Das subunguale Haematom = Bluterguss unter dem Nagel

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    • Das subunguale Haematom = Bluterguss unter dem Nagel

      Schnell mal ist was auf eine Zehe gefallen oder man hat sich auf den Finger gehauen. Ein Bluterguss unter dem Nagel entsteht bei entsprechendem Treffer schnell und der Druck verursacht ziemliche Schmerzen - das Nagelbett ist sehr empfindlich.

      Nun existieren verschiedene Methoden der Entlastung. Bohrer oder Kanüle haben aber zwei Nachteile. Erstens braucht es Druck, was wiederum weh tut und zweitens verletzt man (dadurch) schnell mal das Nagelbett zusätzlich.

      Methode der Wahl ist (sieht heroisch aus) das Brennen eines oder zwei Löcher mit glühender Büroklammer o. ä. - nur Stumpf sollte es sein.

      zusätzlich noch Feuer und was zum halten der Klammer




      So soll es nicht aussehen, es muss rot glühend sein
      (ich habs alleine leider nicht geschafft zu fotografieren)



      Dann das glühende Metall ohne Druck auf den Nagel aufsetzen. Durch die Hitze brennt es schonend ein Loch in den Nagel


      Achtung:

      Sobald der Nagel durch ist, entleert sich das Haematom unmittelbar mit ziemlich Druck. Das Blut kann weit spritzen!

      Der Schmerz ist sofort reduziert.

      Sobald der Nagel durch ist, das Metall rausziehen. Berührung mit dem Nagelbett vermeiden. Das funktioniert, da durch das Haematom der Nagel vom Bett abgehoben ist.

      Die Luna keinesfalls beschädigen.

      Wer will, kann vor und/oder nach der Manipulation desinfizieren.

      Ein saugfähiger Verband ist angesagt.

      U. U. ist zusätzlich eine Fraktur vorhanden. Wenn der Verdacht besteht, halt ruhig stellen (Schiene am Finger, Dachziegelverband am Zeh).

      Abschliessend noch der Tip, nicht zu lange zu warten. Es funktioniert nur, solange dad Haematom flüssig ist.
      \m/
    • smeagolvomloh schrieb:

      Ich halte die Selbstbehandlung in dieser Form wegen der ausgeprägten Infektionsgefahr für gefährlich.
      Eine Infektionsgefahr ist theoretisch gegeben, aber ich würde sie nicht als ausgeprägt bezeichnen. Ich persönlich kann mich bei vielen Trepanationen an kaum eine erinnern.

      Sollte sich aber aufgrund nicht vorgenommener Entlastung der Nagel teilweise ablösen, ist die Eintrittspforte für Keime erheblich grösser.

      Ganz zu schweigen von den erheblichen Schmerzen.

      Bei komplett abgelöstem Nagel dauert es Wochen (Finger), ev. Monate (Zehen), bis der neue Nagel nachgewachsen ist. Und mit etwas Pech wächst er deformiert.

      Grundsätzlich aber verstehe ich die Beiträge hier als Erste Hilfe "outdoor", ergo mehr oder weniger weit von professioneller Hilfe entfernt. Jede/r Einzelne muss für hierbei sich selbst abschätzen, ob das Risiko der Selbstbehandlung eingegangen wird, oder ob das Nichtbehandeln ggfs. grössere Nachteile mit sich bringt.

      Von mir gibt es hier in der Sparte EH jedenfalls keine Tips, Empfehlungen und dergleichen, welche ich nicht bei mir selbst oder meinem Umfeld anwenden würde und/oder angewendet habe
      \m/
    • Habe das mit der glühenden Büroklammer schon öfter bei mir selber und auch meinem Vater angewendet - bisher ohne Komplikationen

      Wenn ich Off-Grid unterwegs bin, dann habe ich immer ein kleines Erste-Hilfe-Set dabei, u.a. mit Wunddesi. und Desi-Tücher für die Hände. Und sollte das mal ausgehen geht auch Spiritus zur Not, aber nicht für die Wunde, nur für Haut bzw. Hände. Immer noch besser als gar keine Desi.
      LG, der Klaus aus'm Bayerischen Wald

      ...mein Opa hat mir noch gezeigt wie man ein Weidenpfeifchen schnitzt...meine Oma wie man Lebensmittel "einweckt"... und dafür bin ich unendlich dankbar
    • Ihr Lieben,

      ich weiß gerade nicht, wie ich Euch ansprechen soll / darf.
      Man sitzt da, haut in die Tasten (und sich mal nicht auf die Finger) und dann so was! Allein schon beim Titel, zentralisiert einem das Blut und man wird blass. Und das nur, weil man genau weiß, wie hölle weh das tut 8o <X
      Und dann die Behandlung. Wie kann man sich das in der Situation noch antuen? Stellt Euch das doch mal plastisch vor: da haue ich mir mit angeborener Unbegabung die Schreibtischschublade beim Schließen auf den Daumen und soll mir aus der eben mit Absicht geschlossenen nun wieder die Büroklammer rausholen? Und dann in einem Nichtraucherbüro ein Feurzeug suchen? :Kleenex:

      Habt Ihr noch alle Tassen im Schrank, einem das bei einem beschaulichen Bürotag zu präsentieren!
      Da kann @Walter direkt einen neuen Faden aufmachen "Verhalten bei Schock durch Lesen".

      Aber im Ernst:
      :danke: für den Beitrag. @Ookami
      So einfach könnte es sein, wenn man alle Sachen in greifbarer Nähe hat. Oder mit etwas Geschick improvisieren kann.
      Aber das mit der Zentralisation des Kreislauf ist von mir durchweg ernst gemeint. Zum einen bei dem "Behämmerten", äh Verunfallten und auch bei dem einen oder anderen Helfer.

      Was die Infektionsgefahr anbetrifft, so habe ich selbst keine Erfahrung damit (siehe Schreibtischschublade...) Aber ich kann mir vorstellen, dass ein Bohrer mal eben nicht desinfiziert ist. Da wäre mir eine abgeflämmte Büroklammer lieber. Mir macht nur Sorge, ob ich eine glühende Nadel in den Nagel rammen möchte.
      Insgesamt sehe ich aber die Höhlenbildung mit kleinem Loch zur Oberfläche schon als potentiellen Infektionsherd an. Nach der Not-OP steril verbinden halte ich für notwendig.

      Frage an die Profis: was wäre denn die professionelle Entlastungspunktion?

      Herzliche Grüße

      Steuermann
    • Steuermann schrieb:

      Aber das mit der Zentralisation des Kreislauf ist von mir durchweg ernst gemeint
      Kann schon vorkommen. Die Berufsgruppe, deren Angehörige mir am häufigsten kollabiert sind, ist der Metzger. Es kann nicht schaden, das "Opfer" vorsorglich hinzulegen.

      Steuermann schrieb:

      Frage an die Profis: was wäre denn die professionelle Entlastungspunktion?
      Ich bin Krankenpfleger mit zweijähriger Weiterbildung in Notfallpflege, die heutige Berufsbezeichnung ist Experte für Notfallpflege. In dieser Funktion habe ich mindestens 15 Jahre lang Nägel trepaniert - es gehörte zu meinem Aufgabengebiet (in der Schweiz werden dem Pflegepersonal eh mehr Kompetenzen zugesprochen). Erst nachdem ein neuer Oberarzt meinte, dass es sich um eine originär ärztliche Tätigkeit handelt, wurde uns die Kompetenz entzogen. Wir Pflegende durften dann nicht mehr trepanieren, lediglich noch die Assistenzärzte schulen und anleiten :shock: .

      Das von mir geschilderte Verfahren ist eine der möglichen professionellen Interventionen.

      In der Klinik wird möglicherweise mit Bohrer oder Kanüle trepaniert und eventuell hierfür sogar der Finger betäubt. Diese Betäubungsspritzerei der Finger ist allerdings sehr! schmerzhaft.
      \m/
    • Vielen Dank @Ookami !
      Praxisnaher Tip und für ein Hobby/Lifestyle der viel mit Hämmern/Äxteln und schweren Steinen/Hölzern zu tun hat sehr nützlich. Da man wie ich meine sowieso am besten eine Segeltuchnadel und Sterngarn (ua für Drainage von Blasen beim wandern) im EH hat, ein sehr wertvoller Beitrag. Zugegeben passierte mir so etwas noch nie, zumindest nicht mit Bluterguss, aber ich werde es mir merken. Nochmals Danke.
      Stop it, right miau!
    • Hallo zusammen, das Durchglühen des Nagels zur Druckentlastung habe ich bei mir mal versucht und nach dem 3. oder 4.Versuch bei dem der Schmerz zu unangenehm war sein gelassen, der Nagel war trotzdem nicht durch.
      Ein sehr dünner Bohrer in einer Standbohrmaschine hat dann schmerzfrei geklappt und ließ sich sehr gut kontrollieren. Der Vorteil der Standbohrmaschine ist, dass man den betroffenen Finger gut nach unten drücken kann und den Mechanismus zum Runterdrücken des Bohrers einfach loslassen kann, sobald man merkt, dass der Nagel durch ist (der Bohrer geht dann wieder nach oben weg). Alles desinfiziert und sauber gehalten und es ist problemlos verheilt. Den Bohrer vorher ebenfalls zu desinfizieren ist auch kein großer Akt (Feuerzeug, Desinfektionsmittel) und da auch erstmal einiges Blut nach außen schießt, sehe ich da auch keine große Infektionsgefahr. Bei wem es also mit der Hitze nicht klappt, der sollte nicht scheuen gefühlvoll (!) zu Bohren.
      Das entlastende Gefühl, wenn man wieder zugreifen kann ohne den Druck unter'm Nagel zu spüren ist fantastisch. Die Methode mit der heißen Klammer bietet vermutlich statistisch trotzdem einen besseren Schutz vor einer Infektion.
      Möge es niemand machen müssen :thumbsup:
    • Etwas OT
      Ich dachte schon immer, das ich zu viel mitschleppe, aber das Jemand ne Standbohrmaschine mit in den Wald schleppt,
      find ich echt"heavy" =O
      Da bin ich ja dann doch ein ULer ;)
      Gruß"Seemann"


      Im Ernst: ich finde solche Tips für den Notfall gut, aber ob ich es wenn´s passiert wirklich
      anwenden kann / mich traue steht auf nem ganz anderen Blatt.
      Wer vom Weg abkommt, lernt die Gegend kennen!
    • Glühend war es schon, ich bin nur zögerlich bei sowas und habe es vermutlich einfach nicht entschieden genug durchgezogen, Schmerz kam dann trotzdem bevor der Nagel durch war. Ich hatte eine etwas dickere Nähnadel, keine Büroklammer, war auf jeden Fall an der Spitze etwas dünner als ne Klammer. Bei der Bohrmaschine hatte ich kein Problem, das kam mir kontrollierter und präziser vor. In nem Praktikum zur Blutgruppenbestimmung bei sich selbst, konnte ich mir aber auch nicht die fiese breite Old-School-Lanzette in den Finger rammen und habe meinen Finger meinem Nachbarn hingehalten 8| .