USMC Improved Bivy Cover, Biwaksack mit pfiffigen Features [Kurzvorstellung]

  • Der hier vorgestellte USMC Improved Bivy Cover von Propper hat beim US Marine Corps den bewährten Biwaksack des Military Modular Sleep Systems abgelöst und ist sozusagen dessen Weiterentwicklung da er über einige Details verfügt die man an üblichen militärischen oder zivilen Biwaksäcken selten und zum Teil gar nicht findet.



    So wie das Vorgängermodell gehört der Improved Bivy zur offiziellen Ausrüstung der Marines und ist ebenfalls Bestandteil eines ganzen Systems welches die Bezeichnung Three Season Sleep System trägt, kurz abgekürzt 3S. Dieses besteht neben dem Improved Bivy Cover aus einem wasserdichten Stausack, einem KuFa Schlafsack m. Mittelreißverschluss, einem Netz-Aufbewahrungsbeutel und einer Anleitung. Hmmmh, wozu wird da eine extra Anleitung benötigt?



    Bildquelle: 2x Kwikpoint


    Die Frage ist durchaus berechtigt da zwecks Anpassung an die jeweilige Temperatur div. Bekleidungsschichten wie z.B. Thermo- oder flammhemmende lange Unterwäsche, dick gefütterte Jacke u. Hose, etc. in das Schlafkonzept mit einbezogen werden. Zusätzlich gibt's Teile wie den sogen. All Purpose Liner, dies ist ein Poncho Liner m. Reißverschlüssen, also eine Art dünne Steppdecke welche gerne als Woobie-Blanket bezeichnet wird. Von 'would be cold', wenn man sie vergisst ;-) Das Manual erklärt welche Kombi aus Schlafsack plus allfälliger Schlafbekleidung bei einer bestimmten Temperatur gewählt werden soll um einerseits nicht zu schwitzen aber auch nicht zu frieren. Entsprechend gepimpt ist das 3S in der Lage einen Bereich bis beinahe -10°C/ 15°F hinunter abzudecken. Für noch tiefere Temps existiert mit dem Extreme Cold Bag inkl. Kompressionspacksack ein weiteres Kit zur Ergänzung um so wie mit dem MSS sämtliche Klima- und Temperturbereiche abdecken zu können. Zweifelsohne sind der Improved Bivy Cover sowie der Sleep System Waterproof Compression Sack von Sealline die 2 brauchbarsten Einzelteile des 3S.



    Wer die typischen Biwaksäcke aus Military Surplus von BW, British Army, NL Hooped Bivy Bag, etc. kennt wird wohl etwas verdutzt vor dem 3-Season Improved Bivy stehen. Im Gegensatz zu den erstgenannten fällt die mumienförmige Kontur beim Improved Bivy sehr körperbetont, also eher schmal aus. Mit ca. 220cm Länge passen übliche Schlafsäcke bis zu einer Liegelänge von etwa 195cm problemlos rein, also ein durchaus positiver Aspekt.



    Das Fußende wirkt mit lediglich ca. 58cm Breite tatsächlich dürftig, an den Schultern schafft es der Improved Bivy auf knapp über 80cm, was schon eher einem Standardwert eines Bivvys entspricht. Taillierte Isomatten mit schmalem Fußende lassen sich zwar im Improved Bivy unterbringen solange sie moderat von der Dicke sind. Mit meinen ca. 180cm Körperlänge und 95kg passe ich da rein, ausreichend Spielraum habe ich allerdings nur in der Länge. Mitsamt fetter Iso und dickem Winterschlafsack wirds allerdings zu eng, für sowas ist der Improved Bivy offensichtlich nicht ausgelegt.




    Wir alle kennen typische Reißverschlussanordnungen an Biwaksäcken, die sind meist einseitig links oder rechts oder oben mittig angebracht. Der USMC Improved Bivy wartet hier mit einer unkonventionellen Lösung auf, der Reißer ist am Kopfende angebracht und reicht hier beidseitig ca. 100cm, also weniger als die halbe Länge runter. Durch diese beidseitige Anordnung kann die obere Hälfte ähnlich einer Klappe aufgemacht und komplett runter geklappt werden. Zum Einstieg muss man sich aber dennoch bis hin zum Fußende durchwühlen, was wegen der schmalen Ausführung nicht ganz so rasch gelingen mag wie z.B. beim britischen Gore-Tex Biwaksack. Selbst beim alten MSS Bivy Cover ging der Aus- und Einstieg einfacher. Der RV war dort zwar nur einseitig rechts angebracht, reichte dafür aber sehr weit runter d.h. der Einstieg großzügiger zugänglich.



    Der robuste Reißverschluss in wind- und sanddichter Ausführung ist von YKK und wäre als 2-Wegreißer ausgelegt, wobei an der 12h Position allerdings eine Stopperklammer angebracht ist. Dadurch kann man die 2 Schieber nicht an beliebiger Position platzieren sondern jeder öffnet und schließt jeweils nur eine Seite. Sie befinden sich immer direkt hinter dem Kopf sobald der RV komplett zugezogen wird. Dadurch ist der sogen. 'Emergency Exit' möglich, eine Funktionalität der militär. Verwendung des Biwaksackes. Man gibt beide Hände über den Kopf und drückt die Oberseite einfach auf, was am einfachsten geht wenn die Zipper eben genau an dieser Stelle geparkt sind und die Reißverschlüsse machen dies mit und nehmen keinen Schaden. Mir wärs lieber wenn auf diesen Zwangsstop verzichtet worden wäre dann könnte man die Position der Zipper individuel auf der gesamten Länge verschieben z.B. zur Schaffung eines günstig gelgenen d.h. regen- und windgeschützten Lüftungsschlitzes. Die Zipperschieber klemmen allerdigns so fix dass der Reißverschluß nicht von selbst aufgeht (war z.B. beim Carithia Expedition Gore der Fall!). Die Zipper-Pulls haben auf der Innen- sowie der Außenseite kurze Verlängerungen die das greifen erleichtern. Eine ca. 6,5cm breite Abdeckleiste schützt den RV und ist mit kleinen Klettern fixierbar. Die Klettverschlüsse lassen sich deutlich leichter bedien als die Druckknöpfe beim alten MSS-Bivy. Die Abdeckung verhindert sehr zuverlässig das Eindringen von Nässe, Schnee oder Verschmutzungen.




    Das formbare Kopfteil mit abdeckbarem Moskitonetz ist ein weiteres Features welches man in dieser Form sehr selten an Biwaksäcken findet. In diese ca. 30cm hohe domförmige u. kapuzenähnliche Auswölbung sind 2 flexible Drahtbügel eingearbeitet welche sich von innen leicht mit der Faust oder drücken der Handflächen formen lassen. So liegt das Oberteil im Kopfbereich nicht direkt am Gesicht auf und man gewinnt etwas Abstand bzw. zusätzlichen Raum. Auf der Vorderseite ist eine kleine Moskitomeshfläche angebracht, so ist bei passender Witterung Luftaustausch problemlos möglich ohne das man von lästigen Stech- oder Krabbeltieren belästigt wird. Vom Ausblick darf man sich allerdings nicht zu viel erwarten, das Gesichtsfeld ist entsprechend eingeschränkt. Bin eher unruhiger Schläfer und wenn man sich mal dreht im Schlaf verliert man bei zugezogenen seitl. Zippern dieses Durchsichtfenster nur allzu schnell aus den Augen. Beim aufwachen gibts dann gerne die üblichen Orientierungsprobleme in dieser engen u. finsteren Hülle ...





    Hinter dem Moskitomesh befindet sich eine solide Gewebeklappe die man mittels Reißverschluß rasch ein- oder auszippen kann um die Gesichtsöffnung regensicher zu schließen. Das Konstrukt ist überraschend dicht wie ich bereits austesten konnte. Wird sie nicht benötigt kann sie mittels Gummiband u. Knebel fixiert werden so dass nichts herumflattert od. die Aussicht verdeckt.




    Innen sind insgesamt 4 Befestigungsbänder mit Druckknopfsicherung vorhanden, jeweils Li + Re sowie am Kopf- u. Fußende. Diese dienen zur Fixierung des orig. USMC 3S-Schlafsackes od. auch zum aufhängen fürs trocknen. Wenn man so wie ich keinen orig. USMC-SchlaSa besitzt sind diese Bänder eher nutzlos und nur zusätzuliches totes Gewicht.




    Am Fußende ist eine leichte Fußbox eingenäht was angesichts der sehr kompakten Abmessungen unbedingt erforderlich ist damit die Schlafsackfüllung in diesem sensiblen Bereich nicht zusätzlich zusammengepresst wird. Außen sind auf der Unterseite 2 kleine Schlaufen angebracht um den Biwaksack zum trocknen aufhängen zu können.



    Laut Produktlabel handelt es sich beim Material um ein 3-lagiges Laminat. Verglichen mit anderen militärischen Biwaksäcken wie z.B. dem MSS Bivy Cover, NL Hooped Bivy oder dem Sleeping Bag Cover der Briten fällt dieses von der Materialstärke vergleichsweise dünn aus. Das Gewebe ist nicht viel stärker als die bekannten Gore-Tex Paclite Stoffe. Die Außenschicht bildet ein RipStop Nylon, auf der Innenseite ist Nylongewebe auflaminiert das von der Optik Moskitomesh ähnelt aber sich dennoch glatt anfühlt. Für die Membran wird lediglich PTFE als Material angegeben, über den Hersteller od. Produktbezeichnung schweigt sich das Etikett leider aus. Sämtliche Nähte sind sehr sauber abgeklebt, da übliche Markeninfos wie 'Gore', etc. fehlen kann ich leider nicht sagen ob hier eine orig. Gore-Tex Membran oder doch eines der zahlreichen Nachbauprodukte eingesetzt wurde.




    Wasser perlt von der Oberseite hervorragend ab, die DWR-Imprägnierung scheint hochwertigt zu sein und der ganze Biwaksack ist selbstverständlich 100%ig wasser- und winddicht. Selbst wenn ich den Improved Bivy bei Regen benutzt habe gab es nie nennenswerte Kondensprobleme, die Dampfdurchlässigkeit würde ich als exzellent bezeichnen. Bei komplett geschossenem Reißverschluss wird es nicht unmittelbar stickig, die Atmungsaktivität ist ebenfalls auf einem hohen Niveau soweit ich dies beurteilen kann. Dieser Biwaksack hat nun schon ein paar Jährchen am Buckel und die Membraneigenschaften sind nach wie vor top, was Langlebigkeit u. Haltbarkeit unterstreicht. Da sich diese wichtigen Eigenschaften auf einem sehr hohen Level bewegen ist es schlußendlich völlig egal ob nun tatsächlich eine orig. Gore-Membran oder eins der div. Substitutes verbaut ist - die gebrachte Leistung überzeugt hier einfach.



    Der USMC Improved Bivy bringt ca. 865g auf die Waage was in Anbetracht der vielen Features ok ist aber unter Berücksichtigung des dünnen Paclite-ähnlichen Materials wiederum viel erscheint. Wer ein echtes UL Biwakteil sucht wird hiervon wohl ein wenig enttäuscht sein. Das Packmaß ist insgemsamt zwar fair, durch die Drahtbügel welche eher schlecht zusammenfaltbar sind leider nicht wirklich kompakt. Was Packmaß betrifft liegen andere Biwaksäcke in vergleichbarer Größe vorne.



    Hab diesen USMC Improved Bivy nun schon mehr als 5 Jahre und ihn damals nagelneu aus den USA importiert. Kostete ca. 70.- Euro plus weitere 80.- f. Versand (echt teuer!) u. Importverzollung. Die ca. 150.- Euro ist das Teil auf jeden Fall wert, vergleichbare Modelle aus dem Zivilbereich kosten fabriksneu ab ca. 250.- Euro aufwärts und können in so mancher Disziplin mit diesem offiziellen Gear der Marines nicht mithalten!






    Er war inzwischen oftmals im Rucksack mit dabei wurde aber eher selten wirklich benutzt und teil somit das gleiche Schicksal wie meine anderen Biwaksäcke ... Er war bis dato immer dicht, die Kondensbildung war auf angenehm niedrigen Nivau - also mitunter das beste Resultat was meine bisherigen Biwaksäcke zeigten. Also ich kann für den USMC 3-Season Improved Bivy nur eine Empfehlung aussprechen!





    Zuletzt war er bei einer kleinen Bergtour am Start wo er zum Schutz des SchlaSa-Fußteiles benutzt wurde da es am Biwakplatz nicht 100%ig eben war und ich fürchtete dass der Daunenschlafsack verschmutzt wird wenn ich nächtens talwärts rutsche. Der Einstieg war dabei komplett geöffnet und zurückgeklappt und ja, eine umgestülpte Jacke hätte ebenfalls genügt um den Schlafsack vor Dreck zu schützen. Kondens gabs übrigens keinen im Fußbereich ...





    Daten, Fakten & Features:

    Hersteller: Propper International Inc. (offizieller Zulieferer d. US Marine Corps)

    Modell: USMC Improved Bivy Cover (Bestandteil d. 3-Season Sleep Systems)

    Farbmuster: Coyote Brown

    NSN: 8465-01-574-4005

    Ausstattung: Abgeklebte Nähte, abgedeckter 2-Wege Reißverschlüsse von YKK, 4 Druckknopfschlaufen innen zum einhängen von 3S-Schlafsäcken, 2 Aufhängeschlaufen unten, Abdeckbares Moskitonetz im Kopfbereich, via Drahtbügel formbare Kapuzenkuppel, usw.

    Material: Atmungsaktives 3-Lagen Laminat; Oberstoff RipStop Nylon m. Nylon Backing (beides PA), PTFE Membran

    Größe: Ca. 220 x 80 x 58cm

    Gewicht (von mir abgewogen): Ca. 865g

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    Frischluftdeppert
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  • Danke für die, wieder einmal, sehr gute und ausführliche Darstellung!

    Den Sack kannte ich gar und er scheint sehr interessant zu sein.

    Denke, der ist aus Gore oder Event. Gibt ja nur wenig Hersteller von (e)PTFE Stoffen.

  • Wieder mal ein tolles Review. :thumbup:

    Aber ich kann mir nicht helfen.... Biwacksäcke sind und bleiben für mich Leichensäcke...was wohl daran liegt, dass ich auch lieber Decken als Schlafsäcke nutze solange es die Temperaturen zulassen.

    Was ich zugegebenermassen gut find ist dieser formbare Kopfteil...


    Danke für die Vorstellung