Zelt / Zeltformen

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  • Zelt / Zeltformen

    Der folgende Eintrag soll in erster Linie verschiedene Zeltformen veranschaulichen und deren Vor- und Nachteile erläutern.

    Ausgearbeitet von unserem werten Seemann in Zusammenarbeit mit Schwarzzelter !
    Zelt / Zeltformen

    Thematische Einleitung

    Eine historische Einordnung oder Abfolge der Zeltformen ist nicht Ziel des Eintrags. Dies ist umfassend in Lexika zu finden. Der Ursprung bei diversen Nomadenvölkern ist auch weitestgehend bereits andernorts beschrieben, aber der Nutzen für uns Anwender, wird oft nur im Gespräch untereinander eingestuft und nirgendwo festgehalten. Dies soll nun hier geschehen.






    First- oder Giebelzelt

    Eine aus der Mode gekommene Zeltform, bestehend entweder aus zwei zusammenknüpfbaren Zeltplanen, wie bei z.B. der Bundeswehr, oder als einwandiges, einteiliges Zelt mit zwei Stangen, einem Reißverschluß als Eingang und geringem Packmaß. War meist vor den Sommerferien für 20.- Mark im Angebot und erhielt den Kosenamen "Dackelgarage".

    Vorteil:
    • geringer Preis, sonst nichts
    Nachteile:
    • Stangen meist innerhalb des Zeltes
    • ohne Firststange
    • instabil
    Stößt man im Schlaf an die Stange, fällt meistens das Zelt zusammen. Selten besonders wasserdicht und wegen der Einwandigkeit bei Berührung des Zeltstoffes oft Wassereinbruch. Windanfällig wegen der steilen Zeltseiten vorne und hinten. Wenig bis gar nicht atmungsaktiv, wegen des Materials, das damals oft irgendein "Plastik" war.

    Ab ca. Mitte der 80iger Jahre wurde diese Zeltform nach und nach von den preiswerten Igluzelten abgelöst.


    Kuppel, Dom- oder Iglu-Zelt

    Iglus oder Dom-Zelte haben meist zwei gekreutzte Stangen, die nicht innerhalb des Zeltes stehen, was den größten Nachteil der Giebelzelte kompensiert. Oft haben sie auch ein Innenzelt, das an den Stangen eingehängt wird, wodurch das Berühren des Außenzeltes und damit der Wassereintritt verhindert wird. Innerhalb kürzester Zeit entwickelten sich die Iglus weiter und bekamen z.B. Absiden, mehr Schlafplätze, Moskitonetze am Eingang, oder sogar einen zweiten Eingang.

    Die höchste Entwicklungsstufe des Igluzeltes ist das Geodät, eine Sonderkonstruktion, deren Hauptaugenmerk auf extremer Windstabilität liegt.



    Vorteile:
    • Stabilität
    • Raumangebot mit Apsis
    • z.T. stabil freistehend
    • Wetterschutz
    Nachteil:
    • oft schon recht teuer je nach Marke und Materialien

    Tunnelzelt

    Tunnelzelte mit zwei, drei, vier, oder mehr Stangenbögen haben gegenüber dem Igluzelt den naheliegenden Vorteil, mehr Platz zu bieten, aber auch den Nachteil des höheren Gewichtes, eben wegen des Plus an Stangen. Der freie, ohne innenliegende Stangen, zur Verfügung stehende Platz, ist das große Plus der Tunnelzelte. Auch die Variante zwei Iglus mit einem Tarp dazwischen, gegenüber aufzubauen, ergibt letztendlich einen Tunnel. Ziel dieser Ausrichtung ist es, in der Mitte, oder an einem Ende des Tunnels, einen vom Schlafraum getrennten Aufenthaltsraum zu schaffen. Sei es für Gepäck, als Küchenecke, oder Schlechtwetterraum.
    In Sachen Windstabilität ist der Tunnel nicht ganz so perfekt, wie das spezielle Iglu Geodät, aber gut gespannt hält ein nicht zu hoher Tunnel einiges aus.



    Vorteile:
    • großes Platzangebot
    • leichter Aufbau
    • variable Raumaufteilung und oft mehrere Eingänge
    • bei niedrig bauenden Tunnelzelten hohe Windstabilität
    • Innenzelte können meißt separat
    • innerhalb des Tunnels z.B. bei Regen
    • auf- oder abgebaut werden
    Nachteile:
    • höheres Gewicht durch mehr Gestänge
    • höhere Tunnelzelte z.B. welche mit Stehhöhe
    • haben eine schlechtere Windstabilität
    • Packmaß und Gewicht sind schnell sehr hoch

    Tipi und Lavvu


    Tipis und Lavvus sind in der Regel Einstangen- und Spitzzelte. Es gibt auch Zelte in diesem Bereich, aber das ist eher die Ausnahme, die keine Mittelstange, sondern ein anderes "Gerüst" benutzen. Vereinfachend hier Tipi genannt, gibt es diese Zeltform, vom 1-Mann bis Gruppenzelt, sowohl aus Kunstfasermaterialien, als auch aus Naturfasern wie Baumwolle vor allem. Gut abgespannt, mit Schnee oder Steinen auf den Snowflaps sind diese Zelte ziemlich windstabil. Die meisten dieser Zelte sind den Vorbildern der Indianer und Samen entsprechend, auch als Feuerzelte, sei es mittels Zeltofen, oder Feuerstelle, zu nutzen. Dies erfordert etwas Übung und Erfahrung und vor allem größte Sorgfalt beim Aufbau und Vorsicht!



    Vorteile:
    • Wintertauglich durch Beheizbarkeit
    • Platzangebot je nach Größe für bis Gruppengröße
    • i.d.R. nur eine, teilbare Zeltstange (Gewicht)
    Nachteile:
    • Zeltstange steht mitten im Zelt
    • je nach Größe und Material sehr hohes Gewicht
    • ebenso je nach Größe hoher Grundflächenbedarf (auf Campingplätzen oft nicht parzellentauglich)
    • Qualitäts- und Markenzelte sind sehr teuer

    Hauszelt

    Als Hauszelt werden in der Regel Steilwandzelte bezeichnet, die füher oft einwandig aus Baumwollgewebe hergestellt waren. Ein über dem Eingangsreißverschluß hängendes Tuch, konnte mittels zwei Aufstellstangen oft als Vordach aufgespannt werden. Das Gestänge war eigentlich immer aus Stahlrohr, ohne Verbinder und mit etwas Glück so markiert (ansonsten Stangenmikado), dass man auch wusste was wohin kommt. Das Baumwolltuch durfte (laut Herrn Papa ) unter keinen Umständen, bei Regen von innen berührt werden!

    Vorteile:
    • Stehhöhe
    • Schlafkabine
    • billiger als Wohnwagen
    Nachteile:
    • Gewicht des Gestänges
    • Wasserempfindlich
    • Wind anfällig
    • Haltbarkeit begrenzt
    Heute findet sich die Form oft bei Wohnwagenvorzelten oder Buszelten wieder. Die Materialien haben sich geändert und damit die Wasserempfindlichkeit. Das Gestänge ist aber auch heute noch meist aus Stahlrohr.


    Kohte

    Die Kohte ist eine Sonderform der Spitzkegelzelte und ist direkt mit dem Lavvu verwandt. Auf Lapplandfahrten (1927 und 1929) lernte tusk (Eberhard Koebel) die Zeltform der Sami kennen. Er erkannte, dass diese Zeltform ideal für die Jugendgruppen sein müsste und machte sich daran, eine fahrtentaugliche Version zu entwickeln. Zu der Zeit gab es ansonsten für die Jugendgruppen nur die Möglichkeit, in Zelten zu kampieren, die aus Militärzeltbahnen zusammengeknüpft wurden. So kam es, dass auch unsere Kohte sich mit der Zeit an diesen Maßen orientierte. Die unteren Seitenkanten der Kohtenbahn sind 1,65m lang, so dass die Kohte mit quadratischen Planen (den Jurtenplanen, in den Maßen der bekannten Militärzeltbahnen, ähnlich NVA-Plane oder schweizer Militärblache) zu einer Jurte ausgebaut werden kann.

    Die Kohte in ihrer heutigen Form besteht aus 4 Kohtenbahnen, die zusammengeknüpft ein tipiähnliches Zelt ergeben. Oben bleibt ein quadratisches Rauchloch offen, dass mit dem Kohtenkreuz aufgespannt wird. Dieses wiederum hängt an einem Zweibein aus etwa 4m langen Stangen. Zusammengeknüpft werden die Kohtenbahnen untereinander mit einem Schlaufensystem, das recht stabil ist und einfach repariert werden kann. Die einzelne Kohtenbahn wiegt etwa 1,8kg. Die Bahnen werden auf die Gruppenmitglieder verteilt; da in der Kohte etwa sechs Leute genügend Platz finden, kann noch einer das Beil und den Kochtopf tragen, der sechste das Seil und die Gitarre.

    Ach ja: das Rauchloch dient natürlich dem Abzug des Rauches, weil in der Kohte von der Idee her mit einem kleinen Lagerfeuer geheizt wird. Das war zur Entstehungszeit wegen der Wolldecken wohl auch noch nötig. Inzwischen ist das nicht mehr gebräuchlich (Kunstfaserschlafsäcke halten warm und sind empfindlich gegen Funkenflug, zwei Gründe, die gegen ein euer im Schlafzelt sprechen), die (Un-)Ordnung in den heutigen Kohten lässt das auch nicht mehr zu.




    Jurte

    Nachdem die Pfadfinder, Wandervögel, Jungenschaften etc. immer weiter durch die Welt kamen, lernten sie in der Mongolei auch die Jurte kennen. Da sie aber keine Tragtiere mitführen konnten, ersonnen sie ein leichteres System, um ein relativ leicht zu transportierendes Zelt für größere Gruppen oder Treffen zu erhalten. Aus sechs Kohtenbahnen und 12 quadratischen Jurtenplanen ließ sich ein der Jurte ähnliches Zelt bauen, für das dann auch der Namen übernommen wurde.

    Die Jurte hat in der klassischen Form einen Durchmesser von sechs Metern und ist an den Seiten 1,65m und in der Mitte 2,45m hoch. Sie dient häufiger als Versammlungs- denn als Schlafzelt. Es sind durch zusammenknüpfen (hier dann mit doppelter Knopfleiste) größere Kombinationen (Jurtenburgen) möglich. Inzwischen gibt es auch größere Jurten (Superjurte und Gigajurte). Jurten spielen für den Bushcrafter eher keine Rolle, die Jurte kann aber bei Treffen sehr gut als Versammlungszelt oder Gemeinschaftsküche genutzt werden. Sinnvoll kann aber die Nutzung der Seitenwände als Tarp sein, besonders, weil es inzwischen größere Planen als die klassischen Quadratplanen gibt.




    Busvorzelt

    In gewisser Weise eine Sonderform der Hauszelte. Meist in der Form eines Steilwandzeltes, ähnlich der Wohnwagenvorzelte, aber in meinem Fall eher ein großer, hoher Tunnel mit steilen Seiten. Drei schwere, stabile Stahlbögen bilden den Tunnel, zwei teleskopierbare Stangen sorgen für die Längsspannung und eine Stange bildet den Schleusenstab zum Bus hin. Generell gibt es drei Varianten:
    1. hinter dem Bus an der Hecktüre oder Heckklappe
    2. rechtwinklig von der Schiebetür weg seitlich vom Bus
    3. siehe Bild parallel zum Bus an der seitlichen Schiebetür
    Für diese Variante hab ich mich auf Anraten aus dem VW-Bus-Forum entschieden. Der einleuchtende Hinweis, dass nicht alle Campingplätze Parzellen anbieten, die groß genug sind für die rechtwinklige Aufbauweise, war für mich ausschlaggebend.

    Vorteil:
    • Zelt kann freistehend am Platz bleiben
    • während man den Bus nutzt (einkaufen fahren, Ausflüge etc.)
    • Schlafkabinen oder Küchenecke können separat genutzt werden
    Nachteil:
    • teuer
    • schwer
    • oft Fahrzeughöhen abhängig und damit an einen Typ gebunden ( insbesondere in der Höhe oft nicht variabel z.B. für Fahrzeuge mit Hochdach )

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