2019 Global Bushcraft Symposium in Bowden, Alberta (Canada)...ein Bericht

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    • 2019 Global Bushcraft Symposium in Bowden, Alberta (Canada)...ein Bericht

      In 1995 organisierte der schwedische Survival-Ausbilder Lars Falt eine Konferenz fuer Survival-Trainer aus der ganzen Welt, mit dem Ziel, dass sich die Fachleute ueber Laender und Kontinente hinweg zum Thema Ueberlebenstraining hinweg austauschen und von einander lernen konnten.

      Inspiriert von diesem Konzept und gedraengt von der Tatsache, dass diese alte Garde an Experten bald nicht mehr da sein wird, organisierten eine handvoll von engagierten Bushcraft-Enthusiasten nun das fuenftaegige "2019 Global Bushcraft Symposium" in Bowden (Alberta, Canada). Die Organisatoren brachten eine Reihe von Experten und Trainern aus aller Herren Laender zusammen und entfachten dort eine enorme Diskussion darueber, wo wir als Survival/Bushcraft-(Instructor)-Gemeinde heute sind und wo wir hin wollen. Man kann sich jetzt sehr darueber streiten, ob die Anwesenden tatsaehlich eine "Deutungshoheit" in diesem Bereich haben oder zugesprochen bekommen sollten...oder man kann auch fuer die Dauer einer solchen Veranstaltung die "Kritisiererei"" mal in den Hintergrund ruecken und einfach mal in Ruhe zuhoeren und mitdiskutieren...und dabei neue Ideen und Blickwinkel auf das spannende Thema Bushcraft und Survival und vor allem den Lehraspekt in diesem Bereich bekommen.

      Ich war eingeladen worden, um dort einen kleinen Vortrag an einem der Nebenschauplaetze zu halten und freute mich natuerlich vor allem so auch die Vortraege und Lehrbeitraege der anderen hoeren zu koennen. Eingeladen waren neben einer ganzen Reihe von mehr oder weniger bekannten Survivaltrainern auch ein paar "Stars und Strenchen" der Szene: Mors Kochanski, David Holladay, Les Stroud, Dave Wescot, Tom Lutyens, Andre Bourbeau, Lars Falt, Paul Kirtley, etc.

      Gepraegt war die ganze Veranstaltung von einem enormen -fast schon religioesen- Personenkult rund um diese "Helden/Titanen/Gurus", was mir durchaus hin- und wieder den Spass an der Sache nahm. Aber es ist eben auch nicht von der Hand zu weisen, dass die genannten Personen ueber einen enormen unvergleichlichen Wissens- und Erfahrungsschatz zu Bushcraft & Survival verfuegen und sich die Konferenz groesstenteils auf einem Niveau weit jenseits des allgemeinen Youtube-Geblubbers bewegte.

      Das Phaenomen youtube (und andere medien-relevante Aspekte) war tatsaechlich auch eines der zentralen Diskussionspunkte und es wurde oft das Problem aufgebracht, dass auf solchen Platformen immer wieder unvollstaendige, falsche und aus dem Kontext gerissene Techniken gelehrt und verbreitet werden. Es waren sich eigentlich alle einig, dass es beonders im Bereich "Survival", also wenn es wirklich um eine Frage von Leben und Tod geht, die Fantasie und Vorstellungskraft sogenannter Survival-Experten nicht ausreichend ist, sondern durch echtes Wissen ersetzt werden muss.

      "Skills in Context" war das uebergreifende Thema der Veranstaltung und neben den eher philosophischen und ethischen Fragen, die meist auf der Hauptbuehne diskutiert wurden, gab es auch eine ganze Reihe von kleineren Vortraegen und Praesentationen in den Themen-Camps auf dem Veranstaltungsgelaende, in denen gezielt Techniken gezeigt oder auf teils wissenschaftlicher (!) Ebene Aspekte von Bushcraft und Survival betrachtet wurden.

      Ich habe mich auf dem Symposium ueber bestimmte Sachen und Kommentare geaergert, ich habe neue Bekanntschaften geschlossen udn mit Leuten gelacht und mich ueber -fuer mich- neue Techniken und Blickwinkel gefreut, habe angefangen an alten Weisheiten zu zweifeln, und begonnen mich mit neuen Fragen zu beschaeftigen. Nach fuenf Tagen Symposium drehte sich mir der Kopp und ich bin froh nun wieder zu Hause zu sein! Ich bin sehr voll mit neuen Eindruecken und Ideen und denke es hat sich fuer mich sehr gelohnt dorhin gefahren zu sein. Die Veranstalter hatten dieses Symposium als einmalige Veranstaltung geplant gehabt. Aber nun haben Paul Kirtley und Lisa Fenton es sich zur Aufgabe gemacht, in zwei Jahren eine Folge-Veranstaltung in UK zu organisieren. Ich werde es mir mal in den mentalen Kalender schreiben...

      Ich habe waehrend der Vortraege und Praesentationen ein ganzes Notizbuch vollgeschrieben und ein paar hundert Bilder von PowerPoint slides gemacht. Es wird mich einige Zeit kosten durch den ganzen Kram durchzuarbeiten und meine Gedanken zu sortieren. Leider ist hier auch gerade Hochsaison und das wird den Prozess auch noch weiter verzoegern, aber ich hoffe hier immer wieder zwischendurch haeppchenweise ein paar der Leute, die dort vorgetragen haben, vorzustellen und ein paar Aspekte ihrer Gedanken (aus meiner Sichtweise) widerzugeben.

      Hier auf jeden Fall mal ein paar Bilder vom Symposium:



      In einer Begruessungszeremonie werden wir von ein paar der indianischen Ureinwohnern auf dem Gebiet willkommen geheissen und die Veranstaltungn gesegnet.




      Es hatten sich rund 250 Teilnehmer auf dem Veranstaltungsgelaende am Fuss der Rocky Mountains eingefunden. Man konnte entweder zelten oder eine der kleinen Huetten mieten. Hier stroemen gerade die Teilnehmer nach einer Praesentation aus dem Hauptgebaeude.



      Andre Bourbeau, Mors Kochanski Les Stroud, David Wescot und David Holladay nach einer Podiumsdiskussion.



      Jeder durfte sich auch mal kurz wichtig fuehlen und ein Autogramm geben...;-)



      Das Symposium sollte explizit keine Verkaufsveranstaltung werden und so gab es nur wenigen Firmen, die sich hier praesentierten. Die wenigen, die vor Ort waren hatten sich vor allem als Sponsoren einen Platz verdient. Casstrom (hier im Bild), Canadian Outdoor Equipment, Ben's Backwoods, Karamat Wilderness Ways, Buchautor Robert Rogers und Fjallraven hatten kleine Staende mit ihrem Angebot.



      Mors Kochanski signiert seine Buecher...



      ...und erklaert mir hier den Mechanismus seiner Wiesel-Falle, die er nach russischem Vorbild gebaut hatte.



      Der schottische Faser-Experte Patrick McGlinchey erklaert Aspekte von Schnur-Herstellung. Wir hatten die Gelegenheit mit verschiedenen Fasern wie Lindenrinde, Brennessel, Rohhaut, Ulme zu experimentieren.



      Ein paar von Patrick's Projekten.



      Professor Andre Bourbeau haelt einen wirklich beeindruckenden Vortrag zum Thema Risiko-Management in Bezug auf Survival and Survivaltraining.




      Auf dem Gelaende verteilt gab es verschiedene Themen-Camps, in denen zwischendurch immer wieder anwendungsbasierte Praesentation gegeben wurden oder auch handwerkliche Techniken ausprobiert werden konnten.




      Im Camp der indianischen Teilnehmer wurde unter anderem Fleisch geraeuchert und getrocknet und eine Kochgrube vorbereitet.




      Survival-Experte David Holder, Berater der Survivalshow "Alone", berichtet von seiner wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Hunger/Verhungern in einer Survival-Situation. David hat nicht nur fuer TV-Show an dem Thema gearbeitet und wird vermutlich noch diesen Sommer sein Buch zu dem Nahrungs-Aspekt von Survival veroeffentlichen.




      Weitere Themen-Camps auf dem Veranstaltungsgelaende.




      Zum Koch-Camp kam ich, mal wieder, zu spaet...;-)...es gab nur noch Bohnen...




      Im indianischen Camp gab es ein Brikenrinden-Projekt.




      Hier sind ein paar der fertigen Projekte aus dem Birkenrinden-Seminar.




      Eine Diskussion zwischen den anwesenden Teilnehmern und Veranstaltern der originalen Konferenz von 1995 in Schweden.




      Meine Mitbringsel vom Symposium...(alle, die zuerst sofort auf das Messer gestarrt haben, gehen sofort in die Ecke zum Schaemen!)...am wichtigsten sind mir die beiden Sachen ganz rechts: ein ganzer Stapel an Visitenkarten und Adressen mit neuen Kontakten und mein Notizbuch mit all den vielen neuen Ideen und Gedanken.......okay, okay...ueber das Messer freu ich mich natuerlich auch ganz dolle...;-)...ich geh mich jetzt auch ein bisschen schaemen...

      ...und nach all dem tagelangen Gelaber ueber Wildnis...geh ich jetzt gleich mit meiner Freundin Kanufahren udn angeln...ich freu mich schon!

      Herzliche Gruesse,
      Fabian
      Bilder
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    • @Friese : Ich hatte es hier angekuendigt, aber es ist leider ein wenig untergegangen ;) :

      bushcraft-germany.com/index.ph…in-bowden-alberta-kanada/

      Das Event in 2021 kann man sich ja schon mal vormerken... 8o

      Wer uebrigends noch was ueber das 2019 Symposium hoeren will, kann sich auch mal ein wenig in kanadischen und US facebook Gruppen zum Thema umschauen...da hagelt es gerade Berichte und Fotos.

      Herzliche Gruesse,

      Fabian
    • Jepp!
      Klingt spannend!
      Ein bisschen so wie bei uns, mit Workshops, "Basteleien" etc.... nur hochkarätiger besetzt
      und professioneller aufgezogen und durch die Referenten und Vollzeit-Survivalisten entsprechend ernsthafter und inhaltsvoller!
      Toller Bericht!
      Danke für die Mühe!
      Bin gespannt, was da noch an Infos folgt!

      have fun, buddy!

      Nichts ist so gerecht verteilt, wie die Intelligenz!
      Jeder glaubt genug davon zu besitzen!
    • @ol'greenhorn: Die beiden Veranstaltungen hatten jeweils einen etwas anderen Charakter und sollten ja auch verschiedenes Publikum erreichen bzw. etwas andere Zwecke erfuellen.

      Wenn auch ein paar handwerkliche Fertigkeiten ausprobiert werden konnten, hatte das Symposium in Kanada einen wesentlich theoretischeren Ansatz. Es war schon extrem interessant, weil hier Fragestellungen eroertert wurden, die mir entweder ganz neu waren, oder die nun aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet und mit dem Wissen anderer Leute gespickt wurden.

      Ich hoffe ich habe die Gelegenheit, in den naechsten Wochen hier noch ein wenig mehr von dem Inhalt zu teilen. Aber bei mir hat nun eben auch die Saison mit den Sommertouren begonnen und ich bin extrem eingespannt. Aber das wird schon!

      Es waere echt toll, wenn bei der naechsten Veranstaltung in England auch ein paar deutsche Survival-Ausbilder dabei waeren! Ich denke die haben da ein paar Gebiete und Laendereien gar nicht auf dem Radar...vielleicht auch ein sprachliches Problem...

      Aber ob ich beim Jamboree vielleicht mehr Spass hatte? Dreimal darfst Du raten...;-)
    • Moin,

      ich hatte mich mal daheim dran gesetzt meine ganzen Notizen von den Praesentationen des Symposiums aufzuarbeiten und ich wollte die hier eigentlich mit Euch teilen...

      ...ABER: die Veranstalter haben einige der Praesentationen auf Video aufgenommen und die erste ist nun online verfuegbar...und da das Original hundertmal besser ist, als meine zusammengeschriebene Interpretation, verlinke ich hier einfach mal das erste Video des kanadischen Survival-Experten Andre Francois Bourbeau.

      Es ist auf Englisch und es ist lang...aber es ist absolut sehenswert...wer sich ernsthaft mit Survival beschaeftigen will, kommt um einige dieser Kernaspekte nicht herum!

      Cheers,
      Fabian