Eureka! Lone Tree 3 Tipizelt [Kurzvorstellung]

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    • Eureka! Lone Tree 3 Tipizelt [Kurzvorstellung]

      Ein klassische Indianertipi aus bunt bedruckter Plastikfolie mit ein paar Glasfiberstangen als Stützskelett - wer kennt sowas nicht aus Kindheitstagen? Hab leider alljählich vergeblich gehofft sowas unterm Weihnachtsbaum zu finden und in meinen Anfängen als Outdoorer standen gerade Kuppelzelte a lá Reinhold-Messner-Expeditionskugel hoch im Kurs, also musste sowas her anstatt einem ollen Indianerteil! In Skandinavien erfreuen sich große Lavvos durch die Jahrzehnte ungebrochener Beliebtheit und mit dem Shangri-La feierte ein Zelt der Kategorie Tipi- bzw. Pyramidenzelt ein echtes Revival bei UL-Hikern. Dessen Hersteller ist leider verschwunden, doch die Nachbauten ließen nicht lange auf sich warten. Unter anderem hat sich hat sich der Camping- und Hauszeltspezialist Eureka! mit dem Lone Tree 3 an einer bezahlbaren Variante versucht welches vom Konzept und den Abmessungen dem Shangri-La nicht unähnlich ist.







      Das Lone Tree 3 ist ein 3-Jahreszeiten Zelt mit zentraler Mittelstange welche eben für die charakteristische Tipi- bzw. Pyramidenform verantworlich zeichnet. Mit max. ca. 155cm Innenhöhe (AZ alleine, ca. 145cm im IZ) ist es zwar deutlich zu niedrig um als Erwachsener aufrecht darin stehen zu können, trotzdem ergibt sich ein klasse Raumgefühl mit vernünftigen Raum-zu-Gewichts-Verhältnis. Die nutzbare Höhe ist deutlich besser als bei üblichen 3-Personenzelten im Kuppel- oder Tunneldesign und selbst Bekleidung wechseln oder einen Knirps darin umzuziehen ist z.B. ohne Verrenkungen möglich. Am einzigen Eingang ist ein langer Reißverschluß angebracht, eine RV-Abdeckung ist vorhanden. Auf eine Apsis/ ein Vorzelt wurde allerdings verzichtet, man muss sein Gear also direkt im Innenraum zwischenlagern. Der Zugang ist schön hoch und man gelangt in leicht bebückter Haltung ins Innere ohne hier in Kauerstellung auf allen Vieren hindurchkriechen zu müssen. Der großzügige Zugang hat nicht nur Vorteile, bei Schlechtwetter z.B. kann es sofort direkt ins Innere regnen oder schneien - etwas Vorkehrungen zum Schutz des Schlafplatzes sowie der geparkten Ausrüstung schaden also bei Miesewetter nie.



      Das Innenzelt ist großzügig mit Meshgewebe ausgestattet was für satte Durchlüftung sorgt. So bleiben lästige Insekten draußen und es wird auch nicht stickig in lauen Nächten. Die Bodenplane ist fix mit dem Innenzelt vernäht und an den Seitenwänden etwas hochgezogen.





      Die Mittelstange hat mit ca. 2cm einen vergleichsweise kleinen Durchmesser - zumindest wenn man die satten Teile diverser Lavvos der skandinavischen Herteller als Maßstab nimmt, reicht aber für ein Tipi dieser Größe. Das unterste Segment lässt sich in der Höhe anpassen und dies ist nun ein Feature welches keins der bekannten Lavvos bietet. Das Gestänge lässt sich nicht ineinanderschieben und hier hätte was teleskopierbares wie es z.B. Helsport oder Bergans einsetzen seine Vorteile, vor allem wegen günstigerem Packmaß!





      Die Grundfläche ist 6-eckig, also nicht perfekt kreisrund und hierduch können sich schon mal ein paar tote Ecken ergeben die platzmäßig nur suboptimal ausgenutzt werden können. Für 2 Personen inkl. Gepäck ist der Platz ausreichend inkl. einem Kind wirds eng und 3 Erwachsene finden eher schlecht Platz, hier ist einfach die Mittelstange immer irgendwie im Wege - übrigens ein Manko dass so gut wie alle Pyramidenzelte haben.



      Das Innenzelt lässt sich auch alleine komplett ohne Außenzelt nutzen und dank Meshgewebe im oberen Drittel ist der Blick auf die Sterne möglich wobei die Moskitos ausgesperrt bleiben. Selbstverständlich kann das AZ auch komplett ohne Innenzelt aufgebaut werden und in dieser Variante ist man sogar richtig UL untwegs. Will man hier auf Bodenabdeckung nicht verzichten muß zusätzlich das optionale Footprint als Unterlagsplane angeschafft werden. Stoppelt man IZ und AZ zusammen hat man wie üblich den besten Wetterschutz.



      Am Außenzelt sind oben 3 kleine Lüfter verbaut, Moskitonetz ist hier ebenfalls vorhanden so dass auch hier keine Stechdinger eindringen könnenn. Diese Lüfter sind zwar an der perfekten Stelle wo sich die meiste Hitze staut, könnten aber durchaus etwas großzüger ausfallen.





      Ein pfiffiges Features besitzt diese Zelt allersings, das ich zuvor noch nirgends entdecken konnte: An der Spitze vom Innenzelt und auch am Außenzelt ist jeweils eine Schlaufe angebracht. So lassen sich die Teile z.B. auch an einem starken Ast aufhängen - auf die Mittelstange kann dabei getrost verzichtet werden, was nicht nur die Raumausnutzung entsprechend verbessert sondern auch Gewicht u. Packmaß minimiert! Wer genau hinsieht wird diese Schlaufen auf den Bildern oberhalb sicherlich ausmachen können.



      An den Ecken sind sowohl am Aussen- als auch am Innenzelt starke Bänder angebracht mit denen sich die Teile an den Heringen auf Spannung bringen lassen. Die Länge der Bänder ist durchaus ok, an einer Ecke sind sie andersfarben damit die Geschichte 'verdrehsicher' wird und sich IZ & AZ Eingang leichter finden lassen. Zur Erzielung eines symetrischen Resultates im Aufbau ist etwas Übung erforderlich, damit auch jede einzelne Kante halbwegs gleich ausfällt und nix durchhängt oder andersherum zum Bersten angespannt wird. Hab das Zelt zwar nur wenige Male aufgestellt, die Übung ging bei meinem großen Helsport Lavvo allerdings leichter wobei's dort noch mehr Ecken hat ...





      An jeder Längskante findet sich am Aussenzelt eine Abspannschlaufe und diese sollte auch genutzt werden - zumindest wenn man die Pyramide halbwegs gerade aufgerichtet und nicht schief haben möchte. Wie üblich benötigt man bei dieser Konstruktionsweise zahlreiche Heringe was entsprechend Zeit bei Auf- und Abbau erfordert. Allseitig abgespannt ist das Teil auch windstabil wie ich finde. Einen ausgewachsenen Sturm möchte ich darin allerdings nicht abwettern müssen, fürchte das bringt die dünne Mittelstange einfach nicht. Heringe sind von der üblichen Alu-Erdnagelkategorie, die Spannleinen schlichte Schnüre aus Polypropylen was in dieser Preiskategorie allerdings nicht unüblich ist.



      Wobei wir bei den Materialien angelangt wären: Gewebe allesamt 68D Plain Weave Polyester Taffeta und somit sind die Verantwortlichen fürs Gewicht bereits identifiziert. Boden und AZ sind PU einseitig beschichtet, Nähte waren versiegelt (soweit ich mich erinnern kann?). Einen überragenden Eindruck hinterließ das Material nicht, für den Award 'best in class' findet sich wohl eine anderer Kandidat. Vergleicht man die Materialquali mit derer guter Mittelklassezelte wird der Unterschied deutlich, im Preissegment der Zelte bis 200.- Euro tumelt sich aber durchaus viel Ähnliches. Für den Kaufpreis bekommt man allerdings ein vernünftig verarbeitetes Zelt, die Nähte waren gerade, Kanten sauber eingefasst etc. Ein paar wenige Details sind zwar etwas lieblos ausgefallen erfüllen aber ihren Zweck wie z.B. die Verbinder IZ-AZ, siehe Bild unterhalb. Insgesamt ist die Verarbeitung besser als ich es von einem Hersteller der Caravaningsparte erwarten würde und das Niveau kann durchaus mit so manchen namhaften Hersteller aus höherpreisigen Segmenten mithalten. Würde hier die Materialquali gleichauf sein wär's ein super Teil.



      Ich hatte das Zelt nur ein paar wenige Male benutzt und das bei gutem Campingwetter. Mit Langzeiterfahrung bzw. Aussagen zur Dauerhaltbarkeit und Zuverlässigkeit kann ich leider nicht dienen. Im Lieferumfang war neben einer Kurzinfo gleich eine fette Tube Nahtdichter mit dabei. Einerseits lobenswert, andererseits hinterläßt das nicht unbedingt einen vertrauenserweckenden Eindruck - man wird offensichtlich gleich mal zur Nachbesserung aufgefordert ... Der Junior meiner Wanderpartnerin ist zumindest voll auf das Teil abgefahren und er gehört auch in die passende Zielgruppe: Einsteiger - welche nicht viel berappen wollen, moderate Ansprüche an ein Zelt stellen und es dort verwenden wo weder höchste Wetterfestigkeit gefordert wird noch Gewicht und Packmaß die dominierende Rolle spielen. Für eher stationären Betrieb in einem Camp, für Treffen oder leichte Touren mit kurzen/ mittleren Wegstrecken ist es geeignet. Der Anschaffungspreis war damals ca. 180.- Euro, das Preis-Leistungsverhältnis würde ich als ok bezeichnen.



      Mir schwebte mal ein Tipizelt vor in dem man einen Hobo bzw. ein kleines Feuerchen betreiben könnte. Dies war auch der Grund wieso ich das Lone Tree 3 angeschafft hatte: Der Plan war eine Vorlage mit vernünftigen Dimensionen für ein DIY Projekt zu haben, also ein Teil dass ich kopieren bzw. für meine Zwecke nachbauen könnte. Hab leider keine Nähmaschine welche mit dicht gewebten Baumwollstoffen zurecht kommt und wollte hierfür auch keine ausleihen/ ruinieren. Meine Schneidertalente lassen die logische Schlussfolgerung zu dass ein Ergebnis welches Zufriedenheit auslösen könnte so gut wie nicht zu erwarten wäre und somit ist das Vorhaben schlicht begraben worden. Für das Lone Tree hatte ich nicht wirklich Verwendung noch den Platz und so wurde es zum Ende der Campingsaison 2018 auch wieder verkauft. Dieses Frühjahr musste ich feststellen dass es Eureka! aus dem Programm genommen hat, was ich zugegeben sehr schade finde. In der Kategorie 'Tipi' tummeln sich nun jede Menge UL-Teile die so ab 400.- Euro an den Mann gehen, was für den anspruchsvollen Einsteiger vielfach schon zu hochpreisig ist. Wäre sicherlich für den ein oder anderen interessant wenn sich hier eine bezahlbare Alternative in vernünftiger Quli finden würde ...



      Daten & Fakten, zusammengefasst:
      Hersteller: Eureka!
      Modellbezeichnung: Lone Tree 3
      Personenanzahl: Max. 3
      Farbe: Greenery, Innenzelt Grau+Schwarz
      Zeltdesign: Tipi
      Apside: Keine
      Eingang: 1
      Außenzelt: 68D Taffeta Polyester m. PU Beschichtung 4000mm Wassersäule
      Zeltboden: 68D Taffeta Polyester m. PU Beschichtung 6000mm Wassersäule
      Innenzelt: 68D Breathable Taffeta Polyester m. Netzgewebe No-See-Um
      Gestänge: Eureka! Aluminium 19.5 mm u. 21.5 mm (unteres Segment höhenanpassbar)
      Abmessungen und Gewichte lt. Hersteller:
      Abmessung Innenzelt: 275x220x145cm
      Abmessung Außenzelt: 275x220x155cm
      Gewicht Minimum: 2.65kg
      Packgewicht: 2,80kg (3020g, von mir abgewogen inkl. sämtlichen Zubehörs)
      Packmaß: Ca. 40x15cm
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      Frischluftdeppert
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    • Danke für den Hinweis @Emil_Strauss, hätte ich der guten Ordnung halber erwähnen sollen dass es mit dem Lone Tree 4 auch eine größere Variante mit etwas abgeänderten Layout gab - fürchte aber die sind mittlerweile auch überall ausverkauft. Die WickiUp Modelle sind übrigens vom Design und den Abmessungen ident, hier wurden allerdings konsequent UL-Materialen eingesetzt und die Gewichtsreduktion beträgt so um die 30%.

      Vor 3 Jahren trugen die WickiUp noch allesamt das Eureka Label, nun werden die unter Nigor vertrieben (der Europa-Importeur von Eureka?). Selbiges gilt z.B. für das vormalige Eureka! Sentinel 2 SUL - hab mich damals dafür interessiert weils ein vollwertiges 2 Personenzelt mit 150cm Liegebreite in der 2kg Klasse war und bereits für ca. 350.- Euro angepriesen wurde. Nachdem ich mich dazu entschlossen hatte das es für mich passt war's dann auch prompt überall ausverkauft. Nun wird es unter dem Namen Guam 2 von Nigor vertrieben mit komplett gleichen techn. Daten, Design und Materialien. Mit dem Wechsel der Marke hat sich der Preis leider verdoppelt und sowas möchte ich nun nicht wirklich unterstützen ...
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      Frischluftdeppert
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