Kienspan (Fatwood)

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  • Eine kleine Abhandlung zum Thema Kienspan
    Kienspan

    Als Kienspan bezeichnete man ursprünglich tatsächlich einen längeren (Holz-) Span, der als Leuchtmittel (Leuchtspan) diente. Gerade im Bergbau war er lange Zeit unentbehrlich und älteste Funde lassen sich zurück bis in die Bronze- und Eisenzeit datieren.

    Wie entsteht verkientes Holz (sog. Kienspan)?

    Verkientes Holz (Kienspan) kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Wird ein Nadelbaum - mit Harzkanälen - verletzt oder durch Pilzbefall beschädigt, reichert sich an jener Stelle Harz an, um die "Wunde" wieder zu verschließen. Da es auf natürlichem Wege aber nicht wieder zurückfließt verhärtet es mit der Zeit, wird kristallin, so dass das Holz verkient.

    Etwas anders verhält es sich jedoch bei absterbenden Bäumen. Der Fäulnisprozess, der durch Feuchtigkeit sowie Pilzbefall entsteht/entstehen kann, treibt bei der Zersetzung des "toten" Holzes das in den Kanälen vorhandene Harz vor sich her. Dies geschieht von außen nach innen bzw. von oben nach unten; die Schwerkraft begünstigt den Prozess. Wurde also ein Baum mit großer Harzmenge (z.B. Kiefer/Föhre) gefällt, so dass ein Stumpf übrigbleibt, drängt der Fäulnis-/Zersetzungsprozess das im Holzgewebe befindliche Harz in die Wurzel. Das Wurzelholz wird dabei so weit angereichert, bis es vollkommen gesättigt ist. Aber nicht ausschließlich in den Wurzeln ist Kienspan zu finden. Mitunter findet sich gut angereichertes Holz bereits im Stumpf bzw. im Stamm. Das ist von unterschiedlichen Begebenheiten abhängig und verspricht keine Garantie. Das Holz mit dem höchsten Harzanteil sowie der entsprechend besten Qualität sollte sich aber tatsächlich in den Wurzeln finden.

    Findet sich an jedem Nadelbaum Kienspan?

    Auch wenn oftmals darauf hingewiesen wird, dass sich Kienspan durchaus auch an Tannen, Fichten sowie an Kirschbäumen finden lässt, ist es in erster Linie die Kiefer - auch als Kienbaum, Fackelbaum oder Feuerbaum bezeichnet -, die auf Grund ihres reichhaltigen Harzvorkommens sowie der weitreichenden Harzgänge als zuverlässiger Kienspan-Spender gilt. Bei der Tanne verkienen vorwiegend nur die Hornäste, bei der Fichte kommt es generell seltener zur Verkienung und wenn, dann nicht so kräftig wie im Verhältnis zu einer Kiefer.

    Woran erkennt man einen tauglichen Kiefernstumpf?

    Generell sollte man sich das Waldstück insofern näher ansehen, ob Kiefern überhaupt vorhanden sind. Es macht wenig Sinn, in einem Misch-/Laubwald nach einem Kiefernstumpf Ausschau zu halten, wenn die umliegenden Bäume keine Kiefern sind. Selbst in einem reinen Nadelwald ist es nicht gesagt, dass man eine Kiefer vorfindet. Hat man jedoch eine schöne Stelle gefunden, an der zahlreiche Kiefern stehen, kann/sollte man nach verrottenden Stümpfen Ausschau halten.

    Bewährt hat es sich, zu überprüfen, wie stabil der Stumpf noch ist. Der Prozess, der zur Verkienung der Wurzeln führt, kann mitunter Jahrzehnte dauern. Entsprechend sollte man sich nicht den Stumpf einer frisch gefällten Kiefer suchen, sondern einen bereits gut vermoderten; nicht selten von einer etwas dickeren Moosschicht überwachsen. Lässt sich der Stumpf mit der Hand (oder dem Stiefel) bereits bewegen bzw. zerfällt er bereits, so kann man sich die Wurzeln mal genauer ansehen. Aber auch zu einem früheren Zeitpunkt kann ein prüfender Blick nicht schaden. Nur eben nicht zu früh.



    Kiefern haben eine recht dicke, tiefrissige Borke mit groben Schuppen (Waldkiefer). Im Grunde ein relativ zuverlässiges Indiz, um einen Kiefernstumpf von dem eines anderen Nadelbaums zu unterscheiden. Meist liegen um den Stumpf aber auch zahlreiche Kiefernadeln, die leicht verdreht paarweise in Kurztrieben stecken und bis zu 7cm lang werden können. Ist zudem der leichte Geruch von Terpentin zu vernehmen, dürfte man gefunden haben, was man sucht.

    Welche Werkzeuge bieten sich an?

    Da sind die Herangehensweisen sehr unterschiedlich. Manch einer möchte fette Beute machen, einem anderen reichen ein paar ordentliche Stücke, wiederum einem anderen kommt es lediglich auf das "Gold" in der Erde an. Entsprechend vielseitig sind die Möglichkeiten, wie man sich bereichern möchte.

    Abhängig ist die Wahl des Werkzeugs auch davon, wie fortgeschritten der Zersetzungsprozess (Morschegrad) bereits ist. Um sich ein paar schöne Stücke mitzunehmen, sollte ein gutes, etwas stabileres Messer, welches man auch mal mit einem Ast bearbeiten kann, vollkommen ausreichend sein. Eine kleine Axt (z.B. Fiskars X5/X7) könnte ein Messer durchaus sinnvoll ergänzen. Hilfsmittel finden sich im Wald meist zur Genüge.



    Möchte man jedoch der Wurzel zu Leibe rücken, macht ein Grabstock zwar durchaus Sinn, ein Klappspaten vereinfacht das Freilegen aber ungemein. Weiterhin wäre es empfehlenswert, über eine Klappsäge nachzudenken, da sich die Wurzeln oftmals nur mit sehr viel Mühe freilegen bzw. kappen lassen. Allerdings ist dies wieder von genanntem Morschegrad abhängig. Ein paar Tropfen Öl im Gepäck, um das Sägeblatt davor zu schützen, sich im verkienten Holz festzubeißen, sollten nicht schaden. Man sollte sich auch vor Augen führen, dass man mit der Säge u.U. im Dreck wühlt. Das Sägeblatt kann und wird also mit Sand, Steinen und anderen Materialien in Berührung kommen und schneller stumpf werden.

    Entsprechend also dem, ob man unterwegs nur mal nach Kienspan Ausschau halten oder ob man gezielt auf Kienspan-Suche gehen möchte, kann und sollte man sein Werkzeug sinnvoll wählen. Allerdings gibt es hier auch wieder unterschiedliche Vorlieben, Absichten und Erfahrungen.

    Und warum Kienspan?

    Kienspan ist ein hervorragender Zunder, der in kleinen Locken (Feathersticks) jeden Funken und jede Flamme fängt. Verkientes Holz saugt kein Wasser auf, so dass Kienspan auch nass/feucht benutzt werden kann. Zudem lässt er sich relativ gut lagern, ist ergiebig und kann zur Not auch als Leuchtspan eingesetzt werden. Als absichernde Option sollte ein Stück Kienspan immer dabei sein.

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