Umgang mit und Erlebnisse zu Naturkatastrophen oder extremen Wetterlagen

  • Im Nachbarforum hatte ich schon gestern diesen Faden gestartet. Da ich das Thema für wichtig und interessant halte, möchte ich ihn auch hier starten.


    Ausgelöst durch die aktuellen Meldungen zu Waldbränden in Urlaubdgebieten und würde ich gerne mal eure Erlebnisse zu Naturkatastrohen oder extremen Wetterereignissen hören, welche ihr auf Reisen, unterwegs in Wald und Feld oder auch zu Hause erlebt habt.


    Hier ein paar meiner Erlebnisse.
    Orkan Kyrill 18. Januar2007
    Mittags die Arbeit eingestellt, um vor dem Sturm zu Hause zu sein. Musste einen Umweg fahren, da die Abschnitt durch den Wald schon gesperrt war. Zu Hause noch ein paar Stellen gesichert, bevor es richtig los ging. Mittendrin dann ein Anruf, der Mensch der gegenüber unserer Feldscheune wohnt, sagt Bescheid das Ziegeln gefallen sind - Danke für die Info- und ich sollte mich darum kümmern die Ziegelreste schnellstens aufzuräumen, am vesten sofort - Bin ich Lebensmüde? Doch nicht während der Sturm anhält.
    Auf einer geräumten Kyrillfläche habe ich 2 Jahre später meinen ersten Hirsch geschossen

    Sturmtief Friederike 18. Januar 2019.
    Ich sollte den Tag beruflich gut 300 km Richtung Ruhrgebiet fahren, wichtiger Termin, als ich am Vortag mit dem Hinweis auf die Sturmwarnung absage, gibt es Stunk. Aber ich habe keinen Firmenwagen und müsste mein eigenes Fahrzeug riskieren.
    Am Sturmtag selbst ist die Autobahn über einen halben Tag blockiert. Zu Hause sind Ziegel gefallen und Fenster im Stall wurden herausgedrückt. Dem Brechen der Bäume im Wald gegenüber war grausig zu zuhören. Am Tag drauf auf Arbeit gefahren, eigentlich 80 km, mit vielen Umleitungen und mehr als doppelten Zeitaufwand. Der Arbeitgeber hat sich dann doch stiill verhalten, entgegen der urspünglichen Ansage.

    Hurrikan / tropischer Sturm
    Hurrikan Danny Juli 1997, USA
    Der Sturm ging in Georgia an Land, zog mit viel Wind, Hagel, Wolkenbruch, Blitz und Donner als tropischer Sturm über uns hinweg und wurde, nachdem er in North Carolina wieder auf das Meer zog, nochmal zum Hurrikan hochgestuft.
    Die Blitze kamen so schnell hintereinander, das man hätte bequem Zeitung lesen können. In den Wolken gab es Ansätze von Tornadoschläuchen, die auch im weiteren Umfeld 'touch downs' gemacht haben,(Anderson County, SC, USA).
    Mit meinem Mitwohner bin ich gerade noch rechtzeitig raus, um sein Auto zum Schutz vor Hagel mit Decken abzudecken.

    Tornado
    Anfang Mai 1997 war ich auf einer Tagung in Miami Beach. Gerade zurück gab es eine Meldung, dass ein Tornado (12.Mai '97) dort einen Touch down gemacht hatte. Die Bilder kamen mir seltsam bekannt vor. Wäre ich damals betroffen gewesen, ich hätte nicht konkret gewusst, wie ich mich hätte Verhalten sollen. in Deckung gehen ja, aber die Anzeichen für einen Tornado hätte ich mutmaßlich zu spät erkannt.

    Waldbrände
    Im großen Stil, nur im Rahmen von Bereitschaften bei Oliv-Grün, und dort ist es zum Glück bei der Bereitschaft geblieben. Aber ich habe mutmaßlich wiederholt Brände verhindert, bevor sie groß geworden sind.
    1976 oder 1977 waren meine Brüder und ich mit unserem Vater an den Waldbrandflächen des Heidebrandes von 1975. Vatern hat in Ecke in den 1950ern Bäume gepflanzt. Ihm standen die Tränen in den Augen. Für uns Kinder waren die verkohlten Baumleichen gespenstisch.

    Hochwasser
    habe ich als Bachanwohner einige mitgemacht. Diese kann ich für meinen Wohnort relativ gut einschätzen. Ich weiss, ab welcher Regenmenge es kritisch wird.
    In einer unbekannten Umgebung sieht das anders aus.
    In 2020 haben wir Urlaub in der Eifel gemacht und sind auch 2 Tage an der Ahr gewesen. Auf dem Bilder vom Ahrhochwasser 2021 konnten wir auch Orte nachvollziehen, an denen wir gewesen sind. Da war einem doch etwas komisch zu Mute. Wären wir 1 Jahr später an den Tagen dort gewesen...

    Es gäbe meinerseits noch das eine oder andere zu erzählen. Aber es stellt sich immer die Frage, habe ich richtig auf die Situation reagiert oder hätte ich das Wissen um geordnete Entscheidungen zu treffen. Ob diese richtig sind stellt sich erst hinterher heraus.
    In meinem Fundus habe ich noch dieses Buch gefunden.


    Ist aber das einzige in meiner Bibliothek, das sich detaillierter mit der Situation Reisen/Outdoor und Naturkatastrophen auseinander setzt.
    Ausgehend von dem unten zitiertem Faden und den aktuelle Meldungen zu Waldbränden, würde ich gerne mal eure Erlebnisse mit zu Naturkatastrohen hören, welche Naturkastrophen ihr auf Reisen, unterwegs in Wald und Feld oder auch zu Hause erlebt habt.

  • Zum Thema Waldbrände hatte ich vorher etwas gegoogelt.

    Dabei war dieser Beitrag entstanden.

    Hier mal ein paar Referenzen / Links zur Problematik des Umgangs mit Buschfeuern / Waldbränden, so wie ich es sehe. Zum Glück musste ich selbst noch nicht notfallmäßig reagieren, aber dicht dran war ich auch schon, z.B. Sommer 1994 in der Nähe von Denia/Spanien, Nach einem Ausflug ins Hinterland, wurden wir auf den Rückweg umgeleitet. Rauch war gut in der Luft. Als wir wieder zurück waren, wurde auch die Umleitungsstrecke geschlossen und die Löschflugzeuge waren tagsüber dauerhaft in der Luft und haben Wasser auf den Hügel hinter unserer Wohnung verteilt. In der Nacht war der Feuerschein zu sehen. Da fängt man an doch zu überlegen. Bei soviel hypothetischen Survival hier im Forum, vielleicht etwas in das man man schneller hineingeraten kann, als in einen Flugzeugabsturz im Dschungel.

    Nachträglicher Einschub

    (S+) Waldbrände bei Bordeaux: »Wohnmobile fuhren mit ausgefahrenen Markisen, Zelte wurden überfahren«
    Am Horizont eine riesige Feuerwand und dichter Rauch in der Luft: Zwei deutsche Familien erzählen, wie dramatisch ihre Evakuierung am Cap Ferret verlief.
    www.spiegel.de


    Die Feuer-Thematik ist kritisch, wie die Meldung auf Spiegel-online zeigt. Und das nicht nur für Outdoor-Indiviualisten wie Buschcrafter.
    Einschub Ende
    In Sachen Hochwasser erinnere sich jeder an das Ahrtal.

    Die nachfolgenden Links stammen aus Quellen, denen meiner Ansicht nach vertrauen kann, da offiziell bzw. semioffiziell.
    Nur schnell mal in das Thema bei Google aufgerufen. Meinerseits keine inhaltliche Beurteilung der Quellen, alle auf Englisch :)

    Alexander M.E., You are about to be entrapped or burned over by a wildfire:What are your survival options?
    V International Conference on Forest Fire Research D. X. Viegas (Ed.), 2006
    https://wpcdn.web.wsu.edu/extension/uploads/sites/54/2015/08/Alexander_VICFFR_keynote_address_Pgs2-14.pdf

    Stanford University
    Wildfire Preparedness & Evacuation Guide
    https://cardinalready.stanford.edu/wp-content/uploads/SU-Wildfire-Preparedness-Evacuation-Guide-WPEG.pdf

    Calfato T. (eds)
    RESCUE TECHNIQUESFOREMERGENCY RESPONSE - Field Guide - Wildfire response
    © EVOLSAR, 2022, The European Association of Civil Protection Volunteer Teams
    https://www.viaticumrescue.eu/wp-content/uploads/manuals/full_pocket_manuals/volume_5_-_wildfire_rescue_text_digital_v6_web.pdf

    America’s PrepareAthon!
    HOW TO PREPARE FOR A WILDFIRE
    https://dnr.wa.gov/sites/default/files/2025-03/rp_fire_how_to_prepare_wildfire.pdf

    Be Prepared: Wildfire Emergency preparedness,
    © 2026 Government of Alberta | March 13, 2026
    https://acfn.com/wp-content/uploads/2026/04/Be-prepared-for-wildfire.pdf

    University of California
    Wildland Fire Safety
    https://www.ucop.edu/safety-and-loss-prevention/_files/field-research-safety/wildland-fire-safety.pdf

    hier ein kurzes Zitat daraus:
    E = Escape Routes – choose alternative travel paths to reach safety zones; established firebreaks and burned over ‘blackened’ areas may serve as escape routes. Do not run unless you have a clear and complete path of escape. Escape downhill and away from a fire at a 45 angle. Fire moves faster uphill, in ravines, in windy conditions, and through saddles and passes. Smoke will indicate the direction of the wind – the fire will travel the fasted in that direction. Do not run blindly, move to a safety zone quickly, but carefully.

    European Guideline
    Forest fires
    CFPA-E Guideline No 6:2016 N
    https://cfpa-e.eu/app/uploads/2022/05/CFPA_E_Guideline_No_6_2016_N.pdf

    WHAT TO DO IN CASE OF FIRE
    Ministry of Environment and Energy, General Directorate for Forests and Forest EnvironmentHellenic Agricultural Organization "DIMITRA", Institute of Mediterranean Forest Ecosystems, http://www.fria.gr
    https://www.fria.gr/files/Forest-fire-prevention-brochure-for-visitors---in-ENGLISH.pdf

    Wildland Fire Suppression Tactics Reference Guide (1996)
    https://www.coloradofirecamp.com/suppression-tactics/suppression-tactics-guide.pdf


    Nicht weniges in den Referenzen ist nur für die Feuerbekämpfung interessant, aber auch als Laie kann man daraus einiges für die eigene Sicherheit mitnehmen.

    Im Hotel hängen sind überall die Fluchtwege ausgehängt. Wer hat darüber nachgedacht, wenn er auf einem Campingplatz oder im Busch sein Lager aufschlägt.

    Hier noch ein Link hinter der Bezahlschranke, Outside habe ich in meiner Zeit in US gerne gelesen. Etwa das was früher hier das Outdoormagazin war, bevor es zum Reisemagazin verkommen ist. Vielleicht hat jemand Zugang und kann zusammenfassen.

    How to Escape a Wildfire When You're Hiking

    How to Escape a Wildfire When You're Hiking
    Wildfires are going to become bigger and more frequent in the future. If you find yourself caught in one, this is what you need to do.
    www.outsideonline.com
  • Wohl kann man spontan in solcherlei Situationen geraten. Häufig aber ist im Vorfeld etwas schiefgelaufen: Bauen in Überschwemmungsgebieten, weil Wassernähe ja so geix ist und Baugrund teuer, immer noch kein Zisternenzwang in Deutschland, obwohl diese große Regenmengen in ihrer Gesamtheit abfedern könnten, Bauspekulanten in Griechenland, Spanien und Italien, die Waldbrände legen lassen usw.

    Ich selbst habe noch unsere Wellblechgarage 1972 wegfliegen sehen. Auch sind die Sturmfluten, besonders die von 1976, gut in Erinnerung. Ich stand auf dem Seedeich, knapp ein Meter unter mir die tosende Flut. Nass bis auf die Haut durch die Gischt. Das vergisst man nicht.

    Wer vorsorgt, ist nur zu faul zum Plündern!

  • Ein leider immer wichtiger werdendes Thema. Vorsorge wird immer wichtiger.
    Gut ist auch die neue Broschüre des BBK: https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Dow…cationFile&v=44

    Jedenfalls besser als die alte.

    Nur hilft die Draußen nicht wirklich weiter. Oder doch? Ich denke nicht, da sie auf den Durchschnittsbürger ausgelegt ist. Bei uns sind es z.b. 180 Liter Wasser im Kanister plus der übliche Flaschenvorrat. 5 Personen halt.

    Draußen habe ich bis jetzt nicht so viele Probleme gehabt, Schietwetter wurde irgendwie abgewettert oder im günstigsten Fall umgangen:

    Eindrucksvoll erlebt bei einem Gewitter an der Küste, Strand von Harlesiel. Bestes Strandwetter, aber plötzlich dreht der Wind von ablandig auf auflandig und es wird kalt. Mal nach dem Wetter geschaut, Richtung Süd eine wunderschöne Cumulonimbus. Also einfach die Kinder gepackt und die paar hundert Meter zum Quartier geschlendert. Ein paar in der Umgebung haben und doof hinterher geschaut. Das waren die, die dann auch doof aus der nassen Wäsche geschaut haben, als die Karawane im heftigen Regen und Gewitter vom Strand weg ging.

    Ähnliches erlebt auf dem heimischen See mit Boot. Vor dem Weltuntergang an Land.

    Was ich sagen will ist, dass Beobachtung einem oft den Ar...llerwertesten retten kann. Nicht immer, weil man auch nicht immer eine Ausweichmöglichkeit hat.

    Wenn man keine Möglichkeit zum Ausweichen hat, kann es eng werden.

    Waldbrand hatte ich von 30 Jahren in Spanien mal von der Seite gesehen. Mit dem Rad auf dem Camino, auf einer Seite der Straße fing es an zu brennen. Ein Auto angehalten, der Fahrer zuckte mit der Schulter und fuhr weiter, allerding etwas zügiger und vorsichtiger als vorher. Wir damals ohne Handy ebenfalls. Ein paar km weiter kam uns dann aber eine Feuerwehr entgegen.

    Ich sage mal, Wind ist lästig, Wasser doof, Wasser mit Steine aka Mure ist widerlich. Feuer ist Scheixx. Ja, in der Situation ist alles nicht gut, aber obiges ist meine Wertung.

    Weitere Naturkatastrophen wie Laacher See 2.null oder menschengemachte wie Wesseling-Blowup - aka Petrochemie geht hoch, kann man sich ausmalen, aber ich glaube, dass ist dann zum großen Teil auch Glückssache.

  • Mein erstes Erlebnis mit der gefährlichen Natur war die Schneekatastrophe 79 bei uns in Schleswig-Holstein.

    Was mich beeindruckt hat (nachträglich) war die Ruhe, mit der meine Eltern das abgefedert haben, obwohl wir eine Woche auf dem Gutshof komplett abgeschnitten waren (auch ohne Strom, bis ein Techniker mit einem BW-Hubi eingeflogen wurde).

    Ich wurde (als damals 13 jähriger) mit zwei Milchkannen zum Nachbarn geschickt, mitten im Sturm.

    Als ich die drei Kilometer zurückgegangen bin, war die Straße verschwunden, da zugeweht.

    Außer ner eingefrorenen Nase ist aber nichts passiert.

    Als Landbewohner hatten wir immer genügend Vorräte im Keller.

    Und (wie gesagt) dadurch, dass meine Eltern so entspannt blieben, kam eine "Katastrophenstimmung" gar nicht erst auf.

    Im Nachhinein habe ich mal gehört "Panik ist ein schlechter Berater!", und das ist meiner Meinung nach sehr wahr.

    Es gab bei uns in der Umgebung nur einen Todesfall durch die Katastrophe (soweit ich weiß) und das war ein "Zugereister", der mitten in der Nacht meinte nach dem raschen Genuss einer Flasche "Nordhäuser Doppelkorn" mal kurz durch die Schneewehen zu stolpern, um sich (zur nächsten Stadt, Eckernförde?) durchzuschlagen, warum auch immer.

    Wurde später erfroren aufgefunden.

  • Stimmt, das habe ich total vergessen und irgendwie nur als "schöne" Erinnerung (keine Schule) abgehakt. Vermutlich aber auch nur, weil meine Eltern und Oma und Opa ausreichend Vorräte im Haus hatten.

  • Sicher ist es ScheiXe wenn das Auto drauf geht, aber Leben und Gesundheit sind wichtiger

    Da kommen mir die Erinnerungen an den hiesigen Stärkstregen 2021 hoch. Der damalige Schulweg der Kinder bei Erftstadt stand voll unter Wasser.

    Abends vorher waren die Pänz noch knapp vor den Wassermassen von der Autobahn Köln-Süd weg- und heile nach Hause gekommen. S1 als junger Fahrer war tiefst beeindruckt. Seit dem lagern in jedem KFZ entsprechende Rucksäcke recht griffbereit. Inhalt typische GHB-Ausstattung wie Regenzeug, Wasser, Notbiwacksäcke und erweitertes EH Zeug u.ä..

    Dazu noch etwas für die Seele: Futter und das Versprechen, Hilfe zu bekommen mit Telefonnummern.

    Erst belächelt, dann aber auch öfter gerne von allen genutzt, Wasser, Kocher (weil der eigene nicht wollte...) Hunger quälte...

    (Papas sind ja doooooof....:shock:)

    Aber seitdem T1 eines Abends gg. 2200 anrufen konnte: papaaaa, sag mal ist in dem Rucksack auch Spiritus?

    Wieso?

    Wir stehen hier in der Eifel auf dem Parkplatz xxxx und wollten noch was kochen, aber der Kocher von xy funktioniert nicht. Und Spiritus für meinen kriegen wir jetzt hier auch nicht mehr.

    Ja, alles drin. Pack mal einfach aus. Ist übrigens in deinem kleinen Päckchen auch drin.

    Ach? Gut dann hast du uns das Wochenende gerettet... :love:

    Ich mag meine Tochter.... 8)

    Es muss ja nicht immer der Extremfall sein, es reicht ja schon, dass Wasser im entsprechenden Augenblick fehlt. Daher mal 'alles' bzw. Das wichtigste rein gepackt.

    Fire&forget. Nimm, wenn nötig und fülle auf bzw. Melde dich am Empfang und lass auffüllen. ;)

    Jetzt sind sie alle soweit, dass sie das von alleine machen. Erst mal reinschauen, ob was brauchbares dabei ist, dann erst anrufen und das gebrauchte nachfordern.

  • Etwas zum Thema Gewitter.
    Grauwolf hilft im Sommer bei der Getreideernte aus. Es geht an den letzten Weizen und Gewitter ist angesagt. Alles in Hochpannung. Vormittags hatten wir ein Hektar großes Stück gedroschen, da stand noch ein voller Kippanhänger mit Korn. Er war bisher nicht nach Hause geholt worden, da es technische Probleme mit dem Mähdrescher gab, die Vorrang hatten. Als das Gewitter heranzog wurde Grauwolf mit dem, zu dem Zeitpunkt einzigen verfügbaren Schlepper, MF 65 mit halboffenen Verdeck, und einer Plane ins Feld geschickt um den Wagen zu holen.
    Dort angekommen wurde angehängt, dann kam erstmal die Plane über den Wagen.
    Auf dem Rückweg war dann auch das Gewitter angekommen. Blitz und Donner waren was gleichzeitig. Das war mir eindeutig zu exponiert. Also runter vom Trecker, Sitzkissen mitgenommen und unter de Anhänger gekrochen, Faradayischer Käfig. Es kamen noch 3 oder 4 dichte Einschläge gefolgt von einem Wolkenbruch, der nach einer halben Stunde in Nieselregen überging.
    Also zurück auf den Trecker und weiter Richtung Hof. Auf halber Strecke kam mir mein Vater mit dem Auto und besorgten Gesicht entgegen. Er musste einen Umweg fahren, da da Wasser zu tiefe Rinnen auf dem Weg hinterlassen hatte. Mit Trecker und Wagen, gab es keine Probleme durchzukommen, wenn auch langsam, weil steil bergab.
    Das Korn ist, bis auf eine kleine Stelle an der die Plane ein Loch hatte, trocken geblieben.

    Nass war ich und kalt wurde mir auch. Also zusammengenommen schon irgendwie eine Survival-Situation, wo unbedachtes Handeln schnell hätte kritisch werden können.

  • Definition Katastrophe....

    Der eine nennt es eine Katastrophe.... der andere Dienstag.

    Zur Erklärung, meine dt. Wetter-App schreibt mir von Ende November bis Ende März Warnmeldungen aufs Händy.... Extreme Kälte, schwierigste Strassenverhältnisse, Gefahr von Erfrierungen, bleiben sie wenn möglich zuhause... das mag für den dt. DIN-Touristen ja durchaus zutreffen.... für mich und jeden anderen hier ist das ein normaler Dienstag, das hat man nach ein paar Wochen drauf.

    Eine Grosstante wohnte direkt am Zusammenfluss von Main und Tauber in Wertheim. Es war völlig normal das 1-2mal im Jahr im Erdgeschoss das Wasser bis 2m Höhe stand. Darauf war mein eingerichtet, da hat man den Wäschekorb hoch getragen, evtl. die Waschmaschine aufgebockt und das Auto umgeparkt... fertig. Ein normaler Dienstag.... Für den zugezogenen der sich da einen Partyraum eingebaut hat und die Ledercouch drin stehen hat.... Der dreht völlig hol wenn da plötzlich einer stehet der ihm erklärt das er aufhören soll zu pumpen da ihm sonst das Boden-/Grundwasser die Kellerwand eindrückt und das Haus zusammenfällt.

    Die Kleinigkeit des einen ist die Katastrophe des anderen. Auf die gewöhnlichen Kleinigkeiten kann man sich einrichten.... interessant wird es wenn es ungewohnt oder extremer als gewöhnlich wird.

    Starkregen, -30 Grad, 20cm Schnee über Nacht, ein bisschen Wind der den einen oder anderen Baum umschmeisst, Wasser-/Stromausfall bis 24h, Hagel der die Feldfrüchte zerlegt und das Dachpappe-Dach in schweizer Käse verwandelt .... das sind keine Katastrophen. Das passiert alle Zeit mal, das hat man schon mal gesehen. Das ist nur beim ersten mal .... "interessant".

    Fronleichnam 1984... die erste Nacht meines Lebens die ich durchgemacht habe... ich war 7.... Starkgewitter, über 40mm Niederschlag innerhalb von 15-20 Minuten, das Regenrückhaltebecken in Königheim gibt nach und eine Flutwelle ballert die Brehmbach und die Tauber runter. Da stand Wasser und Schlamm an Stellen, da gab es noch nie... also seit weit über 200Jahren kein Wasser. Das sich die Tauber 1 mal im Jahr in die Tauber-Seenplatte verwandelt ist normal...

    Situation Heute.... Damals waren 40mm+ in kürzester Zeit ungewöhnlich.... heute.... das gibt es doch jede Woche mal irgendwo in D.

    Ein paar Jahre später.... mit dem Wohnwagen in Wremen bei Bremerhaven auf dem Campingplatz vor dem Deich..... Kleiner Wohnwagen, etwa gleich grosses Vorzelt.... Nacht.... Windstärke 11.... für einen Anwohner völlig unspektakulär, für uns.... mein Vater schwört heute noch das es den Wohnwagen um 0,5m versetzt hat...

    Golfballgrosser Hagel... 80% Ernteausfall bei Kartoffeln und Zuckerrüben.... Scheunendach durchlöchert.... ok, das muss man mal gesehen haben, braucht man aber nicht noch mal...

    Schon mal bei -17Grad und Schneesturm Gewächshausscheiben auf dem Dach gewechselt....? Danach bekommt der Begriff Winterkatastrophe einen ganz anderen Stellenwert... die Zeitgleichen 3,5 Tage Stromausfall lass ich unter den Tisch fallen.


    Die meisten Katastrophen sind ganz einfache, maximal unbequeme Vorkommnisse. Lagen, die ganz einfach abgearbeitet werden müssen... und die man evtl. auch nicht überlebt.

    Bei der Rally-WM in Jyväskylä am 1.8., also vorgestern, ist der franz. Rennfahrer Sebastian Ogier an mir vorbei geflogen, hat 2 15cm+ Kiefern zu Brennholz verarbeitet, hat sich zig mal überschlagen.... über Funk kam da ganz entspannt die Frage.... "Leben sie noch..."? Meine Antwort war.... "Weiss ich noch nicht sicher.... einer flucht auf französisch...."? Die sind aus der Karre rausgekrochen, Helme runter.... und dann haben sie meine gesamten Trinkwasservorräte gesoffen und nach Bier gefragt. Der Ogier wurde dann mit dem Heli, der andere mit dem Krankenwagen abtransportiert. Der eine hat einen Schock und ist am Zittern, der andere fragt nach Bier...

    Was macht man wenn es knallt? Wann zieht erst mal den Kopf ein, bringt sich in Sicherheit, und beobachtet die Lage. Danach wie beim Survival. Lage betrachten... Planung der Vorgehensweise... Tätig werden.... Käse gegessen.


    Reden wir mal Klartext... bei allen aussergewöhnlichen Vorkommnissen ist weniger das Vorkommnis selbst das Problem. Es ist der Mensch/die Menschengruppe die entweder eine weniger gefestigte Persönlichkeitsstruktur haben, oder psychisch weniger stabil sind.

    Es fühlt sich hier bitte keiner angesprochen. Das aussergewöhnliche Vorkommnisse sind eine Belastung, und es ist auch von der Tagesform abhängig wann man, und wie man darauf reagiert. Ich selbst hatte auch schon Aussetzer, das ist völlig normal. Verzweiflung, Schock, PtBs etc. alles ganz normal. Jeder reagiert anders...

    Der psychische Aspekt ist in der Katastrophe meiner Ansicht nach die grössere Baustelle....

  • Weil Ullerich es gerade im Nachbarfaden erwähnt...

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    Das ist ein Beispiel im kleinen Format für eine echte Katastrophe die im grossen auf euch zu kommt. Der Zug fährt in Zeitlupe gegen die Wand.

    Seit 30 Jahren wird gepredigt das es zukünftig zu einem Wassermangel kommen wird. Das jeder Liter Wasser der ungebremst abfliesst ein verlorener Liter Wasser ist.... etc.

    Das Wasser vom Starkregen fliesst oberflächig ab und hat keine Zeit einzusickern etc. Über das Thema hatten es Hagbard und ich vor längerer Zeit schon mal....

    Was ist ein 10 000l-Soeicher im Jahresverlauf? Das verbrauche ich im 4000qm Gewächshaus pro Woche..... wenn es langt.

    Organisches Material in den Boden, tief lockern, dass das Wasser rein kommt in den Boden, Abflussbremsen.... in England wird gerade diskutiert mehr Biber anzusiedeln... kein Witz.

    Feuer kann man löschen.... so man Wasser hat. Hochwasser kann man leiten und aufhalten. Kein Wasser.... tja... dann ist man .... nein ich sag es nicht laut...

    In der Pfalz fängt einer an Oliven anzubauen...

    Krisen kommen nicht immer Laut und mit Donnergrollen

  • Da allgemein gut bekannt und dokumentiert mal meine Erinnerung an den Winter 1978/79.
    Silvester '78. Die ersten Katastrophenmeldungen aus dem Norden gab es schon Tage vorher.
    Silvestermorgen war es noch hier über 0 Grad. Da es kalt werden sollte hatten wir die Schweineställe durchgemistet und reichlich Stroh eingestreut.
    Mittags fing es dann an zu schneien und bis zum Abend lagen 10 cm, bei -10°C. Das Feuerwerk die Nacht fiel entgegen sonstiger Gewohnheit schwach aus.
    Am nächsten Morgen waren es 20 cm und -14°C.
    Um den Hof und Stall betriebsfähig zu halten wurde fleissig Schnee geschippt. Am Ende kam das meiste auf eine großen Haufen vor der Haustür. In diesen haben wir Kinder/Jugendliche später eine große Schneehöhle gegraben. Leider hatte ich zu der Zeit nicht die Austattung oder das Wissen um darin auch zu übernachten.
    Brutal kalt wurde es die erste Januarwoche, mit Temperaturen unter -20°C. Das vor Ort gemessene Minimum lag bei -27°C, wobei die Tageshöchsttemperaturen auch im zweistelligen Minusbereich lagen.
    Problematisch war die Wasserversorgung im Schweinestall >200 Mastschweine, da die Wasserleitungen einzufrieren drohten. Die Schweine selbst hatten damit wenig Probleme, da auf Stroh gehalten.
    Im Stall wurde zu Türen und Fenster mit Planen abgehängt und ein Ölofen in der Futterküche aufgestellt, den ein Nachbar übrig hatte. Für Ställe im Aussenbereich wurde das Wasser abgestellt und die Schweinchen mit Wasser aus dem Haus versorgt, welches in Extrafuttertröge gegossen wurde. Das war Grauwolfs Aufgabe, aber zuerst musste immer erst das Eis aus den Trögen raus. Da war nix mit Weihnachtsferien.
    Es gab wenn ich mich richtig erinnere 2 Abschnitte mit extremer Kälte. Zwischendurch gab es mal Eisregen, der eine 3 mm dicke Eisschicht auf den Schnee brachte. Prekär fürs Wild, das nicht mehr an das Futter da drunter kam. Dann gab es Schnee und Wind mit Schneewehen über 2 m.
    Der meiste Schnee taute dann Anfang März ab. Der Haufen mit der Schneehöhle lag bis Mitte/Ende April auf dem Hof.

    Für jemanden aus höheren Bergregionen oder hoch im Norden ist das, was ich hier beschrieben habe ein normaler Winter. Für uns vor Ort war es ein Extrem, welches mit vielen Improvisationen gemeistert werden musste. Eher eine Katastrophe in slow-motion.
    Dagegen habe Feuer, Wind und Überschwemmungen einen eher akuten Charakter.

    Ich bin sicher die meisten von Euch haben auch schon vergleichbareckritische Situationen erlebt. Wenn wir nicht davon Lernen können, so kann es zumindest gut unterhalten.

  • Vor einer guten Stunde zog hier eine Gewitterzelle durch. Ein wenig Gegrummel, Starkregen mit 24 mm auf 2 Schauer verteilt, innerhalb von weniger als 30 min. Und etwas Hagel war auch dabei.
    Die Regenmenge hat unser Hausbach gut vertragen, zu viel mehr als Antrüben kam es heute nicht.


    Aber der Wind war hatte einige Orkanböen.
    Frische Bruchstelle an Baum im Wald gegenüber.



    Abgebrochener Ast über Fussweg.


    Der Baum und Fussweg gehören der Gemeinde, aber der größte Teil des Astes liegt auf unserem Grundstück. Mal sehen ob die Gemeinde sich zeitnah darum kümmert. Morgen geht es an eine erweiterte Inventur in Garten, Feld und Wald. Mal sehen was noch gelitten hat.

    Die NINA-App hat übrigens rechtzeitig gewarnt. Hätten die Orkanböen mich im Wald überrascht, hätte es tückisch werden können. Jetzt steht wieder eine Hitzewarnung für morgen.

  • grauwolf

    in deinem Eingangspost erwähnst du Kyrill,

    da war ich mit meinem Wintermoped auf der A4 Richtung Dresden / Tschechien zum Moppedtreffen unterwegs.

    war keine gute Idee und eine Schlingerei wie auf nem Fischkutter im Skagerak.

    Was auch zeigt: wenn so etwas vorhergesagt ist und nicht überraschend kommt, sollte man es bleiben lassen sich da rein zu begeben.

    Gruß"Seemann"

    Wer vom Weg abkommt, lernt die Gegend kennen!

  • Gut angesagt ja nur wo ich meine Woche Arbeit unterbrechen muss im Wald Holz zu ernten nicht. (3 Bäume blieben vom Wald über)

    Heute ist es noch schlimmer da gibt es zig Modelberechnungen und fast niemand der sich traut die Thesen daraus klar nüchtern sachlich zu vermitteln.

    Sturm ja nur darf nicht ganz Deutschland vor Angst im Bunker ausharren. Nur damit die Ankunft Zeit genau mit verlassen des Bunker kollidiert :thumbsup: