Anleitung: Löffel schnitzen

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  • Eine Anleitung zum Thema Löffel schnitzen

    Dokumentiert von unserem werten Hagbard !
    Häufig findet man in den deutschen Wohn- und Wirtschaftswäldern abseits der Wege stumme Gestalten, auf Baumstümpfen kauernd, die konzentriert und wortkarg Löffel vor sich hin schnitzen. Da stellt sich natürlich sofort die Frage: Wie machen die das?


    Hier möchte ich gerne ein wenig Hintergrundwissen rund um's Schnitzen, nicht nur von Löffeln, sammeln. Der Löffel bietet sich an, da er ein recht praktisches Utensil ist und als Holzlöffel zudem einerseits leicht, andererseits recht stabil ist. Zudem sieht er urig aus. Auf ähnliche Art und Weise kann man natürlich auch Holzbecher/Kuksas, Schalen o.ä. herstellen. Ich persönlich finde, Schnitzen hat etwas Meditatives...


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    Zunächst zur Auswahl des Holzes:


    Ich verwende gerne Obsthölzer, also Apfel, Birne, Pflaume, etc. Dies aus einem einfachen Grund: Sie sind quasi per se lebensmittelecht und zudem sehr leicht zu bearbeiten. Hölzer sollten nämlich grundsätzlich nicht den Geschmack des Essens beeinflussen, daher scheiden einige harzige Hölzer aus, zudem scheiden grobfaserige Hölzer technisch bedingt auch meist aus. Außer Obstholz eignen sich ebenfalls sehr gut Ahorn, Birke und Haselnuss, dazu einige weitere, aber ich möchte hier zunächst v.a. aus eigener Erfahrung berichten.


    Ich empfehle, gerade als Anfänger, Frischholz zu verwenden. Wenn also der Nachbar zufällig gerade seine Apfelbäume zurückschneidet, wisst Ihr schonmal, was Ihr die nächsten Tage zu tun habt... Frischholz ist viel einfacher und weicher zu schnitzen, zudem schont es das Werkzeug. Denn wir sollten nur scharfes Werkzeug benutzen, alleine schon aus Sicherheitsgründen (von der Efizienz einmal abgesehen). Allerdings schwindet Frischholz natürlich beim Trocknen, daher sollte man beim Schnitzen zum Einen strategisch vorgehen und stark schwindungsgefährdete Bereiche verwerfen, zum anderen kann man ein Salzwasserbad vornehmen (genaugenommen der Löffel...). Es wird aber immer zu gewissem Verzug kommen, so dass man bspw. die Laffe entsprechend auf dem Holzstück positionieren sollte - im Griff wäre ein Loch oder Riss ja nicht so schlimm, bzw. beeinträchtig die Funktion nicht weiter.



    Welche Werkzeuge benötige ich?


    Man kann grundsätzlich mit so ziemlich jedem verfügbarem Messer schnitzen (Glutbrennen von Löffeln behandle ich hier mal nicht). Besonders geeignet sind meiner Meinung nach Messer mit Scand-Anschliff, jedoch beweisen etwa Felix Immler oder auch unser Forenkollege @Hesse, dass man mit einem einfachen Schweizer Taschenmesser ebenfalls die allermeisten themenbezogenen Schnitzaufgaben gut bewerkstelligen kann.


    Hier habe ich mal ein paar Heringe mit dem White Hunter, als eher grobem Messer geschnitzt... Es geht auch hiermit einiges:





    Wer ambitioniert Löffel schnitzen möchte, sollte sich ein Löffelmesser ( ) zulegen, die gibt es von Mora, Pfeil und anderen und sie kosten meist zw. 20 und 30 €. Oder, wer mehr ausgeben möchte, kauft bei Robin Wood oder Svante Djärv, dort gibt es auch u.a. Crooked Knives (anderes Thema). Zusätzlich macht noch ein Meißelmesser Sinn, wie es sie für wenige Euros u.a. von Hultafors gibt. Jetzt noch irgendeine Säge und los in den Wald, Rohstoffe besorgen. Hier mal die genannten Werkzeuge:


    Und hier ein Löffel, der bisher nur ein Meißel- und ein Löffelmesser gesehen hat:





    Weitere Werkzeuge, die ich praktisch finde, sind auf diesem Foto abgebildet:





    Ganz links zunächst zwei Mora Löffelmesser, das engere finde ich für Löffel universeller. Daneben Löffelmesser von Pfeil, diese sind nur auf einer Seite angeschliffen (im Gegensatz zu den Moras). Entsprechend sollte man sie bestellen... Ich nehme auch hier v.a. das enge. Dann ein normales Mora Schnitzmesser und ein Järvenpäa. Danach das Hultafors Meißelmesser, sehr praktisch, da auch als Ziehklinge und zum Holz spalten zu gebrauchen. Ganz rechts zwei Spezialwerkezuge, einmal ein Holzschnittmesser Stich 8 gekröpft, sowie ein Scorp (letzterer v.a. für Schüsseletc.). Ganz unten ein noch unbenutztes Hultafors als Beispiel für ein gutes Schnitzmesser für den Anfang.


    Ein weiteres nützliches Hilfsmittel wäre eine Lederschürze, zudem sollte man ein Verbandspäckchen griffbereit haben...



    Vorgehensweise:


    Als erstes sucht man sich ein passendes Stück holz und schnitzt alles weg, was nicht nach Löffel aussieht...


    Man kann sich das Leben einfach machen, wenn man viel mit der Säge vorarbeitet. Also den Löffel schonmal grob in Form bringen. Am besten ist es, wenn man einen etwa handgelenksstarken Astabschnitt nimmt und diesen spaltet, zudem sollte er an der einen Seite schon leicht gebogen sein - dann hatt man eigtl. schonmal die Grundform des späteren Löffels.





    Die andere Hälfte muss man übr. nicht wegwerfen, ich habe aus diesen beiden Stücken natürlich auch zwei Löffel gemacht.





    Dann nimmt man seitlich des Handgriffes Material weg, auch unterhalb. Bei der Laffe (die tiefe Mulde an der einen Seite...) lässt man sowohl darunter als auch in Verlängerung etwas mehr Material stehen. Gerade die Verlängerung hilft später dabei, den Übergang zw. Laffe und Griff sauber auszuarbeiten.





    Beim Schnitzen ist stets auf die Maserung zu achten, daher wird der Löffelrohling bei der Arbeit eigtl. ständig irgendwie bewegt. Wichtig ist auch ein kontrolliertes Handhaben des Messers, also immer vom Körper weg (mit einigen Ausnahmen, dazu später mehr) und auch möglichst mit einem Endanschlag (Griff gegen Rohling o.ä.), bzw. mit einer Zugbewegung oder mit den Händen direkt vor der Brust, um den Gefährdungsbereich klein zu halten. Zudem machen beim Schnitzen kürzere Klingen meist mehr Sinn als zu lange Klingen.
    Zurück zur Maserung: Die Maserung bestimmt die Schnitzrichtung. Die Maserung muss immer Richtung Fase laufen, nicht Richtung Klingenrücken - denn dann schneidet man zu tief ein. Dies lernt man bei der Arbeit aber sehr schnell.


    Hier mal ein paar Bilder in der richtigen Reihenfolge, die sagen glaube ich mehr als viele Worte. Zumindest sparen sie mir Schreibarbeit.





    Hier wurde die Laffe bereits angedeutet. Ich hätte dort gerne noch etwas mehr Material stehen lassen können.








    Hier kann man schön die Form der Biegung erkennen, so ist es ziemlich optimal - die Laffe, sollte natürlich erst hinter der Biegung beginnen...











    Der Übergang muss sehr sorgfältig ausgearbeitet werden. Denn durch den Richtungswechsel des Schnitzschnittes besteht hier ein erhöhtes Risiko, zu tief ins Material zu schneiden. Ich schnitze meist erstmal Holzflocken von der einen Seite, die ich dann behutsam von der anderen Seite wegnehme. Feinarbeit dann mit ganz kurz gefasstem Messer und dem Daumen der anderen Hand als Unterstützung und zur Kontrolle.








    Endbehandlung mache ich normalerweise mit Leinöl, welches ich auf mittlerer Stufe auf dem Herd erhitze. Ich nehme Speiseleinöle oder Öl aus dem Reistsportbedarf. Anschließend lasse ich den Löffel eine Woche auf der Heizung liegen, dann ist das Öl zumindest oberflächlich einigermaßen ausgehärtet...:





    Häufige Fehler:


    Oft werden die Laffen zunächst zu tief ausgearbeitet, dies ist jedoch gar nicht nötig und unpraktisch - solche Löffel bekommt man mit der Oberlippe nur schwer leer. Daher lieber erst etwas flacher bleiben und die Materialstärke noch etwas dicker lassen, so dass man ggfs. etwas tiefer arbeiten kann.


    Auch sind oft die Seitenwinkel der Innenlaffe zu steil. Grundsätzlich empfhielt es sich, einen Löffel, den man bequem findet, als Referenz-Löffel mit ins Schnitzset zu legen.


    Die Laffe sollte etwas vom Griff abgebogen sein. Es macht keinen Sinn, den S-förmigen Übergang, wie er bei Metalllöffeln üblich ist, zu kopieren - der Griff sollte relativ gerade sein, nur eben einen stumpfen Winkel zur Laffe hin bilden. Dann ist es recht ergonomisch. Ist der Winkel zu flach, bekommt man Probleme bei kleineren Gefäßen wie etwa Bechern, dann muss man diese schräg halten um sie richtig leeren zu können.


    Neben Schwundbereichen sollte man auch auf weiche Stellen im Holz achten, tlw. sind Pilze die Ursache, tlw. der Wuchs des Baumes selbst. Jedoch bleibt bei allen das Problem, dass sie ziemlich weich bleiben und auch das Risiko des Gammelns in sich bergen. So kann solch ein Bereich aussehen:


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