Klimazonen - Wüsten

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    • Klimazonen - Wüsten

      Ich hab drüben bei den Feinden für den Adventsalender einen Beitrag über Wüstensurvival verfasst.
      Denke ich mache mal hier damit weiter und werde dann immer wieder neue Beiträge zu einzelnen Themen verfassen und versuchen mit der Zeit eine Art Kompendium zu erschaffen.

      Als erstes möchte ich eine kleine Einführung über Wüsten und deren verschiedenste Formen geben.
      Was allgemeine Infos angeht möchte ich nicht ins Detail gehen, weil es relativ langweilig ist Zahlen und Daten aus Büchern und Wikipedia abzuschreiben, die jeder nachgucken kann.
      Darum werde ich dann Links zum weiteren Informieren hereinstellen und versuchen eine schöne Bibliografie aufzustellen.
      Ich Versuche hier in erster Linie die wichtigen Informationen für den Reisenden zusammenzutragen, von denen es in der Standardliteratur tatsächlich kaum Infos gibt.

      Es soll sich übrigens jeder angesprochen fühlen der auch etwas zum Thema beitragen kann, hier hereinzuschreiben, das ist natürlich keine One man show.

      Da den meisten hier vermutlich Wüsten und Wüstenformen doch recht unbekannt sind, werde ich ein wenig die verschiedenen Formen, die Wüsten annehmen können beschreiben.

      Wo kommen Wüsten vor?

      Neben den Polaren Eiswüsten, welche ich hier nicht behandeln werden gibt es in erster Linie zwei Arten von Wüsten.

      Wendekreiswüsten: Dies sind die klassischen Hitzewüsten, wie wir sie kennen allen voran die Sahara, Kalahari und die arabischen Wüsten. Sie heißen Wendekreiswüsten, weil sie an den Wendekreisen auftreten. Die feuchten Luftmassen aus den Tropen steigen auf und regnen sich dort ab und werden dann von weiteren Luftmassen nach Norden und Süden gedrückt. Die Lustmassen sinken an den Wendekreisen wieder zu Boden und sind dann knochentrocken.

      Regenschattenwüsten: Diese Wüsten entstehen dadurch, dass feuchte Luftmassen diese Orte nicht erreichen können. Bestes Beispiel sind die zentralasiatischen Wüsten. Durch die gewaltige Ausdehnung Eurasiens, regnen sich die westwingetriebenen Luftmassen weiter westlich ab und können kein Wasser mehr aufnehmen, so entstehen Wüsten wie die Gobi.

      Ein Sonderfall sind die Küstenwüsten Namib und Atacama. Diese liegen an Westküsten von Kontinenten vor denen kalte Meereströmungen verlaufen, welche verhindern, dass feuchte Luftmassen aufsteigen können. Durch, die Lage der Anden auf der Ostseite ist die Atacama auch von jeglichen feuchten Winden aus dem Amazonasbecken abgeblockt und ist somit zum trockensten Ort der Welt geworden.


      In Gelb die Wüstenregionen der Erde.
      Quelle: de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCs…a/File:Trockenklimate.png

      Weiter Infos: de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCste

      Wüstenformen

      Wüsten können die verschiedensten Formen annehmen, die riesigen Sanddünenfelder sind nur eine Form von vielen.

      Als ganz grobe Faustformel kann man sagen, dass die altweltlichen Wüsten trockener sind als die Wüsten der neuen Welt und Australiens. Die Atacama und Death Valley sind dann aber zum Beispiel prominente Ausnahmen.

      Jede Wüstenform hat ihre eigenen Besonderheiten und während die einen besonders einfach zu durchqueren sind, findet man in den anderen am ehesten Wasser.

      Felswüste (arab. Hammada)



      Felswüsten sind meist Gebirgsmassiven vorgelagert oder die Obberflächenform ausgedehnter Hochplateaus.
      Oft geht die Hammada direkt in eine Gebirgswüste über.
      Die Oberfläche ist von einem grobsteinigen Pflaster bedeckt. Die Größe des Pflaster kann varrieren von faustgroß bis Fußball oder noch größer.
      Das durchkommen in vor allem den grobsteinigen Felswüsten kann sich als äusserst zäh erweisen. Autos können teilweise überhaupt nicht mehr fahren und auch die Füße von Kamelen, welche nicht auf Bergwüsten trainiert sind, können sich verfangen und zum stolpern führen, was bei einem Tier dieser Größe einem Todesurteil gleich kommt.
      Gibt es nicht etwa künstliche Brunnen, ist die Chance in einer solchen Landschaft auf Wasser zu stoßen gleich null.
      Die Steine dienen allerdings oft als Versteck für Reptilien und Skorpione.


      Kieswüste (arab. Reg)






      Kieswüsten, sind Wüsten die bedeckt sind von einem kleinsteinigen Wüstenpflaster. Sie stellen die größten Wüstenflächen überhaupt dar. Auf diesen riesigen brettebenen Flächen fehlt es manchmal völlig an jeglichen Orientierungspunkten. Hier ist es wichtig die Richtung stets aufs neue mittels Kompass oder GPS zu überprüfen.
      Dies ist besonders bei schlechter Sicht lebenswichtig. Einfacher ist es, wenn das Relief nicht völlig eben ist sondern man sich an Erhebnungen und Senken orientieren kann. Vorteilhaft ist hier jedoch das vorankommen. Mit jedem Fortbewegungsmittel ist das Reg die bevorzugte Fläche. Es lassen sich auch zu Fuß leicht riesige Strecken bewältigen. Tückisch können allerdings in Senken eingestreuter Feinsand (Fech Fech) sein. Hier kann ein Fahrzeug schnell stecken bleiben. Für den Fußgänger oder Kamelreiter ist es kein großes Problem, mit der Ausnahme des erschwerten vorankommens.

      Salztonebenen (Sebkha)


      Oftmals ausgetrocknete Seen oder Depressionen auf denen sich eine Salztonkruste bildet. Der größte und bekannteste dieser Seen ist der Salar de Uyuni in Bolivien. Sind die Seen völlig verlandet, lassen sie sich vorzüglich durchqueren. Gefährlich sind Salzseen, welche unter der Salzkruste noch Wasser enthalten. Fahrzeuge können dort einbrechen. Nach dem Regen füllen sich die Senken mit Wasser und werden undurchquerbar. In Sebkhas kann sich die Hitze teilweise stark stauen, so dass solche Flächen zu extremen Backöfen werden. Ebenfalls können mit Wasser gefüllt Sebkhas, vor allem die Ränder nach Regenschauern Herde für unvergleichliche Mengen an Moskitoschwärmen werden.


      Sandünen (Erg)

      Es ist die klassische Wüste, wie sie sich der Europäer vorstellt aber tatsächlich nur etwa 20% der Wüstenflächen der Erde ausmacht.

      Man soll sich aber nix vormachen, einige dieser Dünenfelder haben immer noch die Größe von so manchem europäischen Staat.

      Neben der atemberaubenden Ästhetik sind diese Ergs eigentlich Landschaft des Todes. Nomaden und Karawanen meiden diese Flächen, weil es hier nichts zu holen gibt.

      Dünen können sehr unterschiedlich aufgebaut sein und haben daher unterschiedliche Bezeichnungen.

      Die häufigsten Arten sind:

      Sicheldünen (Barchane)




      Die Dünen können sich innerhalb kürzester Zeit bilden. Die Sichelaussenseite zeigt immer in Luvseite. Man kann also die vorherrschende Windrichtung daran ablesen. Diese Dünen wandern oft sehr schnell und können in der Woche mehrere Meter zurück legen.

      Longitudinaldünen (Saif)



      Bei Jahrtausende währenden konstanten Windrichtungen entstehen parallel verlaufende sich teilweise über hunderte km ziehende Dünenkämme, wobei die Dünentäler oftmals frei von Sand sind und sich leicht begehen lassen. Muss man die Dünenkämme wechseln muss man sich stets die am leichtesten zu begehende Passage suchen, die Tuareg haben für diese Passagen ein eigenes Wort, genannt "Gassi"

      Haufendünen


      Bei wechselnden Windbedingungen entstehen die chaotischen und ungeordneten Sandmeere. Diese Flächen sind sehr schwer zu begehen, da es keine Struktur gibt und man ständig Dünenkämme und Täler überqueren muss. Oft schälen sich einige Megadünen ( arab. Dra) aus dem Dünenmeer, welche deutlich höher sind und eine strenförmige Struktur aufweisen. Solche Dünen sind hervorragende Orientierungspunkte.
      Das gehen im Sand ist eine Kunst für sich. Es kostet unvergleichlich viel Kraft im Sand zu gehen, wenn man es falsch macht. Man sollte kleine Schritte machen, dafür aber konstant im Tempo bleiben. Je mehr Kraft man einsetzt, desto tiefer sinkt man und desto mehr Kraft verbraucht man.
      Man muss mit den Augen immer den verfestigten Sand suchen und die Kämme und Leeseiten der Dünen meiden.
      Auf dieser kleinen Grafik ist gezeigt wie man optimalerweise über Dünen geht.



      Canyons (Oued/Wadi)



      Will man in den Wüsten langfristig überleben muss man die Berge aufsuchen. In den ausgetrockneten Flussläufen der Berge hält sich Wasseram längsten, während es woanders längst verdunstet oder versickert ist. Auch sind die Gebirgsmassive noch die feuchtesten Gebiete in Wüsten, weil sich dort Luftmassen sammeln und abregnen können. Hier an solchen Talböden sind meist die einzigen Stellen wo sich trinkbares Oberflächenwasser findet.
      Es sammelt sich in Engstellen in Felsbecken (Guelta) und kann dort manchmal über Jahre verbleiben. Teilweise sind diese Becken auch von unterirdischen Strömen gespeist.



      An solchen Gueltas pulsiert das Leben auf kleinstem Raum. Hier habe ich schon Fische, Frösche und Libellen gefunden. Auch größere Tiere wie Gazellen suchen solche Wasserstellen auf. Die Wasserqualität ist oftmals erstaunlich gut. Durch das Felsgestein wird das Wasser gefiltert und durch die hohe verdunstungsrate kalt gehalten. Die relativ sterile Umgebung sorgt für praktisch keinen Nährstoffeintrag.

      Aber auch an Stellen, an denen kein sichtbares Oberflächenwasser zu finden ist, kann man immer wieder fündig werden. An den tiefsten Stellen ausgetrockneter Flussbetten kann man oftmals noch Monate nach dem das letzt Oberflächenwasser geflossen ist noch nach Wasser graben.
      Dazu sind am besten Aussenkurven von Flussläufen geignet, weil dort das Wasser meist am längsten ansteht.
      Gräbt man dort, wird man nicht selten fündig. Wichtige Indikatoren sind vor allem feuchter Sand und grüne, vor allem blühende Pflanzen, vor allem schnell verbrlühende und einjährige. Denn dies bedeutet, dass diese Pflanzen noch an das nahe Bodenwasser gelangen.



      Und dann kann es durchaus mal so aussehen, nach ein paar Minuten graben.

      Oasen und Brunnen







      Artesische Quellen können dazu führen dass Tiefenwasser an manchen Stellen an die Oberfläche tritt. Oftmals sind es auch menschliche Bohrungen.
      Man erkennt solche Plätze oftmals von weitem an einer ungewöhnlichen Konzentration an Pflanzenleben. Vor allem an Arten, welche auf mehr Wasser angewiesen sind. Dies deutet auf Oberflächennahes Wasser hin. Es lohnt sich dort vorbeizukommen.
      Oftmals ist das Wasser aber nicht auf den ersten Blick zu sehen. Der See in den Dünen ist eine absolute Ausnahme, die praktisch nie vorkommt.
      Oftmals sind die Brunnen ein wenig versteckt und mit Eisen oder Steinplatten abgedeckt.

      War jetzt erstmal ein relativ grober Überblick. Demnächst dann weiter mit einzelnen Themenbereichen, oder ich ergänze hier wieder etwas.
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