Lodenhose, selbstgemacht

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    • Lodenhose, selbstgemacht

      Wer glaubt, Lodenhosen wären grundsätzlich altbacken, spießig, unförmig, schwer und in dunklem Lodengrün, wird hier eines Besseren belehrt: Hellbraun geht nämlich auch!

      Hier möchte ich Euch daher meine neue selbstgemachte Hose vorstellen:


      Jagdhose aus Mehler Gebirgsloden



      Hier die Features:

      - vorgeformte und gedoppelte Knie, Einlage möglich
      - Schenkeltasche leicht nach vorne versetzt, schräger Zugriff
      - an beiden Seiten Messertaschen
      - Beinabschluss weitenverstellbar, zudem innen und vorne verstärkt (integrierte Gamasche)
      - Gürtelschlaufen stabil unterlegt
      - massiver Messing-RV mit Sicherung
      - bewegungsoptimierter Schnitt
      - Tascheneingriffe stabil umsäumt
      - Gewicht in meiner Größe (116, also XL mit langen Beinen) knapp 900g.

      Die Hose ist etwas weiter geschnitten, um die Bewegungsabläufe nicht zu behindern. Zudem verbessert es die Innenbelüftung. Das Material ist recht schmutzabweisend und winddicht, aber nur leidlich wasserdicht und auch nicht wirklich dornendicht. Wasserdichtigkeit kann aber mit Wollwachs verbessert werden. Kletten, begrannte Gräsersamen etc. sammeln sich natürlich auch gerne daran, aber können leicht abgebürstet werden. Die Knie sind durch die doppelte Lage so schön gepolstert, dass ein (optionales) Einlagekissen meist unnötig ist.

      Gedoppelte und vorgeformte Knie (Polster kommen, wenn benötigt, von innen rein):




      Schenkeltaschen, leicht schräg für besseren Zugang mit beiden Händen:



      Bund innen mit Baumwolle unterfüttert, die Kanten der Einschubtaschen verstärkt:


      Messertasche:





      Fazit:

      Eine tolle Hose für die Jagd! Robust, lautlos, praktisch. Für soziale Interaktion eher semigeeignet, man sieht wirklich sehr schratig aus damit (trotz des fetzigen Schnittes). Die Hose ist zwar recht warm, aber doch soweit klimaregulierend, dass man sie auch an kühlen Sommerabenden gut verwenden kann. Der Schnitt ist wirklich saubequem, die Taschen groß genug, praktisch angeordnet und gut erreichbar. Also alle gesteckten Ziele erfüllt.

      Arbeitszeit insgesamt wohl so 10 Stunden. Ich habe den Grundschnitt einer FJ Barents Pro genommen und massiv modifiziert. Hinweise zur Kopie von Schnitten direkt von vorhandenen Kleidungsstücken siehe hier:

      Nähtutorial: Schnittkopie

      Zuer Ergänzung noch einige weitere Detail-Fotos:

      Die ausgeschnittenen Einzelteile der Hosenbeine:


      Hier sind die Knie schon gedoppelt, aber noch nicht ausgeformt (dies geschieht nachher an den marktierten Stellen):


      Hier die Ausformung der Knie:


      Gürtelschlaufen-Anfertigung (die waren vielleicht hart zu nähen! Hätte wohl kein EtaProof nehmen sollen... ) :



      Innennähte fertig, jetzt kann im Schritt vernäht werden:






    • Ein paar weitere Detailfotos von den Arbeitsschritten:

      Anzeichnen des Front-RV:


      Maßnehmen für die Taschen, Loden nur dort wo Stoff sichtig ist - ansonsten dünnen festen Baumwollstoff (auch unterhalb der Sichtlage):


      Anpassen der Beintaschen:


      Die Messertaschen im Zuschnitt - da ich sie mit in der äußeren Seitennaht integrieren wollte, musste alles vorm Vernähren fertig:


      Die Abdeckungen der Schenkeltaschen sind mit EtaProof unterfüttert:


      Probeliegen:


      Erst jetzt, nach dem Nähen der Seiten, kann für den Hosenbund Maß genommen werden:


      Innen ebenfalls wieder EtaProof, der braune Stoff ist eine Einschubtasche:


      Jo, jetzt fehlen nur noch Knopf und Knopfloch, hierfür habe ich extra Reserve überstehen lassen:


      Und natürlich die "hardest Beltloops in the world"...:


      Das war's - ich hoffe, da waren ein paar schöne Anregungen für Euch dabei!
      ^^
    • Respekt! :thumbsup: Ich bin schon ewig auf der Suche nach ner Lodenhose, die noch halbwegs vernünftig aussieht. Kann leider nur Wald und Wiesennähen mit Panzertape und Angelsehne. ;( Habe mir letztes Jahr die Lodenjacke Deubelskerl gekauft. Klasse das Ding, nur der Preis. ;( Leider gibts dazu noch keine Hose. Wie dick ist denn der von Dir verwendete Lodenstoff? Wegen der Reisfestigkeit. An meiner Jacke ist es sehr dünn. Hab mir beim Feuerholz tragen ein Triangel in die Seite gerissen. Ist bis heute nur getaped. Trau mich, der Optik wegen, nicht das selbst zu nähen.
      Straßen? Wo wir hingehen brauchen wir keine Straßen!
    • Danke, @Amon - ja, ist tatsächlich super bequem! Meine Frau mag sie zwar gar nicht leiden, aber nützt ja nix :D Das Material hat aber an einigen Stellen natürliche Grenzen, etwa an den Knien: Wenn man nur ein wenig verschwitzt ist, rutschen die Kniebereiche der Hose nur noch sehr schlecht über's Knie. Daher sollte man dort glatten Stoff verwenden. Da hätte ich also gleich eine Lage EtaProof drunterpacken sollen, dies hatte ich überlegt und verworfen - im Nachhinein wäre das die richtige Variante gewesen. Und die Gürtelschlaufen hätten sicherlich auch ausschließlich aus Loden gehalten. Aber so ist es eine Hose für's Leben! Ich darf sogar noch ein klein wenig zunehmen... :whistling: