Definition Katastrophe....
Der eine nennt es eine Katastrophe.... der andere Dienstag.
Zur Erklärung, meine dt. Wetter-App schreibt mir von Ende November bis Ende März Warnmeldungen aufs Händy.... Extreme Kälte, schwierigste Strassenverhältnisse, Gefahr von Erfrierungen, bleiben sie wenn möglich zuhause... das mag für den dt. DIN-Touristen ja durchaus zutreffen.... für mich und jeden anderen hier ist das ein normaler Dienstag, das hat man nach ein paar Wochen drauf.
Eine Grosstante wohnte direkt am Zusammenfluss von Main und Tauber in Wertheim. Es war völlig normal das 1-2mal im Jahr im Erdgeschoss das Wasser bis 2m Höhe stand. Darauf war mein eingerichtet, da hat man den Wäschekorb hoch getragen, evtl. die Waschmaschine aufgebockt und das Auto umgeparkt... fertig. Ein normaler Dienstag.... Für den zugezogenen der sich da einen Partyraum eingebaut hat und die Ledercouch drin stehen hat.... Der dreht völlig hol wenn da plötzlich einer stehet der ihm erklärt das er aufhören soll zu pumpen da ihm sonst das Boden-/Grundwasser die Kellerwand eindrückt und das Haus zusammenfällt.
Die Kleinigkeit des einen ist die Katastrophe des anderen. Auf die gewöhnlichen Kleinigkeiten kann man sich einrichten.... interessant wird es wenn es ungewohnt oder extremer als gewöhnlich wird.
Starkregen, -30 Grad, 20cm Schnee über Nacht, ein bisschen Wind der den einen oder anderen Baum umschmeisst, Wasser-/Stromausfall bis 24h, Hagel der die Feldfrüchte zerlegt und das Dachpappe-Dach in schweizer Käse verwandelt .... das sind keine Katastrophen. Das passiert alle Zeit mal, das hat man schon mal gesehen. Das ist nur beim ersten mal .... "interessant".
Fronleichnam 1984... die erste Nacht meines Lebens die ich durchgemacht habe... ich war 7.... Starkgewitter, über 40mm Niederschlag innerhalb von 15-20 Minuten, das Regenrückhaltebecken in Königheim gibt nach und eine Flutwelle ballert die Brehmbach und die Tauber runter. Da stand Wasser und Schlamm an Stellen, da gab es noch nie... also seit weit über 200Jahren kein Wasser. Das sich die Tauber 1 mal im Jahr in die Tauber-Seenplatte verwandelt ist normal...
Situation Heute.... Damals waren 40mm+ in kürzester Zeit ungewöhnlich.... heute.... das gibt es doch jede Woche mal irgendwo in D.
Ein paar Jahre später.... mit dem Wohnwagen in Wremen bei Bremerhaven auf dem Campingplatz vor dem Deich..... Kleiner Wohnwagen, etwa gleich grosses Vorzelt.... Nacht.... Windstärke 11.... für einen Anwohner völlig unspektakulär, für uns.... mein Vater schwört heute noch das es den Wohnwagen um 0,5m versetzt hat...
Golfballgrosser Hagel... 80% Ernteausfall bei Kartoffeln und Zuckerrüben.... Scheunendach durchlöchert.... ok, das muss man mal gesehen haben, braucht man aber nicht noch mal...
Schon mal bei -17Grad und Schneesturm Gewächshausscheiben auf dem Dach gewechselt....? Danach bekommt der Begriff Winterkatastrophe einen ganz anderen Stellenwert... die Zeitgleichen 3,5 Tage Stromausfall lass ich unter den Tisch fallen.
Die meisten Katastrophen sind ganz einfache, maximal unbequeme Vorkommnisse. Lagen, die ganz einfach abgearbeitet werden müssen... und die man evtl. auch nicht überlebt.
Bei der Rally-WM in Jyväskylä am 1.8., also vorgestern, ist der franz. Rennfahrer Sebastian Ogier an mir vorbei geflogen, hat 2 15cm+ Kiefern zu Brennholz verarbeitet, hat sich zig mal überschlagen.... über Funk kam da ganz entspannt die Frage.... "Leben sie noch..."? Meine Antwort war.... "Weiss ich noch nicht sicher.... einer flucht auf französisch...."? Die sind aus der Karre rausgekrochen, Helme runter.... und dann haben sie meine gesamten Trinkwasservorräte gesoffen und nach Bier gefragt. Der Ogier wurde dann mit dem Heli, der andere mit dem Krankenwagen abtransportiert. Der eine hat einen Schock und ist am Zittern, der andere fragt nach Bier...
Was macht man wenn es knallt? Wann zieht erst mal den Kopf ein, bringt sich in Sicherheit, und beobachtet die Lage. Danach wie beim Survival. Lage betrachten... Planung der Vorgehensweise... Tätig werden.... Käse gegessen.
Reden wir mal Klartext... bei allen aussergewöhnlichen Vorkommnissen ist weniger das Vorkommnis selbst das Problem. Es ist der Mensch/die Menschengruppe die entweder eine weniger gefestigte Persönlichkeitsstruktur haben, oder psychisch weniger stabil sind.
Es fühlt sich hier bitte keiner angesprochen. Das aussergewöhnliche Vorkommnisse sind eine Belastung, und es ist auch von der Tagesform abhängig wann man, und wie man darauf reagiert. Ich selbst hatte auch schon Aussetzer, das ist völlig normal. Verzweiflung, Schock, PtBs etc. alles ganz normal. Jeder reagiert anders...
Der psychische Aspekt ist in der Katastrophe meiner Ansicht nach die grössere Baustelle....