„Schnell gefragt!“ - Der Thread (Faden) für die kurze Frage zwischendurch

  • Wieder mal eine Frage an die Forstbewanderten unter Euch.

    Ich überlege gerade, nächstes Jahr ein paar Blauglockenbäume / Kiri / Paulownia tomentosa zu ziehen und diese dann ins Licht einer meiner Rückegassen zu setzen, wenn sie - wie die anderen Anwärter - außerhalb der Wildverbisshöhe sind. Also ein Jahr später. Das Ganze sähe ich als Versuch und lese mich gerade durchs Netz, wo Informationen von "darf man nicht (Schweiz, Österreich?)" bis "wächst teilweise schon ungepflanzt im Wald" so ziemlich alles findet.

    Vorläufiges Fazit: sollte in Baden-Württemberg kein Problem darstellen, in den Wald zu pflanzen, Invasivität scheint vernachlässigbar, braucht zwar Pflege, aber die sollen sie von mir bekommen - ist ja keine Plantage.

    Was meint Ihr? Was gilt es zu bedenken? Einfach ausprobieren oder besser auf Altbeährtes setzen?

    Grüße vom Largo

    Gôdaich!

    (geht eigentlich (ganz gut))

  • Ich finde, wenn es nicht so wuchert wie z.B. Robinie und dadurch

    heimische Pflanzen verdrängt müsste das gehen.

    Frag doch mal nen Förster, oder besser drei, dann hast du ndrei

    verschiedene Meinungen und kannst dir die sinnvollste raussuchen.

    Eine Freundin von meiner Tochter hat da eine Bachelorarbeit drüber geschrieben.

    Such mal nach Hanna Bonsels und Paulowina.

    Gruß Konrad

    Wer nicht will, findet Gründe, wer will, findet Wege!

    Member of the "Arctic Circle Society"!

  • Danke für Deine schnelle Antwort Konradsky . Den zuständigen Förster wollte ich eben vorerst noch raus lassen und erst noch anderweitig Meinungen einholen. Was ich an Gesetzestexten so durch habe, steht rein rechtlich wohl nicht dagegen. In der Schweiz sieht das wohl ganz anders aus, dort sei die Pflanzung von Kiribäumen verboten, weil Neophyten.

    Die Einschätzung der Invasivität scheint aber durchaus kontrovers, denn die Keimbedingungen sind bei uns in freier Natur so einfach (noch) nicht gegeben, als dass sich Saatgut der Bäume einfach so weiter vermehren könnte.

    Ich habe mir jetzt mal ein Tütchen Samen bestellt und werde nächstes Frühjahr mal experimentieren. In den Wald gehen sie frühestens nach dem Aufstocksetzen und Maximalaustrieb im Folgejahr. Es ist also noch Zeit für weitere Meinungen.

    Vielen Dank schon Mal

    Grüße vom Largo

    Gôdaich!

    (geht eigentlich (ganz gut))

  • Ja genau supi , er wird als CO2 Speicher beworben, weil er eben so schnell wächst und Biomasse bildet, ist aber ein Pionier wie die Birke und hat eine entsprechend "kurze" Lebenserwartung, was in der Werbung aber nie so wichtig erscheint.

    Das Holz scheint sehr interessant und wenn man da so schnell auch dran kommt, könnte ich ja sogar selber noch was davon haben...

    Grüße vom Largo

    Gôdaich!

    (geht eigentlich (ganz gut))

  • Ein schlechtes Brennholz soll es sein....

    Beim Wachstum würde ich die Paulownia etwa auf die Stufe der Pappel stellen, nur ohne den grossen Wasserbedarf der Pappel.

    Das ist auf jeden Fall einen Versuch wert, den seien wir ehrlich, das Thema Neophyt oder nicht hat sich spätestens dann erledigt wenn alle Wälder in D aussehen wie der Harz. Ich habe Studien gesehen die selbst der Buche schlechte Aussichten bescheinigen.

    Ihr hattet jetzt mal ausnahmsweise einen nasseren Sommer, aber die Tendenz macht mich nachdenklich. Wenn bei mir in Finnland, auf felsigem Gelände, 30 Jahre alte Kiefern vertrocknen.... was bedeutet das dann für euch.

    Ich würde mit süditalienischen Verhältnissen rechnen die von biblischen Sintfluten unterbrochen werden.

    Schwieriges und umfangreiches Thema.... muss selbst mal meine Grundstückchen in D begehen.

  • "Schwieriges und umfangreiches Thema" - exakt. Es sind nicht nur steigende Durchschnittstemperaturen, es geht auch um die Niederschlagsverteilung im Jahresverlauf sowie von Jahr zu Jahr. Sprich höhere Niederschlagsmengen mit chaotischer Verteilung.

    Ich werde sicher im Forum auch noch meine two cent zum Sinn und Unsinn von Wald als solchem beitragen, aber nicht an dieser Stelle. Sinnvoll sind, in dieser Reihenfolge: 1. Naturverjüngung ---- 2. Wenn denn unbedingt Anpflanzung dann keine Klone, also keine Baumschulware. Da sind die Forsten mit ihrer Baumvermehrung besser aufgestellt (individuelle genetische Vielfalt ist angesagt) ---- 3. Wenn unbedingt nicht-einheimische Arten, dann solche aus benachbarten Regionen und mit hohem Verwandtschaftsgrad zu einheimischen Arten. Beispiel: Arten aus dem pannonischen Raum (Steppenklima ab Ost-Österreich südostwärts). Artbeispiel: Flaumeiche, die noch so gut wie nicht gehandelt wird. ---- 4. Erst zuletzt sollte an echte Exoten wie den Blauglockenbaum gedacht werden. Solange nicht eindeutig geklärt ist ob die Art invasiv ist oder nicht, ist eigentlich allgemeine Vorsicht angesagt statt Rumexperimentiererei. Ich weiß, meine Meinung hält die Entwicklung nicht auf, in vielen Gärten stehen Blauglockenbäume und wachsen auffällig schnell vor sich hin.

    Begründung: um die hiesige Biodiversität so gut wie möglich zu erhalten - in Artenvielfalt und Biomasse - sind einheimische Arten essentiell, denn in langer Co-Evolution haben sich die Arten miteinander entwickelt. Bei Bäumen sind das vor allem Insekten und andere Tiere, die sich von Baumteilen, meinst Blättern, ernähren. Mit exotischen Arten können diese Tiere nichts anfangen.

    Die absolute Spitzenreiterin in Sachen Beherbergung von Fraßorganismen ist übrigens die Stieleiche, Quercus robur.

    Für diejenigen, die sich intensiver einlesen wollen: https://naturgarten.org/wissen/2023/10…ische-vielfalt/

  • postdoomhiker , das hört sich sinnvoll an.

    Dieser Blauglockenbaum ist mir hier noch nie begegnet. Ob der Form seiner Blätter und seines schnellen Wachstums war ich erstmal etwas irritiert.

    "näää, suujet kütt m´r he nitt e´rinn" war mein erster Gedanken.

    Sorry, el_largo wenn ich dir dagegen rede. Ich würde es wohl nicht machen, weder im Garten noch im freien Wald. Ob ich - wie Konradsky es eingebracht hat (nicht vertritt!) , so einen Baum auf einer Plantage ziehen würde? ich habe da Bedenken. Da werden wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, sicherlich befördert durch eben die CO2-Aufnahme und den schnellen Wuchs.

    Bei schnellem Wuchs habe ich immer direkt bedenken, was da Holz betrifft. Schnell ist oft halt nicht fest und ohne hohen Brennwert. Irgendeinen Tod muss man ja sterben.

    Aber auf der anderen Seite bin ich in meiner Welt erstmal weit weg von Bäume-Pflanzen. Die drei "Pflichtbäume" für die drei Kinder habe ich schon vor längerem in den Boden gebracht. (Grün nach oben ;) )

  • Das Holz soll garnicht so schlecht sein. Ähnelt dem Abachi Tropenholz und das wird in

    der Möbelindustrie sehr viel eingesetzt, kann es also ersetzen.

    Spart dann zweimal CO².

    Gruss Konrad

    Wer nicht will, findet Gründe, wer will, findet Wege!

    Member of the "Arctic Circle Society"!

  • Ok, also die vier Meinungen der drei Förster spiegeln sich allgemein auch hier wider.

    Die Invasivitätsbewertung hier ist sicherlich ebenfalls nicht 100% objektiv, da von einer Baumschule, die die Pflanzen offensichtlich verkaufen will, aber es klingt für mich wenigstens plausibel, dass die Samen bei uns nicht in freier Wildbahn keimen werden.

    Wenn ich es richtig verstehe, geht es in den Plantagen um Holzgewinnung und nachfolgenden Stockaustrieb. Das heißt, wenn das Holz geerntet worden ist, ist an selber Stelle wieder mit einem neuen Baum zu rechnen. So verkehrt fände ich das nicht, wenn der dann wieder so schnell Holz produziert.

    Mein Gedanke, warum ich gestern Abend in meinen Gedankenspiralen darauf gekommen bin, ist, dass ich die Rückegassen, die mit Springkraut überwuchert werden, mit Kiris bepflanzen und somit dem Springraut das Licht nehmen könnte. Sozusagen den lästigen Neophyt mit dem gewinnversprechenden fraglichen Neophyt vertreiben. Ob Kiri mit der Begleitvegetation immer noch ein Problem hat, wenn sie schon einigermaßen hoch eingepfanzt werden, konnte ich noch nirgends raus lesen.

    Grüße vom Largo

    Gôdaich!

    (geht eigentlich (ganz gut))

  • "Schwieriges und umfangreiches Thema" - exakt. Es sind nicht nur steigende Durchschnittstemperaturen, es geht auch um die Niederschlagsverteilung im Jahresverlauf sowie von Jahr zu Jahr. Sprich höhere Niederschlagsmengen mit chaotischer Verteilung.

    Ich werde sicher im Forum auch noch meine two cent zum Sinn und Unsinn von Wald als solchem beitragen, aber nicht an dieser Stelle. Sinnvoll sind, in dieser Reihenfolge: 1. Naturverjüngung ---- 2. Wenn denn unbedingt Anpflanzung dann keine Klone, also keine Baumschulware. Da sind die Forsten mit ihrer Baumvermehrung besser aufgestellt (individuelle genetische Vielfalt ist angesagt) ---- 3. Wenn unbedingt nicht-einheimische Arten, dann solche aus benachbarten Regionen und mit hohem Verwandtschaftsgrad zu einheimischen Arten. Beispiel: Arten aus dem pannonischen Raum (Steppenklima ab Ost-Österreich südostwärts). Artbeispiel: Flaumeiche, die noch so gut wie nicht gehandelt wird. ---- 4. Erst zuletzt sollte an echte Exoten wie den Blauglockenbaum gedacht werden. Solange nicht eindeutig geklärt ist ob die Art invasiv ist oder nicht, ist eigentlich allgemeine Vorsicht angesagt statt Rumexperimentiererei. Ich weiß, meine Meinung hält die Entwicklung nicht auf, in vielen Gärten stehen Blauglockenbäume und wachsen auffällig schnell vor sich hin.

    Begründung: um die hiesige Biodiversität so gut wie möglich zu erhalten - in Artenvielfalt und Biomasse - sind einheimische Arten essentiell, denn in langer Co-Evolution haben sich die Arten miteinander entwickelt. Bei Bäumen sind das vor allem Insekten und andere Tiere, die sich von Baumteilen, meinst Blättern, ernähren. Mit exotischen Arten können diese Tiere nichts anfangen.

    Die absolute Spitzenreiterin in Sachen Beherbergung von Fraßorganismen ist übrigens die Stieleiche, Quercus robur.

    Für diejenigen, die sich intensiver einlesen wollen: https://naturgarten.org/wissen/2023/10…ische-vielfalt/

    Das ist mal eine sinnvolle Aussage👍

    Wir werden uns nicht gegen Neo-, ob Phyten oder Zoen, wehren können. Viele neue Arten haben bereits gezeigt, dass sie sehr potent sind.

    Aber vorsätzlich deren Ausbreitung fördern geht einen Schritt zu weit.

    Der Faktor Zeit beim Zusammenwachsen von Artengemeinschaften ist ein wichtiger. Menschen sollten nicht versuchen, Biotope mit unbewiesenen Zielsetzungen in aller Schnelle neu zu formen.

    Kann klappen, klappt des öfteren auch mal nicht.

    Auf forstlicher Seite kämpfen Versuchsanstalten gegen diese Hobbybaumneuerfindungen. Denen wäre es lieber, auf kontrollierten Versuchflächen zuerst die Ökosystemverträglichkeit neuer Arten zu testen.

  • Die Reihenfolge von Moosmaennchen halte ich schon ein!

    ABER:

    zu 1.) Natürverjüngung: ist in dem Wald zu 99% Fichte

    zu 2.) Anpflanzung: hier widersetze ich mich schon von Anfang an (in Unwissenheit, denn dass es dieses Gesetz gibt, weiß ich erst seit meiner Recherche in Sachen Kiri).

    §4 Forstvermehrungsgutgesetz FoVG

    Ausgangsmaterial zur Erzeugung von forstlichem Vermehrungsgut, das in den Verkehr gebracht werden soll, bedarf der Zulassung. Es dürfen nur 1.Erntebestände unter der Kategorie "Ausgewählt",

    2.Samenplantagen unter der Kategorie "Qualifiziert" und

    3.Erntebestände, Samenplantagen, Familieneltern, Klone und Klonmischungen unter der Kategorie "Geprüft"

    zugelassen werden. Das Ausgangsmaterial muss für die Nachzucht geeignet erscheinen und seine Nachkommenschaft darf keine für den Wald oder die Forstwirtschaft nachteiligen Eigenschaften erwarten lassen.

    Ich habe von Anfang an versucht, nach bestem Wissen und Gewissen der Naturverfüngung unter die Arme zu greifen und Saatgut gesammelt und verteilt. Mein Erfolg: die Rehe graben danach oder fressen es, sobald es keimt. Oder aber es erstickt unter Brombeere und Springkraut.

    zu 3.) Für benachbarte Arten bin ich zwar offen, diese müsste ich aber als Pflanze kaufen. Hier fehlt mir der Händler (hab ich noch keinen gefunden, weil ich, wie unter 2 zu lesen, Baumschulen bisher gemieden habe)

    so und jetzt 4.)

    meine Idee zum Exot Blauglockenbaum habe ich ja weiter oben schon ausgeführt.

    Grüße vom Largo

    Gôdaich!

    (geht eigentlich (ganz gut))

  • Ja, da hast Du wohl recht Muli eine kurze Antwort scheint es auf meine Frage nicht zu geben.

    Also lassen wir das Thema hier gut sein.

    Dank für die vielen Antworten, ich werde zu gegebener Zeit berichte, wie ich mich entschieden habe.

    Grüße vom Largo

    Gôdaich!

    (geht eigentlich (ganz gut))

  • Ja, da hast Du wohl recht Muli eine kurze Antwort scheint es auf meine Frage nicht zu geben.

    Also lassen wir das Thema hier gut sein.

    Dank für die vielen Antworten, ich werde zu gegebener Zeit berichte, wie ich mich entschieden habe.

    War kein Angriff, ich fand es nur witzig... ;)

    Die Gebirge sind stumme Meister und machen schweigsame Schüler.
    (Johann Wolfgang von Goethe)

  • War kein Angriff, ich fand es nur witzig... ;)

    hab ich also solchen auch nicht verstanden! Aber Du hast natürlich recht. Das Thema würde einen eigenen Faden füllen - wenn man das wollte. Vielleicht gibt es ja forstlich ambitionierte Foristi, die sich zu dem Thema Neophyten / Exoten im forstlichen Kontext äußern wollen. Ich finde das Thema Wald und Zukunft sehr spannend, aber das dürfte ja aus den vergangenen Beiträgen bereits hervor gegangen sein.

    Grüße vom Largo

    Gôdaich!

    (geht eigentlich (ganz gut))

  • Wie großvater bereits meinte Fritz schenkte mir Fichte für Bergbau !

    Entwendete die Eichen und Buchen.

    Heute sehen wir das Fichte nur einem noch schmeckt dem Käfer. :dolldrueck:

    Also warum nicht ist doch kein Urwald wo Palmen öl eindringt.

    Ja hab mir bereits das hier angesehen und die Probleme angehört was zuviel Wasser / Hitze / Pilz angeht.

    Paulownia - Wichtige Infos zu Blauglockenbaum & Kiribaum
    Paulownia ist auch als Blauglocken- Kaiser- & Kiribaum bekannt. ➽ Wichtige Infos zu Anbau, Pflege, Blüte und Holzverwertung
    www.paulownia-baumschule.de
  • 0815 die Seite kenne ich bereits, leider wird aber auch hier nur der Kiri als Plantagenbaum beleuchtet und nicht, wie meine Eingangsfrage, im Wald als "Ergänzung" zum Bestand. Wie in meinem vorherigen Post geschrieben: lassen wir die Frage hier so stehen, sonst beschäftigen wir uns hier noch einige Seiten später damit.

    Eigener Faden? Gerne!

    Grüße vom Largo

    Gôdaich!

    (geht eigentlich (ganz gut))