Heute ist dieser Karrenweg einer der beliebtesten Radwege Norwegens und wird gut angenommen. Er ist großteils für den Kfz-Verkehr gesperrt und führt parallel zur Bahnstrecke über die Berge bis Flåm hinunter soweit ich weis. Mir blieb nix anderes übrig als Kilometer abzuschrubben. Vorerst war das Wetter noch bescheiden mit kalten Winden, Nieselregen, usw. Es besserte sich aber im Laufe des Tages und ich kam auch gut vorran.





      Alle ca. 1,5-2 Stunden wurde mal Pause eingelgt und dabei eine Kleinigkeit geknabbert und ausgibig getrunken. An einem Rastplatz bin ich dank wärmender Sonnenstrahlen eingeschlafen und ich weiß nichtmal wie lange ich dort gelegen habe, es hat zumindest gut getan! Zwischenzeitlich entdeckte ich eine blutende Kralle am rechten Hinterlauf von Haska, was mir etwas Sorgen bereitete. Sie hat sich wohl am scharfkantigem Schotter verletzt. Die Fußballen selbst waren nicht betroffen was mich verwunderte, sind dies doch die empfindlichsten Stellen. Das ganze hörte aber wieder auf zu bluten und am Ziel angekommen war vom Problem nix mehr zu bemerken ...









      Ich hab die ca. 27-28km auf dem Rallarvegen zwischen Finse und Haugastøl am letzten Tourtag komplett abgespult und so rasch kanns gehen wenn Piste und Wetterverhältnisse mitspielen. Zum Schluß muß ich noch ein Lob an meine Huskydame aussprechen. Abgesehen von den Brückenquerungen hat sie alles ohne Probleme mitgemacht und ihr haben weder die bescheidenen Trails über die Blocksteinhalden noch das nasse und kalte Wetter was anhaben können. Ich kannte die Hündin zwar von früher, sie ist aber mittlerweile schon ca. 15 Jahre alt und durchaus nicht mehr das Energiebündel von zuvor. Wenn ich angenommen hätte dass wir beide mit den widrigen Verhältnissen so klar kommen wäre auch die längere Route über Kjeldbu drinnen gewesen ... Ich bin dann am Abend noch zurückgefahren und hab die Nacht im Camper meiner Freunde verbracht und mal nicht das Zelt aufstellen zu müssen war eine sehr willkommene Abwechslung ;)

      Ein paar Anmerkungen zum Gear auf dieser Tour:

      Bewährtes & Empfehlenswertes:
      - Sitzunterlage; fürs Vorzelt den nach dem Zeltaufbau kann da der Boden oftmals feucht vom Regen sein und für Rastpausen
      - Skandinavisches Tunnelzelt - windstabil, geräumig u. wasserdicht, ideal für die Bedingungen vor Ort
      - Rucksackregenhülle; selbsterklärend und unentbehrlich bei dem Wetter. Hab den norw. Stil rasch adaptiert und die blieb immer am Rucki. Am Ende der Tour bemerkte ich allerdings ein paar Löcher die es nun zu flicken gilt
      - Kleines Microfasertuch; mit hoher Saugkraft zum Abwischen des Zeltes
      - kleine Gartenschaufel; fürs vergraben der Exkremente. Meine 'Gackschaufel' ist ein Plastikteil, den im Fjell findet man leider keinen Ast wie im heimischen Wald um seine Hinterlassenschaften zu vergraben

      Von mir wenig bis gar nicht benutzt:
      - Messer; mit am Start war mein bewährtes Victorinox Trailmaster als einziges Messer und dies wurde die ganzen 4 Tage nicht benutzt. Es wird ja gern mal gefragt welche(s) Messer mit auf Tour soll(en) und speziell bei einer Berg- oder Fjelltour ist die Wahl des richtigen Schuhwerks und des Regenschutzes wesentlich entscheidender über das gelingen der Unternehmung als die Messerfrage! Beim nächsten Mal kommt ein kleineres Vic mit und gut ist's ;)
      - Outdoor GPS; dabei war das Garmin etrex 30 und das eigentlich als Backup, falls Navigation/Standortbestimmung mittels Smartphone u. Offlinekarten nicht funktionieren. Tatsächlich hab ich fast immer das Smartphone benutzt, die heruntergeladene Offlinekarte ist detailreicher, Geschwindigkeit z.B. beim zoomen u. Übersicht wesentlich besser als auf dem Garmin. Mein etrex wird wohl jetzt noch öfter daheim bleiben ...
      - Trekkingstöcke; da ich freie Hände brauchte für die Hundeleine waren die Stöcke nu im Weg. Zudem verhielten sich meine maroden Knie unauffällig und ich sah keine Notwendigkeit auf die Stöcke zurückzugreifen
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      Wer stahd kraid khimd ah waid!
    • Wow, was für ein geiler Bericht!
      Kompliment an dich, Franz :thumbsup:
      Welches Zeltmodell hattest du denn dabei?
      Und was wog denn dein Rucksack?

      Vielen Dank für die schönen Bilder und deine lebendige Schilderung.

      Gut Pfad, Micha
      Für mich ein echter Held:
      Lord Robert Stephenson Smyth Baden-Powell of Gilwell
      Kurz Bi-Pi genannt.
      Der Gründer der Weltpfadfinder Bewegung
      scout-o-wiki.de/index.php?title=Datei:Baden-powell1.jpg
    • Michas Pfadfinderei schrieb:

      Welches Zeltmodell hattest du denn dabei?
      Mein Zelt ist von Helsport und das Modell nennt sich Sarek 2+ Camp. Sorry, leider knapp daneben lieber @Tipple, die 2 Modelle sind sich aber zugegeben sehr ähnlich ...

      Michas Pfadfinderei schrieb:

      Und was wog denn dein Rucksack?
      Um ganz ehrlich zu sein, ich weiß es nicht denn ich hab ihn vorm Abmarsch nicht gewogen ... Ich schätze mal so um die ca. 20kg herum oder knapp darüber, also eher weit weg von UL ;) Ich mach mir da aber auch nicht wirklich viel Kopf zum Rucksackgewicht, hehehe
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      Wer stahd kraid khimd ah waid!
    • Sehr ausführlicher Tourenbericht mit wirklich schönen Bildern!
      Kannte bisher nur Winterberichte aus der Vidda!
      Obwoh ich noch nie einen Hund besaß, stelle ich es mir außerordentlich
      angenehm vor, mit einem tierischen Kameraden zu wandern!
      Was nicht ist, kann ja noch werden! ^^
      Danke für's mitnehmen!
      Cooler Bericht für heiße Tage! ;)

      have fun,folks!

      Nichts ist so gerecht verteilt, wie die Intelligenz!
      Jeder glaubt genug davon zu besitzen!
    • ol'greenhorn schrieb:

      Kannte bisher nur Winterberichte aus der Vidda!
      Die Vidda kennt zum Glück nicht nur eine Jahreszeit (wär auch schade) und sie bietet auch im Sommer viel. Die Norweger nutzen das riesige Gebiet vor allem für ausgedehnte Touren wobei man traditionell mit Fischangel unterwegs ist ;)

      ol'greenhorn schrieb:

      Obwoh ich noch nie einen Hund besaß, stelle ich es mir außerordentlich
      angenehm vor, mit einem tierischen Kameraden zu wandern!
      Ich hab selbst seit beinahe 20 Jahren keinen Hund mehr und hatte zugegeben so meine Bedenken im Vorfeld. Aus den Erfahrungen mit dem eigenen Vierbeiner sind Touren durchaus nicht immer unproblematisch. Meiner suchte sich z.B. bei Hitze einfach ein Plätzchen im Schatten und war dann nicht mehr weiter zu bewegen und mit seinen über 50kg hätte ich ihn z.B. auch nicht so einfach wie den Husky über eine Brücke tragen können. Naja, da mir ein Campingwagen, Auto, etc. kostenlos zur Verfügung gestellt wurde konnte ich den Wunsch der Besitzer auch nicht ausschlagen und hab mich ein paar Tage der Huskydame angenommen. Ich kannte sie allerdings von früher und hab auch schon mal auf sie aufgepasst wenn die Besitzer unterwegs waren - dann war sie aber bei mir in der Wohnung bzw. nur auf kurzen Wanderungen mit.

      Der Husky ist aber die ideale Rasse für dieses Terrain wie ich finde. Er wird nicht müde oder langsamer am Trail, er hatte trotz steiniger Pfade, Morast, etc. keine Probleme mit den Ballen an den Pfoten. Er hat ein dichtes Fell und trotz Regen, niedrigen Temperaturen, teils eisigem Wind offensichtlich nie gefroren. Da er nicht allzu schwer ist benötigt er nicht viel Futter und eine Packung Trockenfutter wiegt auch nicht soo viel ... Er ist immer absolut ruhig geblieben, selbst bei Begegnungen mit anderen Hunden oder Schafen gabs kein gebelle und gekeife! An den ersten 1-2 Tagen mussten wir uns allerdings arrangieren, er ist da ständig vorne weg gelaufen und blieb an jedem Bush oder Stein stehen um ausgibig zu schnüffeln. Bergab trabte er los und da kam ich einfach nicht hinterher, zumal ich meine Knie schonen wollte, usw. Ich hab ihm dann angewöhnt dass er hinter mir zu bleiben hat und mich nicht überholen darf, was etwas Mühe gekostet hat. Nach einiger Zeit ging das aber problemlos und ich konnte mich auch auf die Landschaft konzentrieren, der Hund nahm nämlich einiges an Aufmerksamkeit in Anspruch wenn er so vor mir her lief ...
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      Wer stahd kraid khimd ah waid!
    • Die simpelste Variante damit der Hund nicht in die Quere kommt ist ein ordentliches Zuggeschirr was mit (teilelastischer) Leine am Hüftgurt befestigt ist. Etwas Erziehung vorausgesetzt hat man dann die Hände frei und wenig Probleme.
      Skal hilse fra fjellet – det evige land,
      hvor moskus og jerven har bolig.
      Min lengsel dit inn er blitt som en brann.
      Kun der får jeg fred og blir rolig...

      Jon Ø. Hov