Verzichtbares Gear auf Trekkingtour?

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    • Verzichtbares Gear auf Trekkingtour?

      Irgendwie hat sich ein herrlicher, weil durch lange Schönwetterperioden gekennzeichneter Sommer verabschiedet und zumindest hier in Österreich hielt die warme Witterung ungewöhnlich lange an. Die Outdoorsaison hat ihren Höhenpunkt bereits überschritten, die allermeisten waren schon unterwegs, einige sind es nach wie vor und ein paar scharren womöglich noch in ihren Startlöchern um endlich raus zu kommen und ein paar Kilometer durch den goldenen Herbst auf einem Trail abzuspulen. Muss aber diejenigen rügen bei denen 'der Trail' lediglich eine kurze Strecke zwischen Pool und Hotelbar war/ist und sie ermahnen mal gründlich über die Auswahl ihrer Urlaubsdestination zu reflektieren, hehehe!

      Pünktlich zu Beginn der ruhigeren Jahreshälfte poppt in den ersten Fäden das Thema Rucksackgewicht auf mit vielen gut gemeinten Empfehlungen was man mitnehmen solle, wieviel man max. einpacken darf und was so das ideale 'Kampfgewicht' für eine Tour ist oder wie man ein vermeintlich hohe Packgewicht reduzieren könne. So unterschiedlich wie die Herbstfarben ist der Tourencharakter und jeder hat beim Begriff 'Tour' ein anderes Bild im Kopf. Für den einen möge das bedeuten mit dem Auto in ein Waldstück in der näheren Umgebung zu fahren, vom Parkplatz ein paarhundert Meter zu einem bereits eingerichteten Lagerplätzchen mit Feuerstelle zu marschieren, dort am Feuerchen zu kochen, zu grillen, etwas zu basteln und eine gemütliche Zeit zu verbringen. Für mich ist eine Tour z.B. am Wochenende in ein schönes Gebiet abzudüsen um dort ein paar Kilometer die Natur zu erkunden, ein wildes Camp aufzubauen und am nächsten Tag wieder zum Ausgangspunkt zu wandern. Wiederum andere begeben sich auf Langstreckenwanderungen und spulen Tag für Tag beständig Kilometer ab und das oftmals über mehrere Wochen hinweg.

      Jahreszeit, Terrain, Klimazone, etc. verlangt abgestimmtes Gear und schon bei der Tourenplanung wird üblicherweise überlegt was man für die jeweilige Unternehmung gedenkt mitzunehmen. Darüber hinaus hat wohl jeder seinen Spleen für Lieblingsteile die einfach einpackt werden ohne darüber nachzudenken und jeder führt sicherlich auch den einen oder anderen 'Luxusartikel' mit, den man nüchtern betrachtet nicht wirklich benötigt, welcher aber den Komfort am Trail oder im Camp erhöht. Alles soweit kein Malheur oder Anlass zur Kritik und wenn ich mich mal selbst bei der Nase nehme hab ich jede Menge 'Lieblingsteile' und 'Luxory Items' die beständig mitgenommen werden ohne dass die essentiell für meine Touren sind!

      Was ist nun erforderlich bzw. was ist überflüssig und kann getrost weggelassen werden? Die Punkte unterhalb sind mit Fokus auf Mehrtagestouren (länger als 3 Tage unterwegs) zu Fuß mit einer täglichen Streckenleistung von 12-15km und auch mehr zu verstehen. Was ist mir nun aufgefallen an (vermeintlich) überflüssigen bzw. unnötigem Gear, was wurde weggelassen oder ersetzt - sei es bei mir selbst, im Bekannten- oder Freundeskreis oder bei Leuten die ich am Trail getroffen habe. Eine (unvollständige) Auflistung unterhalb:

      Bekleidung: Die Komplettausstattung aus 1x Outfit zum wandern, 1x Outfit fürs Camp bzw. für die Stadt, 1x Outfit fürs schlafen, darüber hinaus extra Regenzeug (oftmals essentiell), extra Badezeug, zusätzliche Base Layer und obendrein mehrere Sets Trekkingsocken und Wäsche zum wechseln ist für Mehrtagestouren nicht erforderlich - ein Rucksack ist keine Kleiderkammer! Wer bei dieser Reihung nun sofort an unsere Ladies denkt, dem muss ich entgegnen dass diese oftmals viel konsequenter im weglassen sind und speziell wir Männer dazu neigen üppig Ersatzkleidung einzupacken weil ja eh noch Platz ist im großen Rucki, nichtwahr? Je nach Witterung macht eine leichte Badehose aus schnelltrocknendem Material, eine vernünftig isolierte Wärmejacke, etc. durchaus Sinn. Man benötigt aber sicherlich nicht jedes Bekleidungsteil mehrfach und spätestens nach 2-3 Tagen Wanderung riechen sowieso sämtliche Mitwanderer ebenso streng wie einer selbst, also was solls. Mir ist's zwar auch peinlich wenn zufällige Begegnungen am Trail kurz die Nase rümpfen, ich sehe aber dennoch keinen Grund hier Ersatzkleidung mitzunehmen und mich in Zivilisationsnähe jedes mal umzuziehen. Für Problemfälle gibt's Sicherheitsnadeln, Nähzeug und gewebeverstärktes Klebeband, was gewichtsmäßig leichter ist als ein 2tes Komplettoutfit ;)

      Umfangreiches Erste Hilfe Set m. Medikit: Man benötigt auf Trekkingtour keine Stethoskope, Blutdruckmessgeräte, Injektionsspritzen, chirurgischen Bestecke, Intubationsschläuche, Beatmungsmasken m. Pumpfunktion, usw. In einschlägigen BC- und Survivalforen findet man einiges über Torniquets, SAM-Splints oder Trauma-Kits welche speziell zur Versorgung von Schussverletzungen gedacht sind, etc. und hier entsteht durchaus der Eindruck dass diese essentiell fürs EH-Kit sind. Dieses Spezialequipment ist oftmals bulkig und alleine einer dieser militär. Druck-Schnellverbände kann schon eine Deckeltasche vom Rucki beinahe komplett ausfüllen! Auf Trekkingtouren wird man eher selten mit schwerem Werkzeug wie z.B Äxten hantieren welche stark blutende Verletzungen verursachen können und die Wahrscheinlichkeit angeschossen zu werden ist auszuschließen, weshalb sich deren Notwendigkeit ebenfalls in Frage stellt. Ich bin zugegeben jemand der ein umfangreiches EH-Set mitführt und dies ist nicht nur einem MTB-Sturz sondern auch meinen Solotrips geschuldet sowie dem Umstand dass geneigte Mitwanderer oftmals gar nix eingepackt haben. Ich orientiere mich dabei an der Ausstattung der österr. Bergrettung und dies ist für die meisten Touren mehr als ausreichend. Ich könnte hier bedenkenlos reduzieren! Mindestens ein paar Pflaster, paar sterile Wundauflagen u. Mullbinden und schmerzstillende Tabletten erachte ich als essentiell. Ein zickendes Gelenk kann man z.B. auch mit einer gebastelten Schiene aus ein paar Stöckchen stabilisieren, eine Bandana kann als (Druck-)Verband über eine sterile Wundauflage gegeben werden etc. und die Mitnahme von speziellem EH-Gear erübrigt sich weitestgehend. Wer permanente Medikation benötigt wird seine Präparate selbstverständlich dabei haben, eh klar.

      Großes Messer: Selbst auf die Gefahr hin dass ich mich bei unseren Knife-Junkies unbeliebt mache, aber wuchtige Messer wie z.B. große Bowies, Survivalmesser oder die hinlänglich als Rambo-Messer bezeichneten Schneidwerkzeuge wird man auf Trekkingtour nicht benötigen. War viel in Norwegen unterwegs und hatte da z.B. gern ein Linder Super Edge I dabei. Dieses leichte Fixed war so gut wie immer unnützer Ballast denn verwendet hab ich handlichere Klappmesser oder ein kleines Schweizer! Auf Tour wo ich Strecke machen möchte halte ich mich z.B. erst gar nicht damit auf Heringe zu schnitzen oder Feuerholz zu batonieren, ein großes Messer erübrigt sich daher. Heringe bekomme ich selbst mit einem kleinen Vic angespitzt und im Bedarfsfall kann ich auch ein paar Knüppel übers Knie brechen um z.B. den Hobo oder das Feuer zu füttern ... Zudem ist sowieso ein Campingkocher mit am Start, das Kochfeuerchen daher nicht zwingend. Beschäftigt man sich z.B. mit der Trugh-Hikerszene wird man feststellen dass die oftmals nur ein Vic als Multifunktionswerkzeug oder max. ein leichtgewichtiges Neckknife dabei haben und die wandern oft hunderte von Kilometern durch abgelegenes Gebiet. Diese Weitwanderer verzichten selbstverständlich auch auf die div. Backupmesser welche in unserer Szene usus sind, denn ein Victorinox ist rasch wiederbeschaffbar sollte doch mal eins verloren gehen.

      Multitool: Früher war in meinem Rucksack immer ein kleines Multitool eingepackt, nämlich ein Gerber MultiPlier 400 Compact Sport mit ca. 180g. Die Zange ist zugegeben hilfreich zur Reparatur von Pulka, Skibindungen, div. Fahrradgeschichten, etc. und fürs fassen von heißen Töpfen. Für reine Trekkingtouren ist selbst ein kleines MT aber Luxus, von Standardtools die gern mal bis zu 300g wiegen ganz abgesehen. Jene Anwendungsfälle wo eine Zange tatsächlich benötigt wird sind selten und nützliche Werkzeuge wie z.B. Säge, Schraubendreher, Ahle, usw. finden sich auch an diversen Victorionx welche lediglich mit einem Gewicht von 60-90g zu Buche schlagen (je nach Modell u. Bestückung) und will man vornehmlich die Messerklinge verwenden sind sie wesentlich praktischer in der Handhabung.

      Axt, Säge, etc.: Also Werkzeuge zur Holzbearbeitung und fürs Feuerholzmachen - ihr seht's schon, ihr habt in diesem Faden eine harte Zeit mit mir ;) Nunja, Äxte wiegen ab ca. 400g aufwärts und selbst Klappsägen mit Plastikgriff haben ein Gewicht. Vielerorts existiert ein Feuerbann und Campfeuer sind verboten bzw. bei derart trockener Witterung wie diesen Sommer verbietet sowas der gesunde Menschenverstand! Vor allem wenn man 'wild' unterwegs ist und sein Camp auf fremden Grund stellt wird man sein möglichstes tun um erst gar nicht aufzufallen. Ein Feuer erzeugt leider Rauch den man leicht sehen und in der Nähe auch sehr gut riechen kann - zudem hat man bei Dunkelheit den Lichtschein welchen man problemlos auf mehrere Kilometer erkennt. Wenn schon ein Feuer dann ein möglichst kleines, event. in einem Hobo. Das benötigte Holz bekommt man auch händisch zerkleinern bzw. mit einer Säge vom Vic. - die eignet sich auch bestens um z.B. hinderliche Äste zu entfernen sollte mal Tarp/ Hängematte keinen Platz finden zwischen den Bäumen.

      (Militär-)Klappspaten: Sind schwergewichtige Teile und ich wüsste beim besten Willen nicht wozu ich sowas einpacken soll? Die obligatorische Regenrinne rund ums Tarp ist nicht erforderlich bei guter Standortwahl und mit Zelt hat man sowieso hochgezogenen Boden der Wassereinbrüche abhält. Fürs verstecken von Exkrementen und Klopapier tut's eine einfache Plastikschaufel aus dem Baumarkt. Selbst ein Prügel vom Waldboden, ein Zelthering oder ein Trekkingstock genügt um seine Hinterlassenschaften zu vergraben oder eine kleine Lagerfeuerstelle abzudecken, den BW-Klappspaten kann man also getrost zu Hause oder im Auto lassen!

      Klappsessel: Ich liebe diese faltbaren Campingsessel und die letzte Generation wäre auch kompakt verstaubar und somit rucksacktauglich. Die wiegen nur leider ca. 1kg aufwärts und man muss sehr genau abwägen ob einem die Bequemlichkeit für eine längere Tour dieses Gewicht wert ist. Eine kleine Sitzmatte wiegt nicht viel und lässt sich auch auf Baumstümpfen, Steinen etc. platzieren die man als Sitzplatz benutzen kann ohne dabei zu frieren oder einen schmutzigen Hintern zu bekommen.

      Feuerstahl, Zunder: Da mach ich Euch doch glatt schon wieder einen Strich durch die Rechnung mit der Survivalgeschichte, gehört doch ein Feuerstahl zu den essentiellen Dingen eines Survivalisten ;) Mit Feuerstahl und Zunder muss man umgehen können und vielfach ist es wesentlich einfacher ein normales Gasfeuerzeug zum Entzünden von div. Campingkochern oder eines Holzfeuers zu benutzen. Ein übliches Gasfeuerzeug stellt auch keine großen Ansprüche an den Zunder, Zündstein und Gastank reichen für eine normale Tourlänge selbst bei intensivster Nutzung völlig aus. Trägt man das Feuerzeug z.B. direkt man Körper ist es meist hinlänglich vor Nässe geschützt um anstandslos zu funktionieren. Wer unbedingt ein Backup benötigt dem würde ich anstatt eines Feuerstahles wiederum ein 2tes kleines Standard-Gasfeuerzeug empfehlen, eben weil's kinderleicht in der Handhabung ist. Zudem bekommt man Ersatz an jeder Tankstelle sollte man eins aus Versehen mal wo liegen lassen.

      MRE, EPA, übliche Heeres-Kampfrationen: Sind den dehydrierten Trekkinggerichten manchmal gar nicht unähnlich, haben eine lange Haltbarkeit und vieles schmeckt tatsächlich nicht schlecht. Weshalb würde ich z.B. MRE's trotzdem nicht empfehlen? Abgesehen vom hohen Preis sind die Gerichte mehrfach verpackt und zusammen mit Essbesteck, Gewürzbriefchen, flammenloser Hitzequelle etc. hat man in jeder Tagesration viel mit dabei was man eigentlich gar nicht benötigt und es fällt übermäßiger Müll an welchen man nach Verzehr zumindest bis zur nächsten Tonne mitnehmen muss. Diese Heeresrationen sind nicht gerade klein vom Packmaß und wirft man z.B. einen Wochenbedarf in einen 35l Rucki wird man feststellen dass dieser ein stückweit gefüllt wird. Liebhaber die auf diese Heeresrationen stehen würde ich empfehlen zu Hause bereits auszusortieren und umzupacken wobei wir wieder bei der Müllproblematik wären ...

      Essgeschirr, Teller, Tassen: Macht zugegeben Sinn wenn man als Gruppe unterwegs ist und sich einen größeren Kochtopf teilt. Für Solotrekker ist es aber problemlos möglich den Topf auch direkt als Essgeschirr oder Gefäß für Heißgetränke zu verwenden was nicht nur weitere Tassen und Tellerchen erspart sondern auch den Abwasch am Trail deutlich vereinfacht und beschleunigt. Obwohl ich z.B. meinen Tee auch problemlos direkt aus dem Kopftopf trinken könnte hab ich sehr gerne einen Müslinapf oder eine Holztasse mit dabei und da steh ich voll drauf ;) Als Besteck reicht oft ein Löffel, eine zusätzliche Gabel ist schon Luxus und ernährt man sich überwiegend von üblicher Trekkingnahrung braucht man diese sowieso nicht. Ein Besteckmesser ist unnötig, ein Vic macht diesen Job anstandslos und ist meist sowieso mit dabei sowie multiuse.

      Metallwasserflasche: Sind schwergewichtig und teuer (manchmal auch beides), werden aber in Survivalkreisen als nützlich eingestuft da man darin auch Wasser abkochen kann. Bin der Auffassung dass sich ein normaler Campingkochtopf am besten für alles zum kochen eignet und ein Backup brauche ich zumindest nicht - falls doch würde ich hierfür einen 2ten leichten Topf oder eine Metalltasse bevorzugen. Viele Trekker verwenden anstatt dickwandiger Wasserbehältnisse schlicht PET-Flaschen und kommen damit gut zurecht.

      Ersatz-Lichtquelle: Teelichter verbreiten zugegeben eine angenehme Atmosphäre, keine Frage und sich 1-2 Stk. einzupacken für einen romantischen Abend ist auch nicht verkehrt. Moderne LED Taschenlampen oder besser noch Stirnlampen haben sagenhafte Batterielebensdauern und achtet man darauf dass sich die Dinger nicht aus Versehen einschalten kommt man mit einem Batteriesatz viele Tage bis hin zu mehreren Wochen aus (im Norden sogar das ganze Sommerhalbjahr!). Ein Backup wäre zwar nicht erforderlich, ich hab aber trotzdem zur Stirnlampe noch gerne eine kleine LED-Campingleuchte und eine Minitaschenlampe mit dabei - dient in erster Linie zum ausleuchten da ich gern filme und fotografiere und bei schlechtem Licht wäre die Quali ansonsten sehr mau - auch so ein Luxusgoody von mir ;)

      Elektronische Geräte wie z.B. E-Book Reader, Tablett, zusätzliches Outdoor-GPS, etc. Die Mitnahme von zahlreichen spezialisierten Elektronikgeräten kostet eine Stange Geld, nimmt Platz weg und das Gewicht summiert sich. Heutige Smartphones sind Multifunktionsgeräte und können problemlos mit div. Apps die unterschiedlichsten Funktionen bis hin zum Fotoapparat m. Videoaufzeichnung abdecken. Betreibt man sie z.B. im Offlinemodus hält der Akku lange vor, Standortbestimmung zur Navigation ist trotzdem möglich, geeignete Offlinekarten mal vorausgesetzt. Eine Powerbank m. Ladekabel wiegt oftmals nicht viel, verlängert die Laufzeit deutlich. Ein leichter A-Lok-Sak schützt empfindliche Elektronik zuverlässig vor Nässe und wiegt dabei nicht viel.

      Ersatzbatterien, Solarlader u. Powerbanks: Ersatzbatterien (übliche AA od. AAA Zellen) nehme ich tatsächlich meist nur im Winter mit dabei da die Kapazität bei Kälte deutlich einbricht. Moderne Lithiumbatterien haben vor allem bei kalten Verhältnissen deutlich längere Lebensdauer als Standardzellen oder gar Akkus. Meine Powerbank m. 10.000mAh ist ab und an dabei, wird auf Tour tatsächlich selten benötigt. Lediglich für die Fotocam packe ich einige Ersatzakkus ein, da speziell das Videofilmen viel Strom verbraucht. Ich nehme mittlerweile auch keinen Solarlader mehr mit, oftmals bin ich in bewaldeten Gebiet unterwegs und da ist die Ladeleistung in Folge Abschattung sowieso nicht zufriedenstellend. Zudem macht ein Solarpanel meiner Meinung nach nur zusammen mit einer Powerbank wirklich Sinn die als Speicher dient. Energiesparfunktionen an seinen Elektro- und Elektronikgeräten soweit wie möglich zu nutzen spart oftmals die Mitnahme zusätzlicher Ersatzbatterien, Akkus und Ladepanels.

      Backup vom Backup und nochmal ein Backup als Reserve: Wie geht der Spruch nochmal - Two is One and One is None? Geht man nach div. Leitfiguren in der Survivalszene benötigt man für jedes Werkzeug oder Gearteil mindestens einen Ersatz für den Fall das da mal was kaputt gehen könnte oder verloren wird. Wenn ich das durchziehen würde müsste ich konsequent mit 125l Rucki losziehen und ein Sherpa der ebenfalls einen 125l Pack schleppt würde mich begleiten. Diese Art von Ab- und Rückversicherung ist großteils nicht erforderlich denn der Trekkingrucksack mit sinnvollem Inhalt ist bereits das Survivalkit schlechthin. Wer dies anders sieht dem würde ich empfehlen mal ein Bier zu trinken und in sich zu gehen, dann schaltet sich der Paranoiamodus ganz von selbst aus ;)

      Solardusche, Toilettartikel: Die Mitnahme ist verlockend und Körperpflege ist selbstverständlich auch auf Tour erforderlich. Meist tut es aber die 'Katzenwäsche' von neuralgischen Zonen und ein Vollbad kann man auch an einem Bach od. See nehmen und so ist schlagartig für Erfrischung gesorgt. Eine Solardusche ist ein nettes Gimick, die Wassermenge ist begrenzt und das Wasser erreicht nicht immer die Temperatur welche man als angenehm für ein Duschbad empfindet. Deodorants, Parfüms und div. Pflegemittel sind am Trail unnütz und auch irritierend. Spätestens nach dem nächsten Anstieg riecht man sowieso wieder ein wenig streng ... Als Bade- u. Handtuch tut es auch oft ein kleinformatiges Microfasertuch welches leichtgewichtig ist, gut saugt und rasch trocknet.

      Stuff-Sacks u. Packbeutel: Verwende ich zugegeben selbst gerne um etwas Ordnung im Rucksack zu bekommen und sollte ich mal bei Schlechtwetter ausladen müssen ist nicht sofort der ganze Krempel durchnässt oder verschmutzt. Viele lassen die diversen Stausäcke aber einfach weg, da sie einerseits Gewicht haben und andererseits viel toten Raum bei der Beladung des Rucksacks ergeben, was sicherlich die größere Problematik ist. Einen Idealzustand gibt's hier wohl nicht denn jeder handhabt das individuell anders. Ich glaub aber nicht dass jemanden seine Einzelteile noch zusätzlich in Packsäcke zwecks Schutz vor 'wasweisichwas' klatscht und diese dann in den Rucki pfercht ;)

      Rucksackausstattung: Ist mein Lieblingsthema und üblicherweise sieht man auf den Trails nicht annähernd so viele taktisch angehauchte MOLLE-Monster wie man entsprechend div. Fotos hier im Forum od. aus Clips einschlägiger YT-Channels schließen würde. Find zwar MOLLE prinzipiell nicht überflüssig, bin aber offensichtlich aus der Experimentierfase raus gewachsen und erachte das für eine Trekkingtour als ein nicht essentielles Feature an einem Rucksack. Die zahlreichen Bänder haben nicht nur Gewicht, sie lassen gern Wasser rein und sorgen dafür dass daran schon mal was hängen bleibt. Meist klatscht man eh nur ein paar wenige Taschen dran und belässt das so, selbst wenn sie für die eine oder andere Tour leer bleiben sollten, man schleppt das tote Gewicht. Neben MOLLE gibt's einiges an Ruckis was zwar nicht unbedingt für den Lasttransport erforderlich ist aber die Bequemlichkeit fördert wie z.B. RV-Zugänge am Rucksackboden (Schlafsackfach), Frontreißverschlüsse fürs Hauptfache, div. Unterteiler, Abteiler, Zusatztaschen, Schubfächer, Bänder u. Schlaufen, etc. Wenn ich mal in mich gehe und ehrlich analysiere wie oft ich dieses und jenes Feature od. Gimmick tatsächlich nutze stellt sich die berechtigte Frage wieso ich nicht einfach einen Sack an einem Tragesystem kaufe welcher sich oben verschließen lässt ... Darüber hinaus sind die starken Nylongewebe in 700D oder gar 1000D welche vorwiegend an taktischen Ruckis verbaut sind echt overkill. Für einen anständigen Trekkingrucksack reicht ein Gewebe aus 330HD oder 420HD völlig aus (wenns leichter sein soll sogar 210HD) und die sind robust genug um auch mal einen Abstecher ins Gelände zu verkraften. Ein Rucksack wird übrigens bei Flugtransfers deutlich höher belastet als auf dem Trail. Hierfür sollten die Dinger gesondert geschützt werden, entweder mit den speziellen Transportsäcken oder zumindest mit ein paar starken Müllsäcken die man mit Klebeband gut fixiert so dass auch nix flattert. Auf keinen Fall darf was abstehen, was z.B. an Förderbändern oder Rampen irgendwo hängen bleibt! So sind nämlich Beschädigungen an den stärksten Ruckis vorprogrammiert.

      Bei Touren in abgelegene Gebiete wird man verstärkt Augenmerk auf robustes und dauerhaftes Gear legen, was nicht heißt dass dies zwingend schwergewichtig sein muss. Hier ist ein umfangreicher ausgestattetes EH-Kit und ein durchdachtes Reparatur- und Ersatzteilkit mit an Bord. Auf dieses kann man bei Touren in Zivilisationsnähe schon eher verzichten, da man verloren gegangenes oder beschädigtes Gear leichter ersetzen kann als z.B. in einem skandinavischen NP oder in der kanadischen Wildnis. Wer Boot, Fahrrad, 4WD, Quad, usw. zur Fortbewegung nutzt der kann die Punkte oberhalb eher vernachlässigen. Für diejenigen welche ein stationäres Camp beziehen und ihr Zeug bis dorthin nicht über weite Strecken tragen müssen erst recht und hier ist es auf alle Fälle legitim schwereres Werkzeug für die Holzbearbeitung mitzunehmen um sich am Feuerchen zu erfreuen das wir alle so lieben ;)

      Meine Aufzählung ist sicherlich unvollständig und dem einen oder anderen fallen event. spontan Sachen ein welche er/sie für eine Mehrtagestour wo auch Strecke gemacht werden soll einfach nicht mit eingepackt. Die Auflistung liese sich also verlängern und Ihr seid eingeladen weiteres 'Nice-To-Have' Gear anzufügen. Andererseits hat jeder seine liebgewordenen 'heiligen Kühe' die mit auf Tour kommen und wenn weg gelassen erfährt der geneigte Trekker keinen merklichen Komfortverlust. Selbstverständlich soll es auch kein Angriff auf diejenigen sein welche Teile von oberhalb mitnehmen! Es gibt hier sicherlich keine 'No-Gos', die zweckmäßige Mischung machts die zum Charakter der Tour passt und es gibt viele die sich ihr Süppchen in einer UL-Titantasse über dem Hobofeuerchen brühen, also traditionelles Bushcrafting mit leichtgewichtigem High-Tech Gear kombinieren was nur auf den ersten Blick einen Widerspruch darstellt. Soll keinesfalls einen Aufruf sein das eigene Set-Up sofort umzukrempeln solange es für einen selbst funktioniert und man damit zufrieden ist ;)
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      Wer stahd kraid khimd ah waid!
    • @bugikraxn eigentlich vermeide ich es so lange Berichte zu lesen. Mag daran liegen das ich von Natur aus Faul bin.
      Aber ich habe ihn von vorne bis hinten gelesen.
      Sehr schön geschrieben. Danke Vorab für die Mühen.
      Ich sehe es ganz ähnlich so wie Du. Gear sollte der Tour und den eigenen Vorlieben angepasst sein.
      Manche sagen, ich sei bekloppt ich find mich verhaltensoriginell.
    • Puuuhhhh, so viel mag man ja gar nicht lesen wollen! :P

      Ich denke, die Meisten können sich dem anschließen, ich für mich jedenfalls schon. Ich räume aber durchaus ein - und sagte das schon anderswo - dass ich auch Sachen dabei habe, die ich vielleicht für den Moment nicht brauche, aber es für mich dazugehört, es mir um den Spaß geht.
      Nur als Beispiel, um sich das auch vorstellen zu können:
      Ich habe immer (im Rucksack) dabei einen besonderen Gürtel, an dem ein spezieller Lederbeutel und mein mir liebstes Messer hängen. Das ist so das, was ich dann quasi im Lager so bei mir oder um hätte, um wichtigste Dinge schnell greifbar zu haben (zumal ich vollgestopfte Hosentaschen überhaupt nicht mag).

      Ansonsten packe ich schon bedarfsgerecht und für die eine oder andere Eventualität.
      Wenn du vor etwas Angst hast, tue es nicht.
      Wenn du etwas tust, hab’ keine Angst davor.
      ~ Mongolei ~
    • @bugikraxn
      Sag mal, schreibst du ein Buch?
      Du hast in der letzten Zeit ein paar Texte rausgelassen die könnten glatt als Vorwort zu Kapiteln bzw. als ausführliche Inhaltsangabe durchgehen. Ein bischen langatmig aber voll mit Information.
      Besonders bei den Messern, Sägen, Beilen und Klappspaten muss ich dir recht geben. Deinem Fazit, von wegen ein "Schweizer" genügt, kann ich aber nicht zustimmen. Ein "Schweizer" mit feststellbarer Klinge... da kämen wir ins Geschäft.

      Das Spielzeug weglassen, konzentration auf´s wesentliche und schon hat man 10kg weniger.

      Ich bspw. bin sehr anfällig bei nasser Unterwäsche, und da ist es egal ob Baumwolle, Merino oder Kunstfaser. Daher habe ich 3x Unterhemd und T-shirt dabei, die ich manchmal an einem Tag durchwechsle. Die nassen häng ich dann aussen, zum trocknen, an den Rucksack.
      Ich bin mir sicher da hat jeder so seine Eigenheiten.

      Danke für deine Mühe.

      P.s.: Habe vor etwa einem Jahr ein 1.Hilfe Kit für die Schlittschuhhexen meiner Tochter zusammengestellt. Eine Nadel, eine gute Pinzette und eine Nagelschere sind Gold wert und nicht/schlecht durch anderes zu improvisieren. Sonst nur ein paar "gute" Pflaster, ein bischen Tape und ein Verbandspäckchen um "Löcher" erstmal abzudichten. Mehr braucht es erstmal nicht, und natürlich Plastikbeutel für Eis zum kühlen von Prellungen. Die Nadel, Pinzette und Nagelschere vermisse ich etwas in deiner Aufzählung.
    • supi schrieb:

      Sag mal, schreibst du ein Buch?
      Setz mir bloß keinen Floh ins Ohr @supi ;)


      supi schrieb:

      Eine Nadel, eine gute Pinzette und eine Nagelschere sind Gold wert und nicht/schlecht durch anderes zu improvisieren
      Eine Pinzette ist tatsächlich auch in meinen kleinen EH-Päckchen immer mit dabei - hab ich glatt vergessen anzuführen. Wurde zuletzt erst wieder mal verliehen, da jemand einen hartnäckigen Splitter entfernen musste. Die Pinzetten an den Vic's sind nett, wenns aber zur Sache geht wie bei tief sitzenden Splittern oder gut eingebohrten Zecken geht nix über eine richtige Pinzette mit stabilen Schenkeln. Da brauchts keine dieser teuren medizinischen Dinger sondern ein günstiges Standardteil aus der Kosmetikabteilung tuts auch ;)

      Nagelschere hatte ich noch nie mit, bei längeren Urlaubstouren halt mal einen dieser kompakten Klipper (z.B. von True Utility), die sind auch super zum kappen von Angelschnüren, etc.
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      Wer stahd kraid khimd ah waid!
    • bugikraxn schrieb:

      Nagelschere hatte ich noch nie mit, bei längeren Urlaubstouren halt mal einen dieser kompakten Klipper (z.B. von True Utility), die sind auch super zum kappen von Angelschnüren, etc.




      ... und nur zum Angelschnur kappen taugen die was. ;)
      Bei diesen Nagelklippern splittern meine Fingernägel. Das fält dann wohl wieder unter die besonderen persönlichen Eigenheiten. Den von True Utility habe ich sogar irgendwo rumliegen.
      Bei mir kommen bei Nagelfeilen, Scheren und Pinzetten nur Produkte von Nippes ins Haus. Bin schon zu oft auf die Nase gefallen mit Supermarktzeug.

      Gruss
    • @Yaron, vorbildlich! das ist UL und nahrhaft - sieht aber mies aus und wird von Menschenkennern oft als Ausdruck innerer Zerrissenheit gedeutet... aber wann trifft man die schonmal im Wald.

      Doch genug OT. Ich hab da ja was losgetreten und will es wieder gut machen - das Thema ist sehr interessant.
      Sich des Mittels der Reduktion zu bedienen, um seine Ausrüstung aus neuen Blickwinkeln zu betrachten, ist nämlich gar nicht mal so schlecht.
      Nicht die gute alte Packliste, die wir alle schon 2000 Mal gelesen haben, nein: die Das-Pack-ich-diesmal-nicht ein-Liste... toll.

      Trotzdem bleibt es ein schwieriges, weil persönliches Thema.

      Ich habe zum Beispiel eine Möglichkeit gefunden, mir das elendige Wassergeschleppe ein für alle Mal vom Hals zu schaffen: ich nehme stattdessen einfach Bier mit. ( 8o Ich kann nicht anders, Spaß muss sein....)

      Es ist ja folgendermaßen: wenn ich mich so draußen betrachte, brauche ich eigentlich fast nie ein großes Messer, selbst das Kochzeug ist für mich zuweilen gar nicht notwendig, vor allem auf kurzen Unternehmungen, die ja -wie wahrscheinlich bei den meisten- den Großteil ausmachen... das sieht auf einer Trekkingtour natürlich anders aus.
      Jedenfalls habe ich oft zuviel mit und das Meiste davon ist zu schwer, um es über weite Strecken zu tragen. Liegt an meinen Gewohnheiten und daran, was ich draußen mache. Bin kein Trekker. Ich geh angeln, da bin ich oft stationär, das Auto unweit entfernt. Ab und an ins Elbsandsteingebirge zum Klettern, zwei Nächte inner Boofe - maximal.
      So aber der schon seit langem auf dem Plan stehende Malerweg mit seinen 112km endlich mal wird, muss ich mir was überlegen, da kann ich nicht mit dem Trumm von Carinthia (Wilderness) losziehen :| , und da kommen dann durchaus die Tipps und Überlegungen im Startbeitrag zum Tragen (Wortspiel! Muuuuh)....

      Schon gut, schon gut, ich verbleibe einfach mit Goethe, den ich wegen seiner Betrachtungen auch sehr schätze:

      [...]Wer Großes will, muß sich zusammenraffen;
      In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,[...]


      (Die zwei Verszeilen müssen reichen. Issn Gedicht bestehend aus zwei Sonetten. Üble Nummer. Ihr wisst schon...)

      Pieß!
      Anschnallen.
    • supi schrieb:

      @bugikraxn
      Sag mal, schreibst du ein Buch?
      Du hast in der letzten Zeit ein paar Texte rausgelassen die könnten glatt als Vorwort zu Kapiteln bzw. als ausführliche Inhaltsangabe durchgehen.

      Ja für dieses Buch würde ich mich auch interesieren, wäre bestimmt klasse ;) .

      Aber vielleicht könnte man für die Zusammenfassungen der letzten Zeit von @bugikraxn nen seperaten Platz geben, wo alle zusammen sind und man schnell mal nachlesen kann.

      LG: Micha

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