in2 Winterausrüstung f. Mehrtagestouren [Editorial]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • in2 Winterausrüstung f. Mehrtagestouren [Editorial]

      In diesem Faden solls vorrangig um Ausrüstung gehen welche für mehrtägige Touren benötigt wird die als Zielgebiet Regionen haben wo Schnee, Eis und Kälte zu erwarten sind - schlicht der aktuellen Jahreszeit entsprechend. Der Fokus liegt auf Unternehmungen mit autarkem Charakter wo man Strecke macht wobei täglich 10km und mehr zurück gelegt werden. Ich erhebe keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit, die Auflistungen können aber durchaus auch als Gedächtnisstütze für die Zusammenstellung einer eigenen Packliste dienen - also viel Spaß beim 'Studium' ;)

      Fortbewegung
      Fortbewegung im Winter ist nicht nur durch Kälte oder rutschigen Untergrund beschwerlich. Manchmal genügen etwas höhere Trekkingstiefel mit griffiger Sohle bereits - je weicher Gummimischung und Sohlenaufbau, desto besser der Grip auf glattem Untergrund. Gamaschen schaden nie um einerseits den Schnee und Nässe von den Schuhen fern und die Hosenbeine trocken zu halten. Spätestens bei höherer Schneeauflage wird es schnell inefizient und das watscheln und wühlen im Schnee zehrt an den körperlichen Reserven da man ständig einsinkt, bescheidene Marschleistungen sind die Folge. Um hier einigermaßen rasch voran zu kommen empfehlen sich Hilfsmittel, eine kurze Abhandlung ist hier im Forum bereits vorhanden (Link), welche ich hier lediglich mit ein paar Bildern ergänzen möchte.

      Schneeschuhe
      Ist mit die einfachste Möglichkeit sich im Schnee fortzubewegen und benötigt auch kein spezielles Training. Die Handhabung der Bindung ist bereits der komplizierteste Part und man kann üblicherweise sofort loslegen.



      Beim Wandern mit Gepäck ist auf eine ausreichende Größe zu achten, manche Modelle lassen sich sich durch Verlängerungsteile in der Fläche vergrößern.





      Je schmäler die Schneeschuhe sind, desto eher ähnelt der Gang dem natürlichen Bewegungsablauf, während sehr breite Modelle eine gespreizente Haltung erfordert mit den damit verbundenen Nachteilen wie z.B. einseitige Belastung von Gelenken oder von Muskelpartien welche ohne diese Platten nicht wirklich beansprucht werden.



      BC Langlaufski
      Backcountry-Langlaufskier sind wohl die energieschonenste Fortbewegung über Schnee da man bereits in der Ebene, vor allem aber bei Passagen bergab effizient gleiten kann. Gegenüber Loipenskiern sind die BC-Ausführungen entsprechend breiter und etwas schwerer bzw. teils mit Stahlkanten versehen um einerseits im ungespurten Gelände nicht ständig zu versinken und um auch mit höheren Gewichten wie sie z.B. durch Rucksak und Pulka mit verursacht werden zurecht zu kommen. Im Zweifelsfall kann zur etwas längeren Variante gegriffen werden um Reserven mit Rucksack zu haben, speziell bei Neuschneeverhältnissen oder im Spätwinter wenn der Schnee durch die Sonne bereits weich u. durchnässt ist.



      Als Steighilfen bzw. um nicht mit jedem Ausfallschritt auf der Stelle zu treten kommen Schuppen, Wax- oder Steigfelle zum Einsatz und bergan mit schwerer Pulka kommt man um ordentliche Felle die auf der ganzen Länge an der Skiunterseite angebracht werden nicht herum.





      Die Wahl des Bindungssystems ist ein stückweit Geschmackssache. Traditionell ist das System 75mm NN (Nordic Norm), wo robuste Bindungen und Langlaufstiefel mit dem markanten Sohlenvorsprung im Zehenbereich erhältlich sind. Das System ist schwergewichtiger, steckt aber heavy duty Beanspruchung über längeren Zeitraum problemlos weg, solange die Kombi mit passenden BC-Skieren wie z.B. Åsnes Amundsen, Fischer E109, usw. gegeben ist. Achtung: Auf den Fotos unterhalb sind Atomic Telemarkski abgebildet welche für präparierte Pisten vorgesehen sind und für Touren nicht 1te Wahl darstellen, weil viel zu schwer und mit zu heftiger Taillierung ausgestattet, etc.







      Das modernere Bindungssystem hat die Bezeichnung NNN BC (New Nordic Norm Back Country) und ist im Prinzip eine aufgebohrte Standard-Langlaufbindung. Da der Bolzen zur Verbindung zum Schuh hier länger und dicker ist passen normale Langlaufschuhe leider nicht. Es gibt eine 'Manual', wo man die Bindung von Hand mittels Klapphebel schließt oder frei gibt sowie eine 'Auto' - bei dieser Automatikvariante genügt ein Skistock, wie man es von üblichen Langlaufbindungen her gewohnt ist. Das NNN BC System ist ausgereift und steht in punkto Robustheit dem 75mm Bindungen nicht viel nach und mittlerweile ist die Schuhauswahl hier bereits etwas größer ... In Norwegen begenet man durchaus mehr Skiwanderern mit diesen Bindungen als mit den 'alten' 75ern.







      Alpine Tourenski
      Kommen vom Skibergsteigen und sind im Grunde Slalomski in Leichtbauweise welche mit einer tourentauglichen Bindung ausgestattet sind. Gegenüber BC-Langlaufski sind Tourenski vergleichsweise kurz, sehr breit und viel stärker tailliert!



      Skitourenbindungen lassen sich von 'gehen' auf 'abfahren' umgestellen, können also im Gegensatz zu den BC-Langlaufbindungen an der Ferse fixiert werden. Fürs leichte Gelände sind Tourenski denkbar untauglich, man benötigt Felle um beim gehen nicht retour zu rutschen und diese bremsen in der Ebene zu sehr, haben also ihre Vorteile eindeutig im steilen und steilsten Gelände. Neben Steigfellen gibts zusätzlich Harscheisen die man für vereiste Verhältnisse an die Bindungen befestigen kann. Für Abfahrten ist vor allem skifahrerisches Können gefragt und wer keine Pistenerfahrung mitbringt hat auf alpinen Skitouren echt nichts verloren!







      Die benötigten Skischuhe ähneln ebenfalls den Pistenvarianten, also Hartplastikschalen die allerdings mit Profilsohlen wie man sie z.B. von steigeisenfesten Bergschuhen her kennt versehen sind damit man im felsigen Gelände auch ohne Ski vorankommt. Die Skitourenstiefel lassen sich so wie die Bindungen ebenfalls von 'Aufstieg' auf 'Abfahrt' umstellen. Die Innenschuhe sind zum trocknen herausnehmbar und können z.B. auch als Camp- oder Hüttenschuhe verwendet werden.







      Skistöcke
      Egal ob man nun mit Schneeschuhen, Langlaufskiern oder schweren Tourenski unterwegs ist, Skistöcke machen durchaus Sinn und leisten einen wesentlich größeren Beitrag zum Forwärtskommen im verschneiten Gelände mitsamt Gepäck als z.B. im Sommer wenns aper und frostfrei ist. Zum Schneeschuhen oder fürs Skibergsteigen genügen die teleskopier- und längenverstellbaren Varianten. Hier reichen 1-fach ausziehbare durchaus und man wird sie verglichen mit Trekkingtouren in der warmen Jahreszeit kaum ungenutzt am Rucksack mitführen. Außenklemmungen (Knebel, etc.) sind gegenüber den üblichen Schraubklemmungen im Rohrinnern vorzuziehen, da diese Variante eindeutig dauerhafter ist und die Rohre infolge Spreizwirkung kaum rissig werden. Da man bei Geländequerungen event. den bergseitigen Stock auch mal kürzer, also unterhalb des eigentlichen Handgriffes greift, ist es hilfreich dass hier etwas Isolierung vorhanden ist um nicht direkt eiskaltes Metall berühren zu müssen und mit Pech sogar dran 'kleben' bleibt.



      Fürs Langlaufen eignen sich die überlangen Stöcke am besten um auch guten Schub geben zu können - die Stocklänge ist entsprechend der Körpergröße auszuwählen da diese Art von Stöcken so gut wie nie längenverstellbar sind. Bei den Langlaufstöcken ist auf stabiles Leichtmetall zu achten und es lässt sich bei Stürzen kaum vermeiden dass irgendwas am Stock landet und sich dieser verbiegt - möglichst ohne dabei zu brechen, bitteschön! Die Griffergonomie unterscheidet sich deutlich von den üblichen Trekkingstöcken, was dem Bewegungsablauf geschuldet ist.



      - (Tief-)Schneeteller
      Die kleinen Tellerchen mit 5cm Durchmesser für Sommertouren sind für den Winter unzureichend denn sie finden im weichen Untergrund einfach keinen Halt und drücken durch die Schneedecke ins bodenlose. Hier müssen richtige 'Winterteller' mit vergrößertem Durchmesser ran, wenn man Ausflüge in weichen Tiefschnee unternimmt sogar die optimierte Variante mit breitem Ring für Auflagefläche satt, wie sie schon bei unseren Opas in Verwendung waren.





      Gamaschen
      Sind nicht nur für Trekkingstiefel im Winter ein brauchbares Feature um das Schuhmaterial vor scharfkantigen Schnee- und Eiskristallen zu schützen, sondern vor allem für die meist eher niedrigen Langlaufskistiefel wo sie das Eindringen von Schnee in den Schuh verhindern sollen. Die breiten Bänder welche das hochrutschen der Gamaschen verhindern sollen harmonieren oft schlecht mit Skibindungen, ein paar dünnere Elastikbändern eignen sich hier etwas besser. Bei trockener Kälte kommen Baumwolle od. BW-Mischgewebe ins Spiel und diese Materialien sind deutlich atmungsaktiver als die beschichteten Gewebe aus Synthetikstoffen.





      Gepackstransport - Rucksack, Pulka & Tobbagan
      Winterwandern in schneefreier Landschaft ist durchaus vergleichbar mit Sommertouren, halt nur bei einem viel niedrigerem Temperaturlevel. Für solche Verhältnisse reicht ein großer Rucksack meist aus um das oftmals bulkigere Gear unterzubringen, wie z.B. dickeren Schlafsack, warme (Wechsel-)Kleidung, Multifuelkocher, zusätzlicher Proviant, usw. Spezielle Anforderungen an einen Rucksack fürs Wintertrekking gibts nicht wirklich, ein Schneefang unterm Deckel und an div. Außentaschen schadet nicht, Reißverschlüsse sollen gut dimensioniert sein um nicht zu vereisen bzw. Schaden nehmen wenns mal hakt. Kommt Schnee ins Spiel wird das Rucksacktragen schnell ineffizient und hierfür gibts Alternativen ;)



      Pulka
      Den Begriff Pulka werden sicherlich die meisten schon gelesen haben hier im Forum. Eine Pulka ist ein schmaler und eher flacher Zieh- oder Gepäcksschlitten, man zieht damit sein Gepäck hinter sich her und muss nicht das gesamte Gewicht am Rücken tragen, was auf Schnee wesentlich energiesparender ist. Pulkas sind meist nur etwas breiter als übliche Langlauftracks und je nach Kapazität ca. 1,2-1,8m lang. Manche Expeditionsmodelle haben bis zu 600L Packvolumen oder mehr. Dass Pulkawannen bzw. -kufen auf übliche Langlaufloipenbreite abgestimmt sind macht speziell bei Skandinavientouren Sinn - man findet beinahe überall gespurte Trails. Die niedrige Bauweise wirkt sich positiv auf Schwerpunktlage und Kippstabilität aus. Obwohl Pulkawannen eher flach sind kann man (vor allem bei größeren Modellen) durchaus bis zu einem halben Meter aufpacken. Mit zunehmender Packhöhe wird leider auch die Schwerpunktlage ungünstiger und das Teil dann schonmal instabil und kippelig. Ein paar Ösen und (Trage-)Schlaufen schaden nicht für die Befestigung von Spannleinen, Zusatzgurten oder eines Halteseiles am Heck zur Überwindung von steilen Bergabpassagen. Sämtliche Plaste-Materialien und speziell die Harze müssen tieftemperaturbeständig sein.

      Die Einstiegsmodelle sind simple Wannen aus PE und haben mehr Ähnlichkeit mit div. Minibobs mit denen Kinder herumspielen als mit einem Teil für Wintertrekker. Persenning, Verdeck und Packsack sowie Spannleinen sind optional, ebenso Kufen, stabiles Zuggestänge und Geschirre m. gepolsterem Hüftgurt - man kann sein Traumteil leicht individuell pimpen, da die Basisversionen ziemlich 'nackig' daher kommen - dafür sind sie wirkich kostengünstig in der Anschaffung. Typische Vertreter dieser Klasse sind z.B. der Paris Expedition Sled 960, der Tranporter 155 von Fjellpulken oder eventuell sogar die Sleds von Pelican aus deren Trek Serie. Obwohl diese Teile für Lastentransport (Wild, Holz, Proviant, usw. zur Hütte) konzipiert wurden meistern diese auch ambitioniertere Wintertouren.



      Mittelklassemodelle besitzen eine Wanne aus glasfaserferstärktem Kunststoff m. Verschleißleisten als Kufen und haben eine integrierte Persenning oder Packsack zum Schutz des Gears vor den Elementen bzw. damit nix verloren geht. Zuggestänge und -geschirr sind optional, machen aber vor allem in Kombination mit Skiern und etwas anspruchvollerem Gelände durchaus Sinn. Sowohl Fjellpulken aus Norwegen mit der Xcontry oder Xplorer Serie als auch Acapulka aus Deutschl./Norw. mit deren Scandic Tour und Expedition Tour Serien haben hier zahlreiche unterschiedliche Modelle im Programm und erlauben Packvolumen bis über 850l, womit man sicherlich einige Wochen autark durchkommt ;)

      High End Modelle sind aus Aramid oder Kohlefasern und damit UL, kosten dafür 5kEUR aufwärts - wer also gedenkt den Baffin Babes nachzueifern muss entsprechend finanziell aufgestellt sein!

      Zuggestänge od. Seil?
      Ein schlichtes Zugseil m. Gurtschlaufe als Zuggeschirr kann als Verbindung zur Pulka verwendet werden und macht im flachen Gelände wenig bis keine Problem bzw. hat in bewaldeter Gegend wo man schnell mal enge Kurvenradien hat durchaus seine Berechtigung. Sobald es aber hügeliger wird und sich Gefällepassagen und Hangquerungen häufen ist ein Zuggestänge aus soldiden Alu- oder Fiberglasstangen mit ordentlichem Zugeggeschirr inkl. breitem Hüftgurt vorteilhafter - ganz besonders in Kombination mit BC-Ski wo sich dies bergab und in längeren Gleitpassagen zeigt. Ein Gestänge ist auch rasch mal abgebaut und durch eine simple Seilverbindung ersetzt wobei anders herum eine Stangenkonstruktion nur wesentlich aufwändiger improvisierbar ist. Wer aber gedenkt sich mitsamt Pulka durch den oft sehr dicht stehenden nordischen Wald schlagen zu müssen der möge mal gründlich seine Routenwahl überdenken. Es gibt überall spezielle Wintertreks und dies völlig zurecht - im skandinavischen Fjell nutzt man z.B. zugefrorene Seen und baumlose Sümpfe zur leichteren Fortbewegung. Im Gebirge und in den Alpen sind Winterrouten oft so angelegt dass sie lawinengefährdende Gebiete umgehen und dies ist auch gut so!
      Mit zunehmender Steilheit der Hänge stößt auch ein Zugschlitten mit Gestänge an die Grenzen und irgendwann wird selbst eine leichterer Schlitten trotz steifer Stangenführung dazu tendieren sich in Falllinie auszurichten, was das Fortkommen denkbar unkomfortabel macht. Im Gebirge beim Tourenskifahren mit engen und engsten Kurven, sowohl im Aufstieg als auch bei der Abfahrt hat ein Rucksack eindeutig mehr Vorteile gegenüber jedem Schlitten!

      Packsack
      Meine Pulka ist ein Einsteigermodell und kam ziemlich abgespeckt bei mir an. Zum Schutz von meinem Gear hab ich zuerst wasserdichte Packsäcke verwendet und diese zusätzlich in ein Plane gewickelt damit hier kein Schnee zwischen den einzelnen Packstücken angehäuft wird wenn der Schlitten mal durch tieferen und lockeren Schnee pflügt. Funktioniert soweit auch, wesentlich bequemer ist aber ein Packsack der auf die Pulka abgestimmt ist. Meiner ist ein orig. Zubehörteil der ca. 155L fasst, ist mit RV ausgestattet und besteht aus robustem Gewebe - das lästige hantieren mit der Plane ist Geschichte. Bei besseren Pulka-Modelle sind die Packsäcke fix mit der Bodenwanne verbunden und bilden ein integriertes Verdeck, was ausgezeichneten Schutz bietet und ganz praktisch ist. Wasserdichte Packsäcke machen auf alle Fälle Sinn, das Gear hat oftmals Kontakt mit Schnee oder Nässe und soll entsprechend geschützt sein, ich hab noch keinen Wintertrekker gesehen der seinen Schlafsack einfach so in die Pulka wirft um UL-Prinzipien zu genügen ...

      Tobaggan
      Dies ist eine Sonderform eines Gepäckschlittens wie er in den nördlichsten Teilen Amerikas verwendet wird. Ein Tobaggan besteht aus einer in etwa schulterbreiten flexiblen Kunststoffplatte (Holz geht auch), welche vorne halbrundförmig aufgebogen ist damit der Schlitten gleiten kann und sich nicht eingräbt. Die Plattform/Gepäckauflage hinter diesem 'Horn' kann sogar einige Meter lang sein und ist sehr flexibel da sie längsseitig üblicherweise keine Aussteifungen besitzt. Tobaggans werden meist auf zugefrorenen Gewässern sowie im eher flachem Gelände benutzt wo es wenige Kurven hat. Im hügeligen und damit anspruchsvollerem Gelände muss diese Schlittenvariante entsprechend kürzer sein. Tobaggans können vergleichsweise leicht selbst fabriziert werden und hier im Forum gibt es ja schon entsprechende DIY Projekte.

      Mein Erstversuch an einen Schlitten für den Gepäcktransport zu kommen basierte auf ein paar alten Slalomskiern und war leider nicht von Erfolg gekrönt - Fotos erspare ich Euch deshalb ;)

      Zeltsack f. Pulka
      Ist ein Ausrüstungsgegenstand mit dem sich wohl keiner im Detail beschäftigt solange er nicht z.B. an eine Durchquerung des grönländischen Inlandseises oder an eine Antarktisexpedition denkt. Dieses Teil wurde für Langstreckentouren mit Skiern und Pulka entwickelt und ist für Tunnelzelte konzipiert - der bekannte norw. Abenteurer Aleksander Gamme war am Konzept wohl nicht ganz unbeteiligt ... Im Prinzip ist es ein einfacher Schlauch bzw. Hülle die als Umverpackung für das Zelt mitsamt Gestänge dient. Um zeitaufwändiges auspacken, zusammensetzen und vor allem wiedereinpacken zu sparen wird das Zelt mitsamt teileingeschobenem Gestänge befördert. Hierzu werden die Stangen lediglich ein Stück weit aus den Tunnel geschoben und mittig einmal auseinander genommen. Der Zeltstoff wird anschließend zusammen mit dem geteiltem Gestänge aufgerollt und in den Zeltschlauch geschoben welcher anschließend oben auf der Pulka mit kommt. Auspacken geht umgekehrt - Zelt aus der Hülle ziehen, Gestänge 1x zusammenstecken und in den Kanal zurückschieben und schon kann es aufgestellt werden! Tja, die Norweger haben einen Sinn für pfiffig einfache Lösungen ;)





      Der Zeltsack ist übrigens auf dem Foto oberhalb der schwarze Schlauch welcher auf bzw. neben der Pulka im Schnee liegt. Diese Zeltsäcke werden nicht nur von Zeltherstellern wie Helsport (Pulktrekk) oder Hilleberg (Sled Pack), sondern auch von Pulkaherstellern wie Fjellpulken (Teltpose), uvm. als Zubehörteil angeboten.

      Arctic Bedding
      Der Name stammt von einem norw. Hersteller und ist sowas wie eine Standardbezeichnung für diesen Typ Ausrüstung geworden. Das Arctic Bedding kommt aus der gleichen Ecke wie der Zeltsack, ist also für Antarktistouren entwickelt worden mit der gleich Prämisse: Möglichst zeitsparende Errichtung des Camps! Es ist eine Art 'Bettkasten' in dem Schlafsack + Insomatte sowohl während des Transport auf der Pulka als auch im Zelt verwendet werden.





      Im Prinzip eine flache rechteckige Stofftasche mit 3-seitig umlaufenden Reißverschluß. Die Isomatte befindet sich unten in bereits aufgeblasenem Zustand darin, soweit man eine Luftmatte und keine EVA benutzt. Darauf liegt der Schlafsack mitsamt VBL. Steht nun das Zelt wird das Arctic Bedding inkl. dem einsatzfertigen Schlafequipment ins Zelt verfrachtet und kann mit öffnen des RV und zurückklappen der oberen Abdeckung sofort benutzt werden. Einpacken geht umgekehrt - Deckel-RV schließen und Arctic Bedding oben auf der Pulka befestigen und man kann sofort losmarschieren ohne das man Iso entlüften oder den Schlafsack komprimieren muß ... Bei Luftmatten hat dies zusätzlich den Vorteil dass kaum Feuchtigkeit in die Matte gelangt, da allabendliches aufblasen entfällt. Auf einer Standardpulka mit 1,5m Länge besteht auch nicht die Gefahr dass die gesamte Schlafsacktasche hinten oder vorne allzu weit über die Pulka übersteht oder hängt, usw. An der Oberseite sind zusätzlich einige RV-Schubfächer angebracht um Kleinigkeiten verstauen zu können die man unterwegs rasch mal braucht.



      Angeboten wird das Arctic Bedding nicht nur vom Originalhersteller Piteraq, sondern in der Zwischenzeit z.B. auf von Rab (Polar Bedding Bag) oder div. Nachbauten von Fjellpulken (Sleeper 200), etc.

      Skibrille, Sonnenbrille
      Das Bild von Wintertrekkern die bei Schneesturm marschieren und wo böige Winde den Schnee vor sich her treiben und die Sichtverhälnisse bestenfsalls bescheiden sind hat wohl jeder im Kopf und dies ist für viele der Inbegriff von Abenteuer. Bei solchen Verhältnissen sind Skibrillen mit großer Frontscheibe und breitem Kopfband gefragt. Sie haben komfortable Moosgummiflächen um nicht zu drücken und sollen dennoch Belüftungsöffnungen aufweisen damit sie bei anstrengendem Marsch nicht sofort anlaufen und man trotz der Brille dann weniger sieht als ohne. Im Schnee verschwinden die Kontraste und für schlechte Wetterverhältnisse haben sich eher helle Tönungen bewährt, manchmal sind die Gläser knallgelb, orangefarben oder sogar rosa - alles kein Malheur solange die Einfärbung kontransverstärkend wirkt und im dichten Nebel und Schneetreiben die Sicht nicht zusätzlich trübt. So wie man es von Sonnenbrillen her kennt müßen die Gläser (eigentlich sinds Kunststoffe) UV-Licht blockieren.



      Bei strahlendem Winterhimmel reflektiert der Schnee mit seinen zig-tausend Minikristallen die Sonneneinstrahlung und hier sind nicht nur Sonnenbrand sondern auch heftige Bindehautentzündungen die Folge - Schneeblindheit ist hierfür der gängige Begriff und unter solchen Verhältnissen sind Sonnenbrillen welche sowohl UV- als auch Infrarotlicht vollständig blockieren die bessere Alternative gegenüber den schwitzigen Skibrillen. Die Gläser sind ebenfalls getönt und dämpfen den Einfall von sichtbarem Licht, was etwas weitere Pupillen zur Folge hat. Dadurch die Weitung würde aber mehr schädliche Strahlung ins Auge gelangen - wirkungsvolle UV- und Infrarotblocker sind deshalb besonders wichtig! Gute Brillen haben Rahmen aus soliden Kunststoffen welche keine scharfkantigen Bruchstellen bilden sollte man mit Skiern, etc. mal auf die Nase fallen. Manche haben seitlich zusätzlichen Schutz, ähnlich der Gletscherbrillen damit einerseits keine Strahlung an den Gläsern vorbei in die Augen trifft, sondern auch um Windschutz zu gewährleisten. Ein Beutel aus weichem Material der vielen Brillen beiligt soll selbstverständlich mit auf Tour um die Gläser vor Kratzern zu schützen. Wie bei Skibrillen auch ist der preisliche Range und die Auswahl groß, so dass sicherlich jeder was entsprechendes findet.

      Sonnencreme, Lippenstift
      So wie eine geeignete Sonnenbrille Strahlungsschutz für die Augen sicherstellt, ist entsprechender Sonnenschutz für die Haut ein 'must have'! Nicht nur im Hochgebirge wo die UV-Einstrahlung rasch für satten Sonnenbrand auf Nase, Gesicht und Ohren sorgt. Auf hohen Schutzfaktur ist zu achten, mind. SF 30, besser noch SF 50. Da man meist nur Gesicht und event. Unterarme einzucremen hat genügt eine kleinere Tube für längeren Touren. Eine besonders schützenswerte Hautpartie stellen die Lippen dar, da ihnen die Kälte besonders zusetzt. Sie können schon nach wenigen Stunden rissig werden mit den damit verbundenen Problemen. Lippen besitzen weder Schweiß- oder Talgdrüsen noch Pigmentierung und werden in Folge nicht mit natürlichen Pflegestoffen versorgt und sind gegenüber normaler Haut anfälliger gegen Sonnenstrahlung. Sie verdienen es regelmäßig mit Lippenbalsam behandelt zu werde welcher möglichst mit UV-Blockern versehen sein soll. Wer auf Wintertour schon mal aufgesprungene und blutende Lippen hatte spendiert die paar Euro in einen vernüftigen Lippenstift sicherlich gerne ;)

      Schneeschaufel, Lawinensonde + Pieps
      Aus diesen 3 Teilen besteht das Notfallset für Lawinenunfälle, dass jeder Skibergsteiger, Snowboarder oder Variantenfahrer mit dabei hat bzw. haben sollte der sich in lawinengefährdetes Gelände begibt. Pieps - besser Verschüttetensuchgerät - bedarf wohl keiner Erklärung und der Umgang mit einem solchen sollte geübt und beherrscht werden. Eine leichte Lawinensonde ist nicht nur für die Verschüttetensuche hilfreich sondern kann z.B. auch für die Kontrolle von Schneehöhe für die Beurteilung Lawinensituation, Schneebiwak u. Schneehöhlenbau, Standortauswahl fürs Camp, etc. benutzt werden.



      Eine Schneeschaufel oder Lawinenschaufel ist ein Universal-Tool und sollte auf keiner Mehrtagestour im Schnee fehlen. Sie kann vielfälltig eingesetzt werden, z.B. zur Schaffung einer ebenen Stellfläche fürs Zelt oder Biwak, Gestaltung einer windgeschützten Kochstelle, Bau einer Schneemauer als Windschutz, Aushebung eines Schneebiwaks, etc. Sie soll möglichst leicht und kompakt verpackbar sein. Die teilbaren Varianten wo Schaufelblatt und Stiel getrennt transportiert werden sind etwas stabiler als die Versionen mit teleskopierbaren Schaft. Je größer das Schaufelblatt desto besser und eine Aluausführung ist einem Kunststoffblatt vorzuziehen da man mit Plastik in gefrorenem Material rasch an die Grenzen stößt.
      --------------------------------------------
      Frischluftdeppert
      .

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von bugikraxn ()

    • Im Wintercamp

      Thermosflaschen & Food Jars
      In der Kälte schwitzt man weniger was schnell dazu verleitet weniger zu trinken. Trotzdem gibt's hohe Flüssigkeitsverluste und zwar über die Atmung. Die kalte Luft ist oftmals trocken und der Körper reichert sie beim einatmen mit Feuchigkeit an so dass diese auf 100% Wasserdampfsättigung gebracht wird um den Gasaustausch in der Lunge zu gewährleisten. Dieser Wasserverlust muß durch Trinken wieder ausgeglichen werden. Eine der Auswirkungen des Flüssigkeitsverlustes wäre z.B. die Erhöhung des Feststoffanteiles im Blut. Eine logische Konsequenz ist das dieses 'dickflüssigere' Blut vor allem in den Extremitäten mit wohltemperierten Blut aus dem Körperkern nicht mehr perfekt durchbluten kann und man friert daher leichter. Ist das Gewebe über längeren Zeitraum unterversorgt sind Erfrierungen möglich. Bleibt ein Dehydrierungszustand bestehen sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit entsprechend bis hin zum Kolaps! Dehydrierung ist also nicht nur bei hochsommerlicher Hitze gefährlich.



      Im Winter sind kalte Getränke nicht wirklich bekömmlich weshalb isolierte Trinkflaschen bzw. Thermosflaschen mit kommen. Diese sollen die heißen Getränke möglichst lange warm halten und dabei noch leicht und robust sein. Man kann zwar div. Standardtrinkflaschen mit Isolier- oder Neoprenhüllen pimpen, deren Isoliervermögen kommt aber an richtige Thermosflaschen kaum heran. Die üblichen Haushaltsthermos welche einen Einsatz aus Glas haben würde ich keinesfalls mitnehmen. Einer Bekannten ist der Rucksack in welchem eine solche eingepackt war von einem Felsen ca. 2-3m abgestürzt. Dass dabei der Boden dieser Thermosflasche zerbrochen ist hat sie leider erst bemerkt als diese beinahe schon leer getrunken und der verbliebene Rest mit Miniglassplittern durchsetzt war! Erste Wahl sind daher Vakuumisolierflaschen aus Edelstahl, sie halten Heißgetränke auch über Stunden bei satten Minustemperaturen warm. Ein Augenmerk ist auf die Verschlüsse zu legen, diese sollen nicht nur dicht, sondern sich auch mit Handschuhen leicht bedienen lassen. Hier schwächelt z.B. meine Lieblingsflasche etwas - die Tiger Sahara Profi mit 800ml brilliert mit geringem Gewicht, super Isolierwerten und ist dabei 100%ig dicht, der Druckknopf am Ausgießer ist leider so klein dimensioniert dass er mit (Winter-)Handschuhen so gut wie nicht zu drücken ist. Er hat auch versteckte Winkel und Kanten wo sich Tee, Kaffe, etc. festsetzt und das ganze rasch unhygienisch aussieht. Hier sind die simplen Drehverschlüsse den oftmals komplizierteren Lösungen vorzuziehen.



      Im Winter ist Wasser vielfach nur in Form von Schnee und Eis verfügbar und deshalb möchte man sich direkt am Marsch langwierige Schmelzorgien mit Kocher aufbauen, etc. ersparen. Ich habe daher gleich zwei 1-Liter Thermos mit dabei und komme damit einen Tag durch und dank Pulkaschlitten ist die Unterbringung problemlos möglich. Zusätlich ist manchmal ein Isolierbehälter für Speisen, also ein sogen. Food Jar mit im Gepäck. Meiner fasst leider nur ca. 0,45 Liter und die Warmhaltefähigkeit reicht bei weitem nicht an jene von guten Thermosflaschen heran, trotzdem hab ich mittags ein warmes Süppchen dass ich am Morgen zubereitet habe. Besser wäre ein Isolierbehälter mit 0,8 Litern oder sogar mehr, auch hier empfiehlt sich wiederum die bruchsichere Edelstahlvariante mit Vakuumisolierung.



      Bei Kälte verbrennt der Körper auch ohne Rucksack tragen und Pulka ziehen viel mehr Kalorien als man dies gewohnt ist. Gehaltvolles Essen mit deutlich mehr an fettreicher, ölhaltiger Nahrung ist hier durchaus das Mittel der Wahl. Man merkt schnell was hier wirklich hilft den Hunger zu stillen und so wundert es kaum dass man Nüsse & Mandeln, Erdnuss- oder Kakaobutter, deftigen Speck, Schokolade, Kekse mit dick Butter drauf, etc. und viele weitere Sachen die man sonst event. schmäht regelrecht verschlingt ;)


      Im Wintercamp


      Wintertaugliches Zelt
      Für einen Wochenendausflug mag Tarp, Biwaksack und warmer Schlafsack noch genügen, auf längeren Touren bietet ein gutes und schlechtwettertaugliches (Winter-)Zelt besseren Schutz vor den Elementen - ganz besonders wenn es sifft, schneit oder der Wind den Schnee verfrachtet und so an jeder möglichen und unmöglichen Stelle ins Biwak reindrückt.

      In meinem Faden zur Zeltauswahl (Link) wurde schon einiges erwähnt, selbst auf die Gefahr der Wiederholung möchte ich hier die Anforderungen nochmals auflisten:
      - Ausreichende Größe v. Innenzelt u. Apsis (Sitzhöhe!) damit mehr Gepäck untergebracht bzw. auch darin gekocht und abgewettert werden kann
      - stabiles Gestänge (event. 2ter Gestängesatz) und solides AZ-Material welches Schneelasten selbst bei Wind standhält
      - windschlüpfriges Design, gegebenefalls Geodät für sehr stürmische Gebiete oder z.B. fürs (Höhen-)Bergsteigen
      - möglichst wenig Moskitonetz am IZ damit kein Schnee eindringt
      - Außenzelt reicht bis zum Boden so dass sich 'Isolierschicht' zwischen AZ und IZ bilden kann und es innen wärmer ist
      - Innenzeltgewebe wasserabweisend (nicht -dicht!) behandelt gegen abtropfenden Kondens oder abschmelzendes Eis
      - umlaufende Schneelatze um das AZ schneedicht machen zu können bzw. f. mehr Stabiltät bei Wind
      - Große Belüftungsöffnungen an den höchsten Punkten des Zeltes f. Gasaustausch wenn das AZ teilw. unter Schnee liegt
      - Bedienbarkeit m. Handschuhen - Zipperverlängerungen, vereisungssichere RV, lange Schlaufen f. (Schnee-)Heringe
      - ausreichend Reparaturmaterialien



      Ob man nun Schneelatze benötigt ist ein stückweit Ansichtssache und vielfach genügt ein Außenzelt welches komplett zum Boden hinunter reicht bereits. Die allseits beliebten silikonisierten Außenzelte sind bei Backpackern vor allem wegen des Gewichtsvorteiles beliebt, haben aber im Winter einen Nachteil der sich rasch bemerkbar macht. Durch die tiefen Temperaturen kondensiert (bzw. friert) allfälliger Wasserdampf rasch an der Außenzeltwand. SilNylon dehnt sich nun gerne im Kontakt mit Feuchte, besonders wenn außen noch Schnee drauf liegt und für zusätzliche Gewichtsauflage sorgt. Ein perfekt abgespanntes Zelt hängt dann rasch durch. Bei Außenzelten aus PU-beschichtetem Polyester ist dieser Effekt im Vergleich zu silikonisierten Geweben etwas geringer. Großzügig dimensionierte Lüfter machen sich selbst bei tiefen Temperaturen bezahlt um allfälligen Kondensationsproblemen Herr zu werden.



      Die Wahl dest Zelttyps ist ebenfalls Geschmackssache, Tunnelzelte mit 3 (oder mehr) Gestängebögen bieten meist üppig Platz in der Apside. Kuppelzelte bzw. Geodäten haben hier gerne zusätzlich eine Art kurzen Tunnel zur Vergrößerung einer oftmals kleinen Apsis. Vorteilhaft sind 2 gegenüberliegende Eingänge und so hat man eine Ausstiegsmöglichkeit wenn mal eine Seite komplett mit Schnee zugeweht wird. Bei stürmischen Verhältnissen empfiehlt sich die Errichtung einer zusätzlichen Schneemauer um so die Windlast auf das Zelt zu vermindern. Neben div. Bergsportausrüstern (North Face, Mountain Hardwear, etc.) haben vor allem die skandinavischen Hersteller qualitativ hochwertige Wintertzelte in verschiedenen Ausführungen im Programm (Fjällräven, Helsport, Hilleberg, etc.), bei letzteren wird sicherlich jeder fündig der was in gedeckten Farben sucht.

      Ein besonderes Augenmerk soll im Winter auf die Heringe gelegt werden. Um sie in den gefrorenen Boden treiben zu können müssen diese ausreichend stabil sein. Selbst Stahlheringe sind rasch verbogen wenn das Material zu weich ist, Kunststoffheringe brechen bei Kälte gerne mal. Um eingefrorene Teile wieder raus zu kriegen hilft warmes Wasser bzw. ein starkes Seil (feste Reepschnur mit 4mm Durchmesser) und ein Axtstiel oder improvisierter stabiler Haltegriff - viel Spaß beim werkeln dann ...



      Liegt der Schnee höher und der Boden ist darunter verborgen schaffen spezielle Schneeheringe mit entsprechender Breite und Länge für Abhilfe und sorgen für guten Halt im lockeren Material. Die selbe Wirkung haben div. Schneeanker aus textilem Material - meist bilden die eine Art Sack welcher selbst im weichen Schnee für Rückhalt und damit saubere Abspannung sorgt. Zur Not tuts z.B. auch einer oder mehrere Äste, ein Ski oder Schneeschuh bzw. andere Ausrüstung welche entsprechend tief im Schnee eingegraben wird.



      Schlafsack, VBL
      Expeditionsschlafsäcke für extreme Wintertouren wiegen beinahe 4kg und halten dabei in trockener Kälte bis zu -30°C komfortabel warm. Solche Brummer sind für übliche Winterabenteuer in Mitteleuropa sicherlich overkill und hier genügen die 'Zeros' - also Schlafsäcke mit einem Rating von bis zu ca. 0°F/-18°C f. Komfort Limit vollauf. Entsprechende KuFa-Ausführungen wiegen mit einer Liegelänge von 190cm in etwa 2.6-2.8kg, Daunenversionen um etwa 1kg weniger bei deutlich kleinerem Packmaß ;-). Da Daune empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit ist empfiehlt sich die Verwendung von sogen. Vapor-Barrier-Linern.



      Diese VBL sind Inlets aus dünnem wasserdichten Gewebe welche verhindern sollen dass die übliche Schweißausdünstung in die Daunenfüllung gelangt sondern von der dampfdichten Folie zurück gehalten wird. So bleibt die Wärmeleistung der Daune auch über lange Zeiträume erhalten. Die Handhabung ist wie bei Inlets üblich etwas umständlich weshalb ich auf Kurztrips auch gerne mal darauf verzichte. Das Schlafklima ist zwar nicht wie ganz ohne VBL, es sind aber durchaus nicht die Schwitzhütten wie sie mancherorts bezeichnet werden - man schwitzt in einem Schlafsack ja durchaus nicht so heftig wie in einer Sauna, sondern hat normale 'Transpiration' bei der man nächtens bis zu 0,5L Körperflüssigkeit verliert. Viel wesentlicher ist dass man einerseits mit trockner Schlafkleidung rein kriecht und der Schlafsack an sich sorgsam behandelt wird und Kontakt mit Schnee, Eis oder Feuchtigkeit hat unmittelbare Folgen da die Teile in der Kälte eher schlecht trocknen - Wind ist hier eindeutig eine Hilfe und trocknen funktioniert an Stellen mit Luftzug bei Kälte eindeutig besser ;)

      Isomatte & Sitzunterlage
      Isomatten müssen für den Einsatz in der Kälte ausreichenden R-Wert aufweisen, dieser soll möglichst >3.5 sein. Die Kombination von 2 Matten ist oftmals nur die halbe Miete, besonders wenn obenauf eine dieser 'Nur-Luftmatte' liegt. Die Standard-Nur-Luftmatten haben in ihren großen Kammern zu viel Eigenzirkulation und bringen unzureichende Isolationsleistung. Hier muss man auf die verbesserten Modelle mit KuFa- oder Daunenfüllung ausweichen bzw. auf Konstruktionen welche wärmerefletierendes Material eingebaut haben. Viele Wintertrekker schwören auf dicke Evazottematten mit 19mm Materialstärke und auch mehr, da sie ausfallsicherer sind und keine Luft verlieren können. Praktisch sind kleine Sitzkissen aus Evazotte oder auch Rentierfell, nicht nur für Marschpausen - der Platz zum Schnee schmelzen und kochen liegt oftmals außerhalb des Zeltes und man verfrachtet seine große Iso meist ungern und schmeißt sie direkt in den Schnee ;)

      Campbekleidung (mehr Details zur Winterbekleidung unterhalb)
      In Bewegung produziert der Körper dank Muskelaktivität viel Wärme und man friert selbst mit dünnen Bekleidungsschichten bei Kälte meist wenig. Dies ändert sich schlagartig wenn man Rast einlegt oder sich im Camp wenig bis kaum begwegt. Hier schaffen dicke Wärmejacken und -hosen mit Daunen oder Primaloftfüllungen zuverlässig Abhilfe, event. in Kombination mit langer Merino-Unterwäsche in schwerer 260er Qualität. Einer gute Daunenjacke in robuster Ausführung ist bei mir immer mit dabei und da ich sie durchaus mal über Stunden an habe kommt da ein eher robusteres Teil mit imprägniertem Außenstoff - meine Sommervariante fällt dagegen deutlich leichter aus. Manchmal nutze ich eine lange Unterziehhose aus dicker Wolle, einem Gewebe wie man es z.B. von Pullovern kennt.



      Bewährt hat sich z.B. die sogen. Softie, eine KuFa-gefütterte Hose der britischen Streitkräfte - sieht wenig sexy aus, ist aber super warm und erfüllt ihren Zweck als Kälteschutzhose gut und läßt sich sehr kompakt verpacken.

      - Biwakschuhe
      Bewährt haben sich bei mir z.B. auch leichte Füßlinge mit KuFa- oder Daunenfütterung wie sie z.B. von zahlreichen Ausrüstern aus dem Bergsportbereich angeboten werden. Vertreter dieser Kategorie sind z.B. Carinthia Windstopper Booties, Exped Down Booty, Helsport Bivuak Sko oder zahlreiche andere. Langlauf- oder Tourenskischuhe haben oftmals eher knappen Sitz und erlauben so nur dünnere Socken welche vergleichsweise alleine für sich wenig wärmen. Leichte Biwakfüßlinge halten gut warm, sind sehr flexibel und engen die Füße nicht ein und so ist für gute Durchblutung gesorgt. Sie sind super auf Touren wo man viel Strecke macht, da sie klein im Packmaß und leicht sind.



      - Thermostiefel
      Für eher statische Camps sind Thermostiefel mit herausnehmbaren Wärmeinserts besser geeignet, da stabiler und somit universeller einsetzbar - man kann sie sogar fürs Schneeschuhen auf kürzeren Strecken benutzen. Übliche Hersteller sind z.B. Kamik, Sorel, etc. Sie bestehen aus einem Fußteil aus einem wasserdichten gummiartigen Material (Naturkautschuk ist kältefester als PVC od. ähnliches) an dem die Laufsohle fix anvulkanisiert ist. An diese Fußgalosche ist ein Schaft aus Leder oder Synthtikmaterial genäht. Gegenüber den Biwakschuhen ist die Konstruktion deutlich solider und stabiler, verglichen mit üblichen Trekkingstiefel allerdings doch weicher mit viel Spielraum im Zehenbereich so dass die Durchblutung nicht behindert ist. Durch das dichte Gummifußteil macht ihnen auch feuchter Schnee oder Matsch nicht viel aus und der Verschleiß hält sich gegenüber Leder in Grenzen dem scharfe Kanten von z.B. gefrorenem Schnee ziemlich zusetzt. In diesem Überschuh steckt ein Innenschuh aus dickem Filz, welches für die eigentliche Wärmeisolation sorgt. Das Filzteil läßt isch praktischerweise zum trocknen heraus nehmen. Übliche gefütterte Mukluks sind diesen Thermostiefeln zwar nicht unähnlich, hier steht aber der modische Aspekt gegenüber der Tourentauglichkeit oftmals im Vordergrund weshalb sich nicht jedes Modell auch automatisch für den Wintertrekker eignet.





      - Fußsäcke
      Eine Sonderstellung haben ungefütterte Füßlinge mit langer Stulpe wie sie z.B. von Helsport (Modell Fotpose) angeboten werden. So wie die Biwakschuhe sind sie eher für trockene Kälte geeignet und sie bestehen aus Baumwollmischgewebe mit einem Sohlenteil aus starkem Cordura. Sie sind super wenn man nächtens schnell mal raus muß. Kordelzüge verhindern das runterrutschen und durch die hohen Stulpen kommt kein Schnee rein, sollte man mal tief einbrechen - das Anziehen von Schneeschuhe ist für den (nächtlichen) Pixxgang also nicht erforderlich. Will man sie mit ganz dünnen Schlafsocken verwenden können die Füßlinge z.B. durch einen DIY-Einlage aus einer Evazotte-Schaummatte gepimpt werden. Fürs Camp genügen üblicherweise 1-2 Paar dicke Wollsocken um damit nicht mehr zu frieren und die Füße haben damit genug Bewegungsfreiheit was ihnen besonders nach einem Tag in engen Skischuhen gut tut ;)



      Kältetauchglicher Campingkocher
      Bezügich Gas versprechen viele Hersteller einfach zu viel was die Tauglichkeit der Gasmischungen bei Kälte anbelangt. Hab zwar schon ein paar Versuche mit diversen Gaskochern bei Minusgraden hinter mir, so richtig überzeugen konnten mich zumindest die Standardmodelle wo der Brenner direkt auf der Kartusche angeschraubt wird leider nicht. Jene Gaskocher wo sozusagen Flüssiggasbetrieb mit umgedrehter Kartusche möglich ist funktionieren prinzipiell etwas besser unter dem Gefrierpunkt, sind aber trotzdem nicht frei von Macken. Sie weisen z.B. erhöhten Gasverbrauch, verzögerte Regulierbarkeit und ungleichmäßiges Flammenbild auf. Zudem gibts auch schon mal die eine oder andere Stichflamme - zum entzünden empfiehlt es sich die Kartusche mal kräftig zu schütteln und vorerst aufrecht zu betreiben. Sie sollte erst umgedreht werden wenn der Brenner und damit die Vorheizschleife auf 'Betriebstemperatur' sind. Mein MSR WindPro II beherscht die Betriebsart mit umgedrehter Kartusche noch am besten, Erfahrungswerte bei zweistelligen Minusgraden fehlen leider noch. Spiritusbrenner funktionieren solange man den Sprit auch entzünden kann, weisen aber andere Einschränkungen auf wie z.B. die kaum zu regulierende Flamme und der hohe Treibstoffverbrauch bei windigen Verhältnissen.



      Bei mir haben sich in der Kälte die Multifuels bewährt. Ob man sie nun mit gereinigtem Benzin oder bleifreiem Sprit von der Tanke betreibt ist Geschmackssache. Sie benötigen etwas Wartung von Zeit zu Zeit, vor jeder größeren Tour empfehle ich einen Probelauf und da kann es schon mal sein dass man die eine oder andere Dichtung tauschen muss oder alles beherzt von Ruß und Sott zu reinigen ist. Ein paar Ersatzteile sind sowieso Pflicht auf längeren Touren und sollten mitsamt passendem Werkzeug mit dabei sein. Mehrstoffbrenner müssen (meist) vorgeheizt werden, haben aber bei tiefen Temperaturen eine ausgezeichnete Leistung und heizen super was beim Schmelzen von Schnee wichtig ist. Ein Kocher sollte nicht direkt in den Schnee gestellt werden, dieser schmilzt schon mal und der Kocher versinkt dabei langsam und steht auch gern waghalsig schief ... Hier hat sich eine stabile Unterlagsplatte aus schichtverleimten Holz bei mir bewährt worauf der ganze Kocher dann platziert wird. Die Platte lässt sich auch als Ablage, etc. nutzen.





      Da Schnee viel Luft enthält und diese natürlich die Wärme schlecht leitet sollte fürs Schmelzen immer nur kleine Schneemengen in den Topf gegeben werden. Zum Start event. das ganze mit der Hand etwas komprimieren und hat man erst mal ein paar Zentimeter Schmelzwasser im Topf geht es auch in vernünftigem Tempo. Wesentlich ist ausreichend Brennstoff mitzuführen. Besonders Schneeschmelzen verbraucht viel Sprit und zum kochen ist allgemein mehr Energie erforderlich schon alleine fürs ausgleichen des Temperaturunsterschiedes und der abgestrahlten Wärme an die kalte Umgebung. Man startet den Kochvorgang gegenüber dem Sommer doch von tieferen Ausgangstemperaturen weg und dies erfordert höheren Brennstoffeinsatz.

      Kleinigkeiten & Zubehör
      - Reparaturset
      Ein vernünftiges Reparaturkit gehört so wie bei ausgedehnten Sommertouren als 'must have' mit ins Gepäck. Als Ergänzung zum Sommerkit empfehlen sich z.B. ein Plastikstab von üblichen Heißklebepistolen f. Reparturen von Pulka, Skibelag oder Schneeschuhen sowie ein gutes Stück starker Edelstahldraht (mind. 1mm im Durchmesser) sowie ein Multitool mit solider Zange um damit z.B. Ski- oder Schneeschuhbindungen oder kaputte Skischuhschnallen behelfsmäßig zu richten.



      Gewebeband/ Duct Tape klebt man bei Kälte mit Unterstützung von warmen Wasser dass man z.B. im Campingtopf auf das Klebeband stellt etc. Nähzeug und ein paar Stoffstücke fürs flicken von Zeltlöchern oder Rissen in der Isolationskleidung, Schlafsack, usw. sind sinnvoll.

      - Handwärmer f. Feuerzeugbenzin
      Diese kleinen Taschenöfen sind nicht nur bei Jägern beliebt und hier sollte man ruhig ein paar Euro mehr ausgeben für ein Gerät dass sich auch nach der x-ten Verwendung entzünden lässt. Sie bestehen aus einem mit watteähnlichem Material gefüllten Tank und auf dem ein aufsteckbaren Brenner sitzt welcher als Katalysator wirkt - das Teil glimmt lediglich und unterdrückt eine offene Flamme, strahlt also lediglich Hitze ab. Eine Tankfüllung reicht locker für 8-10 Stunden Wärmeabgabe und die mitgelieferte Stofftasche sollte unbedingt verwendet werden um hier Verbrennungen der Haut oder Hitzeschäden am Gear zu vermeiden. Handwärmer eignen sich nicht nur als Wärmespender für kalte Hände oder andere kälteempfindliche Körperteile sondern auch zum pimpen schwachbrüstiger Schlafsäcke im Fußbereich oder als Trocknungshilfe von Kleidung und Gear. Man sollte sich allerdings nicht zu viel erwarten und ein komplett durchnässtes Paar an Winterstiefel wird man über Nacht bei Minusgraden damit sicherlich nicht trocken bekommen ...



      - SAM-Splint
      Diese Behelfsschienen kommen aus der Notfallmedizin und dienen zur Imobilisierung von verletzten Extremitäten.



      Im Prinzip eine formbare Aluschiene die mit einer dünnen Schicht Elastomer überzogen ist. Mit Skiern ist die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen höher und die Mitnahme solte man zumindest in Erwägung ziehen. Auf meinen Solotrips ist mir absolut bewußt dass ich bei einem Beinbruch die größte Mühe haben werde mir selbst eine Schiene mit dem SAM-Splint anzulegen - an div. anderen Improvisationsmöglichkeiten will ich erst gar nicht denken ... Besonders in Gruppen empfiehlt sich die Mitnahme, SAM Splints sind leicht und klein im Packmaß und finden sicherlich wo Platz zwischen anderem Gepäck!

      - Diverses
      Nicht nur bei extremer Kälte sondern auch schon bei niedrigen Plusgraden sinkt die Kapazität von Akkus und Batterien und sie verweigern viel früher ihren Dienst als man es vom Sommer her gewohnt ist. Zudem ist die Tageslänge verkürzt weshalb sich die Mitnahme von Solarpanels fürs wieder aufladen oft nicht rentiert, satte Powerbanks und ausreichend Reservebatterien sind meist die bessere Alternative. Lithiumbatterien sind das Mittel der Wahl, bei ihnen ist der Leistungsverlust infolge Kälteeinwirkung nicht ganz so dramatisch wie bei Alkaline oder gar Akkus. Sich mit genügend Leuchtmittel auszustatten ist sicherlich kein Fehler, den oftmals kocht man in der Dunkelheit, etc. und gute Beleuchtung macht da den Unterschied. Sonnenschutz wird an anderer Stelle behandelt, meine Präperate auf dem Foto sind Standard und da gibt es sicherlich Optimaleres. Sein Zeug mal mit Handschuhen zu bedienen schadet sicherlich nicht und sollte noch vor dem Start der Tour passieren. Manchmal ist es hilfreich sein Gear um eine Nummer größer mitzunehmen und ein größerer Kompaß lässt sich mit Handschuhen nunmal leichter handhaben als ein Miniteil, sollte man mal in Versuchung kommen bei einem White-Out zu marschieren. Thermometer ist sicherlich nur als Info gedacht, also nice-to-have. Ist man erst mal unterwegs wird man sich an die jeweilige Temperatur sowieso anpassen müssen, ganz egal wie tief die Anzeige gefallen ist.



      - Wischtuch, Schneebesen
      Ein kleines Wischtuch aus saugfähigem aber dennoch leichtem Microfasergewebe macht nicht nur im Sommer Sinn um damit z.B. Tarp, Biwaksack oder Zelt abwischen zu können um es nicht im feuchtnassen Zustand verpacken zu müssen. Besonders wenn man in der Apsis Schnee schmilzt und kocht sammelt sich innen im Zelt Kondensat. Im Winter kann sowas zur Folge haben dass das Gewebe im Rucki zusammenfriert und so Probleme beim nächsten Verwendungsversuch macht. Darüber hinaus macht auch ein kleiner Handbesen/ -bürste aus Kunststoffmaterial Sinn um damit morgens eine eingeschneite Pulka, das Zelt, etc. zu säubern. Hier genügt ein billiges Teil aus dem Baumarkt oder aus dem Reinigungsbedarf vom Supermarkt völlig. Soll entsprechend leicht sein, die Belastungen sind ja überschaubar ;)
      --------------------------------------------
      Frischluftdeppert
      .
    • Winterbekleidung

      Winterbekleidung

      Ein paar Threads hier im Forum behandeln zumindest Teilaspekte zu diesem Thema, schadet also nicht dort mal einen Blick rein zu werfen ;) Bekleidung soll den Körper vor den Elementen schützen - im Winter nicht nur gegen die Kälte u. Nässe sondern vor allem auch gegen den (kalten) Wind welcher zusätzlich in sehr hohem Maße für Auskühlung sorgen kann und bei so mancher Tour sogar ein noch größeres Übel als die Kälte selbst darstellt. Das Zwiebelprinzip findet auch bei niedrigen Temperaturen seine Anwendung und kann folgendermaßen aussehen:
      1/ Base Layer, die unterste Schicht - soll Feuchtigkeit von der Haut aufnehmen und an die äußeren Schichten abgeben. Bei Kälte hat sich Merinowolle bewährt, event. in Kombination mit weiteren Lagen aus Synthetikmaterialen (Polyester, Polypropylen, etc.). Baumwolle ist im Winter als 1te Schicht unbedingt zu vermeiden! Bei Polarexpeditonen werden z.B. nicht selten 2-3 Schichten an langer 'Unterwäsche' übereinander getragen.
      2/ Mid Layer, die Zwischenschicht - soll verhindern dass die Körperwärme an die Umgebung abgeleitet wird, also möglichst gut zu isolieren. Neben klassischen Wollsachen eignet sich auch dickes Fleece oder Bekleidungsstücke mit Synthetik- oder Daunenfüllung gut für diesen Zweck. Die Wärmekleidung soll selbst möglichst wenig Feuchtigkeit aufnehmen bzw. diese nach außen weiter leiten.
      3/ Outer Layer, die äußerste Schicht - soll gegen Nässe und Wind schützen. Bei trockener Kälte hat sich wegen der guten Atmungsakiviät (gewachste) Baumwolle od. BW-Mischgewebe bewährt. Bei nassen Verhältnissen die typischen Hardshells aus robusten Nylonstoffen m. atmungsaktiver Membran, oft zusätzlich dick gefüttert.
      Besonders im Winter hat die Kleidung sehr funktionell zu sein, man muß nicht nur auf die Materialauswahl sondern auch auf ein paar nützliche Details achten!

      Base Layer
      Lange Unterwäsche soll möglichst körperbetont geschnitten sein und eng anliegen. Ich bevorzuge Merino wegen der guten Wärmeisolation und dem Umstand dass sie sich nicht sofort saukalt anfühlt wenn mal etwas nassgeschwitzt. Manche mögen die kratzige Haptik von Wollsachen nicht und einige Hersteller kombinieren daher Merino mit einer dünnen Auflage weichen Polyesermaterials die direkt auf der Haut liegt. Bei diesen Wolle-KuFa Mischgeweben verlieren sich leider die geruchsneutralisierenden Eigenschaften der Wolle rasch und man riecht spätestens nach dem 2ten Tag am Trail nach Schweißfuß ... Bewährt haben sich hochschließbare Kragen, bei meiner aktuelle Merionunterwäsche fehlt dieses praktische Detail leider durch die Bank.
      Je nach Bedarf kann eine 2te (oder 3te) Base Layer Schicht getragen werden, macht nicht nur bei arktischer Kälte Sinn sondern z.B. auch bei eher milden Temperaturen wo dies event. eine Zwischenschicht oder sogar die äußerste Schicht darstellt. Diese Bekleidungsteile sind oftmals aus sehr schnelltrocknendem PES oder PP und haben auf der Innenseite nicht selten Frottee oder Waffelmuster um möglichst viel an warmer Luft einzuschließen. Ein Holzfellerhemd aus dickem flauschigen Polyesterstoff (keine Baumwolle!) hat hier einen ähnlichen Effekt.



      Die 2 Teile links auf dem Foto oberhalb sind meine bewährte lange Merino Unterwäsche von Aclima in 200er Qualität, die ich echt mag und daher oft im Einsatz habe. Die kurze Untergatte rechts ist ebenfalls ein Teil aus 100% Merinowolle und hat die für Merinoschlüpfer ganz typische zusätzliche Lage vorne mittig um Wind- und Blickdichte zu gewährleisten ...



      Die 2 Langarm T-Shirts oberhalb haben einen kurzen RV aber leider keinen wirklich hohen Kragen - der Halsbereich muß also zusätzlich geschützt werden. Das etwas dickere grüne Shirt von Woolpower ist mit Frottee auf der Innenseite ausgerüstet und besteht aus einem Wollmischgewebe, fängt daher leider materialbedingt viel früher zu riechen an als Shirts aus reiner Wolle und neigt zum Peeling - diese Flusenbildung ist leider ganz typisch bei Wollmischgeweben wie ich finde. Die Unterbuxen darunter sind aus Polyester und tragen sich sehr angenehm. Sie sind etwas leichter als Merinosachen und trocknen vor allem schneller.

      Mid Layer
      Dies ist die Domäne von Fleece & Co. - die Zwischenschicht soll möglichst vor Kälte schützen, leicht und luftig sein und rasch trocknen. Die berühmt-berüchtigten zotteligen 'Bärenfelljacken' aus langflorigem Polyester wird wohl jeder schon mal gesehen haben - obwohl die Optik unattraktiv ist wärmen diese Dinger echt gut. Hier in Mitteleuropa genügt 200er Fleece, für Nordeuropa und andere kalte Gegenden oder fürs Camp eher die dickeren Sachen aus 300er Polarfleece. Fleecejacken haben eher ungünstiges Packmaß und sind wenig winddicht, hier haben z.B. gefütterte Jacken (Primaloft, etc.) ihre Vorteile und Fleecesachen bereits deutlich zurückgedrängt. Mittlerweiles existieren zahlreiche Alternativen zum Fleece wie z.B. Hybridkonstruktionen m. Wolle/Loden, Daunen oder KuFa für den Oberkörper und dünnerem Fleece an den Armen. Selbst div. Softshells sind manchmal warm genug um als Wärmejacke durchzugehen. Wer traditionell unterwegs sein will und das Gewicht nicht scheut greift zu Pullovern u. Jacken aus dicker Merinowolle und so ausgestattet braucht man auch die Nähe von Feuer und Funkenflug nicht zu scheuen. So wie für Unterwäsche gilt auch für die Zwischenschicht dass sie möglichst lang sein soll und die Oberteile zumindest den Hintern mit abdecken und keine Spalte zwischen Ober- und Unterteile entstehen. Jacken haben gegenüber Pullovern den Vorteil dass man sie leicht An- und Ausziehen kann. Als praktische Details haben sich Pulswärmer (Verlängerte Unterarme m. Daumenloch) und hochschließbare 'Rollis' zum Schutz des Halsbereiches bewährt.



      Das Bild oberhalb zeigt eine Wärmekombi von Ulvang, nämlich den RAV Sweater w/Zip und die RAV Pants, beides aus schwerer Merinowolle. Ich hatte die Teile bei einigen Wochenendtrips im winterlichen Norwegen dabei und sie dort schätzen gelernt. Die dicke Unterziehhose ist nicht nur fürs Camp super sondern man kann die auch mal direkt unter einer GoreTex Hardshellhose tragen.

      Outer Layer
      Hier sind dicke Anoraks, Schneehosen und Nässeschutzbekleidung angesiedelt. Die Außenschicht kann sehr vielfältig ausfallen und hier gibt es kein 'richtig oder falsch', das was unter den jeweiligen Verhältnissen funktioniert ist schlicht das Richtige ;)

      - Windschutz
      Einfach eine GoreTex Hardshell Jacke & Hose anzuziehen ist bei tiefen Temperaturen leider nur die halbe Miete. Der Körperschweiß kondensiert rasch und gefriert dann gern z.B. innen an der Jacke im Schulter- und Nackenbereich oder unten an den Hosenbeinen fest - über kurz oder lang wird es kalt an betreffenden Stellen was mehr als nur unangnehm ist. Die Atmungsaktivtät welche zahlreiche Klimamembran-Hersteller versprechen würde ich bei Minusgraden als dürftig bezeichnen und hier können schlichte (gewachste) Baumwoll- oder Baumwollmischgewebe einfach mehr. Vor allem bei trockener Kälte und zweistelligen Minusgraden ist die Atmungsaktivität unübertroffen und hier wirkt sich der Nachteil von Baumwolle, nämlich Nässe aufzunehmen und schlecht zu trocknen nicht allzu negativ aus. Übliche BW-Mischgewebe (PES+CO) sind darüber hinaus meist dicht gewebt, daher robust und vor allem windabweisend. So wird die Wärme aus der Zwischenschicht nicht sofort vom 'Winde verweht' sondern gut festgehalten. Vielfach sind solche Bekleidungsteile bereits vorhanden und können ohne größere Neuinvestition für Hosen und Jacken in Kombi mit wärmenden Schichten darunter auch im Winter weiter verwendet werden.



      Als Features sollten die Hosen verstellbare Beinabschlüsse und eine Verstärkung an Knien, Hintern und auf der Beininnenseite im Knöchelbereich haben, Belüftungsreißverschlüße an den Oberschenkel schaden nicht um auch mal zusätzlich Dampf abzulassen ;) Speziell angepasste Winterhosen sind oben bis weit über die Hüfte hochgezogen umd den empfindlichen Nierenbereich mit abzudecken und manchmal mit einem leichten Wärmefutter ausgestattet. Für div. Windjacken und gilt ähnliches - eine Belüftungsmöglichkeit unter den Achseln ist zwar nicht Pflicht aber empfehlenswert. Der 2-Wege Hauptreißverschluß soll stark genug und vereisungssicher sein und hier haben die alten gezahnten Versionen gegegenüber den Spiralis die Nase vorn. Wesentlich ist eine vernünftige Abdeckleiste so dass durch den RV kein kalter Wind reinpfeift. Der RV soll sich auch mit Handschuhen leicht bedienen lassen und weit hoch reichen, also zumindest bis über das Kinn gehen. Der Fellrand an der Kapuze ist kein modisches Accessoire wie man vermuten würde, sondern hat praktischen Nutzen: Er vermindert die Windgeschwindigkeit und hält frostige Luft vom Gesichtsbereich fern und dämpft auch die Windgeräusche gegenüber einer normal geradlinigen Kapuzenkante stark ab. Das (Kunst-)Fell wirkt zwar bei Schneesturm als Schneefang und man merkt auch noch am Abend das man am Vormittag durch Schneegestöber gewandert ist, aber die Vorteile überwiegen dennoch!

      Ein typischer Vertreter von konsequent auf Wintereinsatz getrimmter Outer Shell aus BW-Mischgewebe ist das Tur Jacket und die Tur Trousers von Fjällräven. Bin mir zwar nicht sicher ob die Teile noch angeboten werden, besonders skandinavische Hersteller wie Lundhags, etc. haben zumindest ähnliches im Programm.

      Eine Alternative zu Baumwollmischgeweben sind z.B. div. Softshellmaterialen, sie bestehen aus Polyester u. Elasthan und sind außen sehr dicht gewebt, halten also den Wind zuverlässig ab. Zudem sind viele DWR-beschichtet und damit wasserabweisend. Auf der Innenseite haben sie oft eine dünne Schicht aus fliesartigem Material, wärmen also auch noch zusätzlich. Einige hier im Forum haben sehr positive Erfahrungen mit Softshells gemacht und die windabweisende Wirkung würde ich mal als hervorragend bezeichnen. Ich hab zwar noch irgendwo eine alte Softshelljacke herumfliegen welche eher schwergewichtig ist und darum kommt sie nicht wirklich mit auf Tour. Ich bin hier durchaus noch auf der Suche nach der für mich idealen Softshellbekleidung in vernünftiger Passform bei vertretbarem Gewicht und Preis ;)

      - Nässeschutz
      Echtes Shitwetter mit hohen Windgeschwindigkeiten, Schneefall oder Regen ist die Domäne der Hardshells, also robuste Nässeschutzbekleidung mit wind- u. wasserdichten aber dennoch atmungsaktiven Klimamembranen. Sie sind z.B. auch meine erste Wahl im Früh- oder Spätwinter wo man mit nassen Geländeverhälnissen oder feuchtem Schnee zu kämpfen hat. Bei solchen Bedingungen kann man z.B. auch mal eine GoreTex Überhose direkt über der Merinounterwäsche tragen und ist so bestens vor Nässe von unten geschützt. Für Überhosen bieten sich Features wie z.B. hochgezogener Nierenschutz, Latz und Hosenträger (man denke Schneehöhlenbau wo man am Bauch liegend im Schnee gräbt), durchgehenden Seitenreißverschlüssen um sie mitsamt Schuhen an- und auszuziehen sowie verstärkte Beininnenseiten zum Schutz vor scharfen Stahlkanten oder Steigeisenzacken an. Integrierte Gamaschen an den Beinabschlüssen haben sich bei mir bestens bewährt und sie verhindern das Eindringen von Schnee und Nässe von unten ohne dass man hierfür zusätzlich was benötigt und sich das Herumfummeln mit separaten Gamaschen antun muss.



      Einige nützliche Features für Jacken wurden oberhalb schon angeführt und sind für Hardshells ebenfalls interessant wie z.B. Bedienbarkeit mit Handschuhen, verstellbare u. direkt angenähte Kapuze, abgedeckte Belüftungsreißverschlüsse unter den Achseln sowie ausreichende Länge welche zumindest über den Hintern reicht. Eine einfache Reißverschlußabdeckung genügt allerdigns nicht bei eiskaltem Sturmwind. Um das Eindringen von kalter Luft durch den RV zu verhindern soll die Abdeckleiste möglichst doppelt ausgeführt sein oder ein abgedichteter RV mit zusätlicher Abdeckleiste darunter. Echte Winter-Hardshells haben zudem eine integrierte elastische Schneeschürze im Taillenbereich um Schnee und kalte Luft von unten her zu blockieren. Verstellbare Züge an Taillen und Saum, leicht anpassbare Armbündchen und große Taschen sind weitere nützliche Features. Eine meiner Hardshells welche die meisten der hier angeführten Optionen besitzt ist die ECWCS Gen I der US Army und diese ist leider in camo, weshalb sie eher selten mit kommt. Wichtig bei den Hardshells ist die Wahl der korrekten Größe und hier muß zumindest eine wärmende Schicht anstandslos darunter passen ohne dass die Beweglichkeit eingeschränkt wird - im Zweifelsfall also um ca. 1/2 bis 1 ganze Nr. größer wählen.
      Ein typischer Vertreter eines auf den Kälteeinsatz optimiertes Hardshell-System ist das Arctic Expedition Set von Bergans, eine Kombi aus Jacke und Hose aus robustem Polyamid mit Dermizax-Klimamembrane.

      - Kälteschutz
      Wer Touren in polare, subpolare Gebiete oder ins Hochgebirge vor hat der kommt über spezielle Kälteschutzbekleidung nicht herum. Eine hauchdünne Daunen- oder Primaloftjacke die für Sommertouren noch ausreicht genügt für anspruchsvolle Wintertouren in extreme Landschaften durchaus nicht. Hier kommen dick gefütterte Daunen- oder KuFa Jacken und Hosen zum Einsatz, nicht selten werden ganze Overalls angeboten. Das solche Teile nicht unbedingt figurbetont sind kann man sehr leicht bei den Baffin Babes sehen - sind die zarten Mädels in ihren Kälteschutzanzügen unterwegs drängt sich der Vergleich mit Michelin-Männchen durchaus auf ;) Gegenüber üblichen 3-Jahreszeitenmodellen sind die Gewebe deutlich stärker ausgeführt und gerne mal DWR-imprägniert um die Isolationsschicht vor Nässe von außen zu schützen. Das Design soll rucksacktauglich sein mit Verstärkungen an den Schultern und einer Taschenanordnung welche auch noch mit aufgesetztem Rucksack bzw. dem Pulkazuggeschirr zugänglich ist. Manchmal wird man mit Teilen glücklich welche eigentlich fürs (Pisten-)Skifahren entwickelt wurden. Meine Daunenjacke von Marmot (Modell Shadow Jkt) kommt aus dieser Ecke, sie hat gute Daunenfüllung, Verstärkungen an Schultern + Unterarmen, verstellbare Ärmelabschlüsse und einen integrierten Schneefang für Tiefschneeausflüge. Sie eignet sich nicht nur fürs Camp sondern durchaus auch für den Marsch mitsamt Gepäck, es handelt sich um die graue Jacke auf dem Foto unterhalb.
      Am Bild ist ganz rechts das Modell N3B von Alpha Industries zu sehen mit einer für Kälte optimierten Kapzue, einem typischen 'Schnorchel'. Der Kopf- und Gesichtsbereich ist damit bestens geschützt, Tunnelblick inklusive. Diese Synthetikjacke ist zwar super robust mit starkem Gewebe aber leider auch entsprechend schwer, das Packmaß ist gewaltig weshalb sie nicht meine 1te Wahl ist für Touren wo man viel Strecke macht.



      Als Kälteschutzhose verwende ich die berühmte 'Softie' von der britischen Armee, das grüne Teil mittig auf dem Foto oberhalb. Sie ist mit Kunstfaserfüllung ausgestattet und hat seitliche Reißverschlüsse fürs rasche An- und Ausziehen sowie Elastikbündchen als Beinabschluss. Ist jetzt nicht das ultimative Winterteil und es gibt durchaus bessere Alternativen, sie ist aber für einen schmalen Taler zu bekommen da Military-Surplus. Ähnlich wie bei Hardshells sind z.B. Seitenreißverschlüsse, Verstärkungen an der Kniepartie und am Hintern, Integralgamschen, Träger + Latz, etc. vernünftige Features an einer Kälteschutzhose.
      So wie oberhalb bei den Nässeschutz-Hardshells auch schon angemerkt soll die äußerste Kälteschutzlage keinesfalls zu klein gewählt werden um sie über die darunter liegenden Schichten bzw. zusammen mit diesen tragen zu können. Man benötigt sie gerade für Situationen wo man sich eher weniger bewegt wie z.B. bei Marschpausen und hier werden Kälteschutzsachen auch gerne mal direkt über Outer Shells oder die GoreTex Bekleidung angezogen - im Zweifelsfall also zum etwas größeren Modell greifen.
      Meine Kälteschutzteile würde ich jetzt nicht als ultimativ, superwarm oder expeditionserprobt einstufen, für norwegische Verhältnisse wie man sie im (süd-)norwegischen Fjell vorfindet haben sie allerdings genügt. Wer hervorragende Kälteschutzkleidung sucht wird event. bei Teilen fündig die fürs Höhenbergsteigen entwickelt wurden, die Annapurna Daunenjacke von Mountain Equipment ist z.B. so ein typischer Vertreter einer robusten und dabei sehr warmen Daunenjacke.

      Handschuhe
      Bei Touren in die Kälte sind es oft die kleinen Dinge die einen großen Unterschied machen und über Handschuhe wird man sich in den übrigen Jahreszeiten keinen großen Kopf machen und da genügt bald mal was. Bei mir ist im Winter so ziemlich alles mal mit dabei, von dünnen Unteziehhandschuhen bis hin zu fetten Mittens aus gewalkter Wolle welche ich in Kombi mit wasserdichten Überhandschuhen verwende. Wie bei anderer Winterkleidung ist die Auswahl auch hier unübersehbar groß ...

      Bin ich mit Skiern bei moderaten Temperaturen unterwegs hab ich gerne dünne Synthetikhandschuhe wie sie Längläufer verwenden. In punkto Wärmeleistung genügen diese solange man in Bewegung bleibt. Sie haben an Fingern und Handinnenseite ein lederartiges Material welches sehr starpazierfähig ist und sich an Skistockgriffen auch nicht abscheuert. Der Handrücken besteht aus dicht gewebtem Synthetikstoff der ein wenig an Softshellmaterial erinnert, ein Elastikbündchen schließt am Gelenk ab. Sind sehr funktionelle Teile und waren dabei nichmal teuer, auf dem Foto unterhalb das äußerst rechte Paar.

      Die dünnen Teile in olivgrüner sowie schwarzer Farbe sind Unterziehhandschuhe. Die grüne Variante ist aus Polypropylen, Miltary-Surplus und kostet ca. 5-7 Euro, die schwarzen aus eher lose gewebter Merinowolle und für ca. 20-25 Euro zu haben. Ich habe diese Unterziehteile gerne in Kombi mit dickeren Handschuhen/Mittens für alle Tätigkeiten wo Fingerspitzengefühl und Feinmotorik gefordert ist. Bei zweistelligem Minus bleibt das Gefühl in den Fingerspitzen zumindest eine kurze Zeitspanne erhalten. An Wärmeleistung darf man sich nicht viel erwarten, man friert damit eher rasch - aber zumindest friert die Haut nicht sofort fest wenn man z.B. Metall greift. Falls mal nass geworden sind sie in einer Jackeninnentasche auch umgehend wieder getrocknet.



      Links neben den Unterziehern sind Fleecehandschuhe die ich echt gerne dabei habe - nicht nur im Winter sondern vor allem in der Übergangszeit und selbst im Sommer wenns ins Gebirge geht. Sie bestehen aus sehr dicht gewebtem Fleece das ebenfalls an Softshellmaterial erinnert und da es nicht dick aufträgt bleibt die Feinmotorik großteils erhalten. Beanspruchte Stellen auf der Handinnenfläche sind mit dünnem Ziegenleder verstärkt - alles in allem einer meiner Lieblingshandschuhe, wenn auch nicht unbedingt Tieftemperaturtauglich ;)

      Links außen traditionelle Handschuhe aus gewalkter Schladminger Wolle mit Lederverstärkungen an der Handinnenseite. Obwohl echt old-school sind sie z.B. in Bergsteigerkreisen nach wie vor sehr beliebt und ich hatte sie in Norwegen bei einigen Winteraktionen mit am Start. Sie wärmen gut, die Atmungsaktivität ist ausgezeichnet und ihnen macht auch die Nässe nich viel aus. Mechanisch ist dieses speziell Wollmaterial weniger robust weshalb ich die Variante mit den Lederverstärkungen gewählt habe. Mittlerweile sind sie recht hochpreisig und obwohl von einem deutschen Hersteller hab ich sie in Norwegen mehrmals zu niedrigeren Preisen gesehen als hier in Mitteleuropa ...

      Wenn die Verhältnisse etwas rauer und tiefere Temperaturen zu erwarten sind hab ich meine Army Leather Heli Ski Gloves von Hestra mit dabei welche auch in einer fingerlosen Mittens Ausführung erhältlich sind die noch einen Tick wärmer ist.



      Auf Handinnenfläche und Fingern haben sie dickes Ziegenleder das einen wirklich robusten Eindruck macht - 'military-grade-quality' ist also durchaus zutreffend und es lässt sich gut pflegen/fetten. Oberseite und Stulpe sind aus starkem Nylongewebe welches mit einer wasserdichten u. atmungsaktiven Beschichtung versehen ist. Es gibt auch eine Premiumvariante m. 3-lagigem GoreTex. Hinten ist eine lange Stulpe mit Zugkordel so dass kein Schnee eindringen kann, sowie ein breites Gummiband als Verlustsicherung. Die Weitenverstellung mittels Klettband ist auf der Unterseite angebracht, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, sie stört dort aber keinesfalls. Seitlich ist eine große Öse angebracht, hier lässt sich ein Karabiner einhängen um die Handschuhe verlustsicher an Ruckack, Gürtel oder Pulka zu befestigen was sehr praktisch ist. Das Wärmeinnenfutter aus warmen Poyesterfleece fällt zwar etwas dünn aus, ist aber zum trocknen herausnehmbar. An der Ausführung von Wärmefutter und Insererts erkennt man oft die Qualität von Handschuhen, denn sie soll einerseits leicht, schnelltrocknend, angenehm vom Griffgefühl und vor allem stabil sein - eine zusammengedrückte Isolationsschicht nützt wenig und wärmt oftmals schlecht bis garn nicht! Ist sie zu fest sind die Handschuhe bockig steif und man hat kein Gefühlt beim Arbeiten. In Bewegung werden diese Handschuhe oft zu warm sein und ihr Potential lässt sich bei 2-stelligen Minusgraden voll ausschöpfen. Wenn man sich bei solchen Verhältnissen allerdings nicht bewegt schaden zusätzliche dünne Unterziehhandschuhe aus Merino tatsächlich nicht ;)

      Fürs Höhenbergsteigen gibt es gewichtsoptimierte Mittens z.B. mit Daunenfüllung sowie für Polarregionen echt wuchtige Teile die auch bei -45°C noch warm halten. Wer solche Reiseziele hat möge sich damit gesondert beschäftigen. Handschuhe sind an sich unscheinbare, eher kleine Teile deren Verlust bei extremer Kälte aber fatale Folgen hat und abgefrorene Finger oder Hände kann nun wirklich keiner brauchen auf Tour! Wäre ja nicht das 1te Mal das ein kräftiger Wind die Handschuhe über die Kante weht welche man beim Pixxgang hinter sich in den Schnee gelegt hat ... Deshalb ist die Mitnahme eines Reservepaares dringend anzuraten um hier sofort Ersatz zu haben sollte mal was nass geworden oder gar verloren gegangen sein ;)

      Kopfbedeckungen
      Der Spruch dass man 50% seiner Körperwärme über den Kopf verliert ist sicherlich nur gültig solange der Rest vom Körper mit adäquater Kleidung ausgestattet ist ;) Dennoch kommt man bei Kälte nicht ohne Kopfbedeckung aus und ich hab da auch meist 1-2 Varianten mit.

      Für den Marsch bei moderaten Winterbedingungen oder des nächtens im Schlafsack hab ich gerne eine Mütze und einen Schlauchschal aus Merionwolle. Ist die etwas dickere Qualität (260er denke ich). Besonders die Schlauchschals habe ich schätzen und lieben gelernt, sie dienen als Hals- und Nackenwärmer, Sonnenschutz und können auch mal hoch gezogen werden um den Kopfbereich mit abzudecken. Auf dem Foto unterhalb sind es die 2 Teile äußerst rechts von Buff und die Quali ist sehr gut, die Wolle flauschig gebürstet welche kratzt kaum.

      Mittig am Foto ist eine Sturmhaube, also eine sogen. Balaklava zu sehen. Sie ist wendbar - eine Seite in oliv, die 2te in weiss und sie besteht daher eigentlich aus 2 Lagen Merinowolle in 200er Quali und wärmt hervorragend. Sie schützt den Hals- Kopf und auch Gesichtsbereich ausgezeichnet und ich hab sie nicht nur im Schlafsack in Verwendung sondern bei stürmischer Witterung auch mal auf dem Marsch.



      Links unten am Foto ist eine meiner Wollmützen in klassischer Beanie-Form zu sehen. Sie besteht aus einem Wollmischgewebe welches neben Schaf- und Alpakawolle auch wärmendes Polyacryl sowie Polyamid zur Verbesserung der mechanischen Robustheit enthält. Idealer wären Beanie-Mützen mit einem Innenfutter oder zumindest einem Ohrband aus einer Lage Windstopper, da sie oftmals locker gestrickt und daher wenig windabweisend sind. Windstopper oder andere Liner aus winddichtem Microfleece sind aus Synthetikmaterial, rascheln daher stärker und schränken auch das Gehör etwas ein - sie verhindern Wärmeverlust aber weitaus zuverlässiger als reine Woll(misch)gewebe. Hab 2 solcher Mützen (Outdoor Research Spitsbergen, Hassing Watch Cap), konnte sie aber leider fürs Foto auf die schnelle nicht finden, sorry.

      Links oben ist eine Mützenform die man schon mal mit Russland verbindet - geschlossene Form, Ohrklappen m. Fixierband, Stirn gedoppelt, etc. Es ist dies aber die etwas abgespecktere Form die man normalerweise unter Jackenkapuzen trägt, welche aber ebenfalls bestens vor Kälte schützt. Das Modell heißt Bugøynes von Ulvang und ist innen satt mit wärmenden Polyesterfleece in Zotteloptik ausgestattet. Die äußere Schicht besteht aus Merinowolle, der Schnitt passt sich insgesamt gut an die Kopfform an und sie ist klein im Packmaß sollte man sie mal im Gepäck mitnehmen. Die klassischen russischen Bärenmützen fallen etwas größer aus und haben außen zusätzlich eine Schicht aus Stoffgewebe, sind also deutlich winddichter und bieten damit auch ohne Jackenkapuze ausgezeichneten Wetter- und Kälteschutz.

      So wie bei Handschuhen auch schadet bei Mützen ein Reserveteil ebenfalls nicht sollte mal was verloren gehen, durchnässt oder beschädigt werden.
      --------------------------------------------
      Frischluftdeppert
      .
    • Socken
      So wie Kopf, Hände und Finger soll auch der Fuß- und Zehenbereich besonders vor Kälte geschützt werden da diese Extremitäten am weitesten vom Körperkern entfernt sind mit den damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Versorgung mit warmen Blut. Die Füße stecken noch dazu in Schuhen welche die Durchblutung oftmals zusätzlich einschränken. Auf ausreichende Größe ist zu achten und bei winterlichen Bedingungen oder in arktischen Klimazonen sind schon mal deutlich dickere Wärmesocken mit am Start welche in den Schuhen untergebracht werden sollen. Sitzen die Stiefel im Sommer bereits knapp und sehr eng darf man sich nicht wundern wenn man damit in kälteren Gefielden sofort friert bzw. mit schwerwiegenderen Folgen zu rechnen hat. Bei mir haben sich Socken mit hohem Wollanteil bewährt und da Wolle mechanisch eher wenig robust ist kommen Mischgewebe zu Einsatz, vielfach eine 20%ige Beimischung von Nylonfäden.

      Die hellblau-grauen Socken ganz links am Foto unterhalb von Ulvang (Modell Marka) bestehen aus einem Mischgewebe aus Merinowolle, Bambusviskose, Nylon sowie Elasthan und sie sind im Grunde Trekkingsocken die ich in meinen Langlaufschuhen trage. Da vergleichsweise dünn ausgeführt bieten sie nur moderaten Kälteschutz, solange man in Bewegung bleibt reicht das aber normalerweise bei einstelligen Minusgraden völlig aus.

      Die braun-melierten Socken von Falke (Modell TK1 Wool) sind Trekkingsocken für den Winterbetrieb mit 80%igen Wollanteil und damit auch entsprechend warm. Sie fallen bereits dicker aus als die Ulvang Marka und ich hab ein wenig Mühe damit in meine eher engen und steifen Langlaufschuhe zu kommen. In Kombi mit Trekkingstiefeln sind sie eine gute Wahl.

      Die oliv-grauen Trekkingsocken von Falke (Model TK4) sind meine Lieblingsteile und ich hab sie Sommers wie Winters in Norwegen benutzt. Sie bestehen aus Mischgewebe mit höherem Anteil an Polyacryl und Schurwolle sowie Polypropylen, Polamid und Elasthan. Sie besitzen im Zehen- und Sohlenbereich Frottee das vergleichsweise dick ausfällt und sind damit nicht nur komfortabel sondern auch warm. Kann sie nicht nur für Trekkingstiefel sondern auch für übliche BC-Langlaufstiefel und -schuhe empfehlen!



      Die unscheinbaren grauen Teile ganz links am Foto schlagen das oberhalb gelistete in punkto Wärmeleistung und Preis deutlich. Das Modell nennt sich Raggsock und ist zumindest in Norwegen überall vom Baumarkt bis hin zum Sporthandel zu bekommen. Meine sind von National, ähnliches wird aber z.B. auch von Helly Hansen, Ulvang, uvm. angeboten. Kosten umgerechnet ca. 5-7 Euronen und bestehen aus 80% Schurwolle und 20% Polyamid/Elasthan. Ich liebe die einfach, obwohl die Optik eher an MOM's (My Mom's Own Socks) erinnert welche unsere Großmütter gerne mal selbst stricken! Auf Wintertouren sind 1-2 Paar mit am Start, nicht nur als Wärmesocken fürs Camp, sondern auch zum Schneeschuhen, etc.

      Die langen Socken welche quer liegen sind Spezialteile und fürs Tourenskifahren optimiert. Sie sind zwar vergleichsweise dünn, da Tourenskistiefel aber einen isolierten Innenschuh besitzten ist dies nicht weiter tragisch. Stellen wo höhere Druckbelastungen auftreten wie z.B. im Schienbeinbereich sind verstärkt und sie fallen länger aus um auch über hohen Skistiefel zu reichen.

      Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen möchte ich nochmals anführen dass auch bei Socken Reserveteile die wasserdicht verpackt mitgeführt werden keinesfalls unnötiger Ballast sind ;)

      Oberhalb wurden zahlreiche Wollteile vorgestellt, was nicht heißen soll dass nur dieses Material bei Kälte taugt. Einiges davon habe ich in Norwegen besorgt und Merinosachen sind dort tatsächlich vergleichsweise günstig zu bekommen. Wer also was vernünftiges vom Skandinavienurlaub mitbringen will sollte zugreifen sobald sich eine Gelegenheit bietet. Wasche meine Merinoteile mit Wollwaschmiteln und im Wollprogramm in der Maschine, Handwäsche ist nicht erforderlich und mir ist auch nix eingegangen oder zeigt ungewöhnliche Abnutzung durchs waschen. Um Wollkleidung vor Schadinsekten zu schützen befolge ich den Rat von @Konradsky (vielen Dank an dieser Stelle) und ich packe alles in Zip-Lock Bags, manchmal zusammen mit Duftblättern welche mit div. natürlichen Blütenextrakten versetzt sind und so den Wollgeruch zu verschleiern damit keine Motten angelockt werden.

      Abschlußbemerkungen
      Das Thema Winterausrüstung ist umfassend und vielfältig, ich hoffe ich konnte einen groben Überblick geben ohne dabei zu verwirren ;) Selbstverständlich wird für eine Wintetour in mitteleuropäische Gefilde nicht jedes einzelne Teil benötigt und man kann/ soll und muss sogar anpassen um dem jeweiligen Tourcharakter, Klimabedingungen, Geländeanforderungen, etc. gerecht zu werden. Einiges an meiner Ausrüstung ist schon ziemlich lange in Verwendung wie z.B. die bewährten Handschuhe aus Schladminger Walkwolle, anderes ist eher up-to-date, wie Arctic Bedding oder der Zeltsack von Hilleberg. Ich kombiniere gerne traditionelle Sachen mit modernem Gear, was problemlos funktioniert und keinen Widerspruch darstellt - man braucht nicht ständig Equipment welches den aktuell allerletzten Stand der Outdoorindustrie wiederspiegelt und ob sich das Zeug tatsächlich für jemanden eignet und seinen persönlichen Bedürfnissen auch gerecht wird zeigt sich sowieso erst in der Praxis auf Tour und keinesfalls in einem theoretischen Geartalk oder der Duchsicht von Produktspezifikationen ...

      Das vorgestellte Equipment soll beispielhaft bzw. stellvertretend gesehen werden, die Produktvielfalt am Markt ist schier unüberschaubar und jedes Jahr kommen neue Modelle und Materialien hinzu. Sämtliche Sachen wurden von mir selbst angeschafft und bezahlt, ich stehe weder mit Händlern noch irgendwelchen Herstellern in Kontakt - bekomme daher auch keinerlei Entschädigungen noch sonstige Zuwändungen für diese Art von 'Schleichwerbung' und ich will vor allem nix vom präsentierten Zeug an wen auch immer verkaufen. Hoffe mit dieser Erklärung sind nun sämtliche Klarheiten beseitigt ;)
      --------------------------------------------
      Frischluftdeppert
      .
    • Mensch @bugikraxn
      Was'n Wahnsinn Artikel! :thumbup:
      Habe ihn nur gerade durchgescrollt und werde ihn mir später verinnerlichen!
      Dafür brauche ich ja ne gute, halbe Stunde Zeit! ;)
      Dein Weihnachtsgeschenk ans Forum?!
      Vielen Dank, für diese Fleißarbeit, wo man bereits beim ersten durchscrollen die Qualität des Inhalts realisiert!
      Und zeitlich perfekt getimed, wo doch viele sich gerade mit der Planung ihrerer Wintertouren beschäftigen!
      Bin gespannt und freue mich drauf!

      Thks a lot! :danke:

      Nichts ist so gerecht verteilt, wie die Intelligenz!
      Jeder glaubt genug davon zu besitzen!
    • Chapeau :!: für diesen Artikel und :danke: für die Arbeit, die Du dir gemacht hast.

      bugikraxn schrieb:

      - SAM-Splint
      Diese Behelfsschienen kommen aus der Notfallmedizin und dienen zur Imobilisierung von verletzten Extremitäten.



      Im Prinzip eine formbare Aluschiene die mit einer dünnen Schicht Elastomer überzogen ist. Mit Skiern ist die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen höher und die Mitnahme solte man zumindest in Erwägung ziehen. Auf meinen Solotrips ist mir absolut bewußt dass ich bei einem Beinbruch die größte Mühe haben werde mir selbst eine Schiene mit dem SAM-Splint anzulegen - an div. anderen Improvisationsmöglichkeiten will ich erst gar nicht denken ... Besonders in Gruppen empfiehlt sich die Mitnahme, SAM Splints sind leicht und klein im Packmaß und finden sicherlich wo Platz zwischen anderem Gepäck!
      Ich bin ein Fan dieser SAM-Splinte. Daher würde mich noch interessieren, was Du zur Fixierung derselben mitführst?
      \m/
    • Ookami schrieb:

      Ich bin ein Fan dieser SAM-Splinte. Daher würde mich noch interessieren, was Du zur Fixierung derselben mitführst?

      Hierfür ist etwas Material in meinem EH-Kit mit dabei @Ookami, wie z.B. ein paar Fixier- und Mullbinden, wo ich immer mind. 2-3 Rollen á 6cm x 4m mitführe. Die Mullbinden z.B. in Kombi mit sterilen Wundauflagen um z.B. auch eine offene Wunde zu versorgen die dann unter dem SAM-Splint liegt. Für Fixierung der Schiene selbst wären die etwas stärkeren Universalbinden besser geeignet oder ähnliches aus robusten und wenig dehnbarem Gewebe (Rolle auf den Bandanas am Foto unterhalb). Nützlich und ebenfalls in meinem größeren Rucksackverbandspäckchen immer dabei ist 1 Rolle Heftpflaster in 2.5cm Breite sowie ein Dreiecktuch, manchmal hab ich auch eine Rolle starkes Tape mit wie es Sportkletterer verwenden.



      Selbstverständlich kann man auch andere Ausrüstung zweckentfremden wie z.B. eine Bandana oder ein Microfaserhandtuch, Duct Tape, etc. und eine Verbandschere ist mit dabei um gegebenfalls etwas zerteilen zu können um es passend zu machen. Hier ist durchaus Improvisationstalent gefordert da für die Schienung von einem Bein der Inhalt eines Erste Hilfe Päckchens vielfach nicht ausreichen wird.

      Nach den Erkenntnissen aus dem schweren Motocross Unfall von meinem Neffen letzten Mai mit gebrochenem Unterschenkel bin ich mir ziemlich sicher dass es denkbar schierig sein wird mich bei einem ähnlich gelagerten Bruch selbst adäquat zu versorgen und z.B. einen Skistiefel auszuziehen und einen SAM-Splint anzulegen - ist ein Handicap dass Solotouren so mit sich bringen ...
      --------------------------------------------
      Frischluftdeppert
      .
    • Danke dir für den sehr ausführlichen Bericht. :thumbsup:
      Habe wieder einiges mitnehmen können.

      Vielleicht ist es noch erwähnenswert, dass man auch Bindungen
      für Wanderschuhe an Langlaufskiern bekommen kann.
      Nicht sehr gebräuchlich, aber man braucht keine zusätzlichen Schuhe.
      Vielleicht für die interessant, welche nur kurz mal im Schnee verbringen wollen.

      Gruss
      Konrad
      Wer nicht will, findet Gründe, wer will, findet Wege!
    • Monoxilus schrieb:

      Also wenn Du mal Kurse gibst werden Dir die Leute die Bude einrennen.

      Ich möchte meine Outdooraktivtäten als rein hobbymäßig ohne Erwerbsabsicht verstanden wissen und dieses Feld definitiv Profis überlassen wie z.B. Bergführern, (Expeditions-)Reiseveranstaltern oder den Forenpartnern hier welche ja auch div. Kurse anbieten. Trotzdem vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen ;)

      Konradsky schrieb:

      Vielleicht ist es noch erwähnenswert, dass man auch Bindungen
      für Wanderschuhe an Langlaufskiern bekommen kann.
      So was gibt's und mein Großvater hatte solche Bindungen auf seinen Skiern die er gebrauchte wenn er sich durch den Schnee zu seinen Rehfütterungen aufmachte. Im Prinzip eine Haltebacke m. Lederriemen für den Vorderfuß mit einem Federbügel für die Ferse - funktioniert mit jedem etwas festeren Schuhwerk.

      Solche Bindungen sind aber hier wohl noch seltener als BC-Langlaufskibindungen, manchmal kriegt man sowas als Military Surplus (mit viel Glück). Aus dem militär. Bereich stammt z.B. eine Standardbindung mit einer Art Kunststoffbecher der den Zehenbereich umschließt und einem Fersenbügel welcher verhindert dass der Schuh aus der Bindung rutscht. Bin mir zwar nicht sicher, würde diese Bindung aber den Streitkräften aus Estland zuordnen?

      Seemann schrieb:

      Das ist die umfassenste Auflistung an Winterzubehör die ich kenne [...]
      Danke für die Blumen @Seemann. Genau das war der Anlass für diesen Faden, eine Art Kompendium zu verfassen. Man findet hier im Forum und auch an div. anderen Stellen im Internet, in Büchern, etc. ein bisschen was verstreut - meist wird das Thema aber nur gestreift und angeschnitten, so daß dennoch viele Fragen offen bleiben ...
      --------------------------------------------
      Frischluftdeppert
      .